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Revolutionärer Optimismus

Revolutionärer Optimismus

Mit Chinas Hilfe wird Laos bald auf eigenen Füßen stehen – allem westlichen Widerstand zum Trotz.

Es ist eine dieser komplexen Geschichten, die so schwierig zu erzählen sind, und doch sollte man sie erzählen, man muss sie weitergeben.

Stellen Sie sich den herrlichen Mekong vor, wie er unweit von Luang Prabang, der ehemaligen Hauptstadt von Laos, entlang fließt. Der Fluss ist mächtig, gesäumt von schlammigen Uferbänken und umgeben von üppig grünen Bergen. Stellen Sie sich arme Dörfer und alte Fährverbindungen vorund kaputte Plastiksandalen an den Füßen der Einheimischen.

Dann plötzlich kann man nahe des Dorfes Phonesai einige gewaltige Betonpfeiler erblicken. Sie wachsen aus dem Wasser und von beiden Uferbänken empor, und verbinden so buchstäblich zwei Berge.

Bald werden sie eine Brücke für Hochgeschwindigkeitszüge bilden. Gebaut wird sie von China, einer Nation mit der weltweit fortschrittlichsten Technologie für Hochgeschwindigkeitszüge. Etwas weiter unten wird eine weitere Brücke entstehen, für Autos und Fußgänger.

In beide Berge werden Löcher gebohrt, vorsichtig und möglichst schonend. Hier werden zwei Tunnel hindurchführen.

Natürlich wäre es viel billiger, die Berge mit Sprengstoff zum Einsturz zu bringen. Doch Anfang dieses Jahres hat China die „Ökologische Zivilisation“ in seiner Verfassung verankert, und was es zuhause predigt, das befolgt es auch im Ausland.

Dies ist das größte Projekt in der Geschichte von Laos, und es wird oft als ingenieurtechnische Mammutaufgabe beschrieben: 154 Brücken und 76 Tunnel sowie 31 Bahnstationen. Das laotische Gelände ist sehr komplex, die Natur größtenteils noch unberührt, und so soll sie auch bleiben. Die Bahnlinie wird 414 Kilometer lang sein und die Stadt Boten an der laotisch-chinesischen Grenze mit der laotischen Hauptstadt Vientiane verbinden. Nach Schätzungen werden rund 20.000 chinesische Arbeiter am Bau mitwirken sowie mehrere Zehntausend einheimische Arbeiter.

Die Bahnlinie soll voraussichtlich 2021 betriebsbereit sein. Sie wird Laos sowohl mit China im Norden als auch mit Thailand im Süden verbinden.

China Daily berichtet:

„Die laotische Regierung hofft darauf, dass die Fertigstellung der China-Laos-Bahnlinie die soziale und wirtschaftliche Entwicklung kräftig in Schwung bringen wird. Bereits der Bau der Linie hat in vielen Gegenden entlang der Route große Veränderungen bewirkt.

Auf der vom Unternehmen Sinohydro betreuten Baustelle (Büro 3) zwischen den Städten Luang Prabang und Vangvieng arbeiten mehr einheimische als chinesische Arbeiter. Die umliegenden Bergdörfer haben etwa 300 Einwohner, von denen Sinohydro 3 etwa 20 für die Bauarbeiten angestellt hat. Die laotische Belegschaft lernt die fortschrittliche Technologie und das entsprechende Management von ihren chinesischen Kollegen. Chinesische Bauunternehmen haben außerdem Geld für die Errichtung von Brücken und Straßen an umliegende Dörfer gespendet.“

Und nicht nur Straßen – ich habe entlang der Straße von Luang Prabang zum Dorf Phonesai neue Werkstätten, Hotels, kleine Fabriken und Krankenhäuser gesehen und fotografiert.

All das ist Teil der „Belt and Road“-Initiative, ein optimistischer, internationalistischer Plan der chinesischen Führungsriege, entworfen, um eine große Zahl von Staaten zu verbinden und aus der Armut zu führen, darunter etliche zuvor – vom Westen – kolonisierte und geplünderte Nationen in allen Winkeln der Welt.

