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Spiel mit dem Feuer

Spiel mit dem Feuer

Die brennenden Wälder unseres Planeten zeigen, dass das, was wir zu beherrschen glaubten, außer Kontrolle geraten ist.

Die Erde brennt. Australien, Afrika, Amazonien, Indonesien, Kalifornien ... selbst die Arktis steht in Flammen. Viele Feuer sind außer Kontrolle geraten und nicht aufzuhalten. Vor allem sind sie, darüber sind wir uns inzwischen einig, zu einem großen Teil menschengemacht. Manchen regen sie zu apokalyptischen Phantasien an. Hat der Mensch so sehr mit dem Feuer gespielt, dass er ihm nun selbst zum Opfer fällt? Ist die Menschheit am Abgrund angelangt? Geschieht es uns im Grunde ganz recht?

Es schleicht sich der Gedanke an eine Art planetarischer Ökodiktatur ein, damit wenigstens ein paar von uns überleben. Von einer halben Milliarde ist auf den Georgia Guidestones die Rede. Einem kleinen Teil der Menschheit soll gewährt werden, zu leben, während der Rest von Gewalt, Überschwemmungen, Hunger, Durst, Umweltgiften, chemischen und biologischen Waffen und zunehmender Strahlenbelastung dahingerafft wird.

Das „amerikanische Stonehenge“ wurde zu Beginn der 80er Jahre von einer kleinen Gruppe loyaler, gottgläubiger Amerikaner finanziert. Es kann als Kompass, Kalender und Uhr genutzt werden und Katastrophen überstehen. In acht modernen und vier altertümlichen Sprachen stehen dort zehn Richtlinien in den Granit gehauen, Geboten gleich, die mit der Aufforderung beginnen: „Maintain Humanity under 500.000.000“ — also die Menschheit unter 500.000.000 zu halten. Was mit den restlichen sieben Milliarden passieren soll, steht da nicht. Unklar ist auch, wer sich hinter den edlen Spendern verbirgt und wie es sein kann, dass überhaupt ein Monument errichtet werden darf, das ein indirekter Aufruf zur Ausrottung des größten Teils der Menschheit ist.

Der Feuerraub des Prometheus

Doch anstatt über Dinge zu fabulieren, die so ungeheuerlich sind, dass sie nur als Verschwörungstheorien abgetan werden können, will ich meinen Blick vom Ende zum Beginn unserer Zivilisation schweifen lassen. Nach der griechischen Mythologie, der Wiege unserer Gesellschaft, vermählte sich Gaïa, die dem Chaos entstiegene Erde, mit Uranos, dem Himmel. Aus ihrer Verbindung gingen zahlreiche Nachkommen hervor. Da Uranos alle seine Kinder hasste, stiftete Gaïa ihren jüngsten Sohn dazu an, den Vater zu töten. Kronos — Saturn in der römischen Mythologie — entmannte den mächtigen Uranos und trieb es dann mit seinen eigenen Kindern noch schlimmer, indem er sie auffraß. Nur Zeus entkam dem Morden, indem er seinerseits den Vater tötete. Seitdem herrscht er über den Olymp.

Aus den zärtlichen Familienbanden der Götter und Titanen geht schließlich der Mensch hervor. Gaïa erschafft Adamas, den „grauen Stahl“, und Zeus erweckt Pandora zum Leben, das antike Pendant zu Eva. Ob in der christlichen Lehre oder der griechischen Mythologie: Von Anfang an hat es der Mensch schwer. In der Antike wird ihm jemand zur Seite gestellt: Prometheus, der Vorausschauende. Bei einem Tieropfer überlässt der Menschenfreund die wertlosen Teile dem Zeus und bringt uns das genießbare Fleisch. Zeus ist darüber so erzürnt, dass er uns das Feuer verwehrt. Doch Prometheus greift erneut zu einer List und entzündet einen Ast am Sonnenwagen des Helios. Seitdem können wir braten und grillen.

Die frevlerische Tat bleibt im Olymp natürlich nicht unentdeckt. Das hätte Prometheus, der Vorausschauende, eigentlich wissen müssen. Zur Strafe wird er an einen Felsen des Kaukasus geschmiedet. Täglich kommt ein Adler vorbei und frisst seine immer wieder nachwachsende Leber. Zu allem Unglück ist Prometheus unsterblich und seine Qual wird erst nach ein paar Jahrtausenden durch Herakles beendet.

Menschenfreund oder Menschenfeind?

Seitdem ist sich die Menschheit über die Rolle des Prometheus uneinig. Zwar gilt er in der griechischen Mythologie eindeutig als der Urheber unserer Zivilisation und als einer, der uns sozusagen auf die Sprünge helfen wollte. Doch darüber, ob er letztlich ein betrügerischer, trotziger Widersacher der höchsten Gottheit war oder ein uneigennütziger Wohltäter und Lehrmeister der Menschheit, ein tragischer Held, der zum Opfer göttlicher Rachsucht und Willkür wurde, darüber scheiden sich die Geister.

