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Krieg und Biodiversität

Krieg und Biodiversität

Wasserstoff ist der Schlüssel zur Befreiung der Menschheit aus ihrer Abhängigkeit von Energie. Exklusivabdruck aus „Das Feuer des Wassers“.

Klima, Krieg und Biodiversität

„There is no planet B“ — Emmanuel Macron.

Sicherlich hilft die sogenannte „Klimakrise“, beim Thema Wasserstoff, die Dinge zu beschleunigen. In Wahrheit ist sie nur ein Faktor von vielen im Spiel um unsere Technologie der Zukunft. Dennoch will ich ihr ein paar Gedanken widmen, schließlich ist die Klimadiskussion in der täglichen Berichterstattung geradezu omnipräsent, wird zunehmend dogmatisch und ideologisch geführt beziehungs-weise als Mittel der Propaganda missbraucht, um Dinge durchzusetzen, die wenig bis gar nichts dazu beitragen, den kommenden Generationen einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen, beziehungsweise sogar eindeutig kontraproduktiv sind. Später werden wir diesen Sachverhalt etwas genauer betrachten. Beginnen möchte ich an dieser Stelle mit einem Blick in die jüngere Vergangenheit.

Wir schreiben den August 2018. Es ist Sommer. Der deutsche Astronaut Alexander Gerst kreist mit der internationalen Raumstation ISS in rund vierhundert Kilometern Höhe über unserem Planeten. Von dort oben schickt Alex eine Aufnahme Mitteleuropas zu uns herunter. Sie zeigt ausgedorrte, ockerfarbene Landschaften, wo eigentlich grün die vorherrschende Färbung sein sollte. Seit April hält eine nie da gewesene Hitzewelle unseren Weltenteil im Griff. Gleichzeitig ist noch nie, seit Beginn der Aufzeichnungen vor 137 Jahren, so wenig Regen gefallen wie in diesem Zeitraum.

Während sich meine Frau über den fantastischen Sommer freut, befülle ich Kanister und Gießkannen mit teurem Leitungswasser, das ich mit meinem Handwagen zu unserem Gartengrundstück karre, um unsere Tomaten- und Stangenbohnenernte zu retten. Längst enthalten die Regentonnen nur noch Staub und Steine. Bei 38 Grad Celsius im Schatten kippe ich schwitzend das kostbare Nass auf den ausgedorrten Boden und betrachte traurig den mageren Lohn meiner Mühen. Die Tomaten sind zwar süß, aber der Behang ist gering.

Unser kleines Tomatenfeld liegt direkt neben unseren Bienenbeuten. Die Helden meines ersten Sachbuchs sollten um diese Jahreszeit emsig umherschwirren und sich um ihre Wintervorräte an Honig kümmern (1). Es ist jedoch kaum Flugbetrieb zu beobachten. Während die Wächterbienen fast schon apathisch vor dem Flugloch herumlungern, wird im Inneren der Bienenbehausungen verzweifelt wertvolle Energie verbraucht, um mittels Fächeln die Waben zu kühlen, damit das Wachs nicht schmilzt und die Brut nicht verdirbt. Gleichzeitig gibt es kaum etwas für die Insekten zu essen. Die letzte lohnende Tracht, die Goldrute, lässt verdorrt die nektarlosen Blüten hängen.

Drei Jahre später, im Sommer 2021, liegt das Problem genau entgegengesetzt gelagert. Heftiger Dauerregen wäscht nicht nur die Lindenblüte zu Boden. Die Bienen hungern, während Leichen von Mensch und Tier, neben Öllachen aus leckenden Heizöltanks und Debris aus allerlei Hausrat, in verheerenden Hochwassern die Ahr und den Rhein hinabtreiben. Allmählich dürfte den meisten Menschen klar sein: Das Wetter spielt verrückt und vieles deutet darauf hin, dass der Mensch hierbei seine Finger im Spiel hat.

Der Mensch hat ein gewaltiges Feuer entzündet, das zu löschen immer schwieriger wird. Dabei können wir grob zwischen zwei Arten von Feuer unterscheiden. Das eine brennt in den Heizungsanlagen unserer Häuser, in den Verbrennungsmotoren von Autos, Flugzeugen und Schiffen und in den Öfen der Stahl-, Zement- und Glasindustrie. Dieses gebändigte Feuer verzehrt hauptsächlich fossile Energieträger wie Kohle, Erdöl oder Gas, die der Mensch dem Bauch der Erde entreißt. Das andere, das offene Feuer, lodert hauptsächlich durch die Wälder der Erde.

Waldbrände in Südeuropa, Kalifornien und Australien sind nichts Neues. 2018 und 2022 gehen allerdings auch in Schweden und sogar in Deutschland Bäume und Sträucher infolge der anhaltenden Dürre in Flammen auf. In den tropischen Ländern Afrikas, Südamerikas und Asiens hingegen brennen die Sauerstofffabriken und Kohlendioxidspeicher, damit an ihrer Stelle Ackerland entsteht. Nicht selten werden auf diesem dann Ölpalmen und Zuckerrohr für „Bio“-Diesel und „Bio“-Sprit angebaut, die dann wiederum in Verbrennungsmotoren landen. Diesen Irrsinn verkaufen Politiker der Öffentlichkeit in beispiellosem Zynismus als Maßnahmen zur Rettung des Klimas.

