Zum Inhalt:
Unteilbare Menschlichkeit

Unteilbare Menschlichkeit

Wollen unabhängige Medien glaubwürdig für Frieden und Freiheit eintreten, dürfen sie auch das Handeln Wladimir Putins jetzt nicht von der Kritik ausnehmen.

Nein, wir sind in der Vergangenheit nicht zu ungnädig mit der NATO umgesprungen, dem destruktivsten Militärbündnis der Welt; es wird jedoch angesichts der aktuellen Geschehnisse Zeit, uns zu überlegen, ob wir, auch in der Rubikon-Zentralredaktion, Putin nicht lange Zeit zu schonend behandelt haben. So als machten die Verbrechen der einen Seite die der anderen gegenstandslos. Menschlichkeit ist unteilbar — man kann nicht Unmenschlichkeit West ignorieren und Unmenschlichkeit Ost geißeln oder umgekehrt.

Es stimmt, dass die Öffentlichkeit eine komplementäre Perspektive braucht, um das ganze Bild zu erfassen. In diesem Fall ist es wichtig, auch die Sichtweise der russischen Führung aufzuzeigen. Der Rubikon hat zu den Verbrechen der Westallianz nicht geschwiegen. Ebenso haben wir das Leiden der Menschen in den ostukrainischen Provinzen und die Brutalität rechtsgerichteter Kräfte im Land thematisiert. Unsere Leser kennen sich damit schon recht gut aus.

Nun muss aber auch einmal das Offensichtliche ausgesprochen werden, muss quasi der Elefant im Raum benannt werden, den keineswegs alle gerne sehen wollen: Wladimir Putin hat schwere Schuld auf sich geladen, indem er sich auf das Niveau seiner Gegner hinabbegeben und einen Angriffskrieg begonnen hat. Beide Seiten sind aus Sicht der Menschlichkeit zu verurteilen.

Es ist hilfreich, einen großen historischen Bogen zu spannen. Frieden setzt immer die Bereitschaft voraus, sich in die Position des jeweils anderen einzufühlen — auch und gerade dann, wenn sein Verhalten zunächst schwer verständlich erscheint. Nach der notwendigen Rückschau auf die bewegte Geschichte der Ukraine, Russlands und Europas müssen wir aber auch bereit sein zu fragen: War der Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine jetzt und in dieser Weise nötig? Und vor allem: Wie geht es den vom Krieg betroffenen Menschen, einschließlich der dafür missbrauchten russischen Soldaten?

Die Schockstrategie

Krieg ist stets Teil einer Schockstrategie. Es wird getötet, verstümmelt und zerstört — vermutlich in diesem Augenblick, wenn Sie dies lesen. Menschen werden schwer traumatisiert oder auf der Seite des Angreifers in Taten verwickelt, die ihre Seelen schwer schädigen. Es wird Dreck in die Luft geblasen, unglaublich viele Werte werden vernichtet, die Staaten rüsten auf und verschulden sich, mit Folgen, an denen noch Generationen zu knabbern haben werden.

Auf allen Seiten — also in Russland, in der Ukraine und im Westen — werden die Bürger mit Kriegspropaganda überflutet, auf Krieg eingeschworen, verängstigt, mit Hass erfüllt. Die Militarisierung des öffentlichen Raums schreitet voran, die Wehrpflicht ist in Deutschland wieder im Gespräch. Sicher wird man auch den Überwachungsstaat weiter ausbauen, Andersdenkende stigmatisieren, das Land zur Heimatfront erklären, die Menschen durch endlose Reihungen ähnlich gearteter quälender Bilder und Informationen verstören.

Unsere Köpfe werden schon jetzt von Bildern und Gedanken zum Thema Ukraine und Putin besetzt, sodass wir uns kaum mehr konstruktiven Projekten zur Verbesserung unserer eigenen Gesellschaft zuwenden können — von den schönen Dingen des Lebens ganz zu schweigen.

