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Neue alte Feinde

Neue alte Feinde

Die Bombardierung Serbiens fußte ideologisch auf überwunden geglaubten antislawischen Ressentiments.

„Der ungesühnte Chemiekrieg gegen Serbien: Wer verurteilt endlich die Nato?“

Sommerschuh stellt in der Berliner Zeitung bereits im Vorspann seines Artikels die diskussionswürdige Frage: „Ist mit dem endgültigen Urteil gegen den bosnisch-serbischen Armeechef Ratko Mladić die Aufarbeitung der Kriegsverbrechen in Jugoslawien wirklich abgeschlossen?“ Anschließend beginnt er mit der Aufzählung der damaligen Kriegsverbrechen:

„Achtundsiebzig Tage lang bombardierte die NATO 1999 ohne UNO-Mandat serbische Krankenhäuser, Schulen, Wasserwerke und Chemiebetriebe. Dieser erste Angriffskrieg mit deutscher Beteiligung seit 1945 führte zu einer ökologischen und humanen Katastrophe. Doch Kirchen, Umweltverbände und Bündnis 90/Die Grünen schweigen bis heute“ (4).

Angeheizt wurde die Kriegsstimmung vom grünen Außenminister Joschka Fischer und seinem Kollegen Rudolf Scharping, schreibt Sommerschuh weiter. Die bewusst irreführenden Behauptungen der beiden Politiker, ein Eingreifen sei dringend nötig, um „ethnische Säuberungen“, weitere „Vertreibungen“ und eine „humanitäre Katastrophe“ zu verhindern, seien vom Oberstleutnant a. D. Jochen Scholz, dem ehemaligen Referenten beim Generalinspekteur der Bundeswehr im Verteidigungsministerium, längst widerlegt und schon vielfach bestätigt.

Schon im Sommer 1999 erklärte der britische General und ehemalige Befehlshaber der UN-Schutztruppe in Bosnien, Michael Rose, im Arte-Film des ORB von Sascha Adameck „Bomben auf Chemiewerke“ laut Sommerschuh:

„Das Ziel war, die Militärmaschinerie Miloševićs auszuschalten und zu zerstören. Doch das endete in einem Misserfolg. Daraufhin erweiterte man die Liste der Ziele auf sogenannte zivilmilitärische Ziele, also Brücken, Straßen, Stromversorgung, Krankenhäuser und sogar Fernsehstationen.“

Man kann diese erschreckenden Kriegsverbrechen von 1999 gar nicht oft genug erwähnen, weil die offizielle westliche Geschichtsschreibung die historische Wahrheit versucht zu verfälschen: Die US-NATO zerstörte oder beschädigte im Jahr 1999 60 Brücken, 110 Krankenhäuser, 480 Schulobjekte, 365 Klöster, das Fernsehzentrum, die Strom- und Wasserversorgung und 121 Industriebetriebe. Dabei fanden in diesem Krieg mit dem Codewort „Barmherziger Engel“ 2.500 Menschen den Tod. Als besonders zynisches Kriegsverbrechen bezeichnet Sommerschuh den Einsatz von über 30.000 hochgiftigen und radioaktiven Urangeschossen an über 80 Orten und die vorsätzliche Bombardierung der großen Chemiezentren in Pančevo, Novi Sad und Bor.

Unter der Zwischenüberschrift „Serbien hat die heute europaweit meisten Fälle von Lungenkrebs“ berichtet der beherzte Journalist sodann über den verursachten Genozid:

„Schon wenige Jahre nach Kriegsende beobachteten serbische Mediziner wie der führende Belgrader Onkologe Slobodan Cikaric und die Neurologin Danica Grujicic einen dramatischen Anstieg der Krebsrate und Sterblichkeit. Heute liegt Serbien bei Lungen- und Brustkrebs an der Spitze Europas. Erst im Mai 2018 konnten Ärzte im westorientierten Belgrader Parlament die Gründung einer Untersuchungskommission für alle Folgen der Angriffe mit Uranmunition und auf die Chemieindustrie durchsetzen. Für die Toxikologin Ursula Stephan aus Halle/Saale ist die Bombardierung der serbischen Chemiebetriebe bis heute ein ungesühnter vorsätzlicher Chemiekrieg, der Tausende Opfer von Langzeitschäden bewusst in Kauf nahm“ (5).

