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Flüchtlings-Lügen

Flüchtlings-Lügen

US-Präsident Trump will die Verantwortung für das Elend der Flüchtenden den Europäern in die Schuhe schieben.

Wie die USA unter Obama Europas Flüchtlingskrise verursacht haben
von Eric Zuesse

Donald Trump, Präsident der USA, behauptete am 18. Juni, die deutsche Regierung sowie die Regierungen anderer EU-Länder hätten die Flüchtlingskrise verursacht, der sich Europa gerade gegenübersieht:

„Während die Zuwanderungsfrage die bereits schwache Berliner Koalition erschüttert, wenden sich die deutschen Bürger gegen ihre Regierung. Die Kriminalitätsrate in Deutschland ist stark gestiegen. In ganz Europa wurde der große Fehler begangen, Millionen von Menschen hereinzulassen, die die Kultur Europas so stark und gewaltsam verändert haben!“

Die US-Regierung lügt hier ganz offensichtlich. Sie selbst hat die Krise verursacht, mit der die Europäer nun zu kämpfen haben. Gäbe es diese Krise überhaupt, wenn die USA nicht in Libyen, Syrien und anderswo – also in die Länder, aus denen die Flüchtlinge fliehen – einmarschiert wären und manchmal sogar erfolgreich versucht hätten, die Regierungen zu stürzen?

Die US-Regierung und einige ihrer Verbündeten in Europa – jene, welche also tatsächlich mitschuldig sind an der Krise – verursachten diesen Krieg, Regime-Change und so weiter. Deutschland sowie viele andere Länder Europas gehörten nicht dazu. (Man sollte allerdings nicht vergessen, dass die deutsche Regierung seit Beginn des Krieges in Syrien harsche Wirtschaftssanktionen gegen Syrien verhängt hat, unter denen das syrische Volk extrem leidet, und deutsche Tornados die „Internationale Koalition“ unter US-Führung mit Luftaufklärung unterstützt, Anmerkung der Übersetzerin).

Hätten die USA diese Invasionen nicht angeführt, hätte vermutlich nicht einmal Frankreich daran teilgenommen. Die Regierung der USA alleine ist verantwortlich für das Entstehen dieser Flüchtlingsbewegungen. Die US-Regierung selbst schuf diese gewaltige Bürde für Europa und weigert sich nun sogar, diese Flüchtlinge aufzunehmen, die sie selbst zu verantworten hat: Weil sie unter anderem in Libyen einmarschiert ist und es bombardiert sowie versucht hat, die Regierung zu stürzen; weil sie auch versucht hat, die syrische Regierung zu stürzen; weil sie Al-Qaida dabei unterstützt hat, Dschihadisten weltweit zu organisieren, anzuführen und zu bewaffnen, um nach Syrien zu kommen. Ziel war dabei, die Regierung zu stürzen und sie mit einer Regierung zu ersetzen, die vom wichtigsten Verbündeten des US-Regimes im Mittleren Osten, der Familie al-Saud, ausgesucht werden sollte – einer Familie, die Saudi-Arabien einschließlich seiner Regierung besitzt und die fest entschlossen ist, Syrien zu übernehmen.

Im Kern beschuldigt Trump Angela Merkel, eine Verbündete des US-Regimes gewesen zu sein – ein Regime der Aggression, das schon Jahrzehnte besteht und das nun Trump selbst regiert – anstatt es zu beenden und die Demokratie in den USA wiederherzustellen und so letztlich von Amerika aus Freiheit und Frieden wieder zu etablieren – in anderen Ländern, in Europa und auch anderswo, wie beispielsweise in Syrien, Jemen und so weiter. Er beschuldigt Merkel und nicht sich selbst oder seinen Vorgänger – also diejenigen, die die Flüchtlingskrise tatsächlich verursacht haben.

Eine eindeutigere Heuchelei als diejenige Trumps ist nicht vorstellbar. Diese Scheinheiligkeit kommt nun von Trump und nicht mehr von Obama, der ja dieses Problem überhaupt erst geschaffen hat.

