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Zahlenzauber beim RKI

Zahlenzauber beim RKI

Die deutsche Politik nutzt Statistiken aus Großbritannien, um die Diskriminierung von Genesenen zu begründen — die Zahlen sagen aber etwas ganz anderes aus.

Es war eine große Überraschung, als das Robert Koch-Institut (RKI) plötzlich und unerwartet den Genesenenstatus von sechs Monaten auf drei Monate verkürzt hat. Einzelne Medien übten scharfe Kritik, vor allem da viele Menschen über Nacht, gänzlich ohne Vorwarnung, nicht mehr am öffentlichen Leben teilhaben durften. Aber wenn sich das Wissen in der Wissenschaft ändert, dann muss man auch die Maßnahmen an den aktuellen Stand anpassen.

Nach den Fragen, wie denn plötzlich der Sinneswandel gekommen sei, obwohl es bisher keinerlei Anzeichen für eine solche Anpassung gegeben hatte und beispielsweise in der Schweiz der Genesenenstatus erst kürzlich sogar auf ein ganzes Jahr verlängert wurde, reichte das RKI wenige Tage später wissenschaftliche Quellen für seine Entscheidung nach. Die Entscheidung basiert schließlich auf wissenschaftlichem Konsens, dem aktuellsten Stand der Forschung.

Das Robert Koch-Institut versichert auf seiner Homepage, dass alle Vorgaben regelmäßig überprüft werden und sich gemäß dem Stand der Wissenschaft ändern können. Nicht müssen.

Tatsächlich gilt der Genesenenstatus allerdings gar keine drei Monate, wie teilweise berichtet wurde, sondern lediglich 90 Tage. Das allerdings auch erst 28 Tage nach der Infektion. Praktisch bleiben somit nur 62 Tage übrig, in denen Genesene die wundervollen Vorteile der 2G-Welt auskosten können.

Aber schließlich hat alles Hand und Fuß. Deshalb hat das RKI auch drei beeindruckende Quellen für seine Entscheidung hinterlegt. Fangen wir mit Quelle 3 an: Da verweist das Robert Koch-Institut doch glatt auf sich selbst. Das Institut selbst weiß schließlich alles immer am besten. So verlinkt es auf das eigene Epidemiologische Bulletin und auf folgenden Hinweis der Stiko, die ebenso zum RKI gehört:

„Personen, die eine labordiagnostisch gesicherte SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben, sollen bis auf weiteres eine einmalige COVID-19-Impstoffdosis im Abstand von mindestens 3 Monaten zur Infektion erhalten.“

„Bis auf weiteres“ hört sich zumindest nicht sehr wissenschaftlich gesichert an. Ebenso ist „mindestens“ ja eine ziemlich dehnbare Beschreibung und erweckt den Eindruck, als sollte man sich wirklich nicht vor diesem Zeitraum impfen lassen. Wer sich zwei Jahre nach seiner Infektion impfen lässt, erfüllt die Empfehlung von „mindestens 3 Monaten“ weiterhin.

Aber, so ist das häufig in der Wissenschaft: Das RKI beweist, was es selbst sagt, nämlich dass man sich frühestens nach drei Monaten impfen lassen kann.

Entsprechend ist diese Quelle schon aussagekräftig genug und reicht eigentlich aus, um die Anpassung der Regelung zu begründen.

Doch wie ist es so oft in der Wissenschaft, eine einzige Quelle würde nicht wirklich seriös wirken. Also nennt das RKI noch zwei weitere Quellen. Da wir in Deutschland, bekanntermaßen, die Corona-Daten nicht sonderlich gut erfassen und auswerten, bezieht sich das RKI lieber auf unsere Freunde aus England. Obgleich die englische Regierung trotz ihrer Daten zu einer gänzlich anderen Einschätzung kommt und sogar die Maskenpflicht aufhebt, scheinen die Daten aus England zum Thema Genesung sehr gut zu sein. Also werfen wir einen Blick darauf.

