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Phantaschismus statt Demokratie

Phantaschismus statt Demokratie

Der Kapitalismus ist krank, aber nicht tot, und zeigt immer deutlicher die Konturen eines autoritären Systems.

„Nichts fickt Dich härter als die Zeit.“ — HBO, Game Of Thrones (siebte Staffel, Episode fünf, 2017)

„Die Menschen, die die Regeln machen, haben keinen Anreiz, zu ihrem eigenen Nachteil zu handeln.“ — Edward Snowden (Permanent Record, 2019)

Der Legende nach verdanken wir Preußens Feldherr Helmuth von Moltke den lakonischen Hinweis, dass kein Plan die erste Feindberührung überlebt. Ein scherzhaftes Sprichwort weiß zudem — wenn Du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle ihm von Deinen Plänen. Und ganz genauso ist es: Die Götter prusten inzwischen vor Lachen über mich, denn ich hatte für dieses Jahr tatsächlich einen Plan, wollte ich doch nach einer halben Dekade asketischer Schreibeinsamkeit endlich mein zeitdiagnostisches Lebenswerk in Buchform abschließen: Kritik der dystopischen Vernunft — eine cineastisch inspirierte Lagebildforschung mit dem lauernden Untertitel: Zur Multimorbidität autoritärer Herrschaft.

Seit Nietzsche wissen wir — der Asket macht aus der Tugend eine Not. Diese selbst gewählte Not wandelte sich bei mir in der ersten Hälfte des Jahres, zunächst schleichend und dann schnell, in eine regelrechte Notwehr gegen die tägliche mediale Überdosis jenes Impfung-Propaganda-Präparats mit dem Beipackzettelhinweis: Pandemie! Dreimal täglich einnehmen: Maske! Isolation! Überwachung! Die Feindberührung war also da — und mein Plan zunichte. Was also tun? Das Buchprojekt einstampfen? All die Jahre fieberhafte Wühlerei in den Archiven nur noch für die Tonne? Keineswegs! Denn Multimorbidität autoritärer Herrschaft — diese Formulierung entstand ja lange vor der aktuellen Lage und hatte nicht Jürgen Habermas immer von jedem öffentlichen Intellektuellen jenen „avantgardistischen Spürsinn für Relevanzen“ gefordert (1)?

Mir scheint inzwischen die Zeit für mein Buch noch nie so reif gewesen zu sein, wie heute. Ich sollte also jede weitere Ablenkung von diesem Lebenswerk meiden wie der Vampir den Knoblauch — und doch will ich mich mit dem folgenden Exkurs für die Dauer eines gedehnten Augenblicks von mir selbst ablenken, innehalten und am Zukunftshorizont drei Punkte anvisieren, die mir bei aller inzwischen überbordenden Feindschaftsdiskurspiraterie an allen Fronten aus dem Blickfeld zu geraten drohen.

Hyperkapitalismus

Quinn Slobodian, dem wir zweifellos die derzeit international beste Ideengeschichte des Neoliberalismus verdanken (2), hat in seinem aktuellen Debattenbeitrag in drastischer Zuspitzung darauf hingewiesen, dass die „Aasgeier des Kapitals“ auf unsere politische Passivität setzen und zudem die „Kirche des Neoliberalismus“ wiederaufgebaut „und das im Ausnahmezustand aufblitzende Paradies“ im Keim erstickt werde (3). Wie ist das zu verstehen? Der neoliberale Hyperkapitalismus unserer Zeit entfaltet seine irreversible Zerstörungskraft durch die multimorbide Synthese dreier Parallelprozesse, an deren Ende nichts anderes zu erwarten steht als tiefenprekarisierte Elendsökonomien (4).

