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Finger weg von unserer Zukunft!

Finger weg von unserer Zukunft!

Auch wenn #aufstehen lieber sitzen bleibt — zunehmend erhebt sich Widerstand gegen das System.

Spätestens der überaus heiße und trockene Sommer 2018 hat den Menschen auch in der westlichen Welt vor Augen geführt, dass der Klimawandel kein abstraktes Modell in den Rechnern einiger Klimawissenschaftler ist, sondern uns alle ganz real betrifft. Waldbrände, Ernteausfälle, ausgetrocknete Flüsse und Seen, all das sind Erscheinungen, die wir in Zukunft wohl noch häufiger sehen werden. Während die Menschen im globalen Süden die Auswirkungen der kapitalistischen Lebensweise schon seit einiger Zeit immer drastischer zu spüren bekommen , reibt sich nun auch Deutschland, das bislang vom Klimawandel weitestgehend verschont geblieben ist, mit einem Mal kollektiv die Augen und sieht: So wird es nicht ewig bleiben.

Dennoch scheint die „Bewegung“ #aufstehen im Treibsand der Bürokratie zu versinken, anstatt Druck auf das System auszuüben. Die Revolution ist vorerst mangels richtigem Formular abgeblasen. Davon jedoch sollte man sich nicht täuschen lassen, denn der Widerstand gegen das System wächst rasant, nur nicht in den von Parteibonzen dominierten Vereinen und selbsternannten Bewegungen.

Immer mehr Menschen verstehen: Das Problem ist ein systemisches. Der Wachstumszwang einer industrialisierten Wirtschaft fordert einen immer höheren Tribut, den vor allem diejenigen Menschen zu zahlen haben, die weder von der Kapitalakkumulation profitieren, noch überhaupt nur ein Mitspracherecht bei wichtigen Entscheidungen haben, die sie persönlich betreffen.

So war es auch wenig verwunderlich, als im Herbst 2018 tausende Menschen zu den Räumungen des Hambacher Forst strömten, um ihrem Widerwillen gegen diese Verhältnisse Ausdruck zu verleihen. Doch obwohl die Zeichen auf Konfrontation mit den Folgen des Systems und auf die Bedrohung unserer Lebensgrundlage stehen, belässt es die globale Politik bei einigen symbolischen Erklärungen, während hinter den Kulissen die Lobby des Kapitals ihre gegenteiligen Interessen in Gesetzesform gießt.

Dabei verschärfte auch der Weltklimarat (IPCC) seine Warnungen. Um das 1,5 Grad Celsius-Ziel noch zu erreichen, seien drastische Änderungen der Lebens- und Wirtschaftsweise notwendig. Wenn diese Marke überschritten wird, drohen der Menschheit unvorhersehbare Konsequenzen, die katastrophale Auswirkungen auf das Leben von Milliarden von Menschen haben werden. Bleiben wir jedoch beim gegenwärtigen „business as usual“, werden wir laut IPCC bis zum Jahr 2100 eine Erwärmung von drei bis vier Grad erreichen, und auch danach wird die Erwärmung nicht einfach stoppen. Schon auf dem Weg dorthin muss die Menschheit mit erheblichen Umwälzungen rechnen. Ernteausfälle, ein Zusammenbruch der Wasserversorgung, Flucht- und Migrationsbewegungen, die das Jahr 2015 weit in den Schatten stellen werden, tropische Krankheiten auch in Deutschland, all das können Folgen sein.

Doch die Politik zeigt sich nicht willens, den sofortigen Kohleausstieg zu beschließen oder eine Alternative zum ökologisch absurden Verkehrs- und Transportwesen zu entwickeln. Stattdessen organisieren sich nun – überall auf der Welt – die Menschen, um aktiv gegen die Ungerechtigkeit und die Zerstörung vorzugehen.

