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PR mit dem „Holocaust als PR“

PR mit dem „Holocaust als PR“

Der „Tagesspiegel“ hat mal wieder eine Breitseite gegen „Putinversteher und Aluhüte“ abgelassen.

So etwas grenzt für eine transatlantische Kirchenzeitung wie den “Tagesspiegel” zwar fast an Gotteslästerung, wäre aber noch kein Thema, hätte der Organisator der Veranstaltung, der Abgeordnete Dieter Dehm, sich nicht gerade auch noch gegen die Zensurversuche seines Parteigenossen Lederer in Sachen Ken Jebsen ausgesprochen.

Das ist dann ein schöner Anlass, die Antisemitismus-Keule gegen den “umstrittenen Moderator” auszupacken – und damit die Linken in der Linkspartei ein wenig mit brauner Soße zu begießen:

“Jebsen hatte in einer Mail an einen Hörer unter anderem geschrieben, er wisse, wer den Holocaust als PR erfunden und wie Goebbels die entsprechenden Kampagnen umgesetzt habe.”

Hier wird einmal mehr aus dem privaten Chat Jebsens zitiert, den dieser Hörer dem Springer-Journalisten Broder zuspielte, der damit die Diffamierungskampagne startete, welche zum Ende von KenFM beim “rbb” führte. Und die trotz der Klarstellung des Senders, dass die Vorwürfe gegen den langjährigen Moderator unzutreffend sind, bis heute immer wieder hochgezogen wird.

Ohne diese Klarstellung zu erwähnen, ohne weitere Recherche und natürlich ohne jede Rückfrage bei dem Betroffenen. Mit Journalismus hat das nichts zu tun, es wird PR gemacht mit dem “Holocaust als PR” – gegen einen kritischen Journalisten, gegen einen entschiedenen Friedensaktivisten, gegen eine Weltsicht, die über den transatlantischen Tellerrand hinausgeht.

Und wenn “Putinversteher” als Denunziation kaum noch zieht und “Verschwörungstheoretiker” durch inflationären Gebrauch nur noch Gähnen hervorruft, dann muß eben die Nr. 1 der Diffamierungsvokabeln, der gute alte “Antisemit” herhalten. Und wenn der nicht zu haben ist, nehmen wir “antisemitische Denkmuster” (Lederer).

Wie war das nun mit dem “Holocaust als PR” ? Weil mit dieser Äußerung seit fünf Jahren nur PR gemacht wurde, hatte kein Journalist bei Ken Jebsen nachgefragt, wie er das eigentlich gemeint hatte. Als ich ihn im vergangenen Jahr zwei Tage festnageln konnte und interviewte, wollte ich Genaueres über diesen nächtlichen Chat wissen, bei dem er das geschrieben hatte. Hier ein Auszug aus der umfänglichen Antwort Ken Jebsens. Das Ganze scheint mir mittlerweile ein Lehrstück, wie aus dem Zusammenhang gerissene Zitate zum Rufmord verwendet werden und wie Journalisten, die keine sind, mit dieser Methode PR machen.