Das multimorbide Grundmuster der Parallelprozesse aus Umverteilung, Finanzialisierung und Privatisierung ist inzwischen empirisch unumstößlich nachgewiesen (5) und sei hier in Zeitraffer noch einmal zur Erinnerung erzählt: Die Kapitalmachtzentren — man könnte auch sagen: die Eigentümereliten — haben (nicht zuletzt durch kybernetisch inspiriertes Verhaltensdesign) bereits in den frühen 1970er-Jahren begonnen, der damals weltweit dynamisch anschwellenden Protestbewegung ihre Widerstandskraft zu rauben und so schnell wie möglich in die globalen Verwertungs- und Ausbeutungsketten zu reintegrieren (6). Jörg Huffschmid bilanziert:

„Aus der Perspektive der politischen Ökonomie liegt die Hauptproblematik, die mit der wachsenden Bedeutung von Finanzinvestoren und ihren Strategien verbunden ist, in der enormen Verschiebung wirtschaftlicher und politischer Macht zugunsten des Kapitals. Finanzinvestoren fordern nicht nur immer höhere Renditen für die von ihnen verwalteten Vermögen; sie verändern die Rahmenbedingungen und Umwelt für alle wirtschaftlichen und zunehmende Teile der gesellschaftlichen Prozesse, indem sie sie unter verstärkten Konkurrenzdruck stellen und dazu zwingen, alle traditionellen gesellschaftlichen Verhältnisse dem Grundsatz schneller Gewinne unterzuordnen.

Das — relative — Machtgleichgewicht zwischen Arbeit und Kapital, das in der Nachkriegszeit erreicht worden ist und die Grundlage der kontinentaleuropäischen Sozialstaaten in allen verschiedenen Variationen war, wird zunehmend durch die beherrschende Rolle und die Strategien einer neuen Generation von Finanzinvestoren untergraben. An die Stelle sozialer Sicherheit als unabdingbarem Bürgerrecht treten unsichere und prekäre Perspektiven, der Reichtum der oberen Klasse nimmt ebenso zu wie die Zahl der Armen, sogar bei denen, die Arbeit haben“ (7).

Parademokratie

Parallel dazu manövriert sich der nervöse Staat (8) inzwischen in die endogene Antizipationsfalle und befindet sich nach eigenem Ermessen in permanenter Alarmbereitschaft. Sein Ziel: Gefahren beseitigen, bevor sie entstehen (Minority Report!). Aus ständiger Angst, das Timing für den richtigen Handlungszeitpunkt zu verfehlen, hält er dauerhaft nach willkürlich definierten, potenziellen Feinden und Gefährdern von innen wie von außen Ausschau (9). Die Konsequenz hieraus:

Staatliches Handeln agiert bereits in Normallagen so, als befinde man sich im Ausnahmezustand — flankiert durch ein jederzeit abrufbares Präventions- und Polizeirecht, das der Logik der Verhinderung von Risiken, Gefahren und Krisen vor deren Auftauchen folgt.

Zwischen Markt und Staat haben sich demnach parademokratische Souveränitätseffekte finanzmarktgetriebener Reichtumsverteidigungspolitik (10) eingestellt, die mit den Methoden und Strategien militärischer Aufstandsbekämpfung (11) schonungsloses targeting der eigenen Bürger betreiben. Joseph Vogl hat in seiner Berliner Antrittsvorlesung bereits 2007 diese perfide Logik der Tat mit der für ihn typischen, unterkühlten Eleganz demaskiert:

„Es spricht jedenfalls einiges dafür, dass sich das politische Geschick spätestens seit dem sogenannten ‚Krieg gegen den Terror‘ durch eine erregte ‚skopische Aktivität‘ definiert, gebannt und bewegt von Ziel-Gelegenheiten: Gelegenheit zum Sturz der Taliban, zur Neuordnung des Nahen Ostens, zur Vernichtung Saddam Husseins, zur Erledigung dieses oder jenes feindlichen Objekts. Peilung, Adressierung und der fortgesetzte Suchlauf zur Identifikation des Feinds kennzeichnen den Ausnahmezustand und die Infrastruktur einer Weltinnenpolitik, die im Zeichen eines neuen Militarismus agiert — ein dauerhaftes Management fester und beweglicher, flüchtiger und verdeckter, harter oder weicher, zweifelhafter oder unbekannter Ziele, die wir allesamt sind.