Putin, Biden und Konsorten kolonialisieren unser Bewusstsein, vergiften unsere Gedanken, saugen uns Energie ab, die wir wahrlich für Wichtigeres und Schöneres bräuchten. Es werden wieder Befehle gebrüllt, Hacken zusammengeschlagen, dressierte, durch ihre Ausbildung entmenschlichte Soldaten schießen auf ihre Brüder und Schwestern, denen sie nie zuvor begegnet waren. Das Militär ist schon in der Art seiner Durchführung grauenhaft — unabhängig von den Zielen, für die es eingesetzt wird.

Ende des „Schonwaschgangs“

Es ist jetzt wichtig, radikal immer von unten auf ein Geschehen blicken. Aus der Perspektive derer, auf die der Stiefel selbstgerechter Machthaber gerade tritt. Wir müssen die Gefühle der einzelnen, nach Glück und Frieden verlangenden Menschen ins Auge fassen, auf deren Rücken Despoten wie über eine Treppe zu noch größerer Machtvollkommenheit aufsteigen wollen.

Zu sehr betrachten wir politische Prozesse noch immer als „Königsdramen“ oder analog zu einem Boxkampf — Putin gegen Biden oder Putin gegen Selinskyi. Und sehen dabei nicht, wie die Soldaten in den Militärlagern vor Todesangst und Gewissensqualen schwitzen. Wie Bürger, herausgerissen aus ihrem Alltag und in die Schächte von Untergrundbahnen als letzte Zuflucht verbannt, um ihr Leben, um ihr Hab und Gut, um ihre Kinder bangen. Wir müssen aufhören — auch wenn dies teilweise nur unbewusst geschieht — Mächtigen allein wegen ihrer Macht größere Legitimität zuzusprechen, als wir dies bei anderen Menschen täten.

Einer der erfahrensten Politiker auf der internationalen Bühne jedenfalls benötigt keinen journalistischen Welpenschutz mehr. Putin wusste, was er tat, und er hat auf furchtbare Weise das Falsche getan. Nehmen Sie einmal an, es gäbe einen Menschen in ihrem privaten Umfeld, den Sie trotz seiner Fehler immer bewundert und gegen Kritik verteidigt haben. Dann erfahren Sie, dass dieser für den Tod Tausender von Menschen verantwortlich ist. Würden Sie dann einfach so weitermachen — Business as usual? Oder wäre es nicht an der Zeit, Ihre Beziehung zu besagter Person zu überdenken, sich die Frage zu stellen, ob Sie ihn nicht die ganze Zeit idealisiert haben?

Jetzt muss gelten: Weiter massive Gegenwehr gegen die westlichen „Global-Leadership“-Ambitionen, aber kein Schonwaschgang mehr für Putin, der all jenen, die lange zu ihm gehalten haben, mit seinen neuesten Aktionen im Grunde ins Gesicht geschlagen hat!

Notwendiger Freundbildabbau

Wladimir Putin wurde häufig als möglicher Partner von Friedensanstrengungen sehr gnädig behandelt. Dies ist vom Ansatz her richtig, denn jedem Krieg geht die Kreation von Feindbildern voraus. Man muss diese also rechtzeitig dekonstruieren, will man Schlimmeres verhindern. Ein integrer Journalismus zeichnet sich aber nicht dadurch aus, dass er einen der Akteure in einem Konflikt nach dem Motto „Mach meinen Kumpel nicht an“ um jeden Preis in Schutz nimmt. Wir sind keine Strafverteidiger, die von Berufs wegen ihren Mandanten — in diesem Fall also Putin — in ein möglichst rosiges Licht tauchen müssen.

Aufgabe von Journalisten ist es einzig und allein, dem Gegenstand ihrer Betrachtung gerecht zu werden. Und Gerechtigkeit kann und sollte Kritik miteinschließen. Wir sind ja keine Diplomaten, deren Aufgabe es generell ist, die Ecken und Kanten eines Konflikts abzuschleifen und eine gegebene Situation eher weichzuzeichnen. Wir sind Journalisten, deren Daseinsberechtigung sich aus Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit und Furchtlosigkeit ableitet.