Ein Beispiel: 2008 unterzeichnete die damalige Kanzlerin Angela Merkel zu diesem Zwecke mit dem damaligen brasilianischen Staatschef Lula da Silva das deutsch-brasilianische Energieabkommen. Knapp drei Jahre später, 2011, kam das Zuckerrohrethanol in Form von E10 als bis zu zehnprozentige Beimischung zum normalen Benzin auf den deutschen Markt. Scheinheilig wird dem heutigen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro das Abholzen des Amazonasregenwalds vorgeworfen, während ihm gleichzeitig ein gigantischer Markt für seine Agrarprodukte geboten wird; vor allem Zuckerrohr und Soja gehen in die sogenannte „energetische Verwertung“ — zum Wohle des Klimas, versteht sich.

Die Chemieindustrie freut sich über solche Entwicklungen. Die Nachfrage nach Kunstdünger, Saatgut und Pestiziden steigt. Konzerne wie Syngenta, Bayer/Monsanto, BASF und Co. haben ihre Liebe für das Klima entdeckt und stellen die giftigen Duschen bereit, die dann über die genmanipulierten Soja- und Zuckerrohrwüsten niedergehen auf Flächen, auf denen sich gestern noch Ara und Jaguar gute Nacht gesagt haben.

Die Liste der Verfehlungen in der internationalen Klimapolitik ist lang, noch länger die Liste des darin verstrickten Personenkreises aus Politik und Wirtschaft. Dennoch verdient Angela Merkel als historische Person an dieser Stelle eine besondere Erwähnung, ließ sie sich doch lange Zeit als „Klimakanzlerin“ feiern. Bereits heute darf wohl davon ausgegangen werden, dass ihr klimapolitisches Engagement nichts weiter war als ein schmutziger propagandistischer Trick, in dessen Schatten die zwar lobbyfreudigen, aber in vielerlei Hinsicht schädlichen Industrien weiter ungestört ihre zerstörerische Tätigkeit entfalten konnten.

So ließ sie sich im Sommer 2007 anlässlich einer Grönlandreise öffentlichkeitswirksam vor schmelzenden Eisbergen fotografieren, während im Hintergrund die Beimischungspflicht der absolut umweltschädlichen „Bio“-Kraftstoffe gesetzlich festgezurrt wurde — ein unerhörtes Geschenk an die Agrarmultis und ein Desaster für Grundwasser, Artenschutz und die Gesundheit der Landbevölkerung (2).

Angesichts solcher „Klimafreunde“ lohnt es sich, die Klimakrise einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Eine Sache dürfte klar sein: Das Klima unseres Planeten ist eine hochkomplexe Angelegenheit, die der Mensch in seiner Gänze noch längst nicht verstanden hat und hochwahrscheinlich auch in Zukunft nie komplett verstehen wird. Klima ist ein Ding, das sich weder „schützen“ noch „retten“ lässt. Wer mit solchen Begrifflichkeiten in politischen oder wissenschaftlichen Debatten um sich wirft, ist im besten Falle naiv, im schlimmsten Fall unseriös. Ganz sicher sollte man sich von dem Gedanken verabschieden, man könne das Klima der Erde in irgendeiner Form nach unserem Gutdünken steuern. Hier handelt es sich um eine typisch menschliche Allmachtsfantasie.

Es ist überhaupt nicht gesagt, dass die derzeit ja merkbar stattfindende Erderwärmung tatsächlich ein Ende findet, wenn wirklich der äußerst unwahrscheinliche Fall einträte, dass es uns kurzfristig gelingt, unseren CO2-Ausstoß komplett gegen null zu fahren.

Selbst dann wird niemand sagen können, welche klimatischen Bedingungen in hundert oder zweihundert Jahren das Gesicht der Erde prägen werden. Wir wissen es schlicht nicht. Genauso wenig wird sich die — wann auch immer stattfindende — Abkühlung zur nächsten Eiszeit unter Kontrolle bringen lassen.

Die Zeit wird kommen, in der wieder kilometerdicke Eisschichten riesige Teile Eurasiens und Nordamerikas unbewohnbar machen werden. Sollen wir in einer solchen Zukunft dann hingehen und alle alten Kohlekraftwerke wieder ausmotten, um zu heizen, was das Zeug hält? Es wird uns wohl kaum etwas nützen. Aus diesen Gesichtspunkten heraus ist eine völkerrechtlich verbindliche Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius, um es mit den Worten des Berliner Ökologen Dr. Harald Kehl, zu sagen: „aus ökosystemarer Sicht Schwachsinn“ (3).