Ein aktueller Begriff des Politischen muss wohl die Rationalität des targeting und die Unausweichlichkeit seiner Reaktionsketten in Rechnung stellen. Alle Feindpeilung geschieht unter dem Diktat einer knappen und fliehenden Zeit, jede andere Annahme und Bestimmung — und zuletzt das Erscheinen des Freunds — verlangt unabsehbare Verweildauern. Zweifellos konstituiert sich Politik umso mehr mit den Folgen zwanghafter Schnellentscheidungen, mit all den damit verbundenen präventiven und postoperativen Lasten“ (12).

Phantaschismus

Angesichts dieser erschütternden Befunde wäre es eine geradezu fahrlässige Mystifikation der realen Kapitalmachtstrukturen, von einer neuen Wirtschaftswelt zu träumen, die endlich den demokratischen Interessen der großen Mehrheit dient — Motto: Möge der neoliberale Krisenkapitalismus endlich untergehen, dann ist die Bahn frei in das gelobte Land der Kreativsubjekte. Versprecht euch nicht zu viel vom Untergang — möchte man entgegnen!

Betrachtet man nämlich die drei schwersten Weltwirtschaftskrisen seit den 1920-Jahren (1929, 1973, 2008) unter dem soziohistorischen Mikroskop (13), kommen starke Zweifel auf und die Frage stellt sich: Warum regt sich heute kein der Sachlage angemessen breiter Widerstand?

Warum lassen wir diese „ewige Wiederkunft“ (Nietzsche) des Kapitals zu?

Haben wir aus der Geschichte kapitalistischer Krisen nicht genug gelernt? Hier lohnt sich ein Seitenblick auf die Psychoanalyse Jacques Lacans — für ihn wächst das Subjekt nämlich niemals harmonisch in seine soziale Umwelt hinein (14). Lacan teilt nicht den Glauben an ein authentisches Selbstverhältnis des Subjekts nach erfolgter kognitiver Klärung oder Reinigung verdrängter Wünsche, Begehren, Traumata:

„Für Lacan ist das Subjekt je dazu verdammt, sich vorauszueilen, sich zu verpassen und letztlich nie mit sich und seiner Umwelt in eine verzerrungsfreie Beziehung zu treten“ (15).

Pointiert man die lacanianische Subjekttheorie politisch, lautet die Erkenntnis, dass man den kollektiven Phantaschismus als totalitäre Versuchung unserer Parademokratie begreifen muss — der Philosoph Dominik Finkelde resümiert:

„Phantaschismus ist ein gefahrenvolles Strukturprinzip jeder Gesellschaftsform (gleich ob demokratisch, totalitär, feudal et cetera). Sie evoziert mithilfe von Phantasmen zur Abblendung von Aporien innerhalb der ideologischen Gefüge eines Gemeinwesens ein Wir vermittels einer kollektiv-genussvollen Transgression des Normativen. Erst vor der durch exorbitante Phantasien gespeisten Verdrängung innerer Gesellschaftskonflikte kann der Horizont bestimmter, das Kollektiv vereinender Werte anerkannt werden, eben weil die gelungene Verdrängung der bestehenden Antagonismen den durch die Kollektivphantasie bestimmten Grundwerten der betroffenen politischen Gemeinschaft fundamental widerspricht.

Der Widerspruch wird dann oftmals nicht mehr erfasst, da eine phantaschistische Verdrängung das kollektive Wir neu etabliert hat. Eine neue Gewissheit hat die alte abgelöst, ohne dass diese Ablösung kognitiv durchdrungen werden kann — zumindest nicht auf breiter Ebene des öffentlichen Wir-Diskurses. Der Genuss der kollektiven Phantasie hat den Beurteilungsmaßstab imprägniert, an dem sich die Wirklichkeitskonstitution wie an einer neuen Maßeinheit ausrichtet.

