Zum Inhalt:
Nur Verlierer

Nur Verlierer

Kriege können nicht gewonnen werden und sind niemals gerecht ― trotzdem werden sie geführt. Teil 2/3.

Im ersten Teil lege ich die verdeckte Kriegsführung seitens der USA und der Central Intelligence Agency (CIA) zu Beginn des Stellvertreterkriegs in Angola dar sowie deren widersprüchliche Strategie und beschreibe die daraus resultierende Gewaltspirale, welche die gewaltbereiten, rivalisierenden Gruppierungen der damaligen angolanischen Unabhängigkeitsbewegung erfasst.

Afghanistan: Wer hat nun ‚gewonnen‘?

Lachende Frauen mit Miniröcken

„Im Sommerkleid durch Afghanistans ‚goldene Ära‘“, titelt im Jahr 2016 ein Artikel der Welt, welcher Einblicke gibt in die dortigen Sechziger- und Siebzigerjahre. Professor William Podlich zog 1967 nach Kabul und fand ein „Land im Aufschwung vor“. Private Fotografien zeigen kurze Röcke, Frauen ohne Kopftuch, moderne Autos, belebte Straßen und lachende Menschen sowie das reichhaltige Angebot auf einem Markt.

„Junge Afghaninnen und Afghanen durften in den 1960er-Jahren weiterführende Schulen besuchen. Uniform war Pflicht, Vollverschleierung in der Schule nicht erlaubt.“

Podlichs Tochter Peg erinnert sich:

„Wenn ich mir die Fotos meines Vaters ansehe, erinnere ich mich an ein Land mit Tausenden Jahren Geschichte und Kultur. Ich erinnere mich an die vielen schönen, großherzigen und freundlichen Menschen mit den unterschiedlichsten ethnischen Hintergründen.“

Das alles sieht so unglaublich anders aus als alles, was wir in den vergangenen Jahrzehnten aus Afghanistan zu sehen bekommen haben. Was ist passiert?

Afghanistan und die CIA

Tatsächlich folgten vierzig Jahre Krieg, in denen Afghanistan zum Spielball der Großmächte wurde. In meiner Analyse „Der vergessene Krieg“ von 2021 beschreibe ich insbesondere die traurige Rolle der Bundeswehr darin, denn Deutschland befand sich 20 Jahre lang, von 2001 bis 2021, in diesem Krieg. Auch auf die Vorgeschichte gehe ich ein, und diese sei hier in Kürze wiederholt, da dieser Rückblick für ein zusammenhängendes Verständnis notwendig ist.

Im Jahr 1979 marschierte die Sowjetunion in Afghanistan ein. Abgewehrt wurden sie dort von den Mudschahedin, fundamentalistische und militante Islamisten, die durch die CIA aufgerüstet wurden. Die Sowjets konnten diesen Krieg letztlich nicht gewinnen und zogen 1989 ab.

In dem Arte-Dreiteiler „CIA – Guerres secrètes“ aus dem Jahr 2003, auf Deutsch „Geschichte der CIA“ oder besser wörtlich: „CIA – Verdeckte Kriege“, äußern sich ehemalige Agenten auch zu dieser Zeit. Der ehemalige CIA-Direktor Robert M. Gates bringt es auf den Punkt:

„Die fundamentalistischsten Gruppierungen, die damals unsere Verbündeten waren, sind heute unsere Gegner. Oder die, die daraus entstanden sind.“

Auch der russische Geheimdienstler Oleg Kalugin, ein Berater des letzten KGB-Chefs, erinnert sich:

„Sicher. Die CIA hat den afghanischen Mudschaheddin Waffen und Instruktionen geliefert. Und wie wir wissen, gehörte Osama bin Laden damals auch zu den Empfängern.“

Frank Carlucci, ehemals Vize-CIA-Direktor, bestätigt:

„Vielleicht brauchten sie gar nicht so viele Waffen. Die Stinger-Raketen, all die Unterstützung. Vielleicht haben wir die fundamentalistische Bewegung erst geschaffen.“

Robert Steele, ehemaliger CIA-Agent, geht noch weiter:

