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Nachwuchsoffensive bei Rubikon

Nachwuchsoffensive bei Rubikon

Rubikon startet Jugend- sowie Literatur-Redaktion und veröffentlicht Leserbeiträge.

Katrin McClean (53)

Seit mehr als 20 Jahren bin ich Tutorin für Kreatives Schreiben für Jugendliche, und dafür habe ich gute Gründe.

Wenn ein Mensch heranwächst, entwickelt sich das Bild, das er sich von dieser Welt macht, in Schüben. Zunächst ist da der kleine Egomane, der die Welt nur danach sortiert, was für seine Bedürfnisse brauchbar ist und was nicht. Beim Heranwachsen stehen Lerneifer und Entdecken im Vordergrund. Mit der berüchtigten Pubertät setzt verstärkt das Bedürfnis ein, sich ein eigenes Bild von dieser Welt zu machen. Natürlich haben Jugendliche bis dahin bereits in der Schule gelernt, wurden von Medien beeinflusst und von den Meinungen und Einstellungen ihrer Familie. Dennoch bleibt das Einzigartige von jungen Menschen: Sie sehen die Welt in gewissem Sinne zum ersten Mal. Und sie sehen sie als ihre Heimat, ihre Zukunft.

Während ältere Generationen sich über Jahre hinweg selbst an die schlimmsten oder abstrusesten Verhältnisse gewöhnen können und lebenswichtige Veränderungen manchmal kaum noch bemerken, sehen Jugendliche die gesellschaftlichen Verhältnisse naturgemäß mit größter Klarheit. Es bedarf einer ziemlich aufwändigen Unterhaltungsindustrie, um sie möglichst effektiv davon abzulenken.

Wenn es Jugendlichen jedoch gelingt, alle Ablenkungsmanöver zu umgehen, stellen sie sich der Gegenwart viel gnadenloser als Erwachsene das können.

Verhaften wir Älteren doch auch gern mal in der Vergangenheit, ohne das überhaupt noch wahrzunehmen. Für junge Menschen gibt es gar nichts anderes als die Gegenwart. Und deshalb haben sie etwas, das ältere Menschen gar nicht haben können: Sie haben die Perspektive des ersten Blickes, oder anders gesagt: das unwiederbringliche erste Mal, um diese Welt zu betrachten.

Die Sichtweise junger Autoren kann für jeden Leser ein Spiegel sein, sie kann uns von Betriebsblindheit heilen. Sie erinnert uns gnadenlos an den Ist-Zustand dieser Welt. Und ist nicht aller Anfang von Veränderung zunächst die unbeschönigte Wahrnehmung der Lage? Junge Autoren sollte man deshalb im Medienbetrieb unserer Tage als wichtiges Gut betrachten.

Dafür sind sie in unserer Öffentlichkeit allerdings wenig präsent, und wenn, dann habe ich oft das Gefühl, dass man schon wieder die besonders gut und früh Angepassten zu Wort kommen lässt.
Dabei habe ich in vielen Jahren, in denen ich als Tutorin für kreatives Schreiben an Schulen arbeite, viele Autoren und Autorinnen mit dem größten Eigensinn kennen gelernt. Jugendliche, die noch nicht mal 18 sind und erstaunlich klare Einschätzungen von Politik und Gesellschaft formulieren können, oder beeindruckende gesellschaftskritische Literatur.

In Zukunft möchte ich solche jungen AutorInnen auch im Literatur-Salon vorstellen.

Besonders dann, wenn wir talentierte junge Autoren haben, die in der Lage sind, ihre Gedanken und Vorstellungen literarisch auszudrücken.


Aaron Richter (19)

Doch auch journalistisch veranlagten Jugendlichen soll hier unter meiner Redaktion ein Sprachrohr geboten werden. Ich glaube, dass uns junge Autoren mit ihrem kritischen Fokus auf das politische Weltgeschehen neue und zukunftsweisende Perspektiven bieten können – und darüber hinaus durch unverblümte Analysen die Voraussetzung liefern, um tatsächliche Veränderungen herbeizuführen.

Auf dieser Welt läuft nämlich bei Weitem nicht alles rosig. Ressourcenkriege zerstören den Planeten, ebenso wie das profitorientierte Aushöhlen desselben unsere Lebensgrundlage untergräbt. Kapitalistische Strukturen schröpfen eine endliche Erde, weshalb die Menschheit bald ordentlich ins Schwitzen gerät. Wer jenseits unseres medialen Verzerrungsmantels lebt, dem bleibt oft nur die Flucht; doch auch der verheißungsvolle Westen ist nicht vor Rückständigkeit und Unterdrückung gefeit.

Alternative Lösungen müssen her. Viele Massenmedien kratzen aber lediglich an der Oberfläche.

Wer also ganz freiheraus und mit jugendlicher Klarheit auf diese Kapitel des Lebens zugehen möchte, wer sich in journalistischen Gefilden gut aufgehoben, aber weder Einstieg noch vertrauenswürdige Vermittler sieht, der ist herzlich in unserer Kolumne "Junge Federn" willkommen. Denn hier wird ab sofort jenen Autoren eine Plattform geboten, die die brennenden Probleme unserer Zeit direkt ansprechen und dabei ihre ganz eigene Schärfe nicht wegretuschieren wollen. Hier sind nicht nur trockene Fakten oder sachliche Lageberichte zu finden. Hier steht, was die Jugend beschäftigt, und zwar aus ihrer eigenen Sicht. Ungeschönt, kritisch, ehrlich. Politisch, aber auch herzlich. Und allem voran: Frei.

Denn wir Jugendlichen sind unabhängig. Wir müssen uns nicht hinter vorgeschriebenen Agenden oder firmeninternen Denk-Direktiven verstecken. Wir sind kein weiterer Teil eines verbindlichen Meinungskanons. Wir schreiben offen, was uns bewegt, warum es uns bewegt und was wir infolgedessen unternehmen. Nicht, weil wir müssen. Sondern weil wir können.

Ich werde als Ansprechpartner und gegebenenfalls Erstkontakt fungieren, der eingereichte Texte begutachtet und zur Veröffentlichung weiterreicht. Natürlich stehe ich auch gerne bei der Themenfindung oder Konzeption zur Verfügung, und ebenso biete ich ein Lektorat an; das heißt aber keinesfalls Zensur! Im Gegenteil: je deutlicher, ausdrucksstärker, alternativer, desto besser - solange die Grenze zur Beleidigung nicht überschritten wird.

Aber natürlich wird es auch unverdrossene und hoffnungsvolle Beiträge bei den jungen Federn geben. Solche, die wichtige Veränderungen loben oder lang ersehnte Errungenschaften feiern, von Autoren, die sich nicht entmutigen lassen. Die schreiben, weil ihnen ihre Meinung wichtig ist.

Jugendliche Autoren speisen den Stoff ihrer Weltanschauung aus einem riesigen und vielfältigen thematischen Kosmos. Ihre Stimme ist aufschlussreich, beherzt und progressiv. Es ist also an der Zeit, dass diese aufstrebenden Autoren zu Wort kommen, und dass sie ihre Haltungen öffentlich vertreten dürfen. Denn Mündigkeit kommt nicht erst mit dem Alter, sie kommt mit der Reife.
Und Reife ist relativ.

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