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Hurra, hurra, die Schulpflicht brennt!

Hurra, hurra, die Schulpflicht brennt!

Nachdem jetzt ausgerechnet die AfD den NS-Schulzwang abschaffen will, droht allen frei denkenden Eltern das Querfront-Doppel-Etikett „Linker Nazi“. Das ändert aber nichts daran, dass die Schulpflicht abgeschafft gehört. Und zwar sofort.

Redaktionelle Vorbemerkung: Das Rubikon-Team diskutiert die "Abschaffung der Schulpflicht". Sven Böttcher eröffnet in diesem, dem 1. Beitrag die Debatte. Sie wird fortgeführt in den Teilen 2 und 3. Sven Böttcher hat abschließend in seinem eigenen Blog erwidert.

Eine deutsche Bildungslücke

Anders als die meisten anderen Bewohner der zivilisierten Welt kennt die Mehrzahl der Deutschen nicht den Unterschied zwischen Bildungspflicht und Schulpflicht - und weiß auch nicht, dass wir weltweit praktisch allein sind im Festhalten an der zwanghaften „Schul(gebäude)pflicht“ – sowie in der Strafverfolgung von Eltern wie Schülern, die gegen diese Anwesenheitspflicht in staatlichen Gebäuden verstoßen.

Derartige Eingriffe in Selbstbestimmungs- und Elternrechte gibt es weltweit außer in Deutschland nur in Kuba und Nordkorea. Die ideologischen Wurzeln und Ziele sind hierbei gemeinsame, denn das totalitäre deutsche Schulpflichtgesetz stammt ursprünglich aus dem Jahr 1938. Damals wurde erstmals in der deutschen Geschichte festgelegt, dass Schüler mit der Polizei in den Unterricht gezwungen und Erziehungsberechtigte mit Geld- und Gefängnisstrafen bestraft werden können, wenn sie die Schulpflicht bei ihren Kindern nicht durchsetzen.

Erreicht werden sollte hiermit die Kontrolle über das Denken der Untertanen, das Ersticken von wehrkraftzersetzender Insubordination im Keim, ebenso wie jede Form kritischen Denkens. Dass nun Faschismus und Demokratie völlig unvereinbar sind, war zwar manch bundesdeutschem Staatsvertreter durchaus schon früh nach Kriegsende aufgefallen – dennoch konnte man sich zur Abschaffung des braunen Schulzwanges nicht entschließen.

Bei der Entscheidung für die Fortführung dieser diktatorischen Tradition geriet indes gründlich unter die Räder, was Schule in einem freien Land sein sollte, nämlich eine Bildungs- oder Lehranstalt, in der junge Menschen nicht nur auf ihr späteres Berufsleben vorbereitet werden, sondern auch zu kritischem Denken und verantwortungsvollem Handeln. Die Aufgabe der deutschen Schulen bestand bis 1938 – und zwar spätestens seit Wilhelm von Humboldt - insbesondere darin, junge Menschen geeignet vorzubereiten auf die Demokratieteilnahme, also die Teilnahme an einer allgemeinen bürgerlichen Öffentlichkeit - eine Aufgabe, die sich sogar in die Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wiederfindet sowie, als Feigenblatt, in den Verfassungen verschiedener Bundesländer - wohl am schönsten hochdeutsch formuliert für die bayerische Verfassung:

„Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden.“

Das klingt gut – und ist erforderlich. Denn nur so wachsen Demokraten heran.

Kadavergehorsame Faschisten hingegen wachsen heran, wenn man Kinder schon vor Beginn der Pubertät bestens vorbereitet auf ihr weltumspannendes Berufsleben, ganz gleich, ob sie dann später „Babynahrung produzieren oder Landminen“ (Volker Ladenthin), und sie porentief gehirngewaschen organisiert wie die effektivsten Betriebssysteme, ohne Herz und ohne Charakter, im allzeitigen Wissen, dass der Sinn des Lebens aus Selbstoptimierung und Siegen im Wettbewerb besteht.