So finden sich nach dem Vorbild der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg jeden Freitag weltweit Schülerinnen und Schüler zusammen, um für einen lebenswerten Planeten zu demonstrieren und gegen die zerstörerischen Auswirkungen des kapitalistischen Systems. Unter dem Motto „Fridays For Future“ schwänzen diese jungen Menschen die Schule, um den Druck auf Abgeordnete und Regierungen zu erhöhen und sie so zu einer nachhaltigen Politik zu drängen. Für den 15. März haben sie sogar einen weltweiten Aktionstag mit einer Reihe dezentraler Aktionen und Kundgebungen angekündigt. Diese Menschen haben verstanden, dass es sinnvolleres gibt, als sich in diversen Bildungseinrichtungen zu systemtreuen Konsumenten erziehen zu lassen. Denn der Klimawandel wartet nicht auf ihren Schulabschluss.

Aus Großbritannien schwappt nun auch die „Extinction Rebellion“ in andere Länder. Diese hat dort schon einige Erfolge erzielt, indem sie zum Beispiel die Londoner Innenstadt für den Straßenverkehr blockiert und damit ein deutliches Zeichen gegen den Wahnsinn des Straßenverkehrs gesetzt hat. Die Bewegung versteht sich dabei als eine gewaltfreie Rebellion für das Leben. Sie fordert, dass Regierungen die ganze Wahrheit über die ökologische Krise offenlegen, und treten für eine umfassende Klimamobilisierung zur Erreichung verbindlich festgelegter Klimaziele ein sowie für partizipatorische Prozesse zur Steuerung, Begleitung und Unterstützung in der Umsetzung der Klima-Rettungs-Prozesse.

„By 2020 We Rise Up“

Dass der Klimawandel nicht eine singuläre Ursache hat, haben Klimagerechtigkeitsaktivisten längst verstanden. Sie konzentrieren sich daher nicht allein auf die Braunkohle, oder die Massentierhaltung. Sie versuchen im Gegenteil, all ihre Kämpfe zu verbinden, und gemeinsam zu koordinieren. So entstand die Initiative „By 2020 We Rise Up.“. Ziel ist es, das Jahr 2020 zu einem Jahr des Widerstandes gegen das System zu erklären. Dezentral sollen hier kapitalistische Infrastruktur besetzt sowie Demonstrationen, Streiks und Proteste gegen die Zerstörung des Systems – und damit für eine lebenswerte Zukunft – organisiert werden. Geplant ist, das Jahr 2019 zur Gründung von Ortsgruppen, zur Vernetzung und für Aktionstrainings zu nutzen, um dann im Jahre 2020 für die Zukunft auf diesem Planeten aufzustehen.

Jeder, der sich mit den Zielen identifiziert, kann dabei mitmachen. Sinnvoll ist es, dafür einer Ortsgruppe beizutreten, oder eine solche zu gründen, und sich gemeinsam zu überlegen, wie man etwas zu dieser Aktion beitragen kann. In beinahe jeder Stadt gibt es Niederlassungen Klima- oder umweltschädlicher Wirtschaftsbetriebe, die besetzt werden können, doch beschränkt sich der Protest nicht nur auf diese Aktionsform. Im Gegenteil, der Protest soll so bunt und vielseitig wie möglich sein, und so steht es jedem frei, die für ihn oder sie geeignete Aktionsform zu wählen.

Wichtig ist auch die bundesweite oder gar globale Vernetzung. Das klingt zunächst nach einer großen Herausforderung. Aber jeder kann sie angehen, indem man sich in einem ersten Schritt einen Überblick über das Thema Klimagerechtigkeit sowie über die unzähligen Möglichkeiten des Aktivwerdens verschafft. Dabei helfen die Aktivisten des Hambacher Forstes auf Anfrage gerne, die derzeit mit einem Vortrag durch Deutschland touren und auch auf Veranstaltungen sprechen.

So wächst der Widerstand gegen die Ungerechtigkeiten und die Zerstörungen des kapitalistischen Systems, während die Herrschenden sich noch ängstlich an den Status Quo klammern.

Eine Bewegung, die sich aus unzähligen Kleingruppen und Bündnissen speist, die unterschiedliche Themen bearbeiten und dezentral aktiv werden, kann dazu beitragen, das ungerechte System zu stoppen und eine Zukunft zu gestalten, die für alle Menschen gleichermaßen lebenswert ist.

Geschichte wird schließlich gemacht!

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