Wir riskieren sicher keine militärische Eskalation, wenn wir die Samthandschuhe, mit der wir Putin bisher angefasst haben, ausziehen. Es wird sowohl dem russischen Präsidenten als auch seinen westlichen Kontrahenten egal sein, was relativ unbekannte deutsche Journalisten schreiben. Vielmehr riskieren wir unsere Glaubwürdigkeit, wenn wir unser Eintreten für Frieden und Menschenrechte ausgerechnet in diesem einen Fall in den Urlaub schicken.

Ja, welches Recht hätten wir noch, für diese Werte einzustehen, wenn wir sie zur Unzeit hinter eine falsch verstandene Solidarität mit dem Kremlchef zurückstellen? Wir zerstören damit quasi den „Predigtstuhl“, von dem aus wir seit Jahren für Frieden und Menschlichkeit einzustehen versuchen.

Das gilt auch für den Kampf um mehr Freiheit, die eines der der ersten Opfer in jedem Krieg ist. Wer in der Coronakrise für das Selbstbestimmungsrecht der Bürgerinnen und Bürger eingetreten ist, sollte es nicht gleichmütig abnicken, wenn ein militärischer Angriff die Freiheit von Millionen direkt oder indirekt betroffenen Menschen mit Füßen tritt. Die Freiheit russischer Soldaten, nicht auf ihre Brüder in einem Nachbarland schießen zu müssen. Die Freiheit der ukrainischen Bevölkerung, ohne die Angst vor Tod, Zerstörung und Unterwerfung durch eine fremde Macht leben zu können. Die Freiheit der Bürger im Westen, über ihr sauer erwirtschaftetes Steuergeld selbst zu verfügen und nicht zusehen zu müssen, wie es in wahnwitzige Rüstungsprojekte fließt.

Und nicht zuletzt auch die geistige Freiheit, über etwas anderes nachdenken zu können als über Krieg und Leid. Schon werden wieder unbequeme Medien verboten, wird das Spektrum des „Sagbaren“ in der Öffentlichkeit eingeschränkt, werden Russinnen und Russen unabhängig von ihrer persönlichen politischen Meinung in Deutschland beschimpft und boykottiert. Die an Ungeimpften erprobten Diskriminierungsformen werden bedenkenlos an den Russen ausagiert.

Zeit zum Innehalten

Dennoch Wir müssen uns als „alternative“ Medien überlegen, ob wir uns hauptsächlich als Verteidigungsfront gegen „Putin-Bashing“ betrachten oder ob wir uns nicht besser vor alle leidenden, missbrauchten, verstümmelten und getöteten Menschen stellen sollten — egal, woher sie kommen und mit welchen Narrativen die Täter diese Zerstörungen und diese Morde rechtfertigen.

Ich jedenfalls bin nicht Journalist geworden, um dort, wo Unrecht und Gewalt geschieht, statt für die Opfer einzutreten, hauptsächlich die „Dämonisierung“ der Täter zu geißeln.

Ich würde mir wünschen, dass die zu Recht NATO-skeptische Medienszene jetzt erst einmal innehält und darüber nachdenkt, wo uns vielleicht in der Vergangenheit eigene Fehleinschätzungen unterlaufen sind. Immerhin basierte ein Großteil unserer früheren Argumentationsstrategie auf der Annahme, Putin würde etwas wirklich Schlimmes ja nicht tun, dies sei nur eine manipulative Unterstellung des Westens. Wir sollten die Traurigkeit und den Schrecken über das, was geschieht, einmal wirklich an uns herankommen lassen, anstatt uns als Teil eines „Teams Putin“ zu begreifen, dessen Perspektive wir quasi reflexartig übernehmen.