Es ist angerichtet

Die mittels unseres staatlich kontrollierten Zwangsbeschulungssystems möglichst früh beginnende konzentrierte Vorbereitung auf lebenslanges Konkurrenzdenken in Beruf wie Privatleben unter vollständigem Verzicht auf Herz, Charakter, Hirn und Originalität hat aber nicht nur systematisch Solidarität, Empathie und moralische Werte eliminiert, sondern auf dem längst offen industriegesponsorten Weg zum „Reifezeugnis“ auch alle Beteiligten Lehrer, Schüler und Eltern zu sehr nervösen und ängstlichen Kranken gemacht.

Während Lehrkräfte sich zunehmend in Burnouts und frühe Renten retten, müssen die Schüler sitzen bleiben – und alles schlucken. Mehr als 325.000 leiden hierzulande inzwischen an „ADHS“-Symptomen, die Absatzsteigerungsrate zwischen 2012 und 2013 betrug 66%, die Tagesdosis wurde von 17 Millionen (2002) auf 56 Millionen gesteigert (2012).

Dass die „Krankheit“ besonders häufig auftritt, wenn Kinder aus der Grundschule in eine weiterführende Schule wechseln, ist dabei wenig verwunderlich, denn der hiesige Leistungsdruck ist, anders als im europäischen Ausland, für unsere Schüler schon in jungen Jahren enorm hoch - bereits am Ende der Grundschulzeit steht die Wahl der weiterführenden Schule an.

In anderen europäischen Ländern werden Schüler und Eltern deutlich später vor diese lebensprägende Entscheidung gestellt, in den Benelux-Ländern mit zumindest 13 Jahren, in den meisten Ländern Europas sogar erst mit 16. In Deutschland werden die vorentscheidenden Weichen im Alter von 10 Jahren gestellt – eindeutig zu früh und aufgrund der hierzulande eklatanten Ungleichheit auch eindeutig „unkorrigierbar“.

Die allen Schüler- und Lehrerinteressen frontal zuwiderlaufende temporäre Verkürzung der Gesamtschulzeit um ein Jahr diente hierbei ausschließlich als Beschäftigungstherapie für Schulbeamte sowie dem Bruttoinlandsprodukt, denn deutsche Eltern investierten zuletzt jährliche drei Milliarden Euro in Nachhilfe - jeder fünfte deutsche Schüler benötigte diesen Zusatzunterricht. Zum Vergleich, weil wir uns ja so gern mit Finnen messen: dort benötigt nur jeder fünfzigste Schüler Nachhilfe.

Keine Nachhilfe braucht indes unsere Schulbehörde. Denn die ständige Erhöhung des Leistungsdrucks auf alle Beteiligten ist offenkundig nützlich (wenn auch nicht für Schüler, Eltern und Lehrer), da in Freiheit und Gesundheit ein Zustand unkontrollierter Kreativität drohte - sowie das noch von Humboldt gewünschte Heranwachsen aufgeklärter Menschen, mithin das Ende unserer derzeitigen ungesunden Gesellschaftsordnung.

Die behördlichen Maßnahmenkataloge zur Abwendung dieser kreativen und freien Gefahren sind indes überaus effektiv, denn wir unterrichten längst keine Menschen mehr, sondern Fächer: Schon 1995 hatten wir unsere Lehrpläne gründlich optimiert, nachdem ausgerechnet die Weltbank gefordert hatte, „dass die Prioritäten in der Erziehung durch ökonomische Kriterien festgelegt werden, durch festgesetzte Standards und die Messung, ob diese Standards erzielt wurden.“

Seither ist, was im Erziehungswesen geschieht, nicht pädagogisch festgelegt, sondern ökonomisch. Entscheidendes Werkzeug ist hierbei der sogenannte PISA-Test, erdacht eben nicht von irgendwelchen Kultusministerien, sondern von der OECD, also der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – und so ist der PISA-Test ein „Tool“, das ausdrücklich nichts humanistisch Relevantes misst, sondern lediglich Lesekompetenz, mathematische Kompetenz und naturwissenschaftliche Grundbildung.