Nachdem die UN-Umweltbehörde UNEP die Schäden der Chemieangriffe vor Ort untersuchte und als Fazit ihrer Analysen in ihrem Bericht schrieb, „dass die meisten der durch die ausgelaufenen und verbrannten Chemikalien entstandenen ‚Verschmutzungen‘ Altlasten aus der Zeit vor dem Krieg seien“, zitierte Sommerschuh noch einmal die Toxikologin Ursula Stephan:

„Ursula Stephan dagegen deklarierte das Ausmaß der Zerstörung, der Bodenbelastung und vor allem der weiträumigen Giftgaswolken nach den strengen deutschen Gesetzen als ‚exzeptionellen Störfall‘. Sozusagen als Super-GAU. Das heißt als eine Katastrophe außer Kontrolle, für deren Ausmaße es keine Erfahrungen, Berechenbarkeit, keine Vorbereitungsmöglichkeiten und deshalb keine Abwehrzentren gibt. Vergleichbar mit Tschernobyl oder Fukushima“ (6).

War das die Tat der sogenannten Nordatlantischen „Wertegemeinschaft“, von der der Grünen-Politiker in seinem Artikel sprach?

Welche Werte vertritt diese Gemeinschaft, die sich bis zum heutigen Tag weder für ihre Verbrechen entschuldigt, noch irgendeine Wiedergutmachung geleistet hat?

In alternativen Medien wird sie deshalb auch als Nord-Atlantik-Terror-Organisation bezeichnet.

„Instrumentalisierung der Geschichte — Babi Jar und der Untermensch im Slawen“

Im Folgenden werden auch einige Passagen aus dem Meinungsartikel von Dagmar Henn in RT.DE zitiert. Dabei fällt es dem deutschen Autor, dessen ehemalige Regierung an den Kriegsverbrechen und dem Völkermord im Jahr 1999 beteiligt war, schwer, die menschenverachtenden Vorurteile gegen die stolzen slawischen Menschen wiederzugeben. Als Wissenschaftler und Freund der Serben und auch Russen weiß er jedoch, wozu diese krassen Vorurteile politisch und wirtschaftlich seit jeher dienen.

Bereits im Vorspann ihres Artikels schreibt Dagmar Henn:

„Es scheint unmöglich in der Bundesrepublik, mit den slawischen Opfern des Nazi-Rassenwahns auch nur anständig umzugehen. Stattdessen wird ausgerechnet Babi Jar benutzt, um zu signalisieren, dass Untermensch Untermensch bleibt — zumindest, solange er Slawe ist“ (7).

Zur Bestätigung der generationsübergreifenden Vorurteile wirft sie dann einen Blick auf die menschenverachtenden und geisteskranken Aussagen eines Fachmanns zur Rassenlehre der Nazis, Heinrich Himmler. In seiner Posener Rede würde dieser das Bild der Nazis von den Slawen sehr deutlich vor Augen führen:

„Diese Masse muss eben zertreten und abgestochen, abgeschlachtet werden. Es ist, um einmal ein ganz brutales Beispiel zu gebrauchen, wie bei einem Schwein, das abgestochen wird und allmählich ausbluten muss. (…) Der Slawe ist nie fähig, selbst etwas zu konstruieren. Auf die Dauer ist er es nicht. Ordnung zu halten ist diese menschliche Minderware heute genauso wenig fähig, wie sie es vor 700 oder 800 Jahren war.

Wie es den Russen geht, wie es den Tschechen geht, ist mir total gleichgültig. Das, was in den Völkern an gutem Blut unserer Art vorhanden ist, werden wir uns holen, indem wir ihnen, wenn notwendig, die Kinder rauben und sie bei uns großziehen. Ob die anderen Völker in Wohlstand leben oder ob sie verrecken vor Hunger, das interessiert mich nur soweit, als wir sie als Sklaven für unsere Kultur brauchen, anders interessiert mich das nicht.