In der zweiten Quelle bezieht sich das RKI auf die UK Health and Security Agency — quasi das englische RKI. Die haben am 14. Januar 2022 ihr 34. Technical briefing veröffentlicht, ein Dokument mit 36 Seiten. Aus welcher Seite das RKI seine Empfehlung abgeleitet hat, verrät es nicht, das ist in der Wissenschaft aber auch eher unüblich. Es verweist einfach auf ein umfangreiches Dokument. Wer wird sich schon die Mühe machen und das im Detail lesen?

Vermutlich hat sich das RKI auf die laufende SIREN-Studie berufen, die ab Seite 25 im Detail beschrieben wird. In England wurden seit Juni 2020 bei tausenden Krankenhausmitarbeitern alle zwei Wochen PCR-Tests durchgeführt, um die Inzidenz in dieser Gruppe detailliert verfolgen zu können. Gezählt werden alle positiven Tests, unabhängig von der Schwere der Erkrankung, ja, sogar unabhängig vom Vorhandensein von Symptomen.

Als genesen („prior infection“) gilt in England jeder, dessen positiver PCR-Test mindestens drei Monate her ist. Als genesen gilt man auch, wenn seit der Infektion bereits 1,5 Jahre vergangen sind. Die Daten sind also eine Mischkalkulation aus unterschiedlich langen Genesungsdauern. Daraus kann generell nicht geschlossen werden, ob man sich nach drei, sechs, neun oder zwölf Monaten wieder häufiger ansteckt. Aber wir schauen uns die Daten trotzdem noch etwas weiter an.

Auf Seite 28 findet sich eine detaillierte Übersicht über Omikron-Fälle, welche im Dezember 2021 dort aufgetreten sind:

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Teilt man also die Anzahl der Infektionen durch die jeweilige Anzahl der Teilnehmer, ergeben sich für den Dezember 2021 folgende Ansteckungsraten mit Omikron:

  • Nicht Geimpfte, nicht Genesene: 24 Prozent (21 von 87)
  • Nicht Geimpfte, aber Genesene: 14 Prozent (35 von 255)
  • Doppelt Geimpfte, nicht Genesene: 16 Prozent (182 von 1156)
  • Dreifach Geimpfte, nicht Genesene: 10 Prozent (937 von 9841)

Okay, daraus lässt sich tatsächlich schließen, dass genesene Menschen sich offensichtlich etwas häufiger anstecken als dreifach Geimpfte — aber seltener als doppelt Geimpfte. Man muss fairerweise aber hinzufügen, dass die Genesung bei diesen Menschen mindestens drei Monate bis zu 1,5 Jahren zurückliegt, während der Booster beim Großteil der Teilnehmer wohl nicht einmal drei Monate zurückliegt, so lange wird schließlich noch gar nicht geboostert.

Unabhängig von der schon fast skandalösen Tatsache, dass sich binnen eines Monats 10 Prozent der dreifach geimpften Teilnehmer ansteckten, stellt sich doch die Frage: Warum sollen doppelt geimpfte Menschen denn besser gestellt werden als Genesene, stecken sich genesene Menschen doch deutlich seltener an? Und wie häufig steckt sich wohl jemand an, wenn der Booster mindestens drei Monate zurückliegt? Gibt es dann überhaupt noch einen messbaren Unterschied?

Offensichtlich steckt sich jeder an, genesene Menschen aber doch nicht ganz so oft wie vom RKI behauptet. In wie weit die Prozentangabe bei nicht geimpften Menschen repräsentativ ist, ist fraglich, war es doch mit Abstand die kleinste Gruppe dieser Studie.

Aber dazu können wir die Daten der UK Health and Security Agency noch intensiver studieren, schließlich wird diese vom RKI als verlässliche Quelle verlinkt. Werfen wir also einen Blick auf den aktuellsten „Vaccine surveillance Report“ der UK Health and Security Agency, erschienen ebenfalls am 14. Januar 2022.

Bekannt ist, dass wir in Deutschland vom Großteil der Corona-Fälle den Impfstatus nicht kennen. Manche Behörden lasten dann gerne mal alle Infektionszahlen den nicht geimpften Mitbürgern an, obgleich gar keine Daten dafür vorliegen.