Zur objektiven Evaluierung des Schulniveaus ist PISA daher denkbar ungeeignet, dafür aber bestens geeignet, um Panik zu verbreiten. Entsprechend bang geraten die Blicke unserer Politikerdarsteller, wenn alle Jahre wieder das internationale PISA-Ranking die mediale Berichterstattung stundenlang beherrscht. Nach unserem 2000er-Schock (Wir! Deutschland! Im untersten Drittel!) kam der blaue Brief der internationalen Wirtschaftskonferenzen folgerichtig per Express an:

Binnen kürzester Zeit hat sich PISA in den Lehrplänen unausrottbar eingenistet, in unseren Schulen wird fast nur noch unterrichtet, was PISA messen kann, und unser Jubel ist groß, denn die Testergebnisse werden besser.

Wir kommen mithin der OECD-Aufforderung auch weiterhin gern und eifrig nach, die Befähigung unserer Schüler zu fördern, „sich an eine durch Wandel, Komplexität und wechselseitiger Abhängigkeit gekennzeichnete Welt anzupassen“, klarer gesagt.

„Damit die Maschine gut funktioniert, braucht man keine aufgeklärten Könige oder Bürger, sondern ‚Gleichartige’, austauschbare Elemente, die sich in unzähligen Kombinationen wirkungsvoll zusammenkoppeln lassen“ (Jean-Marie Guehenno).

Für ein potentiell aufmüpfiges, querschießendes Teil mit der Typenbezeichnung „Ich“ ist in dieser Maschine kein Platz.

Wehret dem Ich!

Und wehe dem, der sich in diesem System vernünftig verhält. Wehe dem, der sich verpflichtet fühlt, seinen Schutzbefohlenen, sein eigenes Kind, zu einem freien, verantwortungsvoll und klugen Menschen erziehen zu wollen. Da sei die Schulbehörde vor, die, wie der Name schon sagt, nicht Schülern oder Bildung dient, sondern der Institution Schule.

Die Kinder selbst bilden? Das ist dem Bürger nicht gestattet. Die Kinder ausbilden lassen, von selbst gewählten, selbst honorierten Lehrern? Das ist dem Bürger nicht gestattet. Alle Zuwiderhandlungen (vernichtend zusammengefasst unter dem Etikett „Freilerner“) werden verfolgt, mit größter Härte, mit Geldstrafen und Kindesentzug.

In den Gefängnissen der nordkoreanischen Provinz Niedersachsen sind 20-30% der Insassen minderjährige Schulverweigerer (eine Trennung von den erwachsenen Kriminellen findet nicht statt), und wer versucht, sich dem Zugriff der Behörden zu entziehen, indem er zum Beispiel seinen Wohnsitz offiziell ins freie Ausland verlegt, kann schon gar nicht mit Gnade rechnen. Er wird verfolgt, beobachtet und durchleuchtet, und weist man ihm falsche Angaben nach, drohen drakonische Strafen. Dass der Defätist hierbei auch sein Sorgerecht verliert und seine Kinder in staatliche Obhut geraten, versteht sich von selbst.

Das Verhalten der zuständigen Beamten ist allerdings nur konsequent. Denn je augenfälliger das Totalversagen der Schulbehörde in Sachen „Bildung“ wird, desto energischer werden Kritiker verfolgt und hinter Gitter gebracht.

Welches Totalversagen? Na ja. Unsere Schüler können nicht rechnen, „bald 40 Prozent der Kinder“ schneiden in Mathematik mit „mangelhaft“ ab und sind „nicht zukunftsfähig“ , unsere Abiturienten können nicht lesen und schreiben (das BKA konnte jüngst nur 50% der für den höheren Dienst ausgeschriebenen Stellen besetzen, weil der Rest der sich bewerbenden Abiturienten an der Rechtschreibprüfung scheiterte.

