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Homo demens

Homo demens

Digitalisierung und Propaganda haben bei den meisten einen Zustand passiver Dumpfheit erzeugt, der sie außerstande setzt, selbstständige Entscheidungen zu treffen.

„Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient“ (Joseph de Maistre).
In Deutschland bedeutet das augenscheinlich: eine Regierung, der es absolut gleichgültig ist, was die Bevölkerung weiß, wählt oder wünscht. Eine Regierung, deren dunkelgrüne Außenministerin, Annalena Baerbock, bei einer Podiumsdiskussion von „Forum 2000“ in Prag am 31. August 2022 mitteilt, dass sie ihren abstrusen Kurs in Sachen Ukrainekrise beibehalten werde, „egal was ihre deutschen Wähler denken“.

Eine Regierung, deren Kanzler an selektiver Amnesie leidet, wenn es in entsprechenden Untersuchungsausschüssen um die Aufklärung des CumEx-Skandals geht, dem massivsten Fall von Steuerhinterziehung der deutschen Geschichte. Eine Administration mit einem Kanzler, dessen CumEx-Komplizen und ehemalige Parteigenossen 200.000 Euro aus unbekannten Quellen in Schließfächern deponiert haben und der als Innensenator von Hamburg verfügte, dass mutmaßliche Drogendealer mit Brechmittel gefoltert werden — woran der 19-jährige Kameruner Achidi J. starb. Ein Regierungschef, der auch im Korruptionsskandal um Wirecard jegliche Transparenz verweigert und dessen Bruder — Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Schleswig Holstein und Leopoldina-Mitglied — in Millionenhöhe vom Intensivbetten-Betrug während der Coronakrise profitierte.

Die Deutschen scheinen eine Regierung verdient zu haben, deren soziophob wirkender SPD-Gesundheitsminister auf berechtigte Nachfragen zum jüngst für Aufregung sorgenden Maskengate schon mal feudalistisch entgegnet: „Das ist eben so.“ Eine Koalition mit einem Gesundheitsminister, der mehr Pharma-Lobbyismus als Politik betreibt. In einem Ausmaß, dass unlängst sogar der handzahme Markus Lanz vom ZDF nach einem Redebeitrag von Karl Lauterbach süffisant kommentierte: „So weit der Werbeblock für Paxlovid“, nachdem dieser zuvor ausladend über die Großartigkeit des Produktes räsoniert hatte. Pfizer, der Hersteller des neuen COVID-Medikamentes und einer der kriminellsten Konzerne der Welt, sponserte — ganz nebenbei bemerkt — den Parteitag der SPD am 11. Dezember 2021 sowie diverse andere Veranstaltungen der hiesigen Spitzenpolitik.

Eine von Hegemonialmächten korrumpierte Staatsführung, die kein Geld für die Flutopfer im Ahrtal zur Verfügung stellt, dafür aber US-Stellvertreterkriege oder Bundeswehreinsätze in Mali finanziert und Steuermillionen mit vollen Händen ins Ausland verteilt. Eine Regierung, deren FDP-Innenminister eine Aufhebung der Pandemie-Maßnahmen versprach und das exakte Gegenteil veranlasst. Eine Regierung, die aufgrund ihrer Verpflichtungen gegenüber supranationalen Interessengruppen technokratische Kontrollstrukturen implementiert, den Mittelstand vernichtet, die Bürger über eine hausgemachte Energiekrise enteignet, damit einen Wut-Winter in Dunkeldeutschland provoziert, potenzielle — und berechtigte — Proteste gegen diesen menschenverachtenden Korporatismus aber prophylaktisch als „Delegitimierung des Staates“ diffamiert.

Bezeichnend für die abgehobene Arroganz der Regentenkaste dieser Tage ist ein Statement von Sigmar Gabriel, ehemaliger SPD-Chef sowie Vizekanzler und aktueller Vorsitzender des 1952 von US-Bankiers gegründeten Oligarchen-Netzwerks Atlantikbrücke, der Annalena Baerbock im Shitstorm um ihre Äußerungen in Prag medial zur Seite springt und die empörten Wähler noch zusätzlich desavouiert, indem er am 2. September 2022 schreibt:

„Keine Ahnung, ob das Zitat von Baerbock stimmt. Aber diejenigen, die sich hier künstlich aufregen, sollten mal Art. 38 (1) der Verfassung lesen. Abgeordnete sind nur ihrem Gewissen verpflichtet und keinem anonymen Wählerwillen.“

Folgt man der Logik des eingangs zitierten Vertreters der Gegenaufklärung, Joseph de Maistre, hat es diese anonyme Masse von Wählern, der niemand verpflichtet ist, also verdient, dass sie von ihren vermeintlichen Volksvertretern ignoriert, verhöhnt, wirtschaftlich vernichtet und unterjocht wird.