Nach dem Geschmack der Europäer

Während die chinesischen Arbeiter beim Aufbau der laotischen Zukunft schwitzen, genehmigen sich ein paar Französisch sprechende Touristen auf der Hauptstraße von Luang Prabang ein Bier.

Im Jahr 1995 hat die UNESCO diese alte laotische Hauptstadt in die Weltkulturerbe-Liste aufgenommen. Massentourismus, besonders aus dem Westen, war die Folge.

Als streng auf die „französische Art“ zu einem sentimentalen, nostalgisch-kolonialistischen „lebendem Museum“ restauriert, ist Luang Prabang hauptsächlich für den europäischen Geschmack ausgelegt. Die Einheimischen sind vornehmlich hier, um zu bedienen, um für dekorative Zwecke „einfach da zu sein“; arm und „einheimisch“, bescheiden, Kunsthandwerk verkaufend, während sie auf dem Asphalt sitzen und sich bemühen, angemessen mittellos und doch „freundlich“ auszusehen.

Es gibt ein paar schicke Boutiquen und teure Hotels in der Stadt. Niemand aus der laotischen Bevölkerung wäre je in der Lage, sich ein Glas des angebotenen belgischen Biers zu leisten oder eine Mahlzeit in einem der „traditionellen“ Restaurants, die einander aufs Haar gleichen.

Die Schilder sind auf Englisch, manchmal auf Französisch oder Laotisch, doch sehr selten auf Chinesisch.

Offizielle kommunistische laotische Flaggen sind fast vollständig von den Hauptstraßen Luang Prabangs verschwunden.

In einer lokalen Bibliothek erzählt mir Mr. Seng Dao, der leitende Bibliothekar:

„Ausländer, vor allem Europäer, kamen zu den Einheimischen und fragten sarkastisch, gar aggressiv: ‚Warum zeigt ihr hier kommunistische Flaggen?‘ Oder: ‚Warum habt ihr kommunistische Geschichte in euren Büchern?‘“

Innerhalb weniger Jahre ist das stolze kommunistische Erbe und die Identität von Laos im Zentrum der Stadt fast vollständig durch in Massen produzierte minderwertige Seide, banales Spielzeug und anderen Kitsch ersetzt worden, der die – hauptsächlich aus Europa kommenden – westlichen Kultur-Fundamentalisten bedient.

Doch Laos ist ein kommunistisches Land, und Flaggen wehen als Zeichen der Rebellion noch immer im Wind, aus fahrenden Tuk-Tuks und von den Häusern.

Erbe des „Geheimen Krieges“

Aus dem UXO-Informationszentrum in Luang Prabang – wo nicht explodierte Kampfmittel zu besichtigen sind – wurde ich kurzerhand hinausgeworfen, da der Besuch „Ihrer Königlichen Hoheit“ Prinzessin Beatrice erwartet wurde. Prinzessin Beatrice ist ein Mitglied der abstoßenden britischen Königsfamilie, die verantwortlich ist für ein entsetzliches koloniales Erbe auf der ganzen Welt – darunter in Südostasien. Sie kam vornehmlich nach Luang Prabang, um an einer Wohltätigkeitsgala im neu gebauten Pullman Hotel – in dem ich zufällig wohnte – teilzunehmen. Dort sprach sie zu 230 Gästen, hauptsächlich „Auswanderern“ aus dem Westen, die meisten von ihnen Männer, die sich in und um Luang Prabang angesiedelt haben.

Das Gerücht ging um, möglicherweise könne man genug Geld für die Errichtung eines größeren UXO-Gebäudes im Stadtzentrum sammeln.

Ich habe mehrmals in Laos gearbeitet, doch besonders im Jahr 2006, als ich über die Aktivitäten der britischen Mines Advisory Group, einer NGO zur Räumung von Kampfmitteln, in der verwüsteten Ebene der Tonkrüge berichtete.

Seit vielen Jahren hege ich eine Leidenschaft für diesen Teil der Welt und versuche zu verstehen, was während der entsetzlichen, vom Westen initiierten „Stellvertreter“-Kriege wirklich passiert ist: jenen in Kambodscha und Laos.