In England verfährt man da deutlich genauer. Auf Seite 39 finden wir eine Übersicht über alle Corona-Fälle der Wochen 50/2021 bis 1/2022. Die Daten decken sich somit ausgesprochen gut mit den Daten der vorherigen Übersicht der SIREN-Studie.

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Betrachtet man die Daten für Erwachsene, kommt man zu folgendem Ergebnis:

Bei insgesamt 2,7 Millionen vorliegenden Infektionen in England ist der Impfstatus von 189.614 Menschen unbekannt. Das entspricht 7,1 Prozent. Entsprechend ist von 92,9 Prozent aller Fälle der Impfstatus bekannt, da kann das RKI wahrlich neidisch auf die Daten aus England blicken.

Von den 2,5 Millionen bekannten Infektionen waren 292.438 Menschen nicht geimpft, das entspricht 12,3 Prozent. 2,2 Millionen Menschen, die sich infiziert hatten, waren geimpft, der überwiegende Großteil mindestens zweifach. Das entspricht einem Anteil von 87,7 Prozent der Infektionen unter den Geimpften.

Auf Seite 41 findet man die Corona-Todesfälle in England:

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Erneut neidische Blicke aus dem RKI — die Engländer kennen den Impfstatus von 99.2 Prozent aller Corona-Todesfälle. Nur bei 0,8 Prozent ist der Impfstatus unbekannt. Gemäß der Daten der UK Health and Security Agency sind in England 29 Prozent der Corona-Todesfälle nicht geimpft, während 71 Prozent aller Corona-Todesfälle geimpft waren, hauptsächlich mindestens doppelt geimpft.

Omikrons Hospitalisierungsrisiko

Aber wir schweifen vom Thema ab, wir wollten doch eigentlich wissen, warum Genesene jetzt nur noch 62 Tage statt bisher 6 Monate genesen sind. Und dafür werfen wir einen Blick auf die letzte Quelle, die das RKI auf seiner Homepage zur Rechtfertigung der Maßnahme angibt:

Eine weitere Studie aus dem Vereinigten Königreich untersucht das Hospitalisierungsrisiko in England im Falle einer Omikron-Infektion, veröffentlicht am 22. Dezember 2021. Diese analysiert alle Fälle in den ersten beiden Dezemberwochen, also wieder passend zu den Daten der vorherigen Berichte. Speziell für Omikron wurde geprüft, in wie weit eine vorherige Infektion oder eine Impfung konkret vor einer Hospitalisierung schützt.

Als Hospitalisierung wurden Krankenhausaufenthalte von mindestens einem Tag gezählt. Also alle stationären Fälle, also nicht beschränkt, beispielsweise auf Intensivfälle.

„Using a hospital stay of 1+ days as the endpoint, the adjusted estimate of the relative risk of reinfections versus primary cases is 0.31, a 69 percent reduction in hospitalisation risk (Table 2).“

So schützt also eine früher durchgemachte Infektion, unabhängig davon wie lange diese Infektion her ist, zu 69 Prozent vor einem Krankenhausaufenthalt. Dieser hohe Prozentsatz hat auch die Mitarbeiter des RKI offensichtlich so beeindruckt, dass sie ihn gleich als Beleg dafür genutzt haben, um den Genesenenstatus entsprechend drastisch einzuschränken.

Auf Seite 8 werden die Daten übersichtlich aufbereitet, damit sich wirklich jeder selbst ein Bild über den Schutz vor einer Hospitalisierung aufgrund einer Omikron-Infektion machen kann:

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Wir schauen uns erst einmal die „Uncorrected“ Daten an — also die tatsächlich aufgezeichneten Daten, ohne jegliche Anpassungen.

Als erste Gruppe betrachten wir die nicht geimpften Menschen — hier gab es 9.585 Omikron-Fälle, von denen 56 im Krankenhaus behandelt werden mussten.

Unter den 9.585 Fällen waren 18,6 Prozent Genesene, unter den Hospitalisierungen waren es 8,9 Prozent.

