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Schluss mit lustig

Schluss mit lustig

Die aktuelle Ausgabe der ZDF-Satire-Show „Die Anstalt“ dreht als unreflektiertes Rädchen im Corona-Panikgetriebe mit.

COVID-19 schwebt derzeit wie eine dunkle Wolke über unseren gesamten Globus und beherrscht das öffentliche Leben sowie die komplette Medienlandschaft. Ein Überangebot an Informationen, Interviews, Expertenmeinungen und allerlei erschütternden Berichten mit noch erschütternderen Bildern erreichen uns jeden Tag über alle erdenklichen Kanäle.

Da in der alternativen Medienszene mittlerweile zum Glück viele differenzierte Meinungen veröffentlicht wurden, um die Panikmache etwas zu relativieren, war ich sehr gespannt auf die neue Folge Die Anstalt, da diese bekannterweise in öffentlich-rechtlicher Hand ist.

In der Vergangenheit hat diese Sendung — meiner Meinung nach — viele Themen offen und auch kritisch hinterfragt. Natürlich ist die Abhängigkeit vom Zweiten Deutschen Fernsehen nicht wegzureden, jedoch war der Spielraum der freien Meinungsäußerung bei vielen Themen verhältnismäßig größer. So wurde zum Beispiel transparent erläutert, wie die Entstehungsgeschichte der Hartz-IV-Reform mit der Bertelsmann Stiftung verwoben ist (2). Die Privatisierung der Deutschen Bahn, die daraus resultierenden Folgen sowie das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 (3) wurden kritisch beleuchtet und auch die Machenschaften, die während der Wiedervereinigung Deutschland abliefen (4), genau aufgedröselt.

Leider kann der Zuschauer nach dieser Differenziertheit beim Thema COVID-19 lange suchen, denn hier wird das allgemeine Narrativ von mehreren Seiten bestärkt und andere Meinungen, wie zum Beispiel die von Dr. Wolfgang Wodarg, komplett ins Lächerliche gezogen und als nicht wissenschaftlich bewiesen verleumdet.

Die Sendung wurde dem Zuschauer in Form einer großen Homeoffice-Telefonkonferenz mit verschiedensten Gästen, die alle ihren eigenen künstlerischen Beitrag dazu leisteten, serviert.

Es ist die Rede von einem hochgefährlichen Virus. So die Einschätzung der vertrauenswürdigen Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Die Hintergründe dieser Organisation — wer diese finanziert oder gar welche Interessen sie vertritt — werden nicht erwähnt und nicht mal infrage gestellt.

Das späte Handeln von Jens Spahn und Markus Söder wurde kritisiert und mit der Aussage „Warten, bis es fast zu spät ist“ untermauert. Diese Aussage impliziert, dass hier in Deutschland gerade schon Alarmstufe rot herrscht und es fast zu spät sei. Zu spät für was, stellt sich dem Zuschauer hier die Frage.

Nach 30 Minuten kommt natürlich Wolfgang Wodarg ins Spiel — der Anti-Drosten sozusagen. Es startet mit der ironischen Feststellung „Corona wird man los, indem man das alles nicht so kritisch sieht.“

Utthof fügt hinzu „Er hält den potenziell tödlichen Virus für ungefährlich.“ Weiter wird sich über die Kompetenz Wodargs belustigt und infrage gestellt, ob dieser Mann überhaupt über die nötigen Qualifikationen verfüge, eine Aussage über CODIV-19 treffen zu dürfen. Daraufhin entwickelt sich folgender Dialog:

Utthof: „Ohja, er ist pensionierter Lungenarzt (…).“

von Wagner: „Haben sie gerade Lungenarzt gesagt? Sagen sie mal, kriegen wir die jedes Jahr, wie eine Grippe?“

Utthof: „Naja warten Sie mal, er hat ja noch mehr Qualifikationen. Er war ja auch noch Bundestagsabgeordneter für die SPD.“

von Wagner: „Hm okay, also ein Experte für Minderheitenmeinungen.“

Utthof: „Er ist sehr differenziert. Er hält das alles für Panikmache.“

Gegenfrage: Wie differenziert ist denn Die Anstalt bei diesem Thema?