Eine Studie von 2016, „An Overview of the Middle East Immigrants in the EU: Origin, Status Quo and Challenges“ („Eine Übersicht der Immigranten aus dem Mittleren Osten in der EU: Herkunft, Status Quo und Probleme“), stellt in ihrer Zusammenfassung fest:

„Die EU hat den größten Anteil an eingewanderter Bevölkerung – dort leben bis zu 56 Millionen Menschen, die nicht in der EU geboren wurden. Und wegen des Dauerkrieges und Chaos‘ im Mittleren Osten stehen die umgesiedelten Menschen aus dieser Region, vor allem die Flüchtlinge, weltweit auf Platz 1. (...) Eine große Zahl von Flüchtlingen und Asylbewerbern machen sich in EU-Länder auf; diese Bewegung kann in vier Phasen eingeteilt werden. Seit dem Arabischen Frühling und vor allem nach Ausbruch des Bürgerkrieges in Syrien im Jahr 2011 und dem Aufstieg des „Islamischen Staates“ 2013 erlebt die EU die größte Flüchtlingswelle seit dem Zweiten Weltkrieg.“

All diese Invasionen waren und sind Invasionen in Länder, in denen das US-Regime einen Regime-Change fordert.

US-Obsession: Eroberung Russlands

Um die tiefere Ursache dieses Problems zu verstehen, muss man zunächst begreifen, dass das US-Regime davon besessen ist, Russland zu erobern, nachdem dessen Kommunismus und der Warschauer Pakt geendet hatten. Zweitens muss man das konsequente und gleichbleibende Ziel der USA nach dem Kalten Krieg verstehen, nämlich die Kontrolle über Russlands Verbündete zu übernehmen. Zu diesen gehören nicht nur jene innerhalb der früheren Sowjetunion und des Warschauer Paktes, sondern auch Länder des Mittleren Ostens, vor allem Syrien und Iran, aber auch Nationen wie Libyen, in denen das Staatsoberhaupt offiziell sunnitisch war, trotzdem aber freundschaftliche Beziehungen zu Russland unterhielt.

(Der Link hier dokumentiert nicht nur das hier Gesagte, sondern auch, dass die Allianz der beiden Aristokratien USA und Saudi-Arabien wesentlich für das Ziel der US-Aristokratie im Mittleren Osten ist. Israels Aristokratie dient in diesem zentralen Anliegen als wichtiger Vermittler, weil die Saudis sich sehr auf den Lobbyismus des israelischen Regimes in Washington verlassen.

Anders gesagt: Das gleichbleibende Ziel der USA ist es, Russland so weit zu isolieren, dass die USA schließlich in der Lage sind, in Russland selbst die Macht zu übernehmen. Dies ist die tiefere Ursache der europäischen Flüchtlingskrise.)

1990, ganz zu Beginn der versprochenen Ära nach dem Kalten Krieg, hat das US-Regime unter seinem damaligen Präsidenten G.H.W. Bush persönlich und wiederholt dem Regime der UdSSR unter ihrem damaligen Präsidenten Michail Gorbatschow zugestimmt, den Kalten Krieg zu beenden und zugesagt, dass die NATO sich „keinen Meter in Richtung Osten“ ausbreiten und dass es ferner keine Expansion der US-amerikanischen militärischen Allianz gegen die UdSSR (bald nur noch Russland) geben würde.

Gorbatschow hat Lügnern vertraut

Das Versprechen des US-Regimes beinhaltete, dass die NATO kein Land aufnehmen würde, das damals entweder Mitglied des Warschauer Pakts, der militärischen Allianz der UdSSR (Albanien, Bulgarien, Tschechoslowakei, Ungarn, Polen, Rumänien) oder Teil der UdSSR selbst – außer Russland – war (Armenien, Aserbaidschan, Weißrussland, Estland, Georgien, Kasachstan, Kirgisien, Lettland, Litauen, Moldawien, Tadschikistan, Turkmenistan, Ukraine und Usbekistan), den Ostteil Deutschlands ausgenommen. Das US-Regime hat schlicht gelogen. Die russische Regierung dagegen hielt sich an alle Versprechen. Weil Gorbatschow Lügnern vertraut hatte, deren tatsächliches Ziel die Eroberung der gesamten Welt und nicht Frieden war, saß Russland nun in der Falle.

Gegenwärtig sind alle ehemaligen Länder des Warschauer Paktes (außer Russland, Anmerkung der Übersetzerin) NATO-Mitglieder, und nun strebt das US-Regime an, auch „Bosnien und Herzegowina, Georgien, die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien und die Ukraine in die NATO einzugliedern.“
Georgien und die Ukraine sind die ersten ehemaligen Sowjet-Republiken –
nicht nur Mitglieder des Warschauer Paktes, sondern Teil der UdSSR selbst –, die der anti-russischen militärischen Allianz beitreten, wenn sie zugelassen werden.