Um dieses behördliche Versagen zu kaschieren, hat man die Ansprüche längst so weit gesenkt, dass man das Englisch-Abitur inzwischen sogar ohne Englischkenntnisse besteht - und demnächst jedermann und –frau durch alle Prüfungen kommt. Und danach zwar nicht zum BKA; aber an die Uni.

Dieses Herunterschrauben der Ansprüche unter Normalnull hat allerdings wiederum keine Konsequenzen für das System an sich, denn „verkauft“ wird das Verbot vernünftiger Bildung mit hehren Schlagwörtern: „soziale Gerechtigkeit!“ und „Gleichheit!“.

Nun wird allerdings ein Vollkoffer kein Physikprofessor, selbst wenn man ihm rund um die Uhr Formeln vorliest – das „Verschlauen“ scheitert gelegentlich schlicht am Gehirn. Aber das Verdummen klappt zuverlässig, und mit ordentlich Einsatz mendelt man auch den designierten Professor binnen weniger Anstaltsjahre herunter auf Bohnenniveau.

Und genau dieses Credo steht in geheimer Tinte auf unserer Fahne „Gleichheit“: Ehe wir ein Zwei-Klassen-Bildungssystem erlauben, sorgen wir doch lieber dafür, dass alle gleich schlecht ausgebildet werden. Und nennen das dann „soziale Gerechtigkeit“: Die Dümmsten geben das Niveau vor, wer herausragt, wird auf Kurs gemobbt. Und alles unter falscher Flagge.

Aber das ist nur konsequent. Denn erlaubte man intelligenten Menschen, ihre Kinder selbst auszubilden oder ausbilden zu lassen, träte Bildungskonkurrenz auf den Plan und wäre über Nacht erfolgreich, die begabten Jungen würden plötzlich scharenweise klug, und damit wäre das Schulsystem nackt - als bildungsfeindliches Katastrophengebiet enttarnt – und alle Schulbehördler arbeitslos.

Das darf nicht passieren.

Humboldt darf nicht passieren. Dessen irre Idee, der Staat solle sich aus Familie und Ehe heraushalten und diese Bereiche der „freien Willkür der Individuen und der von ihnen errichteten mannigfachen Verträge gänzlich überlassen“, sprich die Menschen frei entscheiden lassen, wie sie leben wollen? Undenkbar. „Humboldt ist tot!“ (Bundesbildungsminister Rüttgers, 1987), den Rest regeln das Gesetz von 1938 und ein kerniges „Das haben wir schon immer so gemacht!“

Veränderungsvorschläge von Freunden des selbstbestimmten Lebens und Denkens ignorieren wir geflissentlich, wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse wie die chronobiologische, dass viele junge Menschen vor 9 Uhr morgens überhaupt nichts lernen können, verweisen wir souverän ins Reich der Fabel, weil wir uns sonst die Mühe machen müssten, ganze Busfahrpläne auf den Kopf zu stellen oder gar unser ganzes eigenes Berufsleben vernünftiger zu organisieren. Und spätestens da hört der Spaß auf, denn Lehrjahre sind nun mal keine Herrenjahre.

Überdies sind unsere Vorwürfe an ältere Semester, die diesen kadavergehorsamen Irrsinn seit 1938 durchziehen, natürlich fehl am Platze. Sowieso, weil man Vater und Mutter gefälligst zu ehren hat, erst recht aber, weil der Staat verantwortungsvoll handelt, indem er unsere Jungen und Mädchen durch permanenten Leistungsdruck und frühe Burn-out-Erfahrungen auf ihr späteres Berufsleben vorbereiten. Denn wer sich von Kindesbeinen an im knochenharten Konkurrenzkampf behaupten kann, hat später gute Aussichten, zu den gesellschaftlichen Gewinnern zu gehören, und wer in der Schule lernt, nur zu lernen, was sich in Form guter Noten auszahlt, wird nach der Schulzeit wenig Anpassungsschwierigkeiten erfahren beim Ersetzen der Schulnoten durch Banknoten. Das ist bestimmt gut. Für den Exportweltmeister.