"Irgendwann hatte ich in einem dieser Chats mal jemanden, von dem sich später herausstellte, dass es ein Historiker war. Der hatte erkennbar eine andere politische Meinung als ich. Zum Beispiel zur Geopolitik der Amerikaner, zu dem, was die Russen tun, kurz, der Typ war auf Krawall gebürstet. Das reizte mich. Die digitale Diskussion, eine Art Schlagabtausch, kam ins Rollen. Mir wurde später klar, mein Gegenüber spekulierte darauf, mir irgendeine Art von Falle zu stellen, nach dem Motto, wie kann man dem Jebsen einen Strick drehen. Wir kamen jedenfalls in einem sehr, sehr langen Chat auch auf das Thema Drittes Reich, Staatsterror und den Holocaust. Das ging wirklich sehr, sehr lange. Und irgendwann ist mir der Kragen geplatzt. Ich wollte mich nicht permanent von oben herab belehren lassen. Hier ließ einer wirklich den Oberlehrer raushängen. Ich war schwer genervt. Also habe ich morgens irgendwann geschrieben: »Sie müssen mir nicht den Holocaust erklären, ich weiß, wer ihn als PR erfunden hat.«
Dieser Satz ist natürlich missverständlich, denn er lässt offen, ob der Schreibende meint, der Holocaust hätte nie stattgefunden, oder aber, der Holocaust sei mit den Techniken der PR auf den Weg gebracht worden. Ich spreche dann in meinem Chat aber konkret Edward Bernays an.
Bernays war der Schwiegersohn von Sigmund Freud und hatte 1928 das Standardwerk “Propaganda” veröffentlicht. Eine Anleitung, um Massen zu manipulieren und ihnen fremde Ideen als die eigenen zu verkaufen. Das ist kein fauler Zauber, das ist angewendete Verhaltensforschung.
Auch Joseph Goebbels hatte “Propaganda” gelesen, er erkannte das "Potential" und wendete die dort beschriebenen Techniken der Manipulation eins zu eins an. Er kreierte den Zeitgeist, der nötig war, um später Millionen Menschen industriell zu vernichten. Edward Bernays wurde mit dieser Tatsache später konfrontiert, als ihm ein amerikanischer Reporter berichtete, er hätte "Propaganda" in Goebbels’ privater Bibliothek entdeckt. All das schrieb ich.
Bernays antwortete dem US-Reporter ganz pragmatisch, ihm sei immer klar gewesen, dass man mit seinen Erkenntnissen aus der Psychologie auch perverse Dinge anstellen könne. Du kannst ja auch ein Messer nehmen und dir ein Brot streichen oder jemanden erstechen.
Bernays hatte für meinen Geschmack recht variable Moralvorstellungen. Für ihn ging es vor allem um Erfolg. Erfolg um jeden Preis. Er hat ja später dann sowohl für die United Fruit Company gearbeitet, die in Südamerika Plantagen wie zu Sklavenzeiten betrieb, als auch für die US-Tabakindustrie Demos mit öffentlich rauchenden Frauen organisiert. Er hatte von der Tabakindustrie den Auftrag bekommen, jene fünfzig Prozent der Bevölkerung, die nicht rauchten, die Frauen, zum Tabakkonsum zu bringen, was ihnen damals in der Öffentlichkeit per Gesetz verboten war.
Also stellte er junge dynamische Frauen in für die damalige Zeit kurzen Röcken breitbeinig auf die Straßen New Yorks und ließ Fotos schießen, die diese Frauen dabei zeigten, wie sie öffentlich gegen das Gesetz verstießen, indem sie rauchten. Ein Sturm der Entrüstung wurde in den USA losgetreten. Mit welchem Effekt? Dass jetzt extrem viele junge Frauen, die nie Bock auf Tabak hatten, mit dem Rauchen anfangen, denn sie fühlten sich jetzt durch den Gesetzgeber gegängelt. Bernays hatte diese Frauen bewusst in ihrem Stolz getroffen. Wer als Frau cool sein wollte, verfiel jetzt dem Glimmstängel. Die Frauen wurden benutzt, merkten es aber gar nicht und fühlten sich auch noch gut dabei. Das ist perfekte Manipulation. Bernays ist einer ihrer perfidesten Pioniere und Joseph Goebbels war sein größter Fan.
Das alles schrieb ich in diesem Chat. Wer sich da aber nur den, zugegeben, hingeklatschten Satz rausschnappt, betreibt selber exakt das, was ich verurteilt habe: bewusste Manipulation. Dieser Historiker wendete Bernays’ Techniken gegen einen ARD-Reporter an und kam damit durch – und bis heute haben die meisten meiner Kritiker von damals nicht realisiert, dass man sie benutzt hat wie Bernays seinerzeit die dann rauchenden Frauen. Aber wie erklärt man Menschen, dass sie manipuliert werden, wenn der wesentliche Erfolg des Tricks doch darin besteht, dass sie es nicht wahrhaben wollen?
Zudem gab es in meiner Sendung KenFM über alle 545 Sendungen ohne Ausnahme eine Rubrik, die von Anfang an vertreten war. Sie hieß »RückblickKEN« und beschäftigte sich jede Woche mit dem Holocaust. Der Holocaust wurde 52-mal im Jahr und das über den gesamten Zeitraum der Sendung, also über neuneinhalb Jahre, Woche für Woche als die größte Warnung der Geschichte zitiert, und jede Woche gab es einen aktuellen Bezug zur Gegenwart. (…)
Ausgerechnet mir, der diese Epoche, wie gesagt, jede Woche behandelte, zu unterstellen, ich würde den Holocaust leugnen und als Erfindung zu PR-Zwecken bezeichnen, das geht nur, wenn man vorsätzlich die gesamte Geschichte von KenFM ausblendet und leugnet. Exakt das passierte in meinem Fall und die Mainstreampresse machte vollkommen gleichgeschaltet mit.”


Mehr fundierte Analyse im aktuellen Buch von Mathias Bröckers:

Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann


Quellen und Anmerkungen:

(1) http://www.tagesspiegel.de/politik/die-linke-unter-putin-verstehern-und-aluhueten/20610784.html

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