Es geht nicht darum, die Kritik gegen eine von Gewalt und Dominanzstreben geprägte Politik des Westens künftig zu unterlassen, sondern darum, sie zu ergänzen durch eine faire, das heißt in vielen Fällen auch kritische Betrachtung der Verfehlungen von Nicht-NATO-Regierungen. Es darf keinen Journalismus der blinden Flecken geben, vielmehr muss uns immer das „Bigger Picture“ vorschweben. Dies ist nicht gleichzusetzen mit einer generalisierten Adlerperspektive, die die Welt nur wie ein großes Schachbrett betrachtet, auf dem Globalstrategen um eine uni- oder multipolare Weltordnung ringen. Natürlich sind Überblicksartikel auch legitim.

Es muss aber auch der Zoom erlaubt sein, der genaue Blick auf einzelne Menschen, die gerade jetzt entsetzlich unter dem entfesselten Kriegsgeschehen leiden. Menschlichkeit zeigt sich immer vor allem im Detail, in der Achtsamkeit, im Genau-Hinschauen. Hannes Wader hat dies beispielhaft in seinem Lied über einen toten Soldaten dargestellt: „Es ist an der Zeit“.

„Oder hat ein Geschoss dir die Glieder zerfetzt
Hast du nach deiner Mutter geschrien bis zuletzt
Bist du auf deinen Beinstümpfen weitergerannt
Und dein Grab, birgt es mehr als ein Bein, eine Hand?“

Die Macht angreifen, nicht nur die Mächtigen

Denken wir an eines der Kinder — die Angaben über ihre Anzahl schwanken, je nach Quelle —, die bisher in der Folge des Ukraine-Feldzugs gestorben sind. Wie spielte sich ihr Tod im Einzelnen ab? Ist es schnell gegangen, oder war es ein langsamer, quälender Sterbeprozess? Konnten die Eltern Trost geben, oder wurden auch sie zu Opfern von Gewalt? Hat das Kind nach seiner Mutter geschrien? Und welche Pläne hätte es eigentlich für sein weiteres Leben gehabt? Wie geht es seinen Eltern und Geschwistern jetzt, falls sie überlebt haben? Und welche Argumente globalstrategischer Art würden Sie für hinreichend halten, um die Täter zu entschuldigen — angenommen, es hätte sich um Ihr eigenes Kind gehandelt?

Beim Rückblick auf die Geschichte erfüllt mich vor allem eines mit Grauen: dass ein Einzelner das Morden befehlen kann und sich dann Tausende finden, die sich bereitwillig in seinen Dienst stellen. Jeder Krieg zeigt vor allem auch, wie wichtig Machtbegrenzung ist.

Putins Befehl wäre nichts als die wahnhafte Geistesgeburt eines Einzelnen, stünde nicht ein erprobter, zu allem bereiter Machtapparat bereit, um ihm zu folgen. Erst durch die Macht wird aus der Psychopathologie Einzelner ein epochales Verbrechen, das ganze Völker ins Unglück stürzt.

Es ist also wichtig, gerade jetzt die Macht selbst anzugreifen und ihre Brutalität weder in ihrer russischen noch in amerikanischer oder europäischer Gestalt zu rechtfertigen. Wir sollten nicht für amerikanische und gegen russische Macht sein — oder umgekehrt —, sondern gegen jede Macht, sofern sie nicht sorgfältig kontrolliert wird und sich an Grundsätze der Humanität hält.

Es gibt keine „Guten“

Die Leiden der Bevölkerung in Donecz und Lugansk wurden von der Weltöffentlichkeit lange überwiegend mit empörender Ignoranz ausgeblendet. Wir dürfen jetzt nicht denselben Fehler machen bezüglich der Menschen in Kiew oder Mariupol. Das wäre keine Aufklärung, sondern nur eine alternative Form der Ignoranz. Die Zentralredaktion des Rubikon sieht den Westen jetzt nicht plötzlich rosiger als früher, aber wir sehen die russische Politik differenzierter, das heißt, wir drücken Verbrechern gegenüber nicht ein Auge zu, nur weil die Betreffenden angeben, gegen die NATO zu sein.