Mit diesem verpeilten Mind Set sind wir allerdings längst fast allein auf der Welt. Und selbst unsere nun wahrhaftig nicht als Freude des Individualismus berühmten chinesischen Freude – „PISA“-Spitzenreiter – haben den OECD-Schwindel inzwischen durchschaut und ihren Kurs vernünftigerweise korrigiert. Nachdem bei einer Studie chinesische Schüler beim „Phantasie-Test“ das internationale Schlusslicht bildeten und in „Kreativität“ nur den fünftletzten Platz erreichten, erteilte die chinesische Führung ihrem fehlgeleiteten Schulsaftladen einen öffentlichen Tadel und konstatierte, man habe versäumt, das wichtigste zu trainieren: unabhängiges Denken.

Wir sind also wieder mal spät dran. Aber „schnelles Denken“ stand ja seit 1938 stabil ebenso wenig auf dem deutschen Stundenplan wie „Phantasie“ oder „Kreativität“. Geschweige denn „Kritik“.

Der Preis für den totalen Sieg der Schulbehörde ist allerdings hoch. Nicht für die Beamten, sondern für das Land, dem sie dienen sollten – und das sie stattdessen sabotieren. Denn obwohl die Fahnenflucht für normale kluge Eltern gar nicht so einfach zu bewerkstelligen ist (eben weil sie alles zurückzulassen müssen, Job, Freunde, Eltern, Wurzeln), gilt für sie: Wer kann, der wandert ab. Und aus. Allen voran die Jungen – und die Klugen. (Einen im Sinn: Deutschland hat 27 Millionen Nettosteuerzahler. Davon hängen 12 Millionen direkt oder indirekt vom Staat ab. Von den verbliebenden 15 Millionen sind etwa 8 Millionen jünger als 44, „können also in die Kompetenzfestungen («Pässe nur an Asse») zwischen Norwegen und Neuseeland entkommen.“ (Gunnar Heinsohn).

Aber die Schulbehörde kann natürlich rechnen, im Gegensatz zu ihren Schutzbefohlenen. Selbst wenn plötzlich eine Million pro Jahr die Beine in die Hand nähme, ließe sich das problemlos verschmerzen, denn unsere Nettozuwanderung beträgt ja 2,1 Millionen minus knapp 1 Million, also bleibt unterm Strich ein schönes Plus von 1,14 Millionen stehen.

Und was ein „Brain Drain“ ist, können ja heutzutage selbst die Hälfte der Abiturienten nicht mehr übersetzen.

Ab jetzt

Die „Bildungspflicht“ bleibt bestehen, das dreiteilige Schulsystem ist hiermit begraben (mit dem wir ja global ohnehin praktisch allein auf weitem Irrweg standen). Die Verantwortung für die Kindesbildung liegt hiermit wieder bei den Eltern, nicht mehr beim Staat. Wo Eltern dieser Pflicht nicht nachkommen können, hilft – sofern die Eltern es wünschen – die neue Bildungsbehörde, die aus Steuermitteln Schulen für jene schafft, die daheim keinerlei Bildung erfahren und/oder deren Eltern nicht in der Lage sind, ihre Kinder zu lehren oder belehren zu lassen.

Der Schutz der Schwachen endet nicht mit dem Ende der Schulbehörde, das staatliche Bildungsangebot besteht fort und verschafft zukünftig jenen, die klug und/oder neugierig sind, aber nicht reich geboren, neue und bessere Chancen, tatsächlich teilzuhaben – und nicht nur wie bisher in Pseudo-Chancengleichheit ruhiggestellt zu werden mittels „Abitur, Studienplatz und unbezahlter Praktika für alle“ - bis zum Erreichen des fünfunddreißigsten Lebensjahres und anschließendem Hartz-IV-Abonnement.