Die Folgen sind dann beispielsweise: Menschen rassistisch zu verfolgen, auch wenn das verfolgende Kollektiv die Gleichheit der Menschen gesetzlich anerkennt. Ebenso kann es dazu führen, Menschen zu foltern, obwohl man Foltern völkerrechtlich für verboten hält. Ebenso kann es dazu führen, Bürger eines Landes mit Totalüberwachung zu überziehen und gleichzeitig die Unantastbarkeit der Privatsphäre als nicht invadiert anzunehmen. Man kann auch an Landnahme und Landraub denken, selbst wenn der Raubende solche Handlungen als völkerrechtswidrig geächtet anerkennt (…)

All dies ist möglich, wenn Phantasien einen kollektiven Genuss erzeugen, bis ein dergestalt neu gebildetes Wir die Widersprüche seiner Handlungen aufgrund dieses phantasmatisch gelenkten Genusses nicht mehr realisiert. Es ist dann kaum etwas anderes als die Verdrängung der Widersprüche, die dieses Wir hat entstehen lassen und die es umso kraftvoller und dynamischer zur politischen Tat befähigt“ (16).

Halten wir fest: Auch wenn man die theoriestrategischen Prämissen des hier vorgestellten Krisenerklärungsmusters nicht teilt, so lässt sich doch unschwer erkennen, dass uns dreidimensional die ökonomischen (Hyperkapitalismus), politischen (Parademokratie) und subjektiven (Phantaschismus) Folgekosten der aktuell behaupteten Pandemie noch sehr lange begleiten werden. Was aber, wenn sich eines Tages herausstellt, dass der Preis in allen drei Dimensionen zu hoch war? Welches neue kollektive Wir-Phantasma wird sich dann wohl formieren?

Man fühlt sich im Angesicht der aktuellen Weltlage unweigerlich an den klassischen Kalauer erinnert: Wenn das die Lösung war, dann will ich mein Problem zurück. Psychoanalytiker wissen zu berichten — es dauert mindestens zwei Generationen, um ein kollektives Trauma zu überwinden (17). Es steht zu befürchten, dass uns diese Zeit nicht bleibt.


Quellen und Anmerkungen:

(1) Siehe hierzu instruktiv: Iser, Mattias/Strecker, David. Jürgen Habermas zur Einführung. Hamburg: Junius 2010, 16-55; ferner: Brunkhorst, Hauke/Kreide, Regina/Lafont, Cristina (Hg.). Habermas-Handbuch. Stuttgart: J.B. Metzler 2009, 324-328.
(2) Slobodian, Quinn. Globalisten. Das Ende der Imperien und die Geburt des Neoliberalismus. Berlin: Suhrkamp 2019; von ähnlicher ideengeschichtlicher Qualität und gedanklicher Dichte: Maiolino, Angelo. Politische Kultur in Zeiten des Neoliberalismus. Eine Hegemonieanalyse. Bielefeld: transcript 2014.
(3) https://jacobin.de/artikel/slobodian-coronavirus-neoliberalismus-aasgeier/
(4) Siehe zum Begriff des Hyperkapitalismus: Piketty, Thomas. Kapital und Ideologie. München: C.H.Beck 2020, 813-896; zur Prekarisierung der Arbeitsmärkte und den daraus resultierenden Elendsökonomien: Bontrup, Heinz-J. Krisenkapitalismus und EU-Verfall. Köln: PapyRossa 2016, 83-93; ferner: Schulmeister, Stephan. Der Weg zur Prosperität. Salzburg: Ecowin 2018, S 272-303; inwieweit Prekarisierung das Kernproblem jeder künftigen Gesellschaftstheorie darstellt, erkennt als einziger deutschsprachiger Soziologe derzeit nur: Marchart, Oliver. Die Prekarisierungsgesellschaft. Prekäre Proteste. Politik und Ökonomie im Zeichen der Prekarisierung. Bielefeld: transcript 2013; Marchart, Oliver. Das unmögliche Objekt. Eine postfundamentalistische Theorie der Gesellschaft. Berlin: Suhrkamp 2013, 390-422; zum empirisch unangreifbar abgesicherten Befund der volkswirtschaftlichen Zerstörungseffekte ökonomisch verschärfter Umverteilung von den Arbeits- zu den Kapitaleinkünften: Saez, Emmanuel/Zucman, Gabriel. Der Triumph der Ungerechtigkeit. Steuern und Ungleichheit im 21. Jahrhundert. Berlin: Suhrkamp 2020; hierzu prägnant auch anhand der vier volkswirtschaftlichen Wertschöpfungsarten (Gewinne, Zinsen, Mieten/Pachten, Löhne): Sayer, Andrew. Warum wir uns die Reichen nicht leisten können. München: C.H.Beck 2017; ferner Mazzucato, Mariana. Wie kommt der Wert in die Welt? Von Schöpfern und Abschöpfern. Frankfurt am Main: Campus 2019; dass der neoliberale Hyperkapitalismus inzwischen in sein surreales Finalstadium eingetreten ist, zeigen anregungsreich anhand vieler Beispiele aus der Alltags- und Populärkultur: Metz, Markus/Seeßlen, Georg. Kapitalistischer (Sur)realismus. Neoliberalismus als Ästhetik. Berlin: Bertz + Fischer 2018.
(5) Siehe zur folgenden Darstellung grundlegend: Huffschmid, Jörg. Politische Ökonomie der Finanzmärkte. Hamburg: VSA 2002; Huffschmid, Jörg. Kapitalismuskritik heute. Zeitdiagnosen: Vom Staatsmonopolistischen zum Finanzmarktgetriebenen Kapitalismus. Hamburg: VSA 2010, 52-73; für den schnellen Einstieg überaus geeignet: Bischoff, Joachim. Finanzgetriebener Kapitalismus. Entstehung — Krise — Entwicklungstendenzen. Eine Flugschrift zur Einführung. Hamburg: VSA 2014; zum inzwischen undurchdringlichen Korruptionsgeflecht: Rügemer, Werner. Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts. Gemeinverständlicher Abriss zum Aufstieg der neuen Finanzakteure. Köln: PapyRossa 2018.
(6) Höchst aufschlussreich und in einschlägigen kapitalismuskritischen Diskursmilieus bisher völlig übersehen: Moser, Jeannie/Vagt, Christina (Hg.). Verhaltensdesign. Technologische und ästhetische Programme der 1960er- und 1970er-Jahre. Bielefeld: transcript 2018; neue verhaltenssteuernde Regierungstechniken zur Einhegung von Protestbewegungen wurden bereits in den 1970er-Jahren innerhalb der Kapitalmachtzentren und in strukturell gekoppelten Denkfabriken ersonnen (zum Beispiel ein regelrechter Vielfrontenkrieg gegen die Gewerkschaften) — dies zeigt brillant und minutiös: Chamayou, Grégoire. Die unregierbare Gesellschaft. Eine Genealogie des autoritären Liberalismus. Berlin: Suhrkamp 2019; zur avancierten Kritik des Eigentums: Loick, Daniel. Der Missbrauch des Eigentums. Berlin: August Verlag 2018; das eigentliche Thema der beiden Qualitätsserien The Wire und Breaking Bad ist denn auch nicht etwa Drogenhandel, sondern in Wahrheit der erbarmungslose Zerfall der Mittelschicht im Neoliberalismus: Eschkötter, Daniel. The Wire. Zürich: diaphanes 2012; Koch, Gertrud. Breaking Bad. Zürich: diaphanes 2015.