Wir müssen der Wahrheit ins Auge schauen, auch wenn sie vielleicht wehtut. Es gibt global kein „Lager“, das die Seite des Guten repräsentieren würde. Nicht die NATO, nicht Russland, nicht China, nicht die islamische Welt … Wir haben es nur mit verschieden Schattierungen des Wahns und der Grausamkeit zu tun.

Wir können versuchen, Trost bei der Betrachtung einiger weniger Länder zu finden, in denen es zumindest teilweise menschlicher zugeht als anderswo. Wir können uns an integre Persönlichkeiten halten, die es in jedem Land gibt und die ebenso in jedem Land in der Minderheit sind. Wir können Halt finden bei vertrauenswürdigen und bewährten Menschen und hoffentlich auch in uns selbst. Aber eine Logik nach dem Motto „Wenn die NATO böse ist, muss ein Gegner der NATO, also Putin, gut sein“ verfängt nicht — sie wird, wenn man bereit ist hinzuschauen, tagtäglich von der Realität Lügen gestraft.

Das hat auch nichts mit einer irgendwie gearteten Abneigung gegen Russland oder die Russen zu tun. Es ist ja gerade einer der perfidesten Tricks von Machthabern, die Identität ihrer kleinen und fragwürdigen Persönlichkeit mit einem ganzen Volk oder Land zu behaupten, sodass wer gegen den Anführer ist, zugleich als Feind des ganzen Landes dasteht. Wollen wir als Deutsche mit jedem Irrsinn des Olaf Scholz identifiziert werden — mit der Milliarden-Aufrüstung etwa oder mit der Impfpflicht?

Nein, eine neue Russlandfeindlichkeit, wie sie sich leider derzeit andeutet, ist durch nichts zu rechtfertigen. Kaum ein westlicher Feind könnte Russland jedoch mehr schaden, als es Putin derzeit selbst tut. Schon einige Tausend russische Soldaten dürften bereits im Krieg gestorben sein — missbrauchte, zum Töten von ihnen völlig fremden Menschen abgerichtete junge Menschen. Sie alle haben Familien, die jetzt um sie trauern. Und täglich werden es mehr. Wenn wir also von einer „russischen Perspektive“ sprechen, die der Westen stärker berücksichtigen sollte, welche meinen wir genau — jene der Mutter eines sinnlos gefallenen Soldaten oder die des Mannes, der ihn in den Krieg geschickt hat?

Die Profiteure der Zerstörung

Es war im Zusammenhang mit der Coronakrise viel vom „Great Reset“ die Rede. Seine Strategie könnte aus der Perspektive der Vordenker folgende sein:

„Wir zerstören die Welt, die die Menschen bisher bewohnt haben, so brutal, dass sie bereit sind, sich in einen Frieden unter unseren Bedingungen zu flüchten: also in eine befriedete, vollüberwachte und gelenkte Gesellschaft — gestützt durch neueste Technologie.“

Einer solchen Dystopie sind wir mit dem jüngsten Angriff auf die Ukraine wieder ein Stück nähergekommen. Wladimir Putin könnte eine Rolle in einem solchen Gesamtszenario spielt — wissentlich oder unwissentlich. Zusammen mit seinen westlichen Kontrahenten hat er zu einer Eskalationsspirale beigetragen, die dabei ist, die von relativer Entspannung geprägte Nach-Wende-Ordnung in Europa unwiederbringlich zu zerstören. Es sei denn, die Menschen in allen beteiligten Ländern setzen sich jetzt ganz vehement gegen eine Renaissance der Kriegslogik zur Wehr.

Wieder werden Menschen mit Angst- und Schockwellen überflutet, bestimmen Falken und Militärs mit zackigem Denken das Geschehen, wird eine Politik der Verarmung breiter Bevölkerungsschichten vorangetrieben, während die großen Profiteure — nach den Pharma- und Internetfirmen, die durch Corona gut abgesahnt haben — jetzt die Ingenieure des Tötens bei den Rüstungskonzernen sind.

