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Warum hassen die USA den Frieden?

Warum hassen die USA den Frieden?

Die USA geben dem Frieden in Korea keinerlei Chance.

Give peace a chance, bittet der Song.

Aber die Vereinigten Staaten lassen das nicht zu.

Olympische Diplomatie scheint auf der koreanischen Halbinsel im Gange zu sein. Nachdem südkoreanische Gesandte Pyongyang besucht hatten, gaben sie ein vielversprechendes Communiqué heraus. „Die nordkoreanische Seite hat ihren Willen zur atomaren Abrüstung klar bekundet“, lautete das Statement. Angesichts der Tatsache, dass die Koreakrise und ein dämliches Notfallmanagement dazu geführt hatten, dass die Hawaiianer vor einigen Monaten in der Kanalisation Zuflucht suchten, sind dies wahrlich erlösende Nachrichten.

Doch die Sache hat einen Haken. Die südkoreanische Erklärung fährt wie folgt fort:

„[Nordkorea] machte deutlich, dass es für den Besitz von Nuklearwaffen keinen Grund hätte, wenn die militärische Bedrohung Nordkoreas aufhörte und seine Sicherheit garantiert würde.“

Die DPRK sagt also – vernünftigerweise – wir werden unsere Nuklearwaffen nur beseitigen, wenn ihr versprecht, nicht bei uns einzumarschieren. Zwei Länder müssten diese Garantie geben: Südkorea und die Vereinigten Staaten.

Dies stünde im diametralen Widerspruch zur langjährigen US-Außenpolitik, die klipp und klar und wiederholt erklärt, dass der Gebrauch militärischer Gewalt immer eine Option ist, wenn wir, die USA, unsere Interessen in einer internationalen Auseinandersetzung nicht durchsetzen können.

Kim Jong-Un hat allen Grund, Angst vor uns zu haben. In einer Rede vor den Vereinten Nationen drohte Präsident Trump damit, Nordkorea „völlig zu zerstören“. Präsident George W. Bush erklärte Nordkorea zu einem Teil der „Achse des Bösen“; in den Irak, einen der beiden anderen angeblichen Bösewichte, sind wir einmarschiert und halten es noch immer besetzt. Nachdem wir den irakischen Präsidenten abgesetzt und seine Exekution ermöglicht hatten.

Letzte Woche veröffentlichte Bushs UN-Botschafter John Bolton eine juristische Argumentation für einen Atomangriff auf Nordkorea ohne jegliche vorausgegangene Provokation. Ob man es glaubt oder nicht, so sieht die weiche Seite der US-amerikanischen Außenpolitik aus.

Seit Jahrzehnten versucht Südkorea, seine Beziehung zum Norden zu entspannen. Nicht selten hat es den Wunsch formuliert, die formalen Feindseligkeiten zu beenden, die juristisch seit Ende des Koreakrieges bestehen, und sich dem langfristigen Ziel eines vereinten Korea unter einer Regierung zu nähern.

Und seit Jahrzehnten stehen die USA diesem Ziel im Wege und versuchen krampfhaft vernünftig zu wirken, während sie den Frieden bekämpfen. „Wir bemühen uns nicht, die Wiedervereinigung zu beschleunigen“, sagte ein Sprecher des Außenministeriums kürzlich.
So kann man es auch ausdrücken.

“Die Verhandlungen zwischen Süd- und Nordkorea sind untrennbar mit den Beziehungen zwischen Nordkorea und den USA verbunden“, so der südkoreanische Präsident Kim Dae Jung im Jahr 2001, nachdem Bush den Dialog mit dem Norden abgebrochen hatte.

Der Süden, der auf die mehr als 20.000 Mann starken US-Truppen entlang seiner nördlichen Grenze angewiesen ist, war gezwungen, seinerseits die Verhandlungen mit dem Ziel der Wiedervereinigung auf Eis zu legen.

1985 übte die Reagan-Regierung Druck auf ihren südkoreanischen Bündnispartner aus, die Gespräche zur Wiedervereinigung abzubrechen.

Nixon tat das Gleiche 1974. Nach Nixons Rücktritt im Laufe dieses Jahres stellte sich Präsident Gerald Ford einer UN-Resolution zur Demilitarisierung der Grenze durch den Rückzug der US-Truppen entgegen.