Immerhin legitimiert das Votum der Bundestagswahl die derzeitigen Amtsinhaber, über das Stimmvieh zu herrschen. Selbst schuld, möchte man sagen.

Doch diese Argumentation greift zu kurz. Denn der Standpunkt, dass die Bevölkerung selbst die Verantwortung für die Misere trägt, vernachlässigt den Umstand, dass bei Wahlen stets nur Pest und Cholera zur Selektion stehen. Keine fundamentalen Richtungswechsel oder neuen Ideen. Darüber hinaus ignoriert diese argumentative Position, dass nur einem geringen Teil der Menschen heutzutage alternative Organisations-, Gesellschafts- und Regierungsformen geläufig sind — sprich Alternativen zum herrschenden System —, was die dysfunktionale repräsentative Demokratie alternativlos erscheinen lässt.

Weiterhin impliziert diese „Selbst-schuld-Rhetorik“, dass die Bürger beim Urnengang ihrem freien Willen gefolgt sind. Dass sie als Souverän mit informierter Partizipation ihr Schicksal selbst gestalten, Autonomie leben. Und damit, zu guter Letzt, dass den Menschen alle relevanten Werkzeuge, Prozesse und Informationen zur Verfügung gestellt werden, die zur objektiven wie kritischen politischen Willensbildung beitragen, weil diese das Fundament jeder freiheitlich organisierten Zivilgesellschaft bildet.

Doch ist dem so? Legen die monopolistischen Strukturen der Medienlandschaft, die korporatistische Verwobenheit von Staat, Konzernkartellen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) sowie die Entwicklung des Bildungssystems in den zurückliegenden Dekaden nicht eher das Gegenteil nahe? Nämlich dass sich eine Deutungselite etabliert hat, die sich mit allen Mitteln Lufthoheit über dem Debattenraum verschafft? Dass Staatsapparat, Konzerne, Digitalwirtschaft und fragwürdig finanzierte NGOs sich bemühen, relevante wie brisante Informationen zurückzuhalten? Dass der öffentliche Diskurs usurpiert, kontrolliert, kuratiert und massiv zensiert ist? Dass der Wissenschaftsbetrieb längst derart von Fördermitteln durchsetzt, unterwandert und abhängig geworden ist, dass er dadurch de facto zur Regierungswissenschaft verkam?

Und dass man Kinder im staatlichen Schul- und Bildungssystem schon lange nicht mehr darauf vorbereitet, eine selbstbestimmte Existenz zu gestalten, die ihren persönlichen Fähigkeiten und Präferenzen Rechnung trägt? Dass man sie nicht dazu ermutigt und befähigt, Verantwortung für sich selbst, ihre Ideen und ihr Handeln zu übernehmen?

Als Ideal werden dem Nachwuchs moderne Leibeigenschaft bei einem Großkonzern, wirtschaftliche Sicherheit sowie soziale Akzeptanz gepredigt, sprich Konformismus und Abhängigkeit. So werden aus Kindern keine kreativen, informierten, motivierten, charakterstarken, mutigen Demokraten und Entrepreneure, sondern eingeschüchterte, unselbstständige und horizontlose Mitläufer.

In Konsequenz dieser Umstände ist der moderne Mensch unter Umständen gar nicht mehr in der Lage, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und informierte, demokratische Partizipation zu leben. Denn aufgrund systeminhärenter Devolutionsprozesse ist der Homo consumens längst in der unbewussten Unmündigkeit angekommen. Fremdgesteuert. Ein Homo demens.

Er hat sich zwar die zunehmend illiberalen Lebensumstände im Habitat seiner postfaktischen, wertewestlichen Fassadendemokratie selbst geschaffen. Dies allerdings mit jenen beschränkten Mitteln, die ihm das System offeriert und suggestiv als Gesamtheit der Optionen präsentiert.

