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Hintergrundrauschen aus dem Führungsbunker

Hintergrundrauschen aus dem Führungsbunker

Desinformation statt Aufklärung im öffentlich-rechlichen TV.

Innerhalb der Spezies homo journalisticus hat sich eine bislang unbekannte Krankheit ausgebreitet. Wie anders ist der so hasstriefende Beitrag von Sandra Aid und Silvio Duwe zu erklären, der am 01.11.2017 auf NDR/ZAPP erschien? Der Einfachheit halber nennen wir sie fortan: SA & SD. Überschrieben ist der Beitrag: „Unkritische Berichte: Wenn Frieden für Propaganda missbraucht wird“.

Aber immer schön der Reihe nach:

Da wird die verdienstvolle Initiative — Druschba-Friedensfahrt — der Initiatoren Rainer Rothfuss und Owe Schattauer und ihrer Freunde, die sich um die Verbesserung der deutsch-russischen Beziehungen bemühen, munter in den Schmutz geschrieben und in einem kleinen Filmbeitrag Regierungs- und NATO-konform in der Feindpropaganda-Ecke entsorgt. Rothfuss wird nicht nur als „Putinversteher“ diffamiert, der „auf den ersten Blick seriös“ wirkt. Auch offenbare er sein „einseitiges Weltbild im Ukrainekonflikt“, nach dem allein der Westen Schuld am Krieg in der Ukraine sei. Rothfuss trete auch bei „verschwörungstheoretischen Kanälen“ wie KenFM und NuoViso auf:

„Auch auf der Internetseite der Initiative "Druschba" sind als Unterstützer sogenannte Alternative Medien aufgeführt, unter anderem „KenFM", „Quer-Denken.TV" oder „Sputniknews.com". Auf diesen Kanälen greift Rothfuss unwidersprochen etablierte Medien an. Die Friedensfahrten, sagt er beispielsweise bei KenFM seien notwendig, ‚um die Russen kennenzulernen, denen wir entfremdet werden sollen seitens der westlichen Medien‘.“

Ferner bedienen SA & SD die Kontaktschuldnummer:

„ Der Sender KlagemauerTV, der von der Sekte Organische Christus Generation betrieben wird, verbreitet immer wieder Hetze gegen Flüchtlinge und Homosexuelle, gibt Scientologen und Holocaustleugnern ein Podium. Ein Umfeld, mit dem Rothfuss offenbar keine Berührungsängste hat.“

Die widerlich perfide Art und Weise, wie hier öffentlich-rechtliche Medien völlig ungeniert den Mitinitiator der Druschba-Friedensfahrt diffamieren, tritt offen zu Tage. Denn die Nummer ist immer dieselbe: Wer zum Beispiel Internetseiten oder Printmedien ein Interview gibt, die auch fragwürdige Positionen vertreten, wird sogleich in Sippenhaft genommen. Dabei infiziert er sich ganz offensichtlich und darüberhinaus auch noch mit allen Inhalten oder allen beworbenen Produkten. Ja was ist das denn für ein Schwachsinn? Früher lautete die Kontaktschuldnummer: „Kauft nicht bei Juden.“ Wer es dennoch tat, war verdächtig.

Im Film kommt Steffen Dobbert von der ZEIT, dem Wochen-Zentralorgan der Transatlantiker, Neokonservativen, NATO-Kriegs- und EU-Erweiterungs-Enthusiasten zu Wort. Er nennt Druschba ein „Instrument anti-westlicher Stimmungsmache“. Sein transatlantisches Weltbild offenbart er wie folgt:

„Die deutschen Medien haben erstens nicht einseitig berichtet, also es gab immer verschiedene Stimmen in dieser ganzen Thematik, und was ich auch schwierig finde, ist wenn sozusagen ein Land einen Krieg beginnt, es sozusagen überfällt und es geopolitische unterschiedliche Meinungen gibt, den schwarzen Peter auf die Medien schiebt. […] da steigen einem ehrlich gesagt die Haare zu Berge, diese Druschba-Fahrt hat mehr als 200 Leute zusammengeführt unter dem Namen einer Friedensfahrt, einer Friedensbewegung, und wenn man ehrlich ist, ist das natürlich eine Propaganda-Aktion gewesen, die professionell organisiert wurde. […] Die Nachtwölfe sind mit der Fahne Russlands noch lange vor der Annexion auf die Krim gefahren und haben sie dort aufgestellt, um diese Botschaft zu präsentieren und sie haben ganz direkten Austausch mit Putin. Das ist eine Organisation, die Putin nutzt.“

Wäre Dobberts Statement nur ein Ausreißer und der Beitrag von SA & SD ein Produkt verblendeter Medienarbeiter, so müsste man sich ausschütten vor lachen. Aber weit gefehlt. Diese Meinungsmache ist der „Gold-Standard“ westlicher Medien-„Berichterstattung“ und ihrer russophoben Qualitätspresse in Sachen Russland und Putin, und das spätestens seit den Winterfestspielen in Sotschi.