„Wir schickten Bomber in den Norden Russlands, nur um zu sehen, wie weit wir kamen. Darum steckte die Sowjetunion so viel Geld in Raketen und andere Abwehrsysteme. Die USA haben das provoziert. So etwas ist schlechte Politik. Es war dummes Cowboygehabe und wir hätten das nie tun sollen.“

War es wirklich nur das? 1986 stand die UdSSR dann kurz vor dem Zusammenbruch, heißt es im Film. Robert M. Gates fasst zusammen:

„Die zunehmenden Verluste und Probleme in diesem Krieg wirkten sich in der Sowjetunion genauso aus, wie der Vietnamkrieg in den USA. Das hat, glaube ich, erheblich zum Zusammenbruch der Sowjetunion beigetragen.“

Ob das nun Zufall oder lange Planung war, bleibt im Arte-Film unbeantwortet. Doch seit wann genau rüsteten die USA die Mudschahedin auf? Der Historiker Daniele Ganser bezieht sich hierzu auf Aussagen des damaligen Sicherheitsberaters des Präsidenten, Zbigniew Brzeziński, von 1998:

„‚Gemäß der offiziellen Version der Geschichte begann die Hilfe der CIA an die Mudschaheddin im Jahre 1980, also nachdem die Sowjets am 24. Dezember 1979 in Afghanistan einmarschiert waren‘, so Brzeziński. ‚Aber die Realität, streng gehütet bis heute, ist eine gänzlich andere. Es war am 3. Juli 1979, als Präsident Carter die erste Direktive unterschrieb, welche die geheime Hilfe an die Gegner des pro-sowjetischen Regimes in Kabul einleitete‘“ (1).

Somit war Präsident Carter über die geheime Kriegspolitik der USA in Afghanistan informiert gewesen. „Am selben Tag (3. Juli 1979) schrieb ich dem Präsidenten, dass diese Unterstützung (an die Mudschahedin) eine sowjetische Invasion auslösen würde“, erinnert sich Brzeziński‚ der offenbar nichts bereute.

„Die geheime Operation war eine ausgezeichnete Idee. Sie hatte den Effekt, die Russen in die afghanische Falle zu locken“ (2).

Das internationale Eingreifen in Afghanistan hat eine Gewaltspirale in Gang gesetzt, die letztlich bis heute anhält, auch noch nachdem die ausländischen Truppen bereits abgezogen sind.

Psychologische Kriegsführung im Afghanistan: Kinderbücher für den Dschihad

Gegen Ende des Kalten Krieges investierten die Vereinigten Staaten Millionen von Dollar in Schulbücher, um afghanische Schulkinder zu indoktrinieren. Diese waren mit der bildhaften Darstellung von Gewalt und militanten islamischen Lehren gefüllt, um auf verdeckte Art und Weise den Widerstand gegen die sowjetische Besatzung anzustacheln. Das beschreibt die Washington Post in dem Artikel „Aus den USA, das ABC des Dschihad: Grausame Schulbücher aus der Sowjetzeit erschweren afghanische Bildungsbemühungen“ im März 2002.

Die Lehrbücher thematisierten den Dschihad und zeigten Zeichnungen von Gewehren, Kugeln und Soldaten. Den Kindern wurde anhand von Illustrationen, die Panzer, Raketen und Landminen darstellten, das Zählen beigebracht. Sie waren der Kernlehrplan des afghanischen Schulsystems. Sogar die Taliban hätten die von den Amerikanern produzierten Bücher verwendet.

Die in den vorherrschenden afghanischen Sprachen Dari und Paschtu veröffentlichten Lehrbücher seien Anfang der 1980er-Jahre im Rahmen eines Zuschusses der United States Agency for International Development (USAID, Behörde der Vereinigten Staaten für internationale Entwicklung) für die Universität von Nebraska-Omaha und ihr Zentrum für Afghanistan-Studien entwickelt worden. Die Agentur habe zwischen 1984 und 1994 51 Millionen Dollar für die Bildungsprogramme der Universität in Afghanistan ausgegeben.

Die USAID stellte 1994 die Finanzierung der afghanischen Programme ein. Die Lehrbücher zirkulierten jedoch in verschiedenen Versionen weiter, auch nach der Machtübernahme durch die Taliban im Jahr 1996. Seit 2001 rangen die Vereinigten Staaten dann mit den unbeabsichtigten Folgen ihrer „erfolgreichen Strategie“.

