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Neue alte Kriegslügen

Neue alte Kriegslügen

Washington versucht mit allen Mitteln, den Krieg zwischen Kiew und der Ostukraine eskalieren zu lassen, um damit eine russische Intervention zu provozieren.

von Ben Norton

Ich habe in mehreren Videos darüber gesprochen, wie die USA und England, die angloamerikanischen Mächte, mit aller Kraft versuchen, einen Krieg mit Russland über die Ukraine anzufangen.

In einem Video zeigte ich, wie sogar die ukrainische Regierung, die doch ein Marionettenregime der USA darstellt, das noch auf den US-gesponserten Putsch des Jahres 2014, den sogenannten Euro-Maidan-Putsch zurückgeht, wie sogar dieses korrupte Regime die USA aufgefordert hat, sich zurückzuziehen, Russland habe keine Pläne einzumarschieren, eskaliert bitte nicht den Krieg, den wir schon im Land haben, nämlich im Osten in der Donbass-Region und den dort gelegenen abtrünnigen Volksrepubliken Lugansk und Donezk.

In diesem Video soll es nun um die verbalen Auseinandersetzungen zwischen Joe Biden und dem Präsidenten der Ukraine, Wladimir Selenski, gehen.

Insubordination einer Marionette

Es gibt jetzt eine neue Geschichte von den CIA-Flüsterern beim CNN (1), die — und nochmal: das sind wirklich die Wasserträger der CIA, die gehorsam alles nachbeten, was der nationale Sicherheitsapparat gesendet haben will — nun, sie haben eine Geschichte veröffentlicht, die ist wirklich unglaublich.

Hier wird sie bei Bloomberg, dem Sprachrohr der Milliardäre, so zusammengefasst:

„Die Ukraine bezichtigt die USA, die Wirtschaft durch das Verbreiten von Kriegsangst zu behindern. Der ukrainische Präsident Wladimir Selenski wirft den USA vor, dass sie die Wirtschaft seines Landes schädigen, indem sie übertriebene Panik vor Russlands angeblichen Invasionsplänen verbreiten.“

Und hier ist eine weitere unglaubliche Geschichte, veröffentlicht von CNN. Sie berichtet davon, wie Selenski, der ukrainische Marionettenpräsident, mit Biden telefonierte, und dieser extrem ärgerlich wurde. Er soll Selenski angeschrieen haben, etwa so: „Hör gut zu, Jack. Meinst du, ich würde hier mit dir Popcorn essen, wenn Putin keinen Einmarsch planen würde?“

Also schreit Biden den Marionettenpräsidenten an, und der fängt an, sich an seinen Fäden zu bewegen, und beißt in die Hand, die ihn füttert.

Selenski beharrte nun erst recht darauf, dass keine russische Invasion bevorstehe, den wiederholten Warnungen der USA zum Trotz. Hören Sie sich folgendes Zitat an — ich muss bekennen: Selenski ist grauenhaft, aber um das hier zu sagen, braucht man wirklich Mut:

„Ich bin der Präsident der Ukraine. Ich lebe hier, und ich kenne die Details besser als jeder andere Präsident. Es ist wichtig, dass der US-Präsident die Lage von mir erfährt und nicht von seinen Zuträgern.“ Praktisch sagt Selenski hier zu Biden: „Sieh mal, Jack, Russland hat nicht vor einzumarschieren. Du redest dauernd davon, aber es stimmt nicht.“

Und Biden: „Nein, die CIA sagt mir...“ und besteht auf diesen falschen Informationen, dass Russland eine baldige Invasion plant. Und hier ist noch ein Zitat, ziemlich unglaublich für eine Marionette der USA. Selenski sagt:

„Ich bin nicht wie andere Politiker, die den USA dankbar sind, bloß weil es sich um die USA handelt.“

Uuuuuh! Das ist unglaublich! Das ist außergewöhnlich! Dass ein Marionettenpräsident so weit geht und sagt:

„Ich kann den USA nicht dankbar sein, nur weil es die USA sind, nur weil sie meine imperialen Meister sind.“

Nun, das hat zu Spekulationen Anlass gegeben, auch in dem ausgezeichneten Blog „Moon of Alabama“ (MoA) mit seiner großartigen geopolitischen Analyse. Hier und anderenorts glaubt man nämlich, und ich bin derselben Meinung, dies könne bedeuten, dass Selenskis Tage als Präsident der Ukraine gezählt sind, und Washington könnte eine Operation planen, um ihn loszuwerden, denn er hat den Zenit seiner Nützlichkeit als Marionette überschritten.

