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Kampagne des (Ab-)Schreckens

Kampagne des (Ab-)Schreckens

Dass man sich in die Freiheit „zurückimpfen“ könne, ist eine Lüge, die durch permanente Wiederholung zur gefühlten Realität wird.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat sich also dann doch dafür ausgesprochen, Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren eine Impfung anzuraten. Unter anderem begründete sie das mit den „psychosozialen Folgen der Pandemie, insbesondere von Isolationsmaßnahmen, in dieser Altersgruppe auch unabhängig von individuellen Infektionen mit SARS-CoV-2“. Damit hat die Expertenrunde wahrscheinlich ein Novum geschaffen:

Eine Impfung gegen Depressionen und Freiheitsentzug empfohlen.

Eigentlich ist diese Einschätzung nicht ganz neu. Schon mit Beginn der Impfkampagne wurden die tatsächlichen, die medizinischen Gründe für eine Impfung eher selten betont. Spätestens als die vulnerablen Gruppen geimpft waren, warb man mit Lockangeboten, die keinerlei Bezug zur Gesundheit hatten: Es ging um Normalität und Freiheit. Die könne man sich jetzt impfen lassen. Die anfängliche medizinische Seriosität wurde schnell aufgegeben und durch Lifestyle-Kampagnen ersetzt. Das hat sicherlich viele Skeptiker eher noch mehr abgeschreckt als angesprochen.

Grundrechte als Sonderrechte: Eine Impfkampagne, die abschreckt

Neulich habe ich ja schon mal erklärt, dass ich mir Zeit nehmen wollte, was das Impfen anbelangt. Vor dem Herbst 2021 wollte ich nicht aktiv werden. Ein Impfzentrum wollte ich nicht aufsuchen, nur beim Hausarzt wäre ich — mit Zeit und ohne Druck — bereit, mich dann vielleicht impfen zu lassen. Dummerweise ging ich davon aus, dass man in den Monaten bis Herbst viel über die Impfung, die Wirkung und Wirkweise, sprechen würde — man würde Nebenwirkungen publik machen, nicht runterspielen, also seriös damit umgehen: Medizinische Sachlichkeit walten lassen.

Wenn überhaupt, dann war das nur in den ersten Tagen so, als der Impfstoff quasi gerade erst das Licht der Welt erblickt hatte. Danach wurde es mir etwas mulmig zumute. Ich sichtete Plakate, die für die Impfung warben. Aber nicht, indem man mir dort erklärte, dass das meiner Gesundheit zuträglich sei. Ja, man warnte mich noch nicht einmal vor einem schweren Covid-19-Verlauf oder einer möglichen Todesfolge bei schwerer Infektion. Nein, man stellte mir einfach nur Freiheit in Aussicht.

Wahrscheinlich bin ich ein altmodischer Mensch, was eine andere Bezeichnung dafür sein mag, ein gutgläubiger Mensch zu sein: Aber ich dachte immer, so ein medizinischer Eingriff müsse sachbezogen entschieden beziehungsweise beworben werden, ja auch ein bisschen kühl und analytisch. Würde ein Urologe einem männlichen Patienten mit einer Vorhautverengung den Eingriff mit der Aussicht attraktiv machen, er könne sich dann bald wieder durch die Betten vögeln, würde sich doch jeder fragen: Muss er das so kommunizieren? Müssen die Folgen, die sich abseits der Medizin ergeben oder nicht, eigentlich Gegenstand der Informationspflicht sein, die Mediziner haben?

Gut, es werben ja keine Ärzte — das ist schon klar. Aber es wird im Namen des Gesundheitswesens geworben. Plötzlich mehrten sich solche Plakate, die von Normalität oder Freiheit sprachen. Immer drastischer schien die Impfung jetzt zu einem Eingriff zu mutieren, der Grundrechte erzeugt. Die Politik nannte diese Rechte nun Sonderrechte. Kürzlich fiel dann — wie geschrieben — die STIKO um. Der Druck seitens eben jener Politik wurde zu groß. Einige Tage später erklärte Jens Spahn, dass man Deutschland jetzt in Freiheit impfe — wer jetzt damit kokettiert, er habe „Impfen macht frei!“ gesagt, wird natürlich als geschichtsvergessener Trottel abgewatscht.

Das Narrativ: Eine Narretei

Je öfter ich so völlig enthoben von medizinischen Eckpfeilern auf die Impfung angesprochen wurde, von Litfaßsäulen herunter, in Netzwerken, durch Werbespots oder an Bahnhaltestellen, desto mehr schreckte mich das ab.

Grundrechte sind die Basis einer Demokratie, festgeschrieben im Grundgesetz. Wenn mir jemand sagt, ich könne sie durch zwei Stiche — oder mehr — erhalten, beleidigt das meinen Intellekt. So gehen Grundrechte nicht — wer das so hinstellt, hat das Grundgesetz nicht begriffen, gehört eigentlich vom Verfassungsschutz ins Visier genommen.

Dieses Narrativ ist die größte Narretei, die in den anderthalb Jahren seit Pandemiebeginn ersonnen wurde.