Noch im Jahr 2002 waren diese Bücher in Schulen und Geschäften weit verbreitet. „Die Bilder in den Texten sind für Schüler schrecklich, aber die Texte noch viel schlimmer“, so der afghanische Pädagoge Ahmad Fahim Hakim. Ein Mitarbeiter einer regionalen Hilfsorganisation überprüfte ein 100-seitiges, nicht überarbeitetes Buch und zählte 43 Seiten mit gewalttätigen Bildern oder Passagen. Doug Pritchard, der die Lehrbücher im Dezember bei einem Besuch in Pakistan im Auftrag einer in Kanada ansässigen christlichen gemeinnützigen Gruppe durchgesehen hat, zeigte sich schockiert:

„Das ständige Bild von Afghanen als natürlichen Kriegern ist falsch. Krieger werden geschaffen. Wenn man eine andere Art von Gesellschaft will, muss man sie schaffen.“

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF verfügte 2002 noch über 500.000 Exemplare der alten „militarisierten" Bücher, eine Investition von 200.000 Dollar, die nach Angaben von UN-Beamten vernichtet werden sollen.

Krieg in Afghanistan 2001 bis 2021

Die Anschläge vom 11. September 2001 waren der Auslöser für die deutsche Beteiligung am Afghanistankrieg. Bereits wenige Tage nach den Anschlägen, am 20. September 2001, kündigte Präsident George W. Bush in seiner Rede vor dem Kongress einen quasi nicht mehr endenden „Krieg gegen den Terrorismus“ an:

„Er wird nicht eher zu Ende sein, bis jede weltweit tätige terroristische Gruppe gefunden, am weiteren Vorgehen gehindert und besiegt worden ist.“

Die Bush-Administration erklärte ad hoc Osama bin Laden und die Taliban für die Anschläge verantwortlich, die bis heute nicht aufgeklärt worden sind.

Geostrategisch gesehen liegt Afghanistan an einem bedeutenden Ort, weil in den Nachbarländern und im Kaspischen Meer viel Öl und Gas zu finden ist. Vom zentralasiatischen Afghanistan ist es zudem nicht mehr weit bis nach China, Russland und zum Iran. Afghanistan spielt also eine Rolle bei der Kontrolle über die Ölquellen im Mittleren Osten.

Es liegt im Interesse der USA, diese nicht an China oder Russland zu verlieren. Außerdem bedeutet der Mittlere Osten einschließlich Iran und Afghanistan eine wichtige Pufferzone zu Russland und China (2, 3).

Einfaches Feindbild: Wer sind die Taliban?

Die bis heute anhaltende Gewalt in Afghanistan ist kein ethnischer Konflikt, sondern Folge der seit 40 Jahren befeuerten Gewaltspirale sowie der daraus resultierenden blanken Armut. Die einstigen Verbündeten des Westens, die Mudschahedin, hatten Macht und Einfluss erlangt und wurden dann zum Feinbild erklärt.

„So wird häufig verkannt, dass in Afghanistan nicht um Ideologien, seien es islamische, ethnische oder weltliche, gekämpft wird, sondern um Macht und Einfluss sowie um die Kontrolle wirtschaftlicher Ressourcen wie Schmuggelpfade (oder) Schlafmohnfelder ...“, erklärt der deutsche Friedens- und Konfliktforscher Conrad Schetter im Jahr 2002. Zudem habe sich in Afghanistan ein Gewaltmarkt etabliert, auf dem militärische Einheiten ihre Kampfkraft an die meistbietenden Parteien verkauften: Unzählige Kommandeure und Kampfeinheiten wechselten aus politischem Opportunismus und wirtschaftlichen Anreizen mehrfach die Fronten ― unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit.