Kann der überforderte Mensch der Postmoderne für den Status quo noch Verantwortung übernehmen, wenn ihm kaum mehr bewusst zu sein scheint, dass die repräsentative Demokratie schon bei den alten Griechen nur ein geschicktes Mittel zum Machterhalt der Eliten war, weil Widerstand aus der unterdrückten Bevölkerung ihre Herrschaftsstrukturen fortwährend gefährdete und auf Dauer schlichtweg ein kostspieliges Unterfangen war? Kann man von Selbstverschulden ausgehen, wenn Entscheidungen in finanzieller, kultureller und ideologischer Abhängigkeit, ohne Vorhandensein von Selbstbewusstsein — im Wortsinn — getroffen werden, ohne Basisinformationen, ohne Wissen um Alternativen und die mentalen Fähigkeiten, über den Tellerrand hinausblicken zu können? Wenn seine Bildung den Horizont einschränkt und zur Indoktrination degradiert wird?

Darüber lässt sich trefflich philosophieren. Nicht jedoch über die Tatsache, dass elitäre Zirkel schon seit Jahrhunderten, oder Jahrtausenden, darum bemüht sind, die Massen zum singulären Ziel des Machterhalts zu manipulieren. Das dürfte unstrittig sein. Historisch betrachtet gewannen diese Bestrebungen ein neues Momentum, als die Massenmedien an Bedeutung zulegten. Man könnte bis zur Initialzündung dieser Entwicklung, der Erfindung des Buchdrucks, zurückblicken, um zu kontextualisieren. Eine entsprechende Analyse mit dem Titel „The Gutenberg Conspiracy“ (Die Gutenberg-Verschwörung) veröffentlichte der Journalist James Corbett am 18. Juli 2022. Für die dekonstruktivistische Postmoderne ist jedoch vor allem die Geschichte der elektronischen Massenmedien — Radio, TV und Internet — von Belang.

Exemplarisch für die ungekannten Auswirkungen der medialen Omnipräsenz steht der 30. Oktober 1938. Ein Sonntag. Der Tag, an dem Millionen von Radiohörern in blanke Panik ausbrachen, weil im Radio das Hörspiel „Krieg der Welten“ von Orson Welles gesendet wurde — und sie Realität nicht mehr von Fiktion unterscheiden konnten. Sie erlagen dem Trugschluss, die Erde werde tatsächlich von Außerirdischen überfallen, und verhielten sich so irrational, wie es von Menschen in Todesangst zu erwarten ist.

Dieses neuartige Phänomen rief sogleich die Reichen und Mächtigen auf den Plan. Denn sie erkannten die mit der technologischen Entwicklung verbundenen Möglichkeiten zur effizienten Manipulation weiter Bevölkerungsteile. Der Rockefeller-Clan ließ die Vorgänge um- und eingehend von Sozialwissenschaftlern analysieren. Die superreiche Oligarchenfamilie finanzierte bereits seit 1913 kontroverse Umtriebe wie die Eugenik, ab spätestens 1918 auch Projekte im Bereich „Social Engineering“, und spielt bis dato eine elementare Rolle bei der Weiterentwicklung entsprechender Forschungszweige, die zwischenzeitlich euphemistisch als „Biosoziale Wissenschaft“ oder „Bioethik“ vermarktet werden.

Darüber hinaus waren die Rockefellers, die erste Milliardärsfamilie des Planeten, tonangebend bei der Schaffung supranationaler Institutionen wie den Vereinten Nationen (UN), dem Council on Foreign Relations (CFR) oder der Trilateralen Kommission. Dieser globalistische Elan ergänzt sich selbstredend optimal durch den Vorsatz, die Massen über Medien und manipulativ-invasive Technologien kontrollieren zu wollen. Insbesondere wenn man neofeudalen Weltmachtsfantasien nachhängt.

Das unterstreicht gleichsam die Frühgeschichte des Fernsehens als dominierendes Massenmedium der vergangenen 70 Jahre. Denn während in den Vereinigten Staaten im Jahre 1946 gerade einmal ein paar Tausend Haushalte ein TV-Gerät besaßen, man also keinesfalls von einem relevanten Publikum sprechen konnte, beschäftigten sich einflussreiche Kreise des angloamerikanischen Establishments bereits mit der Frage, wie diese neue Technologie künftig zur Manipulation der Bevölkerung eingesetzt werden könnte.