In einem monströsen Schauspiel von Grausamkeit und Gleichgültigkeit löschte der Westen Millionen unschuldiger Menschenleben in Vietnam, Laos und Kambodscha aus. Die genauen Zahlen werden wir nie erfahren, doch zusammengenommen belief sich die zivile Todesrate höchstwahrscheinlich auf 5 bis 8 Millionen.

Der Westen ermordete Menschen oder machte sie zu Krüppeln, und er vergiftete weite Flächen der Länder, die einst als „Indochina“ bekannt waren. Und er kam damit davon – wie in praktisch jeder Gegend der Welt, über die er Völkermord, völlige Vernichtung und unbeschreibliches Elend gebracht hat.

Ich sprach mit Dutzenden Einheimischen in der Ebene der Tonkrüge mithilfe meines geduldigen und zutiefst mitfühlenden einheimischen Dolmetschers Mr. Luong.

Dort, im kleinen Dorf Ban Khai, offenbarte mir der zu diesem Zeitpunkt bereits 81-jährige Mr. Phommar all die Schrecken des sogenannten „Geheimen Krieges“, den der Westen, doch insbesondere die USA, gegen das dünn besiedelte Laos entfesselten:

„Wir versteckten uns in den Straßengräben. Die Bomben fielen ununterbrochen und einmal wurde unsere gesamte Familie begraben und wir mussten uns wieder ausgraben. Die Menschen starben überall um uns herum. Man bombardierte uns mit riesigen Flugzeugen, die so hoch flogen, dass wir nicht sehen oder hören konnten, wenn sie sich näherten. Und sie schickten kleine Flugzeuge, mit denen sie nach Menschen auf dem Boden suchten; diese flogen so tief, dass wir die Gesichter in den Cockpits sehen konnten.“

„Doch am beängstigendsten waren die Flächenbombardierungen. Es gab keine Warnung. Überall in dieser Gegend explodierten Bomben, und wir hatten keine Ahnung, woher sie kamen. Sie bombardierten uns durchschnittlich fünfmal am Tag. Sie bombardierten uns fast jeden Tag, mehr als zehn Jahre lang. Später wurde uns dann erzählt, dass die USA und ihre Verbündeten drei Millionen Tonnen Bomben auf uns abgeworfen hatten.“

„Irgendwann konnte hier niemand mehr überleben. Unsere Häuser waren zerstört und unsere Felder waren voller nicht explodierter Munition. Die Menschen starben und ebenso die Tiere. Wir mussten fortgehen und wir entschieden uns für Vietnam, um dort Zuflucht zu suchen. Doch die Reise war ungeheuer beschwerlich. Wir bewegten uns nur in der Nacht, mit wenigen Habseligkeiten. Am Tag versteckten wir uns vor den feindlichen Flugzeugen.“

„Während des Krieges war ich sehr zornig auf die Amerikaner. Ich konnte nicht verstehen, wie jemand so brutal sein kann. Wie kann jemand so kaltblütig seine Mitmenschen töten? Doch jetzt sagt mir meine Regierung, dass alles in Ordnung ist, dass das die Vergangenheit ist und wir vergessen sollen. Doch wie können wir vergessen? Ich bin nicht mehr wütend, doch ich möchte, dass die Welt weiß, was uns geschehen ist.“

Mehr Bomben als im Zweiten Weltkrieg

John Bacher, Historiker und Archivar für Metro Toronto, schrieb einmal über den Geheimen Krieg in Laos:

„Zwischen 1965 und 1973 wurden auf Laos mehr Bomben abgeworfen, als die USA während des Zweiten Weltkrieges auf Japan und Deutschland abgeworfen haben. Mehr als 350.000 Menschen wurden getötet. Der Krieg in Laos war nur vor der amerikanischen Bevölkerung und dem Kongress ein Geheimnis.“

Jeremy Kuzmarov beschrieb detailliert und zeigte somit denganzen psychologischen Horror dessen, was der Westen laotischen Männern, Frauen und Kindern angetan hat:

„Militärstrategen und ‚Verteidigungs-Vordenker‘ betrachteten Laos als Testgelände für neue Arten der Aufstandsbekämpfung und automatisierten Kriegsführung, die das Pentagon entwickelt hatte, unbeeinträchtigt von irgendeiner Kontrolle durch die Medien oder den Kongress. Ein Beamter des Außenministeriums sagte: ‚Das liegt im Nirgendwo. Wir können hier alles machen, was wir wollen, denn Washington scheint nicht zu wissen, dass dieses Land existiert.‘ Während USAID – die US-Behörde für Entwicklungszusammenarbeit – Säcke mit Reis verteilte, um ‚Herzen und Köpfe‘ zu gewinnen, testete das Militär computergesteuerte Bombardierung zusammen mit Drohnenüberwachung und warf mehr als 270 Millionen Streubomben ab, von denen 80 Millionen nicht detonierten. Diese Strategien halfen dabei, den Sieg der revolutionären Pathet-Lao-Streifkräfte um mehr als ein Jahrzehnt zu verzögern, während sie eine Vorlage für die automatisierte Kriegsführung des 21. Jahrhunderts boten.“

Jeremy Kuzmarovs Schlussfolgerungen sind erschreckend, doch präzise:

„Stellen die Aktivitäten der Nazis eine Art Höhepunkt des Zeitalters der Unmenschlichkeit dar, so sind die amerikanischen Gräueltaten in Laos deutlich anders geartet“, schrieb Branfman. „Nicht so sehr unmenschlich, sondern vielmehr a-menschlich. Die Menschen von Na Nga und Nong Sa waren nicht der Gegenstand von jemandes Zorn. Sie wurden schlichtweg nicht beachtet. Das Auffälligste an der amerikanischen Bombardierung in Laos ist der Mangel an Feindseligkeit, die die Mörder ihren Opfern gegenüber empfanden. Die meisten Amerikaner, die in den Krieg involviert waren, besitzen kaum oder gar kein Wissen über Laos und seine Bevölkerung.“

Um die Zahlen einzuordnen, betrachte man einen Bericht von Santi Suthinithet für Hyphen:

„Zwischen 1964 bis 1973 warfen die USA, als Teil der Operation Geheimer Krieg während des Vietnamkriegs, 260 Millionen Streubomben – etwa 2,5 Millionen Tonnen Munition – im Laufe von 580.000 Bombardierungen auf Laos ab. Dies entspricht einer Flugzeugladung Bomben, die alle acht Minuten abgeworfen wird, 24 Stunden am Tag, neun Jahre lang – beinahe sieben Bomben für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind in Laos.“

„Wohltätigkeit“ anstatt Reparationen

Meine Referenzen als Schriftsteller, Filmemacher und Investigativjournalist, der sein Leben für Laos – und Kambodscha– riskierte, als er sich in den Minenfeldern umsah und Opfer der abscheulichen Feldzüge des Westens in diesem Teil der Welt interviewte, führten mich dieses Mal nirgendwo hin. Oder, um genauer zu sein, führten sie mich zu einem lediglich fünfminütigen Besuch in einem UXO-Informationszentrum. Danach wurde ich zu meinem Auto eskortiert, damit die Sicherheit eines Mitglieds der massenmörderischen britischen Königsfamilie garantiert werden konnte.

Hatte Laos Prinzessin Beatrice wirklich nötig? Es braucht doch keine Almosen, oder? Großbritannien, zusammen mit den USA, Australien und ein paar anderen Nationen, trägt die volle Verantwortung für den Tod von mindestens 300.000 Laoten und Laotinnen. Der Westen hat hier getötet; er hat gelogen und bis heute alles vertuscht.

Für das Experimentieren an wehrlosen und unschuldigen Menschen, für die Zerstörung ihres Landes, das Vergiften von Flüssen, das Schlachten von Tieren aus der bequemen Entfernung und Höhe der Flugbahnen der B-52-Bomber sollte der Westen, in einer idealen – oder einfach nur „normalen“ Welt – niederknien, Asche auf sein Haupt werfen und um Vergebung flehen. Er sollte natürlich Kriegsreparationen zahlen, die sich auf Billionen von Dollar belaufen; an Laos, Vietnam und Kambodscha. All das und mehr sollte er tun, um zumindest ein paar der Monstrositäten auszugleichen, die er verübt hat, anstatt Wohltätigkeitspartys für die königliche Mafia zu veranstalten, inmitten von 5-Sterne-Etablissments, die umgeben sind von den Reisfeldern der Einheimischen.