Afghanistan ist ein Vielvölkerstaat. Dort leben iranisch sprechenden Paschtunen, Tadschiken und Hazaras, turksprechende Usbeken und Turkmenen sowie viele weitere Ethnien ― und nicht getrennt voneinander, sondern bunt gemischt. Traditionell konzentrierten sich politische und soziale Organisation in Afghanistan auf Solidargemeinschaften wie Familie, Clan, Dorf oder Stamm. Dem vom Westen installierten afghanischen Präsidenten Hamid Karzai (2001 bis 2014) fehlte der Rückhalt aus der Bevölkerung. Die westliche Idee, einen Zentralstaat in Afghanistan zu errichten, hätte eine einfache und dauerhafte imperiale Einflussnahme begünstigt, entspricht allerdings gar nicht den dortigen Gegebenheiten, wie auch für die Soldaten vor Ort deutlich ersichtlich war.

„Ethnizität ist nicht Ursache des Afghanistankonflikts, sondern Folge der politischen und militärischen Mobilisierung“, fasst Conrad Schetter zusammen. Den meisten Afghanen seien alle Kriegsparteien gleichermaßen verhasst. Ethnizität zur Grundlage einer Friedensfindung zu machen, behebe nicht die Ursachen des Konflikts, sondern bestärke nur diejenigen, die Ethnizität als Instrument der Interessendurchsetzung einsetzen.

Dazu passend berichtet der ehemalige Fallschirmjäger Johannes Clair zum Begriff der Taliban aus seiner Erfahrung:

„Die Taliban gibt es meiner Meinung nach sowieso nicht, sondern es gibt eine Vielzahl von Taliban Gruppierungen. Es gibt welche, die nur in Pakistan operieren. Es gibt welche, die von Pakistan nur in Afghanistan operieren, (...) welche, die nur in Afghanistan operieren, und in Afghanistan noch eine Vielzahl von Untergruppierungen, die sich teilweise auch in Konkurrenz gegenüberstehen. Das ist keine homogene Gruppe. Wir sagen dann immer, die Taliban greifen an. Oder so wurden wir ja ausgebildet. In Wirklichkeit wussten wir es nicht.“

Gegenwart in Afghanistan

Die Funk-Dokumentation „STRG_F bei den Taliban: Warum finden Menschen sie gut?“ vom Juni 2022 enthält einige spannende und wertvolle Interviews zur Gegenwart im Land. Einige Rückblicke betreffend bewegt sich der Film innerhalb des westlichen Narrativs zum Afghanistan-Krieg. Die Filmemacherin Mariam Noori besucht nach 30 Jahren ihren Großvater in einem Land, in dem wieder die Taliban das Sagen haben. Der Film bildet unvoreingenommen sehr unterschiedliche Perspektiven der Menschen ab.

Die Filmemacher finden ein zumindest auf den ersten Blick friedliches Afghanistan vor. Gleichzeitig herrscht ein gewisses Chaos: Alle paar Hundert Meter gibt es Checkpoints und es gelten, etwa die Bekleidung betreffend, unterschiedliche Regeln.

Mariam Noori spricht mit ihrem Großvater. „Ich habe mich gefragt, was soll aus Afghanistan werden, jetzt wo die Taliban zurück sind. Und dann habe ich gehört, dass du überhaupt keine Angst hattest.“ ― „Nein, nein“, bestätigt er. „Vor den Taliban wurden täglich Menschen umgebracht. Wegen eines Handys wurden Menschen ermordet. Sie haben die Diebe und Mörder aus Masar-e Scharif verschwinden lassen. (…) Heute ist es ruhig geworden. Diejenigen, die sie verachten, sind die, die für die alte Regierung gearbeitet haben.“

Während des Kriegs und der Präsidentschaft von Hamid Karzai gab es sehr viel Korruption und auch Landraub. Die Taliban gaben dem Großvater sein verlorenes Land zurück.

In Afghanistan gibt es also auch Stimmen, die zufrieden sind mit der Arbeit der Taliban. Die meisten von ihnen sind in erster Linie erleichtert, dass der Krieg vorbei ist.

Nooris Großvater, der eine Nichtmuslima geheiratet hat, ist aber kein langjähriger Befürworter der Taliban. „Die Amerikaner haben Schlechtes nach Afghanistan gebracht. Hunderttausende Menschen wurden in den letzten 20 Jahren in Afghanistan getötet und verletzt. Welche Orte wurden nicht zerstört?“, lautet sein ernüchterndes Fazit.