(7) Huffschmid (2010: 69-70); siehe zu diesem ewigen Machtkampf in globalgeschichtlicher Perspektive: Acemoglu, Daron/Robinson, James A. Warum Nationen scheitern. Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut. Frankfurt am Main: S. Fischer 2014; Acemoglu, Daron/Robinson, James A. Gleichgewicht der Macht. Der ewige Kampf zwischen Staat und Gesellschaft. Frankfurt am Main: S. Fischer 2019; man könnte inzwischen sogar von Privatregierungen sprechen: Anderson, Elizabeth. Private Regierung. Wie Arbeitgeber über unser Leben herrschen (und warum wir nicht darüber reden). Berlin: Suhrkamp 2019; zur destruktiven Wirkung struktureller Überakkumulation des Finanzsektors schonungslos und berstend vor Insiderwissen: Hudson, Michael. Der Sektor. Warum die globale Finanzwirtschaft uns zerstört. Stuttgart: Klett-Cotta 2016; Hudson, Michael. Finanzimperialismus. Die USA und ihre Strategie des globalen Kapitalismus. Stuttgart: Klett-Cotta 2017; zu den sozialstrukturellen Ungleichheitseffekten postindustrieller Ökonomie seit den 1970er-Jahren maßstabsetzend: Boltanski, Luc/Esquerre, Arnaud. Bereicherung. Eine Kritik der Ware. Berlin: Suhrkamp 2018.
(8) Siehe hierzu die bahnbrechende Habilitation: Barczak, Tristan. Der nervöse Staat. Ausnahmezustand und Resilienz des Rechts in der Sicherheitsgesellschaft. Tübingen: Mohr Siebeck 2020; ferner zu diesem Themenkomplex der mittlerweile von jeder demokratischen Kontrolle entkoppelten Exekutive: Frankenberg, Günter. Staatstechnik. Perspektiven auf Rechtsstaat und Ausnahmezustand. Berlin: Suhrkamp 2010; Frankenberg, Günter. Autoritarismus. Verfassungstheoretische Perspektiven. Berlin: Suhrkamp 2020; siehe für eine avancierte Kritik der Deformationseffekte des modernen Rechtssystems auf das Subjekt die Habilitation: Loick, Daniel. Juridismus. Konturen einer kritischen Theorie des Rechts. Berlin: Suhrkamp 2017; inwieweit die imaginierte Zukunft der jeweiligen Gegenwart die Handlungsluft abschnürt, zeigt mit souveräner Quellenkenntnis: Beckert, Jens. Imaginierte Zukunft. Fiktionale Erwartungen und die Dynamik des Kapitalismus. Berlin: Suhrkamp 2018.
(9) Schonungslos entlarvend: Mbembe, Achille. Politik der Feindschaft. Berlin: Suhrkamp 2017.
(10) Siehe hierzu: Vogl, Joseph. Der Souveränitätseffekt. Zürich: diaphanes 2015, 201-251.
(11) Die angemessen würdigende Rezeption dieser beiden international hoch angesehen Autoren hat die deutsche Scientific Community bisher völlig verschlafen: Harcourt, Bernard E. Gegenrevolution. Der Kampf der Regierungen gegen die eigenen Bürger. Frankfurt am Main: S. Fischer 2019; Fassin, Didier. Der Wille zum Strafen. Berlin: Suhrkamp 2018.
(12) Vogl, Joseph. Über das Zaudern. Zürich: diaphanes 2014, 137-138.
(13) Steg, Joris Alexander. Krisen des Kapitalismus. Eine historisch-soziologische Analyse. Frankfurt am Main: Campus 2019.
(14) Siehe hierzu: Finkelde, Dominik. Exzessive Subjektivität. Eine Theorie tathafter Neubegründung des Ethischen nach Kant, Hegel und Lacan. Freiburg: Verlag Karl Alber 2015; 254; ferner: Finkelde, Dominik. Slavoj Žižek zwischen Lacan und Hegel. Politische Philosophie — Metapsychologie — Ethik. Wien: Turia + Kant 2019; für eine ingeniöse tour de force durch das Spätwerk Lacans: Laurent, Éric. Die Kehrseite der Biopolitik. Eine Schrift für das Genießen. Wien: Turia + Kant 2019.
(15) Finkelde (2015: 254).
(16) Finkelde, Dominik. Phantaschismus. Von der totalitären Versuchung unserer Demokratie. Berlin: Vorwerk 8 2016, 22-23; ferner zum Phantasma des genusspolitisch konstruierten Wir-Diskurses: Garcia, Tristan. Wir. Berlin: Suhrkamp 2018.
(17) Siehe hierzu ingeniös: Rolnik, Suely. Zombie Anthropophagie. Zur neoliberalen Subjektivität. Wien: Turia + Kant 2018.

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