Westliche Propaganda in vollem Gange

Doch wir leben nicht in einer idealen oder auch nur „normalen“ Welt. Der Westen ist uneinsichtig. Trotz allem fühlt er sich dem Rest der Welt moralisch überlegen. Er predigt seine fundamentalistischen Heilsbotschaften. Und hier, in Laos, nimmt er China dafür unter Beschuss, dass es diese wundervolle, sanfte Nation aus Jahrzehnten des Horrors, des Elends und der Abhängigkeit führt.

Die westliche Propaganda gegen die chinesischen Projekte in Laos läuft nun auf Hochtouren.

Wie in Afrika sind vom Westen finanzierte NGOs in Vientiane und anderen Städten in Laos voll im Einsatz. Anstatt Laos aufzubauen und Verbesserungen zu bewirken, sind sie bloß dort, um die westliche Agenda voranzutreiben; um gegen die kommunistische Regierung, ihre Projekte und Kooperation mit China zu agitieren.

Bizarre und völlig falsche Geschichten kursieren in vielen der einflussreichen westlichen Publikationen, die China nahezu allesvorwerfen, von der Zahlung unzureichender Löhne bis zur Zerstörung der laotischen Umwelt.

Der Grund für all diese Propaganda ist klar: Laos ist ein strategisch äußerst günstig gelegenes Land, da es an China, Burma, Vietnam, Kambodscha, Thailand und Vietnam grenzt.

Es ist ein kommunistisches Land. Es ist noch immer sehr arm, besitzt aber enormes Potential. Und jetzt ist es sich der Tatsache deutlich bewusst, dass es bald auf seinen eigenen Füßen stehen kann.

China ist fähig und willens, dieses Land, buchstäblich über Nacht, von einem Empfänger dürftiger Hilfsleistungen in eine mächtige Nation mit 7 Millionen Einwohnern zu verwandeln.

China ist am Bau von Straßen, Bahnstrecken, Krankenhäusern, Fabriken und Werkstätten ebenso beteiligt wie an Dämmen und Wasserkraftwerken auf dem Mekong. Letztere lösen Laos‘ berüchtigte Stromengpässe, während sie das Land zu einem Nettoexporteur von Elektrizität machen, besonders an das angrenzende Thailand. Ebenso holen sie Hundertausende der laotischen Bevölkerung aus der Armut.

Ein Artikel von NEO Magazine, veröffentlicht am 1. Februar 2016 („Laos: The new Cold War Battleground You Don’t Know About“), beschäftigt sich mit der Thematik:

„Paradoxerweise behaupten diejenigen, die protestieren, dass die Dämme sowohl die Umwelt als auch die traditionellen Fischereibetriebe flussabwärts der Dämme beeinträchtigen werden. Allerdings sind traditionelle Fischereibetriebe im Allgemeinen sowohl mit nicht nachhaltiger Umweltzerstörung, als auch mit Armut gleichzusetzen. Im Gegensatz dazu können Auswirkungen auf die Umwelt durch den Bau von Dämmen durch sorgfältige Planung abgemildert werden, während daran gearbeitet wird, umliegende Gemeinschaften und die Nation als Ganzes mithilfe einer verbesserten Infrastruktur sowie billigerer und einfacher zugänglicher Energie aus der Armut zu befreien.

Die Protestierenden setzten sich nicht für sorgfältige Planung oder bessere Beaufsichtigung von Projekten ein, sondern stattdessen für eine gehemmte Entwicklung von Laos und seiner Bevölkerung – das ist die Art von Kampagne, von der nur die Wall Street und Washington profitieren könnten.“

Der Westen hat in Laos nichts von Bedeutung gebaut. Und die Möglichkeit, dass Laos unter der Führung Chinas ein Beispiel für die Welt darstellen könnte, welches beweist, dass selbst ein armes und ehemals zerstörtes Land auf eigenen Füßen stehen kann, wenn sein mächtiger, ideologisch gleichgesinnter Nachbar ihm hilft, ist für den Westen eine Horrorvorstellung.