Vorneweg die British Broadcasting Company (BBC), die im Verlauf des Jahres 1946 verschiedene Experimente mit Hypnose durchführte. Im Dezember 1946 berichtete eine Vielzahl von Zeitungen im englischsprachigen Raum über diese Vorgänge. Ein initial von Associated Press verfasster Artikel findet sich in multiplen Versionen — mal kürzer, mal länger — bei The Lewiston Daily Sun, The Baltimore Sun, The San Francisco Examiner oder dem Tallahassee Democrat. Für circa eine Woche waren die vom Profi-Hypnotiseur Peter Casson durchgeführten BBC-Versuche ein heißes Thema dies- und jenseits des großes Teiches. Die entsprechenden Artikel sind nach wie vor bei diversen Zeitungsarchiven aufrufbar. Auch das 1979 bei Oxford University Press erschienene Buch „Sound and Vision —The History of Broadcasting in the United Kingdom“ von Asa Briggs beschreibt die verstörende Versuchsreihe ausführlich (Seiten 196 folgende).

Verstörend deshalb, weil diese Experimente von Beginn an unglaublich erfolgreich waren. Die Probanden schliefen ein oder saßen wie gelähmt auf ihrem Stuhl. Peter Casson musste sie zum Teil eigenhändig wieder aufwecken, da die Hypnose nicht von einer anderen Person gelöst werden konnte. Erstaunlich auch, dass selbst Menschen, die nicht direkt am Versuch teilnahmen — Kameraleute, Toningenieure oder Techniker — ebenfalls hypnotisiert wurden. Sogar dann, wenn sie am anderen Ende des Ganges, viele Meter entfernt vom betreffenden Fernsehgerät standen. Das funktionierte wohlgemerkt ohne jegliche technische Modifikationen der alten Röhrenfernseher.

Offiziell stellte die BBC diese Versuche nach kurzer Zeit wieder ein. Als Grund gab die Rundfunkanstalt an, dass man befürchte, die Zuschauer zu Hause könnten in Hypnose verfallen, während niemand in der Nähe sei, um sie wieder aufzuwecken. Oder sie fielen im schlimmsten Falle vom Stuhl und verletzten sich. Nicht erwähnt wurde die überschwängliche Begeisterung der Geldgeber im Hintergrund, die sich bereits lebhaft ausmalen konnten, welche Möglichkeiten im Bereich Social Engineering ihnen die von George Orwell in „1984“ als „Telescreens“ bezeichneten Propaganda- und Manipulationsmaschinen alsbald verschaffen sollten.

Im Jahr 1969 untersuchte der Wissenschaftler Herbert Krugman, ehemaliger Präsident der American Psychological Association (APA), die Effekte des Fernsehkonsums auf das menschliche Gehirn. Um diese zu verstehen, muss man sich zunächst veranschaulichen, um welche Signale, Frequenzen und Wellenlängen es dabei geht, wie das Gehirn mit diesen arbeitet und wie es auf den Empfang von Signalen verschiedener Wellenlänge reagiert. Entscheidend für seine Untersuchungen sind die sogenannten Alpha-, Beta- und Theta-Wellen.

Theta-Wellen (3 bis 8 Hertz (Hz)): Treten zumeist mit der Dämmerung auf. In der Zeit zwischen vollem Bewusstsein und Schlaf. Gelten als Frequenzspektrum des Unterbewusstseins.

Alpha-Wellen (8 bis 12 Hz): Dies ist ein Ruhezustand des Gehirns. Er zeichnet sich durch einen ruhigen, wachen Zustand aus, in dem es zum Beispiel leichtfällt, zu lernen.

Beta-Wellen (12 bis 38 Hz): Das ist unser normales Wachbewusstsein. Wir sind wachsam und entscheiden aktiv. Am oberen Ende dieses Frequenzbandes entstehen Angstzustände.

Die Hypnotiseurin Tammie Mohn fasst die Untersuchungsergebnisse von Herbert Krugman auf ihrer Webseite wie folgt zusammen:

„Gemäß Forschungsergebnissen kann schon eine Minute Fernsehen eine Person vom Beta-Wellen-Bereich in den Alpha-Wellen-Zustand versetzen. Mit anderen Worten: von einem wachen, bewussten Zustand in einen ruhigen Gehirnwellenzustand. Die meisten logischen Funktionen des Gehirns sind während des Alpha-Zustands ausgeschaltet. Was bedeutet das? Nun, Hypnose tritt in den Gehirnwellenzuständen Alpha und Theta auf. Das bedeutet, dass das Fernsehen die Menschen viel empfänglicher für Vorschläge während des Fernsehens oder der Fernsehprogrammierung machen kann. Mit der Konsequenz, dass Werbung effektiver wird. (…) Die meisten Menschen sind überrascht, wie viele Logos sie kennen. Sobald wir uns in einem Zustand der Hypnose befinden, wird es wahrscheinlicher, dass irgendwelche positiven oder negativen Suggestionen unser Unterbewusstsein und damit unser Leben beeinflussen.