Und hier ist die Analyse aus diesem MoA Blog, die, wie gesagt, ausgezeichnet ist, Sie können sie selbst lesen. Er schrieb Folgendes - und ich glaube auch, dass das die Strategie der USA für die Ukraine ist: „Die Idee in Washington ist, dass, wenn man die Ukraine dazu bringen kann, dass sie den Donbass, also die Ostukraine mit den zwei abtrünnigen Republiken, angreift, Russland intervenieren muss, und sei es nur, um die Rebellen im Donbass mit Nachschub zu versorgen.“

So ist es offenbar das Ziel der USA, wenigstens bisher (zur gegenwärtigen Lage komme ich gleich), Russland zu einer Intervention zu nötigen, indem man die Ukraine zu einem Angriff auf den Donbass anstiftet, ein Szenario, das Russland bereits als rote Linie markiert hat, sodass sie gezwungen wären zu reagieren, und dann würde, mithilfe der Medien, das Gerücht von der russischen Invasion plötzlich Realität werden und das Sanktionspaket des Westens in Kraft treten, um Russland zu isolieren. Unter anderem würde man dann Russland aus dem SWIFT-System ausschließen, obwohl einige europäische Mächte, wie Deutschland, angekündigt haben, einen solchen Ausschluss werde es nicht geben, weil Deutschland die Hälfte seines Erdgases aus Russland bezieht.

Deutschland ist hochgradig abhängig von Russland, es will keinen Krieg mit Russland. Aber der MoA Blog betont, dass die Führung der Ukraine weiß, was passiert, wenn sie den Donbass angreifen: Die Ukraine würde zerstört werden, schreibt er hier. Russland würde den Ostteil besetzen, nicht im Sinne einer aggressiven Invasion, sondern im Sinne der Selbstverteidigung (2). Und die Regierung der Ukraine würde jeglichen Einfluss verlieren.

Ich meine, anzunehmen, dass Russland ganz in den Westen der Ukraine vordringt, wäre absurd. Aber auf den Angriff im Donbass müsste Russland in der Ostukraine reagieren, was für die Regierung in Kiew ein totales Desaster wäre, sie wären innerhalb weniger Tage besiegt.

Also weiß man in der Ukraine, dass man keine Lust hat, für die strategischen Ziele der USA in einen aussichtslosen Krieg zu ziehen. Selenski weiß, dass die Ukraine nicht gewinnen kann. Aber im Weißen Haus versucht man, ihn dazu zu bringen, dass er einen Krieg anfängt. So jedenfalls sieht es der MoA Blog, und auch ich halte das für eine zutreffende Analyse.

Ein verstecktes Geständnis

Nun, seit meinem letzten Video über dieses Thema gab es eine neue Entwicklung. Heute ist der 2. Februar. Die Biden-Hofberichterstatter vom CNN haben eine andere unglaubliche Geschichte veröffentlicht, die darauf hinausläuft, dass die US-Regierung all ihre Behauptungen über den „unmittelbar bevorstehenden“ Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine zurücknimmt. Der Artikel trägt die Überschrift: „Das Weiße Haus bezeichnet den möglichen russischen Einmarsch in die Ukraine nicht mehr als ‚imminent‘“ (zu deutsch: drohend, unmittelbar bevorstehend).

Und hier ist ein Zitat der Pressesprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, eine der Personen, über die ich mich am meisten ärgere:

„Ich habe dieses Wort (gemeint ist das Wort „imminent“, A.d.Ü.) einmal benutzt, und ich glaube, auch andere haben es einmal benutzt. Und dann hörten wir auf, es zu benutzen, weil es, glaube ich, eine Botschaft aussendet, die wir nicht beabsichtigt hatten: nämlich, als würden wir glauben, der russische Präsident Wladimir Putin hätte eine Entscheidung getroffen.

Aber ich glaube, in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle haben wir zu diesem Thema gesagt, er könne jederzeit einmarschieren. Das stimmt auch, wir wissen immer noch nicht, ob er sich entschieden hat.“

Unglaublich! Mit dieser Stellungnahme distanziert sich Bidens Regierung von dem, was sie seit Wochen behauptet, nämlich, dass man praktisch in jeder Minute oder Stunde mit dem Einmarsch rechnen müsse.

Das ist ein fast schon offizielles Eingeständnis seitens der Biden-Regierung, dass sie zum Thema der Invasionsgefahr gelogen hat. „jederzeit einmarschieren“ ist die neue Sprachregelung, aber das kann Vieles bedeuten. Innerhalb der nächsten fünf Tage? Oder doch fünf Monate, Jahre, Dekaden, Jahrhunderte? Wenn sie sagt, Russland könne „jederzeit einmarschieren“, dann heißt das gar nichts. Der Einmarsch kann irgendwann zwischen der nächsten Minute und den nächsten 1000 Jahren stattfinden.

Damit gibt das Weiße Haus zu, wie befangen und einseitig sie waren. Dabei wussten sie, dass Russland keine fertigen Pläne zum Einmarsch hatte. Die Geheimdienste bedienten sich des Senders CNN, um diese Lüge zu verbreiten und den Einsatz hochzutreiben, um Russland unter Druck zu setzen und um die Ukraine zum Angriff auf den Donbass zu motivieren (3).

Das war eine letzte Anstrengung der russlandfeindlichen Falkenfraktion im Weißen Haus, zu der Außenminister Antony Blinken ebenso zählt wie die Nummer drei im Außenministerium, eine gewisse Victoria Nuland, eine Hardcore-Neokonservative, die mit dem Papst der Neocons, Robert Kagan, verheiratet ist, der die Denkfabrik „Project for a New American Century“ (PNAC) gegründet hat.

