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Wir sind Frieden

Wir sind Frieden

Andrea Drescher stellt unbekannte Friedensaktivisten vor, die im Kleinen die Welt verbessern. Teil 9.

Andrea Drescher: Du bist über die Medienpsychologie in die Friedensbewegung gekommen?

Madeleine Munique: Ja. In der Ausbildung lernt man die Methoden der Werbung, die beim Design — über Ton, Farbe, Licht et cetera — eingesetzt werden. So wird die Farbe Grün mit Bio und Fairtrade assoziiert – der Grund, warum eine Fastfood-Kette ihr Logo farblich entsprechend geändert hat. Unterbewusste Manipulation findet ständig statt. Darum kläre ich über Manipulationsmethoden auf.

Wie tust du das?

Ich schrieb beispielsweise Medienanalysen über manipulative Artikel zur Ukrainekrise und dem Nahen Osten. Immerhin müssen Profiteure von Krieg ständig neue Methoden entwickeln, um die Menschen von diesen zu überzeugen. Kriege sollen uns als unumgänglich verkauft werden. Verkauft, weil es sich bei Kriegen krankerweise um ein Geschäftsmodell des Militärisch-Industriellen Komplexes handelt.

Die „Brutkastenlüge” ist nur ein Beispiel für die gezielte Manipulation hin zum Kriegseinsatz. Hierbei werden grausame Bilder in falschem Kontext gezeigt und mit bewussten Lügen wird großes Leid entfacht. Auch sprachliche Stilmittel spielen eine wichtige Rolle. Über diese Methoden und Stilmittel kläre ich auf.

Zudem begleite ich bundesweit unterschiedlichste Projekte und Menschen. Am 16. Juni 2018 (das Interview wurde bereits vorher geführt, Anmerkung der Redaktion) findet beispielsweise in Nürnberg eine Demo zum Thema „Freier Impfentscheid” statt, bei der ich organisatorisch helfe. Ich habe mir ein wirklich gutes Umfeld geschaffen, um gezielt ganzheitliche Informationen zu teilen. Mein Hauptthema ist inzwischen aber das Erkennen und Auflösen von Ängsten geworden.

Angst als Hauptthema, wie meinst du das?

Als Mensch habe ich erkannt, dass Angst die Ursache für sämtliches Leid in der Welt ist. Sie verursacht Angriff, Flucht oder gar Stillstand. Angst löst Wut, Gewalt, Neid, Hass und Krieg aus. Aus Angst die öffentliche Anerkennung, den Arbeitsplatz oder die finanzielle Grundlage zu verlieren, schweigt der Mensch gedemütigt, statt zivilen, friedlichen Widerstand zu leisten. Unser aktuelles System basiert auf Angst und wird durch unsere Ängste erhalten. Selbst die sogenannten Eliten haben große Verlustängste, da sie sich nur über Materielles oder künstliche Zahlen definieren können.

Man sagt: „Wo ein Wille, da ein Weg”. Doch der Wille zum Frieden allein reicht nicht aus, wenn die Ursachen für Krieg nicht verstanden sind. Nur wenn die Ursache einer Krankheit bekannt ist, kann diese ganzheitlich Heilung erfahren. Leider werden aber noch viel zu oft Symptome bekämpft und Ursachen teils bewusst vernachlässigt. Wer über diese Bescheid weiß, kann sofort Verantwortung übernehmen und muss sich nicht mehr an ihnen beteiligen. Hierzu ermutige ich die Menschen.

Inwiefern?

Es geht darum, das „SelbstBewusstSein“ durch Erkennen und Auflösen von Ängsten zu fördern. Einer meiner Leitfäden hierzu lautet „Inspirieren statt Missionieren”.

Kannst du ein Beispiel dafür geben?

Natürlich. Als Veganer möchte man die Menschen gegebenenfalls dazu bewegen, tierische Produkte zu meiden. Dies erreicht man jedoch nicht, wenn man das fleischessende Gegenüber als „Tiermörder” beschimpft oder im Internet öffentlich diffamiert. Das fördert eher Angst und Widerstand. Friedlicher und effektiver ist es, wenn man stattdessen zu einem veganen Abendessen einlädt und die Gäste inspiriert. Man überlässt dem anderen damit auch Eigenverantwortung. Empathie wächst durch eigene Erfahrungen. Das alles versuche ich bei meiner Arbeit, an der ich auch selbst ständig wachse, deutlich zu machen.

Du tust etwas für andere und damit für dich selbst?

Mein Motto ist: Indem wir einander dienen, werden wir frei. Ein sehr friedensförderndes Prinzip. Es stammt von den Rittern der Tafelrunde. Auf meinem Blog MIND OF HEART teile ich meine Erkenntnisse mit den Menschen, versuche das gerade beschriebene „BewusstSein“ zu fördern und schreibe mir gleichzeitig vom Herzen, was mich bewegt.

Worauf sollte man aus deiner Sicht besonders achten?

Es wird zu viel Energie in das Bekämpfen von Auswirkungen gesteckt und Ursachen werden dabei oft übersehen, auch weil die Fakten systematisch unterschlagen werden und Angst gestreut wird. Nehmen wir den Begriff „Anti-Amerikanismus”, mit dem man als Kritiker oft diffamiert wird. De facto geht es um die US-Politik und ihre weltweiten Auswirkungen. Der Begriff des „Anti-Amerikaners”, der von den Medien eingesetzt wird, vermittelt aber fälschlicherweise den Eindruck, dass man etwas gegen die US-Bürger oder gar alle Amerikaner hätte.

Hier ist ein bewussterer Umgang mit Begrifflichkeiten gefragt. Wir sollten uns deshalb über die angewandten Methoden der Angst bewusst werden und sie durchschauen. Der Mensch lernt zudem, nach Normen zu leben. Was normal ist, muss aber noch lange nicht natürlich sein. Der Trend sollte also mehr in Richtung Natürlichkeit gehen.

Ist das nicht sehr viel von den Menschen verlangt?

Wir sollten uns wirklich mehr zutrauen und weniger voneinander erwarten. Ich baue auf unsere Wandlungsfähigkeit. Auf Symptomen herumzureiten und diese chronisch werden zu lassen, wird uns keinen Frieden bringen. Ich bin selbst mein größtes Projekt. Schön ist es, wenn sich andere etwas abschauen oder mich im Gegenzug inspirieren. Es ist ein Angebot, wie Vera F. Birkenbihl mal gesagt hat. Ein Supermarkt, bei dem sich Menschen in den Regalen bedienen, die Produkte aber auch stehen lassen können.

Das klingt für manche Ohren etwas esoterisch, wie siehst du das?

Eine Revolte, die aus einem Angstreflex heraus entsteht, ist keine Lösung. Die gelebte Wut würde quasi für Ursachen blind machen und letztlich nur einen anderen Systemvertreter ins Amt heben. Wir brauchen eine Evolution und viel Geduld, ohne zu dulden. Herz und Verstand sollten deshalb wieder in Einklang gebracht werden. Und natürlich mache ich meinen Mund auf, wenn Unrecht zu Recht wird, aber immer auf die Ursache fokussiert. Entsprechend respektvoll führe ich auch Diskussionen — fort vom System Angst, hin zum Prinzip Liebe.

Dann wünsche ich dir und deiner Umwelt viel Angstfreiheit!


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Madeleine Munique, Jahrgang 1990, geboren in Nürnberg, lebt in Fürth, Medienberaterin mit Schwerpunkt Design und Medienpsychologie, seit November 2017 Mutter. Interessiert an Reisen, Sprachen, Heilkunde, Kunst und Musik.

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