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Madonna sagt es doch auch!

Madonna sagt es doch auch!

Laut ARD-Mann Becker gibt es keine Rückkehr zur Normalität — das hat ihm auch die Pop-Queen bestätigt.

Sicher, dieser Rainald Becker ist kein Unbekannter. Als sein Kommentar am Abend des 6. Mai ausgestrahlt wurde, in dem er alle Kritik an der Corona-Politik als Produkt von »Wirrköpfen und Spinnern« abtat und gleich noch nachschob, dass es keine Normalität mehr geben wird, wusste man schon, wer da Meinung machte: Ein Kanzlerinnenanhänger. Einer, der schon vormals den Spagat zwischen distanzierten Journalismus und Regierungspolitik nie so richtig hinbekam.

Beeindruckend war das trotzdem. Nicht im positiven Sinne natürlich. Rainald Becker schafft es nämlich mit wenigen Sätzen, jene Lügen zu strafen, die behaupten, sowas wie einen Staatssender gäbe es hierzulande gar nicht. Nicht dass man es jetzt irgendwie als richtig und verdient ansehen müsste, dass aktuell da draußen diverse Außenteams der Medienanstalten Prügel beziehen. Aber einer wie Becker macht es den Kameraleuten und Reportern wirklich nicht einfacher. Sie stecken nun ein, was Leute wie er da absondern.

Mit Kabbala gegen die Spinner

Er sagt zusammengefasst: Eine alte Normalität, ihr Spinner und Wirrköpfe, wird es später nicht mehr geben. Denn nach Corona ein Gedicht zu schreiben, das sei barbarisch. Gut, das mit dem Gedicht hat er jetzt nicht gesagt. Hätte er aber sagen können. Denn immerhin führte er auch Madonna und Robert De Niro und 200 nicht genannte Künstler und Wissenschaftler an. Die hätten auch gesagt, dass es danach nicht mehr so weitergehen könne, wie es vorher lief. Was das genau heißt, ist natürlich rätselhaft. Vielleicht arbeitet Bobby künftig als einziger Schauspieler vom Homeoffice aus und Madonna gibt nur noch Wohnzimmerkonzerte.

Es ist ja an sich schon eine Meisterleistung der Rhetorik, von der Kritik an der Kritik der Corona-Politik, einfach mal auf zwei sachfremde Künstler zu schwenken und sie als Beleg für seine krude Nichts-ist-mehr-wie-es-mal-war-These zu rekrutieren. Aber dann ausgerechnet die mystisch veranlagte Kabbala-Beauftragte Madonna den »Wirrköpfen und Spinnern« entgegenzuhalten: Respekt! Soviel Chuzpe haben nur wenige.

Überhaupt ist es – sagen wir mal – ein bisschen abenteuerlich, eine Frau als Beleg für das Ende der alten Normalität anzuführen, die in dieser alten Normalität so lebte, wie keiner von denen, die Rainald Becker mit seiner Botschaft erreichen wollte. Sie, die jettende, mit großem Tross einfallende Ikone der »Monotonie des Je-Je-je, und wie das alles heißt«, soll jetzt leuchtendes Beispiel für eine neue Zeit sein, wo man weniger kaufen, weniger reisen, sich weniger leisten können soll?

Neue Normalität: Minuswohlstand

Und das nicht etwa, weil dem guten Rainald Becker es jetzt in den Sinn kommt, die Wirtschaft nachhaltiger und klimaverträglicher zu gestalten. Letztes Jahr war er ja noch ganz bei der Bundeskanzlerin und ihrer Agenda: Es zunächst mal aussitzen zu wollen und die Automobilindustrie nicht zu sehr zu nerven. Wegen des Wirtschaftsstandortes und so. Jetzt die Kehrtwende. Nicht aus Einsicht, sondern wegen des Gürtels. Den, den wir jetzt erneut alle enger schnallen müssen. Der Bundespräsident hat schon mal eingeschworen. Von einem Corona-Soli für die Reichen träumt indes nur der, der damals sein Kontrahent bei der Bundesversammlung war: Christoph Butterwegge.

Wir werden uns wieder in Lohnzurückhaltung und Sozialabbau üben müssen. Da kommt einer, der die Lage schon mal vorkommentiert, einer mit der nötigen Frechheit und Verblendung, gerade recht. Er kann schon mal einpeitschen, schon mal einschwören. Die Mittel der Wahl sind dabei ihm überlassen. Und wenn er Madonna zitiert – scheißegal! Was sagt denn eigentlich Meat Loaf dazu?

Die Leute müssen nur langsam aber sicher begreifen: Die neue Normalität wird sie teuer zu stehen kommen. Sie werden sich vieles nicht mehr leisten können. Nicht aus Sicherheitsdenken heraus, sondern weil sie die Zeche zahlen. Langsam aber sicher schimmert das durch. Die Einschläge kommen näher, Menschen gehen in Kurzarbeit oder werden arbeitslos – und werden somit zu jenen »Wirrköpfen und Spinnern«, denen Rainald Becker die Leviten liest. Man kann sich nicht helfen, aber wenn man jetzt zum Vergleich den von Schnitzler anschaltet, kommt der so schwarz-weiß er auch ist, besser weg. Der hatte wenigstens noch was im und nicht bloß am Kopf.


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