Daraus lässt sich folgendes Hospitalisierungsrisiko ableiten:

  • Nicht Geimpfte, nicht Genesene: 7.802 Fälle, davon 51 Hospitalisierungen = 0,65 Prozent
  • Nicht Geimpfte, Genesene: 1.783 Fälle, davon 5 Hospitalisierungen = 0,28 Prozent
  • Doppelt Geimpfte (Biontech), nicht Genesene: 19.601 Fälle, davon 56 Hospitalisierungen = 0,29 Prozent
  • Dreifach geimpfte (Biontech), nicht Genesene: 2.270 Fälle, davon 10 Hospitalisierungen = 0,44 Prozent

Entsprechend hatten ungeimpfte Genesene das niedrigste Risiko für eine Hospitalisierung, vergleichbar mit doppelt Geimpften. Das Risiko liegt sogar deutlich niedriger als bei dreifach geimpften Menschen. Doch es gibt auch noch die „corrected“ Daten. Hier haben die Studienautoren noch eigene Annahmen einfließen lassen — nämlich, dass es ja viele Menschen gibt, die sich in der Vergangenheit bereits angesteckt hatten, also genesen sind, obwohl sie es gar nicht wissen. Obgleich das nur Annahmen der Autoren sind, wollen wir sie nicht unterschlagen, schließlich hat das RKI diese als Quelle für ihre kürzlichen Anpassungen genannt.

Daraus ergeben sich dann folgende angepassten Daten:

  • Nicht geimpft, nicht genesen: 1,06 Prozent Hospitalisierungsquote
  • Nicht geimpft, genesen: 0,22 Prozent Hospitalisierungsquote
  • Doppelt geimpft, nicht genesen: 0,35 Prozent Hospitalisierungsquote
  • Dreifach geimpft, nicht genesen: 0,44 Prozent Hospitalisierungsquote

Hier scheint die Genesung noch bedeutend besser zu schützen. Aber solche Datenanpassungen sind trügerisch, sollten mit Vorsicht genossen werden. Schließlich handelt es sich um reine Mutmaßungen, die auch zu falschen Schlüssen führen können.
Die letzte Quelle des RKI besagt also, dass eine natürliche erworbene Immunität deutlich besser vor einer Hospitalisierung schützt als die Biontech-Impfung.

Entsprechend hat das RKI in seiner Quellensammlung eindrucksvoll dargestellt:

Genesene, nicht geimpfte Menschen erkranken ähnlich oft wie geimpfte Menschen und erkranken am seltensten schwer. Da bleiben eigentlich kaum noch Zweifel an der Entscheidung des RKI, dass genesenen Menschen spätestens nach 62 Tagen die Teilnahme am öffentlichen Leben verboten werden sollte.

Generell bleiben keine Zweifel an all den Maßnahmen unserer Regierung. Die Impfung ist schließlich der einzige Weg aus der Pandemie. Die Zahlen belegen doch eindrucksvoll:

87,7 Prozent der Corona-Neuinfektionen betreffen Geimpfte, nur 12,3 Prozent sind Ungeimpfte. 71 Prozent der Todesfälle betreffen Geimpften, selbst nach dem heiligen Booster infizieren sich noch 10 Prozent der Geimpften binnen nur eines Monats, und generell: Die Abweichungen der Infektionsraten zwischen Geimpften und Ungeimpften liegen zwischen 10 und 20 Prozent, die Abweichungen der Hospitalisierungsraten zwischen 0,6 und 0,2 Prozent. Rechtfertigt das überhaupt noch irgendwelche Maßnahmen?

Die englische Regierung, die wohl ihre eigenen Daten ebenfalls nutzt, um politische Entscheidungen zu treffen, hat sich jedenfalls bereits vor Monaten für einen Freedom Day entschieden. Trotz hoher Omikron-Infektionszahlen schafft sie gar im Januar die Maskenpflicht ab. Nur in Deutschland geht das nicht. In Deutschland wollen wir lieber gemeinsam und solidarisch diejenigen ausgrenzen und diskriminieren, die Zweifel an der grenzenlosen Wirkung der Impfung haben.

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