Es folgen noch weitere Totschlagargumente, die ich hier nicht weiter aufführe, da diese in vielen (auch in Rubikon-)Artikeln und Beiträgen schon wissenschaftlich fundiert und verquellt dargelegt wurden. Darunter das Jonglieren mit Zahlen, der Hauptaugenmerk auf die positiv getesteten Menschen und der damit einhergehende Test sowie die Neuheit des Virus.

Abschließend heißt es in der Anstalt, Wodarg würde im „Alleingang nun alles entlarven“, was eine Fehlinformation ist, da sich mittlerweile schon mehr Fachleute dazu geäußert haben und die Einschätzung der unnötigen Panikmache teilen.

Der Demokratie- und Bürgerrechteabbau wurden nicht angesprochen — lediglich in den letzten Sekunden, bei dem ein Gast in die beiden Rollen der Protagonisten schlüpfte und die Sendung ein wenig Revue passieren ließ, kamen die Maßnahmen kurz zur Sprache. Dabei fiel die Aussage, dass der Sendung eine „halbwegs durchdachte Analyse der derzeitigen Situation“ fehle. Darauf folgte der Satz:

„Naja, jetzt mal demokratisch gedacht — haben Sie erwähnt, dass die Kontaktsperre überall gilt, nur nicht am Arbeitsplatz? Wir arbeiten tatsächlich bis zum Untergang.“

Und hiermit endete diese Ausgabe.

Was die derzeit geltenden Auflagen sowie das drohende Notstandsgesetz für unsere Bürgerrechte wirklich bedeuten, wird mit keiner Silbe erwähnt und nicht mal ansatzweise dargestellt oder näher erläutert, sondern schlicht und ergreifend ausgelassen. Wo andere Themen mithilfe von Visualisierungen fundiert erklärt und Hintergrundstrukturen offengelegt werden, hüllen sich die Kabarettisten hier in Schweigen.

Satire ist eines der wichtigsten Instrumente, die uns zur Verfügung stehen, um auf Missstände aufmerksam zu machen und Machtverhältnisse auf belustigende Art und Weise lächerlich klein darstellen zu lassen.

Gesellschaftlich betrachtet ist das, was gerade passiert, ein wahrliches Schauspiel.

Was die vergangenen Jahre mal die Rechten, mal die SUV-Fahrer und mal die Klimaskeptiker waren, sind in Coronazeiten die Menschen, die einen Fuß vor die Tür setzen.

Was noch vor Monaten undenkbar schien, ist jetzt kein Problem mehr. Hat sich das deutsche Volk vor kurzem noch über das Andenken eines Tempolimits beschwert, da dies ein zu großer Einschnitt in seine Privatsphäre darstelle, so ist die Ausgangsbeschränkung für alle heute fast ein Muss. Das Einstellen kompletter Teile der Wirtschaft sowie der Sozialkontakte sind auf einmal normal und sogar unbedingt notwendig. Durch das Schaffen von Angst und Panik sehnen sich die Menschen geradezu nach dieser Ordnung von „oben“.

Diese Sichtweise wird nun auch von unseren Satirikern befeuert und manifestiert. Satire ist ein wichtiges Gut einer jeden Gesellschaft und es ist durchaus bedenklich, dass sie nun als unreflektiertes Rädchen dieses Panikgetriebe mitdreht.


Quellen und Anmerkungen:

(1) https://www.zdf.de/comedy/die-anstalt/die-anstalt-vom-24-maerz-2020-100.html
(2) https://www.zdf.de/comedy/die-anstalt/die-anstalt-hartz-iv-undemokratisch-100.html
(3) https://www.claus-von-wagner.de/tv/anstalt/20190129-die-bahn-stuttgart-21
(4) https://www.zdf.de/comedy/die-anstalt/die-anstalt-vom-5-november-2019-100.html

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