Mehr als die Berichte über diverse Nebenwirkungen, mehr als die fehlenden Erfahrungswerte bei kaum erprobten Impfstoffen, ja selbst mehr noch als die Perspektive, sich über Jahre regelmäßig nachimpfen und nochmals nachimpfen lassen zu müssen, brachten mich diese Impfkampagnen, die mit Freiheit und Normalität warben, dazu, auch weiterhin nicht für eine Impfung zur Verfügung zu stehen. Mich schockiert es nach Monaten immer noch, dass man alles rund ums Impfen zu einer Art Lifestyle-Thema modifiziert hat, wo man lesen konnte, dass man sich ja auch abends beim Ausgehen, vor der Kneipe impfen lassen könne. Mobile Teams seien nämlich dort, damit ihr eure Freiheit auch weiterhin genießen könnt.

Der ehemalige Entertainer Harald Schmidt sagte vor einigen Wochen dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“, dass wenn er auch nur den Begriff „Impfangebot“ höre, er eine mögliche Impfung gleich nochmal um eine Woche rausschiebe. Er sei bis heute nicht geimpft. Eilig hätte er es damit auch nicht. Wenn es im Radio heiße, „das RKI meldet …“, trinkt er lieber eine Tasse Kaffee. Seinen Ausführungen konnte man recht gut entnehmen, dass er ein intellektuelles Problem mit dem derzeitigen Zustand hat — intellektuell insofern, dass es seinen scharfen Verstand und sein Gefühl für Sittlichkeit beleidigt. Vielleicht geht es ihm wie mir: Wie man uns all das präsentiert, mit dieser Mischung aus Entmündigung, Verfolgungsbetreuung, Schelte und Infantilisierung: Das schreckt mich ab, halte ich für ehrabschneidend — so kriegt man mich nicht. So treibt man mich nur weg. Ob es nicht vielen da draußen so oder wenigstens so ähnlich geht?

Es ist ja auch keine intellektuelle Kleinigkeit, was sich da als Narrativ in den letzten Monaten verselbstständigt hat.

Der Aufruf sich impfen zu lassen, um frei sein, um ein normales Leben führen zu können, suggeriert ja, dass ein Mensch nur dann ein Mensch mit unveräußerlichen Rechten sein kann, wenn er sich das Menschsein spritzt.

Man wird sehr aufpassen müssen, dass dieses Narrativ nicht zu einer steten Wahrheit wird, von der irgendwann alle glauben, dass es immer so gewesen sei.

… dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit

Von dieser Impfkampagne geht eine Gefahr aus. Ich bin kein Mediziner, daher kann ich wenig über etwaige Gefahren des Impfstoffes sagen. Aber über den Stoff, den sie uns im Zusammenhang mit der Impfung auftischen — dazu habe ich durchaus etwas zu sagen:

Er ist gefährlich, weil er etwas etabliert, was allem widerspricht, was kürzlich noch als die Segnungen des „Wertewestens“ hochgehalten wurde. Er negiert Menschen- und Bürgerrechte; spricht Menschen, die etwas nicht mit sich machen lassen wollen, die Anerkennung als gleichberechtigte Nächsten ab.

Das Narrativ hebt die Gleichheit auf. Und da man es beständig wiederholt, immer und immer wieder, wird daraus eine neue Verfassungsrealität, der es eigentlich an Grundlage mangelt, die aber nirgends — schon gar nicht von den Verfassungs- oder Verwaltungsrichtern dieses Landes — als Verstoß eingeordnet werden, sondern bloß noch als neue, zeitgemäße, ja notwendige Erweiterung jener Grundrechte, auf die wir einst stolz waren. Denn die stehen ja allen zu, sind halt nur nicht mehr unveräußerlich, nicht von Natur aus jedem gegeben.

Die Grundrechte des Grundgesetzes speisten sich aus naturrechtlichen Anschauungen. Naturrecht meint hier, um den Brockhaus zu zitieren, „Gerechtigkeitsprinzipien, die in der Natur der Sache oder des Menschen angelegt sind“. Weil also der Mensch ein Mensch ist, stehen ihm daher naturgemäß Rechte zu — Grundrechte. Wir erleben aktuell, wie die grundrechtlichen Ansprüche in ein positives Recht, also ein vom Menschen künstlich oder willkürlich gesetztes Recht, überführt werden. Nicht weil man Mensch ist, stehen in diesem Kontext jemandem Rechtsansprüche zu, sondern weil man Grundvoraussetzungen erfüllen muss, um seine Ansprüche geltend machen zu können.

Die Exklusivität der Grundrechte oder der Freiheit und Normalität, um es mit der Sprache der Werbemacher zu sagen, wird Schritt für Schritt zu einer neuen Wahrheit stilisiert, die die alte Gewissheit ersetzt: Dass wir alle, unter allen Umständen, egal woher wir kommen, wie wir aussehen, mit wem wir ins Bett gehen und welche Geschlechtsteile wir haben, gleichen Anspruch darauf haben, nicht benachteiligt oder bevorzugt zu werden.

Je länger man uns die Geschichte von der Freiheit erzählt, die man sich in den Oberarm jagen lassen kann, desto mehr wird diese Lüge in die Geschichte eingehen und zur Wahrheit werden.

Irgendwann erinnern sich nur noch Ewiggestrige daran, wie es früher war. Das werden dann alte senile Leute sein, denen eh keiner mehr was glaubt und für die es besser ist, wenn andere für sie entscheiden, ob sie die neueste Booster-Impfung kriegen sollen oder nicht. Ab der 50. Auffrischung gibt es dann sogar zwei Bratwürste und eine Extra-Freiheit zur Belohnung. Die Zukunft wird schön …

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