Wir, als Gemeinschaft, bieten endlich Bildung an. Statt Zwang. Überdies unterstützt die Bildungsbehörde Eltern, Lehrer und freie Schulen beim Erstellen des Curriculum und legt in enger Absprache mit den freien Schulen die zentralen Prüfungsanforderungen fest.

Die Schule wird nach Abschaffung des Schulzwanges später beginnen. Später im Leben und später am Tag. Die Entscheidung, wohin der Lebensweg des Schülers führen könnte oder sollte, wird deutlich später fallen, nicht mit 3 oder 10 Jahren, sondern mit 12 oder 16.

Unsere neuen Schulen werden die Neugierde der Schüler wecken und die angeborene Lust am Lernen nicht durch die Vergabe von Noten korrumpieren. Ein individuelles Zeugnis, in dem der Lehrer konkret auf die Entwicklung eines Schülers eingeht, wird uns eine Selbstverständlichkeit sein, so wie für uns heute diese Art der Zeugnisse in den ersten beiden Schuljahren oder an Waldorfschulen. Wir werden das individuelle Lernen ebenso fördern wie das gemeinsame Lernen, und wir werden unsere Schüler zu Empathie und Mitmenschlichkeit erziehen, nicht zur Konkurrenz (außer spielerisch, auf dem Sportplatz).

Wir werden selbstständig lernen und arbeiten. Wir werden online lernen. Das Internet ist für unsere Kinder seit Ewigkeiten kein „Neuland“ mehr.

Vor allem aber werden wir unsere Bildung auf die Schlüsselrolle fokussieren, die des Lehrers. Denn nichts beeinflusst das Lernen von Schülern stärker (im Guten wie im Schlechten) als die Qualität des Lehrers oder der Lehrerin. Nicht mehr die Mittelmäßigen werden unsere Kinder unterrichten, geschützt von Nazi-Gesetzen und einer Monopolstellung, nein, die Besten, die Klügsten und zugleich Herzlichsten von uns werden die Lehrer unserer Kinder sein, unserer personifizierten Zukunft.

Diese Lehrer werden hohes Ansehen genießen und zu den höchstbezahlten Mitgliedern eurer Gesellschaften zählen (während unsere Banker, Marketinghausierer und Ex-Schulbehördenbeamten kaum mehr eine Kneipe finden werden, in der man sie gern bedient). Und uns allen wird die Bedeutung einer breiten Bildung und eines kritischen Geistes bewusst sein, denn wir wissen: Dichter und Denker, Erfinder und Genies gedeihen nur in Freiheit, nicht dort, wo jedes Andeutung von Individualität bestraft wird (ob nun mit einer miesen Note oder miesen Medikamenten).

Und wir wissen nur allzu gut, dass wir dringend haufenweise freie Geister brauchen, um auch in Zukunft bestehen zu können. Sowie einen Haufen aufgeklärter Schulabsolventen und Wähler, denn ohne die lässt sich ja die von uns Mittelalten verratene und beerdigte Demokratie niemals reanimieren.

Karl Popper notierte 1979: „Wenn ich an die Zukunft dachte, träumte ich davon, eines Tages eine Schule zu gründen, in der junge Menschen lernen könnten, ohne sich zu langweilen; in der sie angeregt werden, Probleme aufzuwerfen und zu diskutieren; eine Schule, in der sie nicht gezwungen wären, unverlangte Antworten auf ungestellte Fragen zu hören; in der man nicht studierte, um Prüfungen zu bestehen, sondern um etwas zu lernen.“

Schaffen wir diese Bildungseinrichtungen, flächendeckend. In Freiheit. Ohne Schulzwang, ohne Schulbehörde. Und ohne Nazigesetze.

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