Zum Inhalt:
Fenster zum Kitsch

Fenster zum Kitsch

Der Umgang mit toxischen Mischungen stellt Anforderungen ― auch beim Schreiben.

Ich habe überlebt, Kinder. Bis dato jedenfalls. Kann Zeichen noch setzen. Stand 2. September 2021. Abhängig davon, auf wen sie treffen, erlangen sie Autonomie. So geht mein Traum noch immer. Ein Romantiker bin ich, unverbesserlich, wie ihr seht. Texte sind das Saarland (2), das sie uns nicht geben werden. Ganze Felder solcher Zeichen: Das sind die Flächen jener, die nicht gehen mit der Zeit.

Zuweilen schrecke ich auf. Und frag mich, wo ich stehe? Wie weit vom Ende entfernt? Und wie weit von der Schönheit eines Requiems, eines Bildes, einer Fotografie aus den 1970ern, eines Körpers des Jugendstils? Und wie weit vorm Würgegriff der deutschen Polizei (3) und der Gesundheitsämter? Rote Khmer, Blut, Gräueltaten? Aber nein, es wird klinisch zu und her gehen. Steril, hygienisch, digital. Sofern du nicht ausschlägst. Schlägst du aus allerdings, so darfst du dich nicht wundern, wenn ein Ellbogen, ein Haken, ein spitzes Teil sich in deinen Körper bohrt. Nun ja, wolltest du nicht an einer analogen Welt festhalten?

Gespräche über Freiheit. Es gibt sie, Kinder. Über Solidarität und über den Führerschein, der zum Autofahren berechtigt. Freiheit war immer an Bedingungen geknüpft. Sagen sie aus den Sesseln der Talk-Shows und der philosophischen Sternstunden heraus. Dagegen jener Filmemacher, Tony Gatlif (4) sein Name, ein Zigeuner, wie er selber sagt ― „Zigeunerjunge, Zigeunerjunge, wo bist du, wo sind eure Wagen?“ (5) ―, dieser Tony Gatlif also sagt, Freiheit, in ein Gesetz gegeißelt, höre auf, Freiheit zu sein. Oh schaut seinen Film Swing (6), Kinder, ein Film über zwei Kinder, über Freiheit, Jazz Manouche und das Ende eines Sommers, schaut diesen Film und ihr seht, wie anders Kindheit sein kann.

Beim Sprechen ― vielleicht auch beim Schreiben dieser Zeilen ― sitzt man Fassaden auf, unweigerlich. Und dem Ungeheuerlichen, das sie verdecken und gleichzeitig sind. Solidarität war nie gemeint. Darüber zu reden, ist vertane Zeit und am Ende Mord. Am wenigsten ist sie gemeint, wenn geimpft wird. Eingeimpft. Und dass man das echt sagen braucht, Kinder, unfassbar! Kleiner Trost: Es wird ja nicht geimpft. Da fängt sie nämlich an, die Lüge, die auch 1933 Deutschland mit Solidarität geflutet hat. Land unter Wasser.

Und was den Führerschein für Freiheit anbelangt: Dringt der Führerschein in Zellen, in RNA, DNA? Löst er möglicherweise Thrombosen aus? Infarkte, Autoimmunreaktionen? Lässt er sich elektromagnetisch aufladen? Goebbels, er fällt mir gerade ein, Kinder, zählte die Tote, erzeugt durchs System, als Argumente für dasselbe. Palastrede.

Es gibt Denker, die der Totalglättung eine gedankliche Reibung abgewinnen. Sie sprechen davon, dass nun die Zeit der Unreinheit beginne. Impfen das Unreine, die Mischung. So sieht das in Seminarräumen von Philosoph-knack-knack-knack-Innen aus, nachdem sie Kant entfernt haben, den weißen Mann. Die Freude aber ist zu früh: Die Impfung ist Gentherapie. Das haben sie nicht begriffen, die Philosoph-knack-knack-knack-Innen. Es wird nicht Unreines injiziert, es werden Spikes erzeugt. Polizisten, die das Unreine entfernen. Und den Träger am Ende mit. Das Arische siegt bis ans Ende, Kinder. Denn das Arische geht mit der Zeit. Es hat sich abgetrennt. Von Rasse, vom Menschen. Es ist aus der Biologie geschlüpft und in die Geräte hinübergesprungen.