Die Filmkommentatorin weiß zu berichten:

„Rainer Rothfuss will sein einseitiges Weltbild verbreiten — ein antiwestliches. […] Druschba meint eine vermeintlich politische Agenda gegen Russland. […] Die Initiative kritisiert zwar die deutschen Medien, nutzt aber genau diese, um ihre einseitigen Ansichten unters Volk zu bringen und viele deutsche Regionalzeitungen berichten, ohne zu hinterfragen. […] Die Druschba-Fahrt liefert schöne Bilder und Interviewpartner, die das Putin’sche Weltbild bestätigen. […] bei rt deutsch zeigt sich der Rockerclub als Freund Putins und des Tschetschenischen Diktators Kadyrow. Kann das ein Partner für den Frieden sein? […] Fragwürdige Unterstützer, fragwürdige Botschaften. […] Frieden für alle. Auch bei so positiven Botschaften lohnt sich Recherche.“

Auch bemängeln SA & SD, dass Rothfuss auf seiner Website die Krim als Top-Urlaubsziel bezeichnet und die Charakterisierung „Annexion“ nicht akzeptiert. Soll wohl heissen: Rothfuss ist ein ganz Schlimmer.

Auffallend bei diesem Denunziations- und Kampagnenjournalismus, der für sich „Recherche“ in Anspruch nimmt, ist vor allem die totale Ignoranz gegenüber der internationalen Gemengelage, die zu dem westlich-russischen Zerwürfnis geführt hat. Da war scheinbar jede Recherche zu viel. Offensichtlich waren SA & SD damit intellektuell völlig überfordert. Bericht und Filmstreifen erklären nicht, warum Privatinitiativen heute Aufgaben der Diplomatie übernehmen müssen. Wohin hat sich der gepflegte diplomatische Umgang zwischen Regierungen auf der Grundlage des gegenseitigen Respekts und der Akzeptanz des Völkerrechts verflüchtigt? Es sind genau die politischen Hasardeure des westlichen NATO-Bündnisses und der EU, die die Beziehungen zu Russland planvoll und nachhaltig vor die Wand gefahren haben. Hierzu nur einige wenige Marksteine, die für die beiden Profi-„Rechercheure“ in ihrem unglaublichen Geschichtsnihilismus ohnehin bedeutungslos sind:

Vor allem gilt: Wer es wie Rothfuss, Schattauer, Ken Jebsen und andere wagt, den schmalen Korridor des von der Obrigkeit tolerierten Herrschaftsdiskurses in unseren westlichen Fassadendemokratien zu verlassen, findet sich — wenn verschweigen nicht mehr möglich ist — sehr schnell in der Schmuddelecke wieder. Er wird als Verschwörungstheoretiker, Putin- und Diktatorenfreund diffamiert, wird zum medialen Abschuss freigegeben, für nicht ganz dicht oder gleich zum psychiatrischen Fall erklärt.

Die Denunziations-Methoden, mit denen SA & SD arbeiten, weisen gewisse Parallelen zu denen des hochkriminellen, anonymen und auf Servern in fernen Ländern angesiedelten Internet-Prangers psiram auf. Die Dreckschleudern und Häscher des modernen Inquisitions-, Hexen- und Ketzer-Hammers wissen ganz genau, dass der Mainstream als verkündete alleinige Wahrheit der Herrschenden immer im Recht ist. Dazu gehört auch die einzig mögliche Realitätsinterpretation des modernen Hauptquartiers des internationalisierten Militarismus und Imperialismus — jenes NATO-Führerbunkers in Brüssel, dass Russland der zu bekämpfende Feind der westlichen Werteordnung ist.

Die Konsequenz dieser dümmlich-verquasten Logik ist, dass die Sturmabteilungen und Sicherheitsdienste des Mainstream auf Druschba-Friedensaktivisten eindreschen, während sie gleichzeitig zu verlogen und zu feige sind, sich mit den wahren Gefahren und Gefährdern des Weltfriedens auseinanderzusetzen.

Tiefergehende Recherchen zu den Persönlichkeitsprofilen der Schwerstintellektuellen SA & SD ersparen wir uns, da die abgelieferten Duftnoten präzise das Terrain markieren, innerhalb dessen sie sich ideologisch bewegen.

Gleicht dieses Terrain nicht einem selbstverschuldeten geistigen Laufstall, einer bereitwillig akzeptierten Kette an der Hundehütte der Herrschenden oder der ganz großen Atlantiker-Schere im Kopf?


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