Chinesisches Engagement in Laos

Während der Westen, hauptsächlich für seine eigenen Touristen und Profite, den Bau einiger weniger Dienstleistungsgebäude in der alten Stadt unterstützt, hat China bereits den leistungsstarken internationalen Flughafen von Luang Prabang gebaut und damit das alte, winzige, gelbliche Gebäude ersetzt, das einst als Terminal diente.

Projekte für den Bau von Bahnlinien und Straßen, die durch Laos führen werden, werden China mit einigen Ländern in Südostasien verbinden und Laos bedeutende Transitgebühren einbringen. Es ist eine Win-win-Situation, allerdings nicht, wenn man sie vom Standpunkt jener betrachtet, die schlicht die Fortführung der westlichen Vorherrschaft in der Region und im Rest der Welt wollen.

Und wie sieht es mit der laotischen Bevölkerung aus? Behandelt der Westen sie wirklich besser als China dies tut? Folgendes habe ich von Mr. Seng erfahren, einem laotischen Supervisor im internationalen Luxushotel 3 Nagas in Luang Prabang:

„Ich bin wirklich froh, dass die Chinesen hier sind. Sie sind jetzt in viele Projekte hier in Laos involviert, darunter Kraftwerke und diesen Hochgeschwindigkeitszug, der Laos mit China, Thailand und hoffentlich auch Kambodscha verbinden wird. Die Chinesen behandeln uns sehr gut. Mein Bruder arbeitet für sie; er ist ein Fahrer. Er verdient 900 Dollar im Monat. Das ist hier eine riesige Summe Geld. Die Chinesen zahlen ihm sogar 1.500 Dollar, aber die Regierung hier nimmt um die 600 Dollar an Einkommenssteuer. Ich arbeite für die französische Hotelkette ACCOR, die größte Hotelkette der Welt, und ich verdiene 200 Dollar, als Dienstvorgesetzter. Einheimische Angestellte verdienen durchschnittlich 120 Dollar.“

Ein französischer ACCOR-Angestellter, der in Luang Prabang arbeitet, hat mir diese Zahlen auf Nachfrage bestätigt.

Die Schlussfolgerungen sind klar: China bezahlt den Einheimischen die gleichen Löhne wie den chinesischen Arbeitern. Die Franzosen bezahlen einheimischen Angestellten etwa 25- bis 30-mal weniger als ihren eigenen Leuten.

Doch ein Blick ins Internet zeigt: Zumindest in englischer Sprache findet man eine einzige Lawine an Fake News über das chinesische Engagement in Laos. Das ist alles, was die Welt über dieses Land und seinen heldenhaften Kampf um echte Unabhängigkeit wissen darf.

Wie immer in den westlichen Medien gilt: Schwarz ist Weiß, Jungs sind Mädchen, Krieg ist Frieden, und Flamingos sind Schweine.

Fortgeführte Kolonialisierung

In der Zwischenzeit sind, wie ich oben erwähnte, kommunistische Flaggen fast vollständig aus dem Stadtzentrum von Luang Prabang verschwunden. Wie mir erzählt wurde, weil die europäischen Touristen sie nicht sehen möchten.

Ja, die UNESCO hat die Restaurierungsarbeiten in der alten Hauptstadt beaufsichtigt, doch was ist das Ergebnis? Sentimentaler, „kolonialer“ Wohlfühlcharme; Tempel, Seidengeschäfte und Cafés mit Bier aus dem Westen und kostenlosem WLAN. Alte chinesisch-laotische Architektur sieht verdächtig französisch aus. Kein Wort von den Schrecken, die das Land in der jüngeren Vergangenheit durchleben musste; kein Wort davon, dass Hunderte Menschen aufgrund von nicht explodierter scharfer Munition im ganzen Land noch immer ihr Leben verlieren. Kein Wort über den französischen Kolonialismus, über den vom Westen verübten Völkermord während des sogenannten „Geheimen Kriegs“, der gegen das wehrlose Laos entfesselt wurde.

Und ja, kein Wort von der heldenhaften Pathet Lao (laotische, kommunistisch geprägte militärische Widerstandsbewegung; Anmerkung der Übersetzerin) und ihrem übermenschlichen Kampf um ein kommunistisches Vaterland gegen die westlichen imperialen Monster.