Damit will ich keineswegs zum Ausdruck bringen, man könne das Klima nicht mit CO2 negativ beeinflussen. — Ganz im Gegenteil. Sollte auch nur der Hauch eines Verdachts bestehen, dass CO2-Emissionen für Extremwetterereignisse und die gegenwärtige Erderwärmung verantwortlich sind, müssen wir sie eher gestern als heute so weit wie irgend möglich reduzieren.

Nur ist es den vermeintlichen „Klimaschützern“ gelungen, die Probleme, welche die Gattung Homo industrialis auf unserem wunderbaren Blauen Planeten verursacht, mehr oder weniger auf diesen einzigen Faktor, das Kohlendioxid, zu verengen, während andere Faktoren, wie zum Beispiel die Abholzung unserer Wälder, großflächige Monokulturen, die Industrialisierung der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft und der Fischerei sowie die Vernichtung ganzer Ökosysteme, in der Diskussion außen vor gelassen werden. Wohin dies führen kann, sehen wir daran, dass auf einmal die supergiftige, supergefährliche Nukleartechnik, mit deren Strahlungsfolgen die Umwelt wohl noch auf Jahrtausende hin zu kämpfen haben wird, auf einmal als „grün“ klassifiziert wird, weil beim atomaren Feuer eben kein CO2 emittiert wird.

Es gibt einen verhängnisvollen Trend unter den politisch Verantwortlichen, Klimaschutz gegen Natur- und Artenschutz auszuspielen. Bei diesem Treiben verlieren immer die Letzteren. Wenn wir aufhören, das ungiftige Gas Kohlendioxid, das bei Verbrennungsvorgängen entsteht und Teil unserer Atemluft ist, in gigantischen Mengen in die Atmosphäre zu blasen, bewahren wir das Klima. — So lautet die Kernaussage der Klimaschützer. Eine solche Aussage taugt höchstens als Metapher oder als Beispiel eines Bravourstücks in Sachen Propaganda. Noch mal: Klima kann weder „geschützt“ noch „gerettet“ oder gar „bewahrt“ werden. Diese Begriffe passen einfach nicht zu einem Phänomen, das sich per Definition ständig ändert und ständig ändern muss.

Ich selber bin lange genug argumentativ in die CO2-Falle getappt. Natürlich zweifele ich die Klimawirksamkeit von Kohlendioxid nicht an. Dennoch sehe ich mittlerweile die Dinge etwas differenzierter. Es gibt eine Fülle viel handfesterer Argumente, warum wir wegzukommen haben von kohlenstoff-haltigen Brennstoffen, und damit meine ich ausdrücklich nicht nur jene fossilen Ursprungs, wie Kohle, Gas und Öl, sondern ebenfalls den sogenannten Biosprit oder das Biogas, die vom Acker stammen — vom Phänomen der angeblich „klimaneutralen“ Holzpellets, das zur massenhaften Abholzungen klimafreundlicher Bäume führt, ganz zu schweigen.

Angesichts ständiger Ölkatastrophen im Meer, ölverpesteter Böden, von Kohletagebau vernichteter Landschaften, durch Fracking-Gas verseuchter Flüsse oder eben jener oben beschriebenen Auswüchse einer völlig aus dem Ruder gelaufenen Agrarindustrie muss es uns vor allem um den Erhalt unserer vielfältigen Lebensräume und unserer Biodiversität gehen.

Die Masse der Tier- und Pflanzenarten auf unserer Erde hat diverse Eiszeiten und Warmperioden im Wandel der jüngeren Erdgeschichte überstehen können — auch die Eisbären. Erst der moderne Mensch macht ihnen mit seinem Treiben den Garaus. — Nicht selten zum Wohl des „Klimas“.

Grüner Wasserstoff als Energieträger wird sich auch ohne Klimadiskussion durchsetzen, weil er nachhaltig und sauber ist und für eine überlegene, neue Technik steht. Vielleicht hilft die Klimadiskussion, diese Entwicklung zu beschleunigen. Das wäre gut und schön, darf aber nicht zu Unehrlichkeit führen.

1780 wurde in Mannheim die Meteorologische Gesellschaft gegründet, die als erster Wetterdienst damit begann an verschiedenen Orten Deutschlands zu drei verschiedenen Tageszeiten die Temperatur zu messen und aufzuzeichnen. Das ist nun rund 240 Jahre her. Seit 1881 können für Deutschland Mittelwerte in der Temperatur ermittelt werden (4). Für unser Zeitempfinden sind das lange Zeiträume. Erdgeschichtlich hingegen sind es Wimpernschläge. Letztens ließ eine Radiomoderatorin des WDR den Spruch los: „Auf das Wetter ist kein Verlass mehr.“ Wann bitte war jemals auf das Wetter Verlass?


Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch „Das Feuer des Wassers. Wasserstoff jetzt — Die Lösung unseres Energieproblems“ von Timm Koch. 240 Seiten, Westend Verlag, 19.9.2022


Quellen und Anmerkungen:

Die Quellen zu diesem Artikel entnehmen Sie bitte dem Buch: Timm Koch, „Das Feuer des Wassers. Wasserstoff jetzt! Die Lösung unseres Energieproblems“.

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