Im Laufe unserer kulturgeschichtlichen Entwicklung wurde aus dem Dieb immer mehr ein Wissender und Aufklärer. In der Prometheus-Ode Goethes ist er, ganz im Sinne des Sturm und Drang, ein einsamer Rebell, dessen Aufstand gegenüber den schmarotzenden, mitleidlosen, neidischen Göttern die Erschaffung des Menschen erst möglich machte. Bei der Schöpfung sind ihm freilich ein paar Fehler unterlaufen, und so weisen wir seit Anbeginn einige Unzulänglichkeiten auf.

Verschlimmert wurde unsere Lage durch Prometheus’ Bruder. Im Gegensatz zum „Vordenker“ war Epimetheus ein „Nachherbedenker“. Er verliebte sich in die schöne Pandora, die Zeus aus Rache für den Feuerdiebstahl schaffen ließ. Mit der Hochzeit ergießt sich der Inhalt ihrer unheilvollen Büchse über die gesamte Menschheit. Neben unzähligen Plagen gibt es nur etwas Positives darin: die Hoffnung. Doch bevor die Hoffnung entweichen kann, wird die Büchse geschlossen und die Welt zu einem trostlosen Ort.

Fortschritt und Zerstörung

Der Preis, den wir für die ergaunerte Gottesgabe zahlen, ist hoch. So hat uns der Menschenfreund Prometheus nicht nur einen Gefallen getan. Er hat uns auch eine Macht in die Hand gegeben, die wir unterschätzt haben. Wir glauben, sie zu beherrschen, doch letztlich übersteigt sie uns. Feuer ermöglicht auf der einen Seite Fortschritt und auf der anderen Zerstörung. Unser ausdörrender Planet kann ein Lied davon singen.

Feuer gibt uns Wärme und Licht. Dank ihm haben wir aus den Höhlen herausgefunden und begonnen, den gesamten Erdball zu besiedeln. Es bietet uns Schutz vor Kälte und vor kleinen und großen Tieren. Es ermöglicht uns die Herstellung von Werkzeugen, Gefäßen und Waffen. Wir benutzen es auf der Jagd, zum Garen und Haltbarmachen von Nahrung und zur Gewinnung von Anbauflächen. Durch das Feuer wurden Urwälder zu Feldern und Wiesen und Fleisch zum Hauptbestandteil unserer Ernährung.

Was sich unserem Fortschritt entgegenstellte, wurde verbrannt: Bücher, Menschen, Dörfer, Städte. Ganze Länder fallen heute dem Feuer zum Opfer und fruchtbare Vielfalt wird in vertrocknete Wüsten verwandelt. Temperaturen und Konflikte explodieren allerorts. Das Eis schmilzt, das Wasser steigt, Kernreaktoren überhitzen und die letzten Wälder gehen in Flammen auf. Zu Ostern verbrennt im letzten Jahr mit der Pariser Kathedrale Notre Dame ein weltbekanntes Emblem der Christenheit.

Ende oder Neuanfang?

Apokalypse ist das Wort in aller Munde. Schon die Antike kannte die Idee des Endkampfes zwischen Licht und Finsternis. Judentum, Christentum und Islam beschäftigen sich alle mit Gedanken an das letzte Gericht und das Urteil über Gut und Böse. Im letzten Buch des Neuen Testaments, der Offenbarung des Johannes, verbrennt ein Drittel der Erde und wird ein Drittel der Menschheit durch Feuer getötet. Am Ende werden Satan, der falsche Prophet und alles Gott Abgewandte in einen See von brennendem Schwefel geworfen.

Ein neues Reich entsteht. Denn Apokalypse bedeutet nicht Ende, sondern Enthüllung. Wir haben die Wahl, den Schleier der Illusionen beiseite zu schieben und den Grundstein für eine neue Zivilisation zu setzen.

Nicht nur für eine kleine Elite, sondern für alle Lebewesen auf der Erde. Wir können aus der Hölle wieder ein Paradies machen. Kehrt machen und in eine andere Richtung gehen. Nicht zurück in die Steinzeit, sondern voran, dorthin, wo das Licht ist. Nicht das grelle, künstliche Licht der Shoppingmalls, nicht der Widerschein der Explosionen der Kanonen und Bomben, sondern das ursprüngliche liebende und alles vereinigende Licht.

Nennen wir es, wie wir wollen: Es ist das Höchste, Wahrste und Schönste, was wir uns vorstellen können. Hier löst sich alles auf, was seit Jahrtausenden schwer auf dem kollektiven Gedächtnis lastet. Alles Leid hat hier ein Ende. Hier kann sich zeigen, dass die Büchse der Pandora nicht verschlossen geblieben ist. Die Hoffnung ist ihr entwichen und auch sie hat sich in der Welt verbreitet.

Diese Hoffnung ist nicht wie die Karotte vorm Maul des Esels oder der Kuchen, der einem in letzter Sekunde vor der Nase weggezogen wird. Sie ist nicht, wie Friedrich Nietzsche meinte, das Übelste der Übel, weil sie die Qual der Menschen verlängert. Gemeint ist eine tiefe, unauslöschliche Hoffnung, ein Urvertrauen in das Leben, das im Laufe unserer Geschichte immer wieder die dicksten Gefängnismauern durchdrungen hat.