Am Stadtrand besuchen vornehmlich europäische Touristen das vorgebliche „Bären-Rettungszentrum“ – das tatsächlich nicht mehr ist als ein deprimierender Zoo für Ausländer –, überfüllte Wasserfälle und Höhlen mit religiösen Motiven. Kaum jemand geht zu den echten, unwegsamen und wunderschönen Höhlen, in denen sich die laotischen Patrioten versteckten, als sie gegen den Westen kämpften.

Heute ist das „Nationalmuseum“ im Zentrum der Stadt im Grunde eine – vom Ausland – eingepflanzte Glorifizierung der vergangenen laotischen Monarchie. Gleichzeitig werden in seinem schäbigen Theater, exklusiv für ausländische Touristen und zu einem „internationalen Preis“, verschiedene Fragmente aus dem Ramayana aufgeführt.

Und die öffentliche Bibliothek im Stadtzentrum verfügt seit einigen Jahren über etwas, was sich „Die amerikanische Ecke“ nennt. Dort finden sich Zeitschriften wie Allure, Entrepreneur *, *Reader’s Digest...

Mein Freund Mr. Seng Dao, ein Bibliothekar, erklärt:

„Wir können nicht viel tun. Wir können nicht einfach ‚Nein‘ sagen zu ihrer Ecke, ihren Büchern. In vielerlei Hinsicht können wir noch nicht offen ‚Nein‘ zu ihnen sagen. Doch die laotische Bevölkerung hat ihre Erinnerungen nicht verloren. Wir wissen und erinnern uns sehr gut, was uns angetan wurde. Und unsere Regierung erinnert uns daran; durch unsere Radiosender, unsere Presse, unsere Geschichtsbücher...“

In der Altstadt finden sich kaum Schilder in chinesischer Sprache. Ja, es ist paradox, denn die Stadt ist im chinesischen Stil erbaut, obwohl sie sich nun „kolonial“ oder „europäisiert“ anfühlt; standardisierte, größtenteils ignorante deutsche und französische Vorlieben ansprechend.

Von der laotischen Bevölkerung wird erwartet, dass sie einheimisch, possierlich und arm aussieht. Das tut sie, hier in der Stadt. Doch nur für den Moment.

Aufbau einer Nation

Ein paar Kilometer entfernt von dieser Pseudo-Realität, diesem über-kitschigen und zu einem gewissen Grad verräterisch herabwürdigenden Touristen-Bordell werden stolz chinesische Schilder aufgestellt, neben oder unterhalb von Texten in laotischer Schrift. Chinesen, die am Aufbau von Laos beteiligt sind, ziehen es vor, in den Außenbezirken von Luang Prabang zu leben, zusammen mit den Einheimischen, deren Speisen sie essen und in deren Gasthäusern sie schlafen.

Die Anwesenheit der chinesischen Ingenieure und Arbeiter verwandelt und verbessert die Realität. Werkstätten wachsen, Speiselokale florieren, und die echte lokale Wirtschaft wächst.

In weiterer Entfernung von der Stadt dröhnen leistungsstarke Maschinen, sie bohren Tunnels und bauen Brücken. Laos wird elektrifiziert; es wird durch Hochgeschwindigkeitszüge und neue Autobahnen mit dem Rest der Welt verbunden. Schulen und Krankenhäuser werden gebaut, Straßen werden geteert. Zwei kommunistische Länder; zwei asiatische Schwestern arbeiten hart, Seite an Seite.

Niemand jagt mich davon, wenn ich chinesische Baustellen fotografiere. Stolz lächelnde Gesichter heißen mich willkommen. Arbeiter winken mir zu oder verbeugen sich und machen sich dann sofort wieder an die Arbeit. Es gibt nichts zu verstecken. Es gibt keine Zeit zu verlieren. Dies ist die Realität: gute, fortschrittliche Realität!