Achten Sie darauf, dass diese Untermenschen Sie immer ansehen, immer dem Vorgesetzten ins Auge sehen müssen. Das ist wie beim Tier. Solange es seinem Bändiger ins Auge sieht, solange tut es nichts. Seien Sie aber immer darüber klar: Es ist eine Bestie“ (8).

Es ist mehr als bedrückend, zu lesen und zu erleben, dass dieser Rassenwahn, diese Vorurteile und diese arrogante Überheblichkeit vor allem der deutschen regierenden Politiker und der westlichen Welt bis heute nicht wirklich ausgeräumt sind.

Hitlers Bombardierung von Belgrad 1941 und sein Feldzug gegen das russische Volk im Zweiten Weltkrieg wie auch die Kriegsverbrechen und der Genozid der NATO-Staaten in den 1990er-Jahren lassen sich zum Teil damit erklären.

Das Bild des „slawischen Untermenschen“ endlich aus dem deutschen Bewusstsein löschen!

Nicht nur die slawischen Bürger Serbiens, sondern auch die slawischen Bürger Russlands und Weißrusslands werden von den deutschen und anderen westlichen Massenmedien unaufhörlich attackiert. Präsident Wladimir Putin wird sogar in regelmäßigen Abständen der schlimmsten Verbrechen und des Terrorismus bezichtigt. Der erwähnte dummdreiste Artikel des Grünen-Politikers Özdemir, mit dem er sich der NATO anbiedert, ist nur ein Beispiel von vielen.

Deshalb fordert die Journalistin Dagmar Henn im erwähnten RT.DE-Artikel:

„Es ist mehr als überfällig, das Bild des slawischen Untermenschen endlich aus dem deutschen Denken zu löschen. Nicht im Sinne einer permanenten schuldbeladenen Demutshaltung. Aber ein Unterlassen der penetrant ausgedünsteten moralischen Überheblichkeit, ein schlichtes Akzeptieren, dass die russische (und die weißrussische) Bevölkerung über ihr Leben und ihre politische Vertretung selbst entscheidet, und ein Verzicht auf geopolitische Machtspielchen mit Absender Berlin, das wäre schon ein gewaltiger Fortschritt“ (9).

Auch die sehr ausgefallenen Stellungnahmen der deutschen Nobelpreisträgerin Herta Müller, des NATO-Generalsekretärs Jens Stoltenberg und des deutschen Botschafters in Serbien Thomas Schieb, die den völkerrechtswidrigen US-NATO-Aggressionskriegs gegen Serbien 1999 als rechtmäßig einstufen und damit die seit Generationen bestehenden antiserbischen Vorurteile bestätigen, müssen auf diesem Hintergrund gesehen werden (10).

Was wird wohl passieren, wenn sich der von den US-NATO-Ländern ganz offen angestrebte Regimewechsel in Russland und Weißrussland nicht bewerkstelligen lässt? Wird dann die „Wertegemeinschaft“ der NATO auch diese Staaten und ihre „slawischen Untermenschen“ bombardieren?

Der Autor verweist in diesem Zusammenhang auf die von ihm und seinem Freund initiierte und zuerst in der Neuen Rheinischen Zeitung NRhZ publizierte öffentliche Erklärung vom 8./9. Mai 2018 in fünf Sprachen (auch in Russisch und Serbisch): #„Wir Europäer sagen NEIN zu einem Krieg gegen Russland!“ (11).


Quellen und Anmerkungen:

(1) https://de.rt.com/meinung/118880-babi-jar-und-untermensch-im/
(2) https://www.berliner-zeitung.de/open-soutce/der-ungesühnte-chemiekrieg-gegen-serbien-wer-verurteilt-endlich-die-nato-li.165044
(3) https://de.rt.com/inland/119065-ozdemir-warnt-wertegemeinschaft-nato-putin/
(4) https://www.berliner-zeitung.de/open-soutce/der-ungesühnte-chemiekrieg-gegen-serbien-wer-verurteilt-endlich-die-nato-li.165044
(5) A. a. O.
(6) A. a. O.
(7) https://de.rt.com/meinung/118880-babi-jar-und-untermensch-im/
(8) A. a. O.
(9) A. a. O.
(10) Siehe hierzu die offenen Briefe des Autors in den deutschen und serbischen Medien
(11) NRhZ-Online 27. April 2018

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