Wieder wird die Bevölkerung zum Dulden, zum Verzicht und zur Solidarität aufgerufen, sollen Menschen ihr Lebensglück und die Ausgeglichenheit ihrer Seele hintanstellen für eine von den Mächtigen ohne Not inszenierte Horror-Agenda.

Wieder prasselt Kriegspropaganda auf die durch den Corona-Wahnsinn schon sturmreif geschossenen Bürger ein, versammeln sich Millionen Menschen Schutz suchend hinter ihre „Führer“, also jene wahnwitzigen und gehirngewaschenen Gestalten, durch die sie erst in so große Gefahr gebracht worden waren.

Der wirkliche Feind

Ich bezweifle, dass eine noch so gute Ostpolitik, ein noch so inniges gegenseitiges Verstehen zwischen den Machtblöcken den Weltfrieden garantieren kann, solange eine Logik des Kapitalismus vorherrscht, nach der man mit dem Töten größere Profite machen kann als mit der Bewahrung von Leben. George Orwell hat in „1984“ visionär gezeigt, wie ein ewiger Krieg zwischen drei Großreichen die Menschen auf allen Seiten in Schach hält und den erwirtschafteten Wohlstand immer wieder zerstört. Dies hält die Menschen dumm, arm und abhängig, ermöglicht Firmen Milliardenprofite, auch nach erfolgter „Marktsättigung“. Orwell schreibt:

„Das Problem bestand darin, die Räder der Industrie sich weiter drehen zu lassen, ohne den wirklichen Wohlstand der Welt zu erhöhen. Verbrauchsgüter mussten zwar produziert, durften aber nicht unter die Leute gebracht werden. Und in der Praxis war der einzige Weg, dieses Ziel zu erreichen, eine immerwährende Kriegsführung. Die Hauptwirkung des Krieges ist die Zerstörung, nicht notwendigerweise von Menschenleben, sondern von Erzeugnissen menschlicher Arbeit.“

Krieg hat aber auch stark volkserzieherische Funktion: „Gleichzeitig lässt das Bewusstsein, im Kriegszustand und deshalb in Gefahr zu sein, es als die natürliche, unvermeidliche Bedingung für ein Weiterleben erscheinen, die gesamte Macht in die Hände einer kleinen Kaste zu legen.“

Lasst die Dichter zu Wort kommen — die Politiker, ob in West oder Ost, haben jedes Recht verspielt, dass wir ihnen glauben oder uns um ihren guten Ruf sorgen.

Der große Gegensatz in der Welt ist jener zwischen Oben und Unten, und unsere Gedanken, unsere Solidarität sollten immer — wie das Wasser — nach unten fließen, zu den Erniedrigten und Beleidigten, zu den Verwundeten und Missbrauchten.

Hannes Wader sang in dem erwähnten Lied, der sterbende Soldat habe seinen „wirklichen Feind nicht erkannt bis zum Schluss“. Halten wir endlich nicht mehr zu Putin oder zu Biden, sondern zu unseresgleichen. Nehmen wir den Kampf gegen die Anmaßung der Macht entschlossen auf.

Spenden per SMS
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann senden Sie einfach eine SMS mit dem Stichwort Rubikon10 an die 81190 und mit Ihrer nächsten Handyrechnung werden Ihnen 10 Euro in Rechnung gestellt, die abzüglich einer Gebühr von 17 Cent unmittelbar unserer Arbeit zugutekommen.
Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.

Weiterlesen

Die Selbstschlachtanlage
Thematisch verwandter Artikel

Die Selbstschlachtanlage

Immer mehr professionelle Tätigkeiten werden auf den Kunden abgewälzt, warum also nicht auch das Gemetzel für‘s Schnitzel?

Das Omen von Sylt
Aktueller Artikel

Das Omen von Sylt

Das Neun-Euro-Ticket hatte einen Billigtourismus-Ansturm auf die Nobelinsel zur Folge — das könnte erst der Anfang von ernst zu nehmenden Verwerfungen sein.