Nichts ist perfekt, weder hier noch irgendwo sonst auf der Welt, doch besser als das hier geht es nicht. Daran glaube ich. Ich beobachte eine riesige Baustelle und Menschen, die die Nation aufbauen, die sie aus der buchstäblichen Asche heben, die der Imperialismus hinterlassen hat. Meine Brillengläser beschlagen. Der Mekong fließt unter mir und intakte, unberührte grüne Berge liegen in der sanften Umarmung weißer Wolken.

Ich denke mir: „Der Westen wagt es, hier von ‚Umweltzerstörung‘ zu sprechen? Und doch hat er bereits einige der unberührtesten Orte der Welt, die ich kenne, zerstört, vollkommen vergiftet und buchstäblich ausgerottet: Borneo, Papua, die Demokratische Republik Kongo! Wie kann er es wagen?“ Doch er tut es; er wagt es und kommt noch immer damit davon.

Der Nihilismus, die Verleumdungen, der Dreck, alles, was sich aus den Mäulern des Westens und seiner regionalen Diener ergießt – doch es kann diesen revolutionären Optimismus nicht abschrecken, der so klar erkennbar ist. Es ist einfach wunderschön, chinesische und laotische Menschen Seite an Seite arbeiten zu sehen: für eine bessere Welt.

Was haben die Länder, die diesen enormen Einsatz attackieren, je für Laos getan? Was hat der Westen für die Menschen hier getan? Er hat Laos kolonialisiert und versklavt. Und dann hat er, in einer ausgedehnten und wahrhaft unbegreiflichen Horrorshow, jahrelang die ganze Nation flächendeckend bombardiert und dabei Hunderttausende ermordet, und das ohne dem Land überhaupt den Krieg zu erklären!

Aufstehen gegen den Imperialismus

Wie kann es den Ländern, die in Laos – und auf der ganzen Welt – Völkermord verübt haben, gestattet sein, Laos und China zu kritisieren, ihre Bemühungen, das Leben ihrer Bevölkerung zu verbessern, kleinzureden?

Und wie kommt es, dass die laotische Bevölkerung Leute aus dem Westen noch immer toleriert, sie an Orten wie Luang Prabang gar „willkommen heißt“, obwohl sich diese offensichtlich respektlos gegenüber der wahren Essenz des laotischen Staates zeigen, für den so viele Einheimische ihre Leben geopfert haben? Was werden Leute aus dem Westen Laos beibringen, was können sie ihm überhaupt beibringen: Wie man dient, wie man ein guter gehorsamer, neo-kolonialer Untertan ist?

Niemand hier braucht das, außer ein paar wenigen Mitgliedern der verräterischen Elite.

Wieso dürfen Leute wie Prinzessin Beatrice oder irgendwelche „royalen“ Fuzzis das Gelände von Orten wie dem UXO-Informationszentrum überhaupt betreten? Die britische Königsfamilie ist das Symbol des weltweiten kolonialistischen Holocaust. In ihrem Namen verschwanden hunderte Millionen von „Unpersonen“ auf der ganzen Welt.

In der Vergangenheit waren dies bloß rhetorische Fragen. Jetzt werden solche Fragen ausgesprochen, um beantwortet zu werden.

Was in Laos passiert, nenne ich den Krieg zwischen revolutionärem Optimismus und westlichem Nihilismus. Mein neuestes Buch hat denselben Titel: Revolutionary Optimism, Western Nihilism.

Es ist der letzte Versuch der monströsen westlichen imperialistischen Kultur, ihre Kontrolle über den Planeten zu behalten.

Laos, in der Vergangenheit eines der am stärksten verwüsteten Länder der Erde, wird nicht länger zulassen, dass sein Peiniger – der Westen – es belehrt. In der Vergangenheit hat es gekämpft und, allen Hindernissen zum Trotz, gewonnen. Jetzt ist es wieder dabei zu gewinnen. Doch die „Waffen“ sind andere als in den Tagen des sogenannten „Geheimen Krieges“: Es sind Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecken, Brücken und Tunnel, mächtige Kraftwerke, Krankenhäuser und Schulen.


Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text erschien zuerst unter dem Titel „Laos – China is Building, West isDestroying and Spreading Nihilism“. Er wurde vom ehrenamtlichen Rubikon-Übersetzungsteam übersetzt und vom ehrenamtlichen Rubikon-Korrektoratsteam lektoriert.

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