Es gibt Frauen, die studieren, aber ihre Freiheiten wurden eingeschränkt. „Es ist besser als Krieg, sterbende Menschen und Kämpfe“, erklärt eine Studentin. Viele Schulen wurden geschlossen. Eine mutige Journalistin berichtet, dass die Frauen leider nicht mehr protestieren, weil sie fürchten, von den Taliban mitgenommen zu werden. Niemand wisse wohin.

Die bewaffneten Taliban haben die Ausrüstung der früheren afghanischen Armee übernommen, und damit erneut auch die des Westens. Sie erfüllen zugleich auch die Funktion der Polizei, was ihre Macht gegenüber der Bevölkerung unkontrollierbar macht. Die meisten von ihnen sind schon mit 14 Jahren in den Kampf gezogen. Sie kennen nichts als Krieg.

Die Gewaltspirale im Stellvertreterkrieg

Seit der Machtübernahme der Taliban töteten diese zahlreiche frühere Soldaten und Regierungsanhänger. Wer auf der Seite der vom Westen installierten Regierung gekämpft hat, hat heute Angst, lebt in Gefahr und muss seine Vergangenheit verbergen. „Haben die Taliban Ihnen Sicherheit gebracht?“, fragt Noori ihren Fahrer und erfährt:

„Es gibt überhaupt keine Sicherheit. Wir sehen jeden Tag Morde. Soldaten der Vorgängerregierung werden in ihren Häusern festgenommen und verschwinden. Und niemand weiß von ihnen. Niemand weiß, wo sie bleiben.“

Noori spricht mit einem Familienvater, der 17 Jahre lang als Regierungssoldat gedient hatte. Seine Familie ist verarmt, die Kinder betteln und bekommen nichts zu essen. Seine Uniform und die Andenken an diese Zeit hat der Mann im Garten vergraben, um sich vor den Taliban zu schützen.

„Alles, was ich weiß, ist, dass meine Söhne tot sind. Und dass wir in Gefahr sind“, so ein Vater, der aus Sicherheitsgründen unerkannt bleiben will. „Die Familien, deren Söhne gegen die Taliban Widerstand geleistet haben, da hört man, dass die Taliban hinterher sind“, berichtet seine Frau. „Wir hörten vor einigen Monaten, dass die Taliban einen Polizisten suchten. Und als sie ihn nicht gefunden haben, haben sie seine Mutter mitgenommen.“

Zwei Brüder verloren 2019 bei einem Angriff der USA mit Kampfjets auf ihr Zuhause ihre ganze Familie. Talibankämpfer gab es keine in dem abgelegenen Haus, welches damals anschließend von einer Spezialeinheit der CIA gestürmt wurde. Die Brüder sind heute untröstlich und traumatisiert. Einer von ihnen schloss sich nun den Taliban an. „Mein Bruder hat gesagt, er will Vergeltung für unsere getötete Familie“, erklärt der andere.

„Die Bomben der NATO töteten nicht nur Taliban. Sie erschufen auch neue“, so die Filmemacherin.

Es gibt keinen guten Krieg. Jeder Krieg bedeutet, dass alle Beteiligten in eine Gewaltspirale hineingezogen werden. Waffenlieferungen befeuern die Gewaltspirale, und der Krieg weitet sich aus. Keine Nation, keine Bevölkerung, kann einen Krieg gewinnen. Wenn jemand davon profitiert, so ist das eine kleine Minderheit.

Diese bewegt sich in den meisten Fällen weit weg vom Geschehen und bringt sich selbst nicht dafür in Gefahr.

Im dritten Teil gebe ich Auszüge aus geopolitischen Strategien der Denkfabriken RAND Corporation (Research and Development Corporation) und Stratfor (Strategic Forecasting, Inc) in deutscher Übersetzung wieder. Abschließend lege ich meine persönliche Meinung zum Thema Krieg und Waffenlieferungen dar.


Quellen und Anmerkungen:

(1) Ganser, Daniele: Illegale Kriege, Orell Füssli Verlag 2018, Seite 189.
(2) Vergleiche Ganser, Daniele: Europa im Erdölrausch, Orell Füssli Verlag 2017, Seite 293 und folgende.
(3) Vergleiche Todenhöfer, Jürgen: Die große Heuchelei: Wie Politik und Medien unsere Werte verraten, Ullstein Verlag 2019, Seite 118 und folgende.

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.