Selbst der angeblich ach so vernünftige Barack Obama weigerte sich, den Südkoreanern Gehör zu schenken, die Frieden (sowie längst verloren geglaubte Verwandte in Nordkorea besuchen) wollen. Bei der 60-Jahr-Feier des Waffenstillstandes nach dem Koreakrieg drohte Obama damit, die Kriegshunde von der Leine zu lassen:

„Die Vereinigten Staaten werden für immer das mit Abstand stärkste Militär, das die Welt jemals kannte, beibehalten. Ja, das werden wir.“

Obama verhinderte jedoch ein Treffen zwischen Nord- und Südkorea zur Beilegung ihrer Meinungsverschiedenheiten. Vor einer Verhandlung, so Obama, müsste Nordkorea nuklear abrüsten. Danach bräuchte es aber natürlich gar keine Verhandlungen mehr, weil Regime Change doch so einen Heidenspaß macht!

Weshalb, so könnte sich ein vernünftiger Mensch an dieser Stelle fragen, sollten die politischen Entscheidungsträger in den USA einen Dritten Weltkrieg riskieren wegen zweier Länder, die nicht müde werden zu sagen, dass sie Frieden schließen und wieder zusammenrücken wollen?
Meiner Ansicht nach kommt eine Analyse der geopolitischen Denkfabrik Stratfor aus dem Jahr 2007 dem am nächsten, was tatsächlich im Washingtoner Klüngel läuft.

„Die globale Lage lässt sich einfach beschreiben. Die Vereinigten Staaten haben eine überwältigende Macht. Sie nutzen diese Macht, um zu verhindern, dass irgendwelche konkurrierenden Mächte emporkommen. Daher sind sie fortwährend damit beschäftigt zu intervenieren, politisch, ökonomisch und militärisch. Der Rest der Welt versucht, die Vereinigten Staaten einzuhegen und zu kontrollieren. Keine Nation kann das alleine bewirken, und daher gibt es andauernd Versuche, Bündnisse zur Eindämmung der USA zu schließen. Bislang waren diese Bündnisse zum Scheitern verurteilt, weil potentielle Bündnispartner mittels US-amerikanischer Drohungen oder Anreizen abgehalten werden können, solche Bündnisse einzugehen.“

Die USA sind der große globale Störer.

„Angesichts aufstrebender Mächte verfolgen die USA ein Dreistufenprogramm. Zunächst die Unterstützung schwächerer Mächte, um die aufkommenden Hegemonialmächte einzudämmen und unbemerkt zu schwächen. Zweitens die Errichtung formeller Vereinbarungen mit diesen Mächten. Schließlich, so notwendig, die Entsendung verhältnismäßig kleiner US-Truppen nach Eurasien, um die Großmächte zu blockieren und Regionen zu destabilisieren.“

Der Iran ist zum Beispiel der aufkommende Hegemon im Mittleren Osten. Die USA unterminieren den Iran mittels Handelssanktionen, unterstützen Rivalen wie Saudi Arabien und entsenden US-Truppen in die Nachbarländer Afghanistan und Irak.

Auf ähnliche Weise irritieren die USA China, indem sie Taiwan unterstützen und neue US-Basen in der Region errichten. Indien spielen wir gegen Pakistan aus, Europa gegen Russland.

Ein vereinigtes Korea würde ein neues Machtzentrum bilden, einen potentiellen wirtschaftlichen Konkurrenten der USA im pazifischen Raum. Und so drohen die USA dem Norden („totale Zerstörung“) und bieten dem Süden Anreize (kostenlose Grenzsicherung).

All das wäre beinahe witzig, wäre es nicht so krank. Ein Hoch auf den Tag, an dem die beiden Koreas uns Amerikaner durchschauen!


Ted Rall, Jahrgang 1963, ist Autor und Karikaturist der Website ANewDomain.net. Er schrieb die Biographie „Snowden“ über den NSA-Whistleblower und gewann etliche Preise für seine Zeichnungen und seine Artikel.


Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text erschien zuerst unter dem Titel „Why Does the US Hate Peace". Er wurde vom ehrenamtlichen Rubikon-Übersetzungsteam übersetzt und vom ehrenamtlichen Rubikon-Korrektoratsteam lektoriert.

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