Hoffnung und Vertrauen

Wäre diese Hoffnung nicht da, könnte ich dies jetzt nicht schreiben. Ich habe Hoffnung. In mir brennt eine Flamme, die an die Liebe glaubt, an die Verbundenheit, an das Leben. Es ist eine kleine, bescheidene Flamme, die bisweilen flackert in den Stürmen des Alltags und angesichts der Wirrnis in der Welt. Doch sie ist da. Immer wieder erfahre ich, wie das Licht einer einzigen Kerze einen ganzen Raum ausleuchten kann. Auch wenn ich immer wieder erzittere vor der Ungeheuerlichkeit dessen, was Menschen zu tun in der Lage sind: Ich glaube an uns.

Ich glaube, dass wir es lernen können, respektvoll mit dem Feuer umzugehen, wie mit den anderen Elementen, die das Leben auf unserem Planeten erst möglich machen. Ich habe Vertrauen, dass wir dazu in der Lage sind, sie mit maßvollem Respekt zu nutzen. Wir können in einen lebendigen Kreislauf zurückfinden, von dem alle profitieren: Holz lässt Feuer verbrennen, seine Asche reichert die Erde mit Nährstoffen an, die Erde bringt Erze hervor, die das Wasser beleben. Das Wasser schließlich nährt Pflanzen und Bäume und lässt einen neuen Zyklus beginnen.

Ich glaube, dass wir davon ablassen können, wie Berserker auf der Erde herumzutrampeln. Wir können zur Besinnung kommen, unsere verklebten Sinne befreien und unserem Leben einen neuen Sinn geben. Ich glaube nicht, dass die Flammen, die wir vor Augen haben, die Vorboten zur Hölle sind, sondern eine außerordentliche Gelegenheit, aufzuwachen und hinzusehen. Ich glaube, dass es möglich ist, den prometheischen Frevel und die menschliche Hybris zu überwinden. Und ich glaube, dass es dafür nicht zu spät ist.


Hier können Sie das Buch bestellen: als Taschenbuch oder E-Book.


Stimmen zum Buch:

„Ich möchte allen Menschen raten, mutig zu sein, und sich nicht durch Angst erdrücken zu lassen. Wer mutig ist kann freudig und gewaltlos seinen Weg gehen. Das ist bestimmt nicht immer einfach. Aber Mut öffnet Türen, die sonst verschlossen bleiben. Die in diesem Buch abgedruckten Texte zeigen, wie wichtig Mut im 21. Jahrhundert ist.“
Dr. Daniele Ganser, Friedensforscher

„Das ist ein ganz besonders Buch, denn mit jedem seiner vielfältigen Beiträge werden Sie eingeladen, ermutigt und inspiriert, sich mit all jenen zu verbinden, die künftig nicht mehr gegeneinander, sondern miteinander leben wollen.“
Dr. Gerald Hüther, Sachbuchautor und Vorstand der Akademie für Potentialentfaltung

„In einer Zeit, in der regressive Kräfte sehr von den Verunsicherungen in unserer Gesellschaft profitieren, brauchen wir Mutmacher mit einem langen Atem. Menschen, die uns mit Fakten und Bildern speisen, die uns an unser eigenes Potential für Veränderung und Glück erinnern. Danke Rubikon! Für dieses Buch und für eure gesamte Arbeit.“
Veit Lindau, Autor und Bewusstseinsforscher

„Dieses einzigartige Buch macht großen Mut zur Veränderung. Es verwandelt Verzweiflung in Hoffnung, Wut in Liebe und ist ein kraftgebender Kompass durch schwere Zeiten. Für mich eines der wertvollsten Bücher der letzten Jahre.“
Jens Lehrich, Autor und Comedian

„‚Nur Mut!‘ ist ein Buch, das den Leser dazu auffordert, sich selbst zu ermächtigen. Wer sich im aufrechten Gang den Problemen dieses Planeten entgegenstellt, macht sich zwar angreifbar, kann von sich aber behaupten, in der Stunde der Bewährung seine eigene Angst besiegt zu haben. Ohne solche Menschen hat unsere Spezies keine Zukunft. Die Belohnung für gelebten Mut ist ein Leben, in dem die Angst nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.“
Ken Jebsen, investigativer Journalist

„Nur, wenn wir uns selbst und unsere Gefühle erkennen, wenn wir unser Unbewusstes bewusst machen und aus dem kollektiven Stockholm-Syndrom, auf das man uns von Kindertagen an festgelegt und zu dem man uns erzogen hat, aussteigen, können wir wirkliche Liebe, vor allem aber unsere tägliche Unterdrückung erkennen. Dann können wir aus dem inneren wie äußeren Gefängnis aussteigen und unser eigenes Leben leben, in dem wir zu fühlen beginnen, was gut und ungut, was richtig und gelogen, was Liebe und was Ausbeutung und Unterdrückung ist. Wider den Gehorsam! Die Wahrheit schlummert in jedem von uns.“
Jens Wernicke, Autor und Publizist

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