In ihrer Schlüsselrolle im Außenministerium der Obama-Biden-Administration half Victoria Nuland, den Euromaidanputsch von 2014 zu organisieren.

Es ist klar, dass sie die Russlandpolitik maßgeblich mitgestaltet hat. Vor ein paar Monaten wurde sie, in diplomatischer Mission, nach Russland geschickt, was unglaublich anmutet. Ich meine, apropos schlechte Diplomatie: die fanatischste Vertreterin aller Russlandfeinde in deiner Regierung nach Moskau zu schicken, wie es die Bidenregierung gemacht hat, ist diplomatisch ein schrecklicher Fauxpas. Aber die USA sind nicht auf Diplomatie aus, sondern sie schikanieren Länder rund um den Globus und bedrohen sie mit Krieg und Sanktionen. Das geschilderte Vorgehen in der Ukraine war ein Versuch, den Kampf bis zum letzten Ukrainer fortzusetzen.

Interessanterweise ist der ukrainische Präsident Selenski hier über sich selbst hinausgewachsen und weigert sich, die Ukraine im Interesse der USA Selbstmord begehen zu lassen, nur damit die USA die russisch-deutschen Beziehungen sabotieren und verhindern können, dass die Pipeline North Stream 2 den Betrieb aufnimmt.

Also, ich glaube die Geschichte endet hier. Wenn CNN schon zugeben muss, dass das Weiße Haus ohne den geringsten realen Anlass vor einem russischen Angriff gewarnt hat — wenn das nicht das Ende ist!

Schön, sie haben also zugegeben, dass Russland keine Pläne zum Einmarsch in die Ukraine hat. Aber jetzt könnten in der Ukraine ein paar verrückte rechtsradikale Neonazis auftreten, die angesichts der Entwicklung verzweifeln — die Ukraine könnte ihren Status als Gastransferland einbüßen, wenn in ein paar Monaten oder einem Jahr North Stream 2 die offizielle Genehmigung der deutschen Behörde erhält und in Betrieb geht — und das könnte diese ukrainischen Faschisten motivieren, ihrerseits den Donbass anzugreifen, um eine russische Intervention auszulösen und damit genau das herbeizuführen, was Victoria Nuland und diese Fanatiker im State Department sich wünschen — so etwas könnte natürlich passieren.

Also, ich meine, man kann niemals sicher sein, die US-Regierung ist voll mit diesen verrückten, unvorhersehbaren Überraschungen. Also lassen wir uns überraschen. Aber mir scheint es, als müsse die Biden-Administration von jetzt an auf das Schreckensszenario eines russischen Einmarsches verzichten.

Sie werden zugeben müssen, dass monatelang die amerikanischen und britischen Medien voll mit den Lügen der US-Geheimdienste waren. Sie haben über Russiagate (4) gelogen, über das Havannasyndrom, über Saddam Husseins „Massenvernichtungswaffen“ (5) und jetzt über Russlands angebliche Invasionspläne.


Redaktionelle Anmerkung: Das Video erschien zuerst unter dem Titel „US walks back evidence-free claim of ‚imminent‘ Russian invasion of Ukraine“ auf der Plattform rokfin.com. Der Text wurde vom ehrenamtlichen Rubikon-Übersetzungsteam übersetzt und vom ehrenamtlichen Rubikon-Korrektoratsteam lektoriert.


Quellen und Anmerkungen:

(1)Der TV-Sender CNN, „Cable News Network“, wird im Video als „CIA Noise Network“ bezeichnet
(2) Die Bevölkerung des Donbass ist überwiegend russischsprachig und betrachtet sich als russisch, während Kiew und der ganze Westen der Ukraine ukrainisch spricht und zur EU hin tendiert.
(3) Logisch erscheint dieser letzte Punkt nicht. Plausibler wäre es anzunehmen, dass der Spannungszustand den Zweck hatte, die verbündeten Nationen zu Sanktionszusagen und Waffenlieferungen zu veranlassen.
(4) „Russiagate“ entstand 2017 in Reaktion auf den Wahlsieg Donald Trumps über Hillary Clinton. Es besteht in dem Vorwurf an die Adresse Russlands, im Wahlkampf E-Mails von Servern der Demokratischen Partei gestohlen und via Wikileaks veröffentlicht zu haben. Mehr darüber hier
(5) Im Vorfeld der amerikanischen Invasion von 2003 im Irak wurde das Gerücht verbreitet und von Gewährsleuten wie Colin Powell und Tony Blair bezeugt, Saddam Hussein verfüge über „Massenvernichtungswaffen“, d.h. atomare, biologische oder chemische Waffen. Die Behauptungen waren durchweg konstruiert und hatten den Zweck, dem vom Sicherheitsrat der UN nicht sanktionierten Krieg gegen den Irak Akzeptanz zu verschaffen.

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