Negativ! Das Glück in den Augen. Ich habe es bei Kindern auf dem Schulhof gesehen, beschallt von deutschen Bildungsstätten. Aufgehoben im Bund gegen rechts und gegen alles, was ausschlägt. Nein, Kinder, dieses Glück hat nichts zu tun mit dem Glück, das aus den Augen strahlt, nachdem etwas gelungen ist. Es ist vielmehr reines Glück, bedingungsloses Glück, mit nichts verwandt und ganz nahe am Glück von damals, wenn klar wurde: Da sind keine Juden in der Familie. Uff, keine Juden! Ein Glück, für das man sich heute bloß testen braucht. Testen tut nicht weh. Fast nicht.

Macht gibt es nicht. Verschwörungen auch nicht. Die Philosophen spielen mit dem, was man ihnen hinwirft. Identitäten, Sprachspiele. Sie möchten nämlich weiterdenken dürfen. Und einen Lohn erhalten. Auch die Rente noch. Am sichersten sind Pflichtgedanken. Zweimal im Leben sei dem Staat ein Jahr zu schenken. Dem Staat, der die Menschen braucht, um sie zu impfen und zu schützen, bis der Spuk vorbei ist, wie meine Schwägerin sagt, ein Staat, der ist, weil die Menschen ihn machen, mit Geld und Gehorsam, diesem Staat, der das Leben jener, die ihn machen, diktiert und tötet, diesem Staat soll man was zurückgeben. So geht die Palastrede. Auch heute. Geben und nochmals geben und dann geben. Die Litanei der Staatsphilosophen aber erstrahlt auf überlebensgroßen Screens. Keine Sorge, Kinder, auch im Schlachthof hängen sie und glänzen.

Doch da sind Böse unterwegs. Viele Böse. Köln, ein erster Coronaherbst. Später Oktober, mild noch. In einem einschlägigen Lokal unweit des Barbarossaplatzes treffen sich die Ungläubigen. Oder wie sich herausstellt: Andersgläubige. Ein illegales Rave, irgendwo im Wald. Vielleicht taucht die Polizei auf. Der Wirt steht kritisch zur Sache. Deshalb gibt es diesen Ort.

Gleichwohl, man soll sich den ganzen Abend stets nur mit denselben drei Leuten am selben Tisch unterhalten. Dazu muss ich mich verpflichten. Mit Unterschrift. Neben Christoph, den ich schon kenne, sind mir Sabine und Holger zugeteilt. Und von diesen erfahre ich, dass Trump ― er ist noch Präsident ― eben doch gewinnen und alle Verbrecher, namentlich all diese Pädophilen mit ihren Pizzas, in den Knast stecken werde und weiter, dass ein Flugzeug, das irgendwo in Südamerika hätte landen sollen, nullkommaplötzlich in Afrika niedergegangen sei, Kampala statt Rio oder so, unter Anwendung neuster CERN-Erkenntnisse. Hexhex.

Aus diesem CERN-Pädophilen-Sumpf heraus aber sei auch dieses Virus geboren worden und da werde dieser Trump eben aufräumen und alle Verbrecher, namentlich diese Clinton, würden im Gefängnis landen. Das war die Frohe Botschaft jenes Abends, der in sintflutartigem Regen endete. Ob Pasolini (7) auch ein Corona-Anstifter sei ― das habe ich zu fragen vergessen. Pasolini? So hätte man zurückgefragt.

Ein paar Monate später ― Epstein hat inzwischen das Zeitliche gesegnet ― wird mir im Sinne der Kontaktschuld vorgerechnet, wer alles in diesem Pädophilensumpf gewesen sei und damit ― ich sturer Esel will es nur einfach nicht begreifen ― eben auch den Corona-Sumpf erzeugt haben soll. Trump hat bekanntlich nicht mehr aufräumen können und ist nunmehr Teil des Morasts wie die Merkel auch. Ja, auch die soll Epstein getroffen haben. Hat nicht Ballweg den Reichsbürgerkönig getroffen? Nicht jene diesen? Dieser jene? Gälte endlich Zero Covid und der ewige Lockdown, so kämen diese verheerenden Treffen nicht mehr zustande und Epstein müsste in seiner Inselvilla der Glückseligen vergeblich auf die Mädchen warten, Kinder.

Nun ja, Kinder, hören wir auf mit Zynismus, hören wir auf mit Brechungen überhaupt, sie passen gar schlecht in die Zeit: Befremdlich, wenn auf der kritischen Seite die gleichen Muster wirken wie auf der unkritischen. Der Wunsch, Täter zu sehen, sie vorