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Tyrannen im Weißkittel

Tyrannen im Weißkittel

Totalitäre Systeme haben viele Gesichter, doch alle Erscheinungsformen haben eine Gemeinsamkeit: Sie versuchen ihre jeweilige Ideologie wissenschaftlich zu untermauern.

Auch Arendt stellt sich die Frage, ob es einen demokratischen Totalitarismus geben kann? (1) Das klingt zunächst paradox. Aber sie weist mit guten Gründen darauf hin, dass die totalitären Regierungen meist „von der Unterstützung der Massen getragen waren“. (2) Und diese „Unterstützung der Massen“ könne nicht durch totale Propaganda erklärt werden. Vielmehr propagieren die Medien das, was alle glauben und insbesondere bei den „Massen“ Glauben findet. Vielmehr ist das Dasein der „Masse“ selbst, die dann gleichsam nach Propaganda schreit, eines der Spezifika totaler Herrschaft, die sie von Diktaturen unterscheidet, wie man sie aus der Geschichte nur zur Genüge kennt:

„Totalitäre Bewegungen sind Massenbewegungen, und sie sind bis heute (also bis 1955) die einzige Organisationsform, welche die modernen Massen gefunden haben und die ihnen adäquat scheint.“ (3)

Kein Totalitarismus ohne Massen und Massen fordern totalitäre Herrschaft. Davon sind Gesellschaften wie die unsrige also jederzeit bedroht.

Das ist der Gesichtspunkt, an dem auch Mattias Desmet in seinem 2022 erschienen Buch mit dem Titel The Psychology of Totalitarianism ansetzt. Mattias Desmet ist Professor für Klinische Psychologie und an dem interessiert, was Massen zu Massen macht, an der mass formation. Seine Psychology of Totalitarianism hat wie das Totalitarismus-Buch von Hannah Arendt drei Teile: „Teil I: Wissenschaft und ihre psychologischen Auswirkungen“ geht den kulturellen Rahmenbedingungen nach, „Teil II: Formierung der Massen und Totalitarismus“ ist thematische Hauptteil und „Teil III: Jenseits des mechanistischen Weltbilds“ versucht die Möglichkeiten eines Auswegs aus dem totalitären Verhängnis, in dem modernen Gesellschaften befangen zu sein scheinen. Das eigentliche Hauptstück gibt einen guten, wenn auch nicht völlig überraschenden Einblick in die Struktur des Totalitarismus und seine (massen-)psychologischen Grundlagen.

Wie bei Hannah Arendt wird totalitäre Herrschaft mit Dem Aufkommen der Massen verbunden. War das bei Hannah Arendt mit der Auflösung der Klassenzugehörigkeit und der Zugehörigkeit zu festen Interessengruppen verbunden, die sich als Klassen/Gruppe durch Parteien, Gewerkschaften und Verbänden vertreten wussten, geht Mattias Desmet den sozialpsychologischen Konsequenzen dieser Auflösung nach: Vereinsamung und Auflösung von Sinnbezügen und lebensweltlichen Ordnungen, die schließlich in eine weit verbreitete „frei flotierende Angst und psychologisches Unbehagen“ führen und „eine Menge frei flotierender Frustration und Aggression “ auslösen (4).

Massenmedien spielen bei der „Formierung der Massen” eine zentrale Rolle („ohne Massenmedien ist es nicht möglich solche langdauernde Massenformation hervorzubringen wie diejenige, die dem Stalinismus und Nazismus aufkommen ließen“) (5). Aber Massenmedien sind sie, weil es die Masse gibt, an die sie sich wenden. Sie bringen die Masse in Form. Die Rolle der totalitären Führer wird dabei tendenziell überschätzt: „In vielerlei Hinsichten geben die Führer der Massen, …, den Leuten nur das, was sie wollen.” (6) Sie sind in der Regel keine Verführer, die selbst nicht an die Sache glauben, die sie vertreten. Vergleicht man etwas grob Propaganda mit einer Massenhypnose, dann sind sie selbst Teil der Hypnotisierten und nicht die außenvor bleibenden Hypnotiseure. Gleiches gilt für die Propandamedien: Die Protagonisten der Massenmedien glauben selbst an die Sache, die sie propagieren. „Sie hypnotisieren sich gegenseitig.“ (7)

Deshalb greifen Verschwörungstheorien meist zu kurz — obwohl es Verschwörungen natürlich gibt und sie auch bei der Formierung der Masse und der „Machtergreifung“ eine Rolle spielen. Verschwörungstheorien verharmlosen das Problem, weil sie strukturelle Prozesse auf persönliche reduzieren. Massenformation „ist großteils das Ergebnis davon, dass Individuen von einem verbreiteten Narrativ ergriffen werden, das sie in einem heroischen Kampf gegen ein Angstobjekt zusammenschweißt” (8). Alle glauben an das, was sie tun und glauben, dass es genau so getan werden muss. „Wie es Noam Chomsky ausgedrückt hat: wenn du jemanden sagen musst, was er zu tun hat, hast du die falsche Person ausgewählt.“ Das ist vielleicht die ganze Wahrheit über die Öffentlich-Rechtlichen.

„Totalitarismus ist nicht die Sache von Monstern — es ist die Sache von normalen Leuten, die einer morbiden, entmenschlichenden Denkweise oder ’Logik’ anhängen.” (9)

Das ist gut auf den Punkt gebracht — aber auch nicht wirklich etwas ganz Neues. Hier besteht der Gewinn der Lektüre nicht zuletzt darin, dass Mattias Desmet mit einer Reihe von aktuellen Beispielen die Gefahr der Verengung der Öffentlichkeit auf ausschließlich ein (alternativlos) „verbreitetes Narrativ“, das alles andere aggressiv ausschließt, unter Sanktion stellt und verteufelt. Leute mit anderen Meinungen sind Leugner und lügende Lumpen. Rubikon-Leser wissen, wovon er spricht.

Die mechanistische Weltsicht

Desmets eigentlicher Punkt liegt aber anderswo. Desmet führt den Totalitarismus nicht nur auf die sozialhistorische Formierung der Masse in der modernen Industriegesellschaft zurück, sondern verbindet sie mit der Idee der modernen Wissenschaft und ihrem „mechanistischen Weltbild“. Wissenschaft „kann im Wesentlichen als Unvoreingenommenheit verstanden werden “. (10) An diesem Ideal will Mattias Desmet natürlich unbedingt festhalten. Er sieht es freilich durch die physikalisch-mechanische Methodik bedroht, die ihr Vorgehen auf alles anwenden will — auch auf das, was sich mechanischer Erklärung entzieht.

Neuzeitliche Naturwissenschaft hat sich auf das Messbare konzentriert. Experimente dienen dazu, ein natürliches, lebensweltlich begegnendes Phänomen messbar und reproduzierbar zu machen. Das erfordert, dass man das, was man messen will, von der Umwelt isoliert und messfähig macht. Eine Kugel aus Blei fällt — so die alte lebensweltlich Sicht des Aristoteles — „natürlich“ schneller als eine Kugel aus Holz: Sie ist — so der common sense — ja schließlich schwerer. Das tut sie freilich nur unter bestimmten Umständen. Wenn man diese Umstände ändern würde, so „dass, wenn man den Widerstand des umgebenden Mediums ganz aufhöbe, alle Stoffe mit derselben Geschwindigkeit fallen würden“. (11) Steine und Federn fallen dann — nämlich im Vakuum — mit gleicher Geschwindigkeit.

Man richtet sich die Welt also her, um in ihr mess- und nachvollziehbare Ergebnisse zu bekommen (12). Qualitative Wahrnehmung der natürlichen Lebenswelt wird durch quantitative Messergebnisse im Experiment ersetzt. Wir müssen also vorher wissen, was wir messen wollen und die Situation unter Absehung aller störenden Bedingungen so aufbauen, dass wir „vernünftig“ messen können. Wir müssen das, was wir messen wollen, isolieren und von störenden Einflüssen schützen.

Die Isolierung eines Messgegenstands ist natürlich ein durchaus sinnvolles Vorgehen, ohne das die moderne (Natur-)Wissenschaft nicht denkbar ist. Man muss freilich wissen, dass man sich dabei die komplexe Welt zurechtlegt und sie bewusst simplifiziert. Modelle sind eben Modelle der Wirklichkeit, die die Welt zweckdienlich vereinfachen. Sie sind nicht mit dem Modellierten gleichzusetzen (13).

Desmet erzählt eine Begebenheit im britischen Unterhaus, nämlich eine Expertenanhörung im Rahmen der Bekämpfung der Coronapandemie. Dabei wurden Virologen und Modelltheoretiker nach den geeignetsten Maßnahmen befragt, die die Ausbreitung des Coronavirus begrenzen und eine Überlastung des Gesundheitssystems vermeiden helfen. Wir wissen, welche Antworten dort gegeben wurden. Auf die Frage, welche Auswirkungen die Maßnahmen auf Wirtschaft und Gesellschaft hätten, also zum Beispiel auf Kinder und die „Volksgesundheit“ im Ganzen, bekennen die Experten wahrheitsgemäß („entwaffnend ehrlich“), dass sie dazu nichts sagen können, weil das ihre Expertise überschreitet.

Aber zur Begrenzung von Infektionen und den entsprechenden Auswirkungen auf Krankenhausbelegung und Auslastung der Intensivstationen seien eben die empfohlenen Maßnahmen geboten. Das Fallgesetz gilt und die Bleikugel fällt mit gleicher Geschwindigkeit wie die Feder — allerdings gibt es in der luftigen Welt unserer Lebenswirklichkeit doch gewisse Unterschiede. Was sich unter der In-viro- beziehungsweise epidemiologischen Perspektive bei der Bekämpfung der Pandemie als unbeabsichtigte Nebenwirkung beziehungsweise Kollateralschaden darstellt, zeigt die verzerrende Fokussierung auf einen Ausschnitt der Wirklichkeit, der alles andere dominiert. So haben sich nicht nur fast alle Voraussagen als falsch und die daraus abgeleiteten Empfehlungen als weitgehend wirkungslos herausgestellt. Inzwischen wird weitgehend zugestanden — so auch im Bericht des Expertenrats — dass eine Schaden-Nutzen-Abwägung unterblieb und auch keine entsprechenden Daten erhoben wurden.

Desmet will nun im Verfahren des Experiments die Grundstruktur des Totalitarismus erkennen: systematische Vereinfachung der Welt im Hinblick auf eine dominante Perspektive. Alles, was dem Ziel zuwider läuft, das Experiment erfolgreich zu machen, muss als Störkraft „bekämpft“ werden.

Auch hier bietet die Coronapandemie ein gutes Beispiel, bei dem es nicht darum geht, ob die Maßnahmen nun richtig oder falsch waren — was Desmet wohl annimmt. Es geht ihm vielmehr um die Konzentration auf einen dominanten Aspekt, die dazu führt, alle anderen Aspekten von vornherein auszuschließen. So waren die sogenannten Infektionszahlen handlungsleitend, die doch lediglich die positiven PCR Test abbilden konnten. Das war mindestens fragwürdig und letztlich irreführend. Aber auch als das mehr oder weniger eingeräumt wurde, änderte sich am „Experimentaufbau“, dem medialen Narrativ, nichts:

„Die dominante Weltanschauung präsentiert in den Massenmedien in ständiger Wiederholung Zahlen, die das eigene Narrativ bestätigen … Die Wahrnehmung der Realität wird immer und immer wieder bestimmt durch Zahlen, die sich ein paar Monate später als sehr begrenzt gültig, manchmal als schlicht falsch oder sogar täuschen erwiesen haben.” (14)

Wie gesagt, es geht dabei weniger um die Richtigkeit der gewählten Maßnahmen, sondern um den Ausschluss von anderen Perspektiven und eines nicht geringen Teils der Wissenschaft selbst. Studien von namhaften Wissenschaftlern, die dem Narrativ nicht folgten, wurden einfach als zweifelhafte Studien beiseite gelegt, Studien, mit teilweise zweifelhaftem methodischem Vorgehen, die das Narrativ bestätigten als „die“ Wissenschaft verkauft. Vergleiche von Deutschland mit Schweden waren nur solange erlaubt, als Deutschland weniger „Infektionen“, Intensivbettenbelegungen und Todesopfer zeigte. Als sich das sehr schnell umkehrte — ab Mitte 2020 — war der Vergleich als Desinformation von Querdenkern verboten. Stattdessen sollte nun Schweden mit Norwegen und Finnland verglichen werden, die so glaubte man, strikter, gleich „deutscher“, gegen die Pandemie vorgingen, was freilich gar nicht der Fall war. Inzwischen gilt, dass „Norwegen und Finnland falsch beurteilt wurden: sie waren tatsächlich lockerer als Schweden bei der Umsetzung der Maßnahmen.” (15)

In den USA wurden die Maßnahmen der einzelnen Bundesstaaten solange mit einander verglichen, wie man glaubte die Wirkung von Maßnahmen belegen zu können. Als sich freilich zeigte, dass die Bundesstaaten ohne „harte“ Maßnahmen nicht schlechter durch die Pandemie kamen als Maßnahmen-Staaten — einige sogar deutlich besser — galt der Vergleich als „unwissenschaftlich“. (16) Korrelationen werden so lange als Indizien für ursächliche Zusammenhänge akzeptiert, solange sie dem Narrativ entsprechen, werden aber sofort als haltlos, unwissenschaftlich und verschwörungstheoretisch verunglimpft, wenn sie anderes nahelegen — bei der Unter- beziehungsweise Übersterblichkeit oder Impfwirkungen und -nebenwirkungen.

Es ist zweifelsohne so — das kann als historisch gesichert gelten —, dass totalitäre Systeme sich immer wissenschaftlich zu legitimieren versuchen. Sie haben — aus ihrer Sicht — die Wissenschaft auf ihrer Seite. Das gilt für die stalinistische Rechtfertigung über den Wissenschaftlichen Sozialismus genauso wie für die Wissenschaft im und für den Nationalsozialismus.

Nicht wenige Vordenker der Deutschen Philosophie und Wissenschaft wurden dann ab 1945 wissenschaftlich integriert. Es darf vielleicht als guter Totalitarismus-Test gelten, ob sich eine Herrschaft gegen den common sense wissenschaftlich legitimieren will und muss. Follow the Science ist auch ein stalinistisches Programm.

Desmet glaubt nun, dass wir der den modernen Gesellschaften inhärenten Gefahr des Totalitarismus nur entgehen können, wenn wir dieser Dominanz der mechanistischen Weltanschauung entgehen. Das ist weniger esoterisch zu verstehen, als es zunächst scheinen mag. Kant, der die Wissenschaftlichkeit der Naturwissenschaft ausdrücklich am Verfahren des Experiments festgemacht hat, hatte zugleich davor gewarnt, das Modell der Mechanik auf das Lebendige zu übertragen. Dem Lebendigen wird man mechanistisch nicht gerecht. So war sich Kant sicher, dass es einen Newton des Lebendigen nicht geben wird, ohne das Lebendige selbst aus den Augen zu verlieren und das Lebendige als etwas Totes zu behandeln (17).

Hier schließt sich auch der Kreis zu Hannah Arendt. Auch sie sah im späten Kant, der das Lebendige zu denken versuchte, den Anknüpfungspunkt einer nicht-totalitaristischen Politik (18). Ich kann nicht sagen, ob Desmet das kennt, er führt es jedenfalls nicht an und geht doch in eine ähnliche Richtung. Wir können deshalb wieder mal — und durch Mattias Desmet erneut motiviert — sagen: „Zurück zu Kant“ (19) und neben der Lektüre von Mattias Desmet lohnt sich allemal die der Kritik der Urteilskraft. Warum den Lehrling ausquetschen, wenn man auch den Meister befragen kann?


Redaktionelle Anmerkung: Dieser Beitrag erschien zuerster unter dem Titel „Kann Totalitarismus auch demokratisch?“ im Rhetorik Forum Nürnberg.


Matthias Desmet „The Psychology of totalitarianism


Quellen und Anmerkungen:

(1) Cf. Hannah Arendt, Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, 1986, S. 496
(2) ebd. S. 475
(3) ebd. S. 499
(4) Mattias Desmet, The Psychology of Totalitarianism, 2020, S. 94ff. Alle Zitate aus Demets Buch wurden vom Englischen ins Deutsche übersetzt.
(5) ebd. S. 100
(6) ebd. S. 100. In der Corona-Pandemie trieben die Medien die Politik vor sich her, weil sie glaubten, dass die Masse ihrer tatsächlichen oder potentiellen Nutzer es genauso wollen müssten.
(7) ebd. S. 106
(8) ebd. S. 125
(9) ebd. S. 106
(10) ebd. S. 13
(11) Cf. Galileo Galilei in seinen Discorsi von 1638.
(12) Der topus classicus dazu ist Kants Erläuterung in der Vorrede zur zweiten Auflage der Kritik der reinen Vernunft von 1781/7: „Als Galilei seine Kugeln die schiefe Fläche mit einer von ihm selbst gewählten Schwere herabrollen … ließ, so ging allen Naturforschern ein Licht auf. Sie begriffen, daß die Vernunft nur das einsieht, was sie selbst nach ihrem Entwurfe hervorbringt, daß sie mit Prinzipien ihrer Urteile nach beständigen Gesetzen vorangehen und die Natur nötigen müsse, auf ihre Fragen zu antworten, nicht aber sich in von ihre allein gleichsam am Leitbande gängeln lassen müsse; denn sonst hängen zufällige, nach keinem vorher entworfenen Plane gemachte Beobachtungen gar nicht in einem notwendigen Gesetze zusammen, welches doch die Vernunft sucht und bedarf.“ (KrV B XIII)
(13) Zum gleichen Messergebnis gehört der gleiche Experimentaufbau, der der Messung zugrunde liegt. Aber das ist einfacher gesagt als getan. Was genau ist nämlich gleich? Was hier und jetzt muss auch dort und dann gelten. Es braucht gleiche Bedingungen in unterschiedlichen Lagen. Zum Beispiel müsste man die gleichen Messergebnisse mit unterschiedlichen, äquivalenten Messmethoden erzielen können. Genau das ist aber in vielen wissenschaftlichen Experimenten nicht der Fall. In der Psychologie ist es nur in 45 Prozent der Fälle möglich, bei unterschiedlichen Messverfahren annähernd gleiche Ergebnisse zu bekommen. Gleiches gilt für die Medizin.

Desmet zieht einen lebensweltlichen Vergleich heran: Will man sein Haus renovieren und neue Fenster einsetzen lassen, so muss es „im Grunde“ egal sein, ob der Handwerker mit Meterstab, mit Maßband oder mit Lasergerät misst. Natürlich werden wir vermuten, dass das Lasermessgerät etwas genauer misst, aber keine Abweichung gegen den Grad der Genauigkeit zeigt, die Meterstab oder Maßband ermöglichen: Während das Lasergerät 181, 36 cm ergibt sich bei beim Maßband vielleicht ein Wert von 180,xx, das auf 180 cm abgerundet wird, weil eine größere Genauigkeit nicht benötigt wird. Der Wert von 0,45 Messäquivalenz würde allerdings bedeuten, dass der eine Handwerker ein Fenster 180 cm breit misst, der andere es dagegen nur 130 cm und ein dritter es unter einem Meter angibt. Was hier augenfällig falsch ist, lässt sich bei komplizierten Versuchsanordnungen nicht immer „ermessen“: Es gibt jenseits der Messmethode keine intuitive Überprüfung.
(14) Mattias Desmet, The Psychology of Totalitarianism, 2020, S. 64
(15) ebd. S. 60
(16) Das kann man bei Desmet in sehr kompakter, aber gut belegter Form nachlesen.
(17) Kant sprach von einem Newton des Grashalms: „Es ist nämlich gänzlich gewiß, daß wir die organisierten Wesen und deren innere Möglichkeit nach bloß mechanischen Prinzipien der Natur nicht einmal zureichend kennen lernen, viel weniger erklären können; und zwar so gewiß, daß man dreist sagen kann, es ist für Menschen ungereimt, auch nur einen solchen Anschlag zu fassen, oder zu hoffen, daß noch etwa dereinst ein Newton aufstehen könne, der auch nur die Erzeugung eines Grashalms nach Naturgesetzen, die keine Absicht geordnet hat, begreiflich werden; sondern man muß diese Einsicht den Menschen schlechterdings absprechen.“ (KdU §75)
(18) Ihre Vorlesung zu Kants politischer Theorie ist neben ihrem Hauptwerk Vita Activa, was ich von Hannah Arendt am besten finde.
(19) Das war das Schlagwort des sogenannten Neukantianismus. Es findet sich aber in der Philosophie seither in regelmäßigen Abständen und in unterschiedlichen Hinsichten. Kant zu lesen lohnt eben immer.

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