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Gerupfte Tauben

Gerupfte Tauben

Im Krieg kommt uns das Gefühl für den Frieden abhanden.

Kennst du Frieden?

Ist Friede, solange der Kampf nicht über unserem eigenen Hausdach, vor unserer eigenen Haustüre stattfindet?
Ist Friede, wenn wir Kriege, die mehr oder weniger weit weg sind, ignorieren?
Ist Friede, wenn wir uns Krieg im Bildrahmen eines Fernsehers oder eines digitalen Gerätes anschauen?
Ist Friede, wenn wir einen täglichen Kick „Liveticker“ konsumieren?
Ist Friede, solange Macht-, Geld- und Kriegslüsterne das Weltgeschehen mit Propaganda, Sabotage und Terror bestimmen, die Bevölkerung belügen und manipulieren?

Ist Friede, wenn wir denken, dass Krieg nur „die anderen“ betrifft?
Ist Friede, wenn wir sicher sind, zu den Privilegierten zu gehören?
Ist Friede, wenn wir glauben, auf der richtigen Seite zu stehen?
Ist Friede, wenn wir meinen, es werde „nur ein Zurück zum Kalten Krieg“ geben?
Ist wirklich Friede, wenn wir den Hass gegen ein Volk, eine Rasse, eine Religion, eine Klasse, irgendeine Menschengruppe, „die Anderen“, „die Feinde“, „die Bösen“ mitmachen?

Ist Friede, wenn friedliebende Menschen in Konflikte hineingezogen werden?
Ist Friede, wenn friedliebende Menschen ihrer Meinungsfreiheit, ihrer Menschen- und Bürgerrechte und ihrer Privatsphäre beraubt werden?
Ist Friede, wenn friedliebende Menschen die Unwissenheit, die Täuschungsmanöver und die Gewalt von Mächtigen offenlegen und deshalb zum Schweigen gebracht werden?
Ist wirklich Friede, wenn friedliebende Menschen zu Feinden deklariert und zu Ausgestoßenen gemacht werden?
Ist Friede, wenn friedliebende Menschen getötet werden?

Friede ist mehr als die Abwesenheit von Krieg.
Friede ist anders als die Pause zwischen zwei Kriegen.
Friede ist unvereinbar mit jeder alten und neuen Kriegsform, die den Feind mit oder ohne Einsatz einer Armee und einer Kriegserklärung zu vernichten sucht.
Friede ist kein besserer Krieg.
Wann gab es Frieden auf Erden, sag mir, wann?
Friede ist, was neu wird. Vollkommen neu.
Der Friede, der höher ist als alle Vernunft und tiefer als alles Verstehen.
Friede ist der andere Weg.
Ein Weg jenseits von Unwissenheit, Macht und Ohnmacht.

Krieg ist Täuschung.
Krieg ist die Illusion von Kontrolle über Zeit und Raum,
Materie und Menschen.
Krieg ist Versuchung.
Krieg hat Besitzer.
Friede ist ewig, wahr.
Friede ist, was kommt.
Friede ist unverfügbar.

Friede ist immer möglich: jetzt.
Friede ist sowohl Geschenk wie Aufgabe.
Immer wieder neu: Aufgabe.
Friede braucht Stille.
Friede braucht Bewusstsein.
Friede braucht unsere Freude,
unsere Talente,
unsere Kreativität.
Friede braucht unsere Sehnsucht.
Sehnsucht ist auch Erinnerung.
Friede wird mit unserer tiefen Sehnsucht nach wahrem, wirklichem Frieden kommen.
Sehnst du dich nach Frieden?

Friede, du weißt es, gibt es nur „mit-ein-ander“. Mit einem Anderen.
In der Sehnsucht nach Frieden liegt die noch tiefere Sehnsucht, den anderen zu hören.
Wirklich zu hören, was sie zu sagen hat, wer sie ist, woher sie kommt, wohin sie geht.
Erinnere dich: „Audiatur et altera pars“: höre auch die andere Seite.
Das ganz Andere hören. Das Andere, das mir nicht zugänglich gewesen war, dem ich mich verschlossen hatte, das mir fremd war.
Dem mir Fremden zuhören können, ohne es abzulehnen.
Offen gegenüber dem Neuen sein.
Höre dem anderen so zu, wie du selber gehört werden möchtest.

Wer hört zu? Sag mir, wer?

Im Kriegsgehetze, im Aufpeitschen der Massen gegen einen Feind, hören der Machtgierige, der Kriegstreiber, der Hassende und die ihm folgenden Menschen nur sich selbst.
Es fehlt Stille, es fehlt Friede. Und sie zerstören.
Es gibt kein Hören mehr.
Schon lange nicht mehr.
Hörst du zu?
In Zu-Gewandtheit zu-hören, im „zum-anderen-gerichtet-sein“ zu-hören?
Wirklich zuhören. Ernst nehmen.
Echt. Offen. Wahr.
Offen, das Gehörte mich angehen zu lassen.
Ein Anfang.
Doch hüte dich vor vorgetäuschtem Verständnis mit gelernten Floskeln, um deine Ungestörtheit oder Kontrolle zu behalten.
Oder zum Selbstzweck: um dich beliebt zu machen.
Zuhören ist sanft und leise.
Friede ist sanft und leise.
Eine neue Schwingung.
Ein Hauch eines frischen Windes.
Jedes Mal neu.
Wahre Freude braucht Frieden.
Erinnerst du dich an Frieden?

Alles wurde zum Thema „Krieg und Frieden“ bereits gesagt:
in allen Sprachen auf Erden, in allen Erdteilen, in allen Kulturen.
Viele sagten und sagen es.
Alles wurde bereits über den Frieden geschrieben, vorgeschlagen, umgesetzt: in allen Völkern, allen Rassen, allen Religionen, allen Klassen, allen Menschengruppen, zu allen Zeiten und an allen Orten.
Das Wissen und die Weisheit sind da.
Waren schon immer da.
Erinnerst du dich?
Und doch ist Krieg.
Wer kennt Frieden?
Im Krieg kann uns das Gefühl für Frieden abhanden kommen. Manchmal hilft es mir, in die Stille einzutauchen. Oder mich an das zu erinnern, was ich in einem anderen Moment gefühlt, gewusst und gelebt habe. Oder ich erinnere mich an das, was ich von anderen Menschen gelernt habe. Ich lese einen Text über Frieden. Oder ich schreibe einen. Und ich wünsche jemandem Frieden.
Wenn du dich erinnerst, dann sag es bitte weiter.
Und wenn du magst, dann höre anderen Menschen zu, und frage sie, ob sie sich an Frieden erinnern.

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