Hypnose bedient sich eines weiteres Werkzeugs: Emotion. Je emotionaler eine Person ist, je näher sie einem Trauma steht, desto stärker ist ihr Unterbewusstsein betroffen. Wenn eine Person eine Fernsehsendung ansieht und emotionale Beziehungen zu den Charakteren herstellt, werden emotionale Zustände der Empathie erzeugt. So können wir weinen, wenn unsere Lieblingsfigur verletzt wird oder stirbt. Und wir können Freude empfinden, wenn einer der Figuren etwas Wunderbares widerfährt. Diese emotionalen Zustände tragen gleichsam zu den hypnotischen Effekten des Fernsehens bei. Es ist leicht, Meinungen des Autors oder verzerrte Standpunkte in einem nicht objektiven Muster einfließen zu lassen.

Unterbewusste Programmierung kann auch durch Wiederholung erreicht werden. Das gleiche Thema oder die gleiche Botschaft immer wieder zu sehen, kann das Äquivalent dessen sein, was wir in der Hypnose Programmierung nennen. Manche nennen es Gehirnwäsche. (…) Es gibt noch einen letzten Punkt zu berücksichtigen: Das sind die Kinder. Auch unsere Kinder sind dem Fernsehen ausgesetzt, meist in einem sehr frühen Alter. Von der Geburt bis zum Alter von sieben oder acht Jahren befinden sich alle Kinder in einem Theta-Wellen-Gehirnzustand. Auf diese Weise trägt Mutter Natur dazu bei, uns zu schützen, während wir aufwachsen. Wir lernen nicht nur, dass das Berühren einer heißen Pfanne wehtut, wir verankern es auch in unserem Unterbewusstsein, sodass heiße Pfannen in Zukunft automatisch eine Gefahrenreaktion auslösen. Und obwohl es für Kinder völlig natürlich ist, in diesem Gehirnwellenzustand zu sein, sollte es uns definitiv dazu bringen, zweimal darüber nachzudenken, was sie sehen, da sie sozusagen der dreifachen Dosis hypnotischer Einwirkungen durch TV-Konsum ausgesetzt sind.“

Die Menschheit ist seit mehr als einem halben Jahrhundert dem Einfluss dieses manipulativen Massenmediums ausgesetzt. Und um sich vorzustellen, dass die Experimente der BBC nach ihrem durchschlagenden Erfolg nicht eingestellt, sondern vermutlich unter diskretem Ausschluss der Öffentlichkeit und zugunsten der herrschenden Kaste fortgesetzt wurden, braucht es nicht allzu viel Fantasie. Heutzutage überwachen ja auch alle Fernseher der Marke Samsung ihre Zuschauer aktiv. Eine Kamera oder ein Sensor an der Gerätefront verfolgt die Silhouetten im Raum und speichert die Bewegungsmuster. Die Daten werden automatisch an die Konzernzentrale weitergeleitet, wo man diese zur Optimierung des Produktes verwendet. Was Optimierung in diesem Zusammenhang bedeutet, kann man sich aufgrund der vorgängig angeführten Informationen vorstellen.

Nun hatte der Familienfernseher zu Hause auch einen großen Vorteil — er war stationär. Man schaltete ihn aus, und es herrschte Ruhe. Bis Mitte der 1990er-Jahre gab es sogar noch den offiziellen Sendeschluss. Nach einer bestimmten Uhrzeit kam einfach nichts mehr. Ein Testbild oder Flimmern ersetzte die Übertragung aus dem Sendezentrum. Doch das änderte sich rasch. Die Dauerberieselung setzte ein. Ungleich fatalere Auswirkungen hatte die Einführung des Smartphones im Jahr 2007. Denn nun hatte man den Bildschirm in der Hosentasche und immer dabei. Und wie schon bei der großflächigen Adaption des Fernsehens hat auch dieses Mal niemand die Zivilisation vor den potenziell negativen Effekten dieses technologischen Paradigmenwechsels gewarnt. Die Auswirkungen sehen wir heute.

Mit dem unreflektierten Einsatz derart psychisch-invasiver Technologien tut sich die selbst ernannte Krone der Schöpfung offensichtlich keinen Gefallen, wie Martin Korte, Professor für Zelluläre Neurobiologie an der Technischen Universität (TU) Braunschweig, in einem Interview vom 11. Juli 2019 gegenüber Chip.de ausführt. So sei die Kapazität des menschlichen Arbeitsgedächtnisses seit Beginn der massiven Nutzung dieser neuen Technologien bereits von fünfzehn auf elf Sekunden abgefallen — eine dramatische Entwicklung. In diesem Kontext ist es bezeichnend — und entbehrt nicht einer gewissen Ironie —, dass bereits im Jahr 2015, gerade einmal acht Jahre nach Markteinführung des iPhone, der Neologismus „Smombie“, eine Fusion aus Smartphone und Zombie, vom Langenscheidt-Verlag zum Jugendwort des Jahres gewählt wurde. Vielsagend für die Selbstwahrnehmung der heranwachsenden Generationen.

Die Digitalisierung machte und macht den Homo sapiens schlichtweg dümmer. Seine kognitiven Fähigkeiten entwickeln sich zurück. Er wird zum Homo demens. Denn er hat nie gelernt, mit diesem technologischen Quantensprung rational umzugehen. Es geht dabei nicht darum, technologischen Fortschritt per se zu verteufeln oder in Revisionismus zu verfallen, denn so, wie man mit einem Hammer einen Nagel in die Wand oder jemandem den Kopf einschlagen kann, sind auch Internet und Smartphone nützliche Werkzeuge, werden sie bewusst eingesetzt.

Bedauerlicherweise wird der Mensch des digitalen Medienzeitalters aber zusehends zum Sklave seiner Geräte und der dahinterstehenden Aufmerksamkeitsökonomie. Es hat gute Gründe, warum die Tech-Gurus der großen Social-Media-Plattformen, zum Beispiel Sean Parker von Facebook, ihre Entwicklungen selbst nicht verwenden und ihren Kindern verbieten, ein Smartphone zu benutzen.

So stellt sich ausgangs und in Bezug auf das Zitat von Joseph de Maistre nochmals die Frage: Hat die Bevölkerung nun die Regierung, die sie verdient? Hat die Menschheit das Leben, das sie verdient? Es gibt allen Grund zur Annahme, dass dem nicht so ist. Denn bei genauerer Betrachtung setzt sich die Realität des Medienzeitalters aus oktroyierten wie pervertierten Werten, Überzeugungen, Meinungen, Prozessen, Werkzeugen, Regierungs-, Gesellschafts-, Wirtschafts- und Lebensformen zusammen. Es ist ein dystopisches Puzzle, dessen Einzelteile so mancher noch an der richtigen Stelle zu platzieren vermag, dessen Gesamtbild aber bedauerlicherweise — und vermutlich mit Vorsatz — nur die wenigsten jemals zusammenfügen und wahrnehmen werden. Der Homo demens ist zur orientierungslosen Verfügungsmasse eines Systems verkommen, das ihm nur einen schmalen Bewegungskorridor zugesteht und das seiner Natur den Krieg erklärt.

So lässt sich auf philosophischer Ebene auch der Standpunkt vertreten, dass der Mensch sich seiner selbst und seiner Umgebung seit Langem nicht mehr bewusst ist. Aus dieser Position heraus kann er demnach keine freien Entscheidungen mehr treffen. Ihm bleiben lediglich vorgefertigte Denkschablonen und Lebensentwürfe.

In Folge kann er auch nur partiell Verantwortung für den Status quo übernehmen, da er ihn nie aktiv beeinflussen konnte und kann. Seine Feudalherren entscheiden, was gut für ihn ist oder für das Kollektiv.

Nie war diese Hybris, diese arrogante Anmaßung aufseiten der Machteliten deutlich spürbarer als in den zurückliegenden zweieinhalb Jahren. Und da Propaganda, Indoktrination und Kulturrevolution primär über die vielen Bildschirme befeuert werden, die den modernen Menschen permanent umgeben, schließe ich mit einem Rat des 2016 verstorbenen Peter Lustig, der am Ende seiner ZDF-Kindersendung „Löwenzahn“, die von 1981 bis 2005 ausgestrahlt wurde, stets zu sagen pflegte: „Und jetzt einfach mal abschalten.“

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