Die schiere Möglichkeit, dass dies tatsächlich geschehen könnte, überschreitet alles, was der naive, arglose Michail Gorbatschow sich wohl je vorstellen konnte. Er hatte nicht die leiseste Ahnung davon, wie abgrundtief böse der US-amerikanische Tiefe Staat (der die USA regiert) war (und noch immer ist). Nun aber wissen wir es alle. Die Geschichte spricht hier eine eindeutige und unmissverständliche Sprache.

Saakaschwilis Schlüsselrolle

Die Brookings Institution, das NATO-Sprachrohr, titelte am 15. November 2001: „Erweiterung der NATO: Es geht voran – Ausweitung der Allianz und Vollendung der europäischen Integration“. Damit spiegelte sie vor, die Erweiterung diene den Europäern und nicht der Eroberung Russlands.

Die Ukraine hat die längste aller europäischen Grenzen mit Russland und war somit das Eroberungsziel Nummer 1 der USA.

Vor ihrer Eroberung jedoch versuchten die USA 2008, Georgien gegen Russland in Stellung zu bringen. Bei diesem Vorhaben spielte der Georgier Micheil Saakaschwili eine Schlüsselrolle für die USA. Saakaschwili war dann auch in der Folge an dem gewaltsamen Coup beteiligt, der im Februar 2014 zum Sturz der Regierung der Ukraine führte.

Saakaschwili koordinierte das georgische Aufgebot an Scharfschützen, die in die Ukraine geschickt wurden, um in die Menge auf dem Maidan zu schießen und Polizisten wie Demonstrierende gleichermaßen zu ermorden – und es so aussehen zu lassen, als seien die Kugeln von der Polizei (Berkut) und/oder anderen Kräften der demokratisch gewählten ukrainischen Regierung abgefeuert worden.

(Hier geht es zu dem Link, in dem zwei der georgischen Scharfschützen wie beiläufig ihre Teilnahme an dem Putsch beschreiben und nebenbei die Rolle des ehemaligen georgischen Präsidenten Saakaschwili erwähnen.
Und hier geht es zu einer umfassenderen Zusammenstellung von Videos, die den Coup selbst beschreiben und zeigen.

Wie ich bereits aufgezeigt habe, stimmt die Aussage dieser beiden georgischen Scharfschützen vollkommen mit dem überein, was die Untersuchung durch das EU-Außenministerium am 26. Februar 2014 herausgefunden hatte, nämlich dass „es dieselben Scharfschützen waren, die Leute auf beiden Seiten töteten“ und dass diese Scharfschützen „aus der neuen Koalitionsregierung“ stammten anstatt aus der Regierung, die gerade gestürzt wurde – und dass es ein Putsch war, keine „Revolution“, wie Obamas Leute behaupteten und Trumps Leute nun bestätigen.) Das US-Regime hat Agenten in allen Teilen des ehemaligen mit Russland verbündeten Blocks – nicht nur in Westeuropa.

Obamas Coup, die Neutralität der Ukraine zu zerstören und sie sofort in ein neo-nazistisches, fanatisch gegen Russland eingestelltes Land zu verwandeln, hat die Ukraine zerstört – nicht nur aus Sicht der EU, sondern (falls Sie nicht schon im Bilde sind – hier ein Link) aus Sicht der Ukrainer selbst. Wer würde dort nicht wegwollen?

Europa hat auch Flüchtlinge, die aus der Ukraine-Unternehmung resultierten, nicht nur (wenngleich hauptsächlich) aus Operationen im Mittleren Osten.

Europas Feind: Mächtige US-Milliardäre

Europas Feind ist nicht Russlands Aristokratie, sondern die der USA. Der Feind sind die Milliardäre, die die internationalen Konzerne der USA kontrollieren – nicht die, die die russischen internationalen Konzerne kontrollieren. Es sind ausdrücklich die US-amerikanischen Milliardäre. Die Menschen, die die US-Regierung kontrollieren, – diese und nicht die Russen, sind die eigentlichen Entscheidungsträger, die hinter der Zerstörung Europas stehen.

Will Europa siegen, muss es seine wirklichen Feinde kennen. Die Wurzel des Problems liegt in den USA, Europas aktuellem „Fake“-Verbündeten. Die USA von heute sind nicht die USA des Marshall-Plans (wobei ja auch der Marshall-Plan in erster Linie ur-amerikanischen Interessen diente, Anmerkung der Übersetzerin). Die US-Regierung ist seitdem von Gangstern übernommen worden. Und diese wollen die ganze Welt beherrschen. Europas Flüchtlingskrise ist schlicht eine der Folgen davon.

Tatsächlich hatte Obama bereits 2011 begonnen, diese Regime-Change-Operationen in Libyen, Syrien und in der Ukraine zu planen. Es ist jedenfalls keine dieser Aktionen, die eine nie dagewesene Flüchtlingsflut verursacht haben, wegen der Taten europäischer Staatschefs entstanden – außer der Kooperation mit dem US-Regime. Die heutige US-Regierung ist Europas Feind und keinesfalls Freund der europäischen Völker. Dass Trump nun die Schuld an der Krise den europäischen Staatschefs zuschiebt, ist nicht nur einfach eine Lüge – es ist eine verleumderische Lüge.

Und diese Tatsache hat nichts mit Trumps ähnlich verleumderischer Lüge über die Flüchtlinge selbst zu tun. Am 8. Mai schrieb „Die Welt“, die Zahl der Straftaten hätte einen neuen Tiefstand seit 1992 erreicht und berichtete, Innenminister Seehofer habe die nationalen Kriminalitätsstatistiken veröffentlicht und gesagt: „Deutschland ist sicherer geworden“, so sicher wie in den letzten dreißig Jahren nicht mehr.

Seehofer gehört der Regierung der Kanzlerin Merkel an und liebäugelt damit, sie als Kanzlerin abzulösen, indem er sich an die Teile ihrer eigenen Partei wendet, die vehement gegen Immigranten eingestellt sind. Selbst er musste jedoch im Grunde zugeben, dass das Geschwätz gegen die Immigranten, das Trump dann am 18. Juni von sich gegeben hatte, bare Lüge ist – es ist sogar das genaue Gegenteil der Wahrheit. Trumps getwitterter Kommentar war also eine verlogene Verleumdung nicht nur von Merkel und anderen europäischen Staatschefs, sondern auch der Flüchtlinge, die das US-Regime selbst verantwortet. Wie verkommen ist das denn? Und wie verkommen ist Trump?

Die Flüchtlingskrise haben nicht die Flüchtlinge verschuldet und auch nicht die europäischen Staatschefs. Wir haben sie dem fast permanent lügenden US-Regime zu verdanken – den Leuten, die tatsächlich die US-Regierung und die US-amerikanischen Konzerne kontrollieren.

Am 21. Juni veröffentlichte Manlio Dinucci bei Global Research den Artikel „Der Todeskreislauf im „'erweiterten Mittelmeer'“, und seine ersten Worte waren:

„Die politisch-medialen Scheinwerfer, die auf den Migrantenstrom von Süden nach Norden über das Mittelmeer fokussiert sind, lassen andere Ströme im Mittelmeer im Dunkeln – jene, die von Norden nach Süden ziehen und aus Streitkräften und Waffen bestehen.“

Der Welt größter internationaler Waffenhändler sind jedoch die USA, nicht die EU. Dass Dinucci den Schwerpunkt auf die europäischen Milliardäre gelegt hatte, war also falsch. Die wahren Schuldigen befinden sich auf Trumps Seite des Atlantiks, und genau dies wird auf beiden Seiten des Atlantiks ignoriert. Das wirkliche Problem liegt nicht auf der anderen Seite des Mittelmeers – es liegt auf der anderen Seite des Atlantiks. Dort befindet sich der Feind Europas.

Am 7. August 2015 berichtete ich unter der Schlagzeile „Die USA zerstören Europa“:

„In Libyen, Syrien, in der Ukraine und anderen Ländern an der Peripherie oder an den Rändern Europas hat US-Präsident Barack Obama eine Politik der Destabilisierung und sogar der Bombardierungen und anderen militärischen Beistands verfolgt, der Millionen von Flüchtlingen aus diesen Randbereichen und nach Europa treibt, womit er Öl ins Feuer der extremen Rechten mit ihrer Anti-Flüchtlingskampagne und der daraus resultierenden politischen Destabilisierung gießt – in ganz Europa, nicht nur in der Peripherie, sondern bis in das nördliche Europa hinein.“

Und unter Trump geht es genau so weiter.


Eric Zuesse ist investigativer Historiker und schreibt regelmäßig für Global Research.


Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text erschien zuerst unter dem Titel „How the US under Obama created Europe's Refugee Crisis". Er wurde vom ehrenamtlichen Rubikon-Übersetzungsteam übersetzt und vom ehrenamtlichen Rubikon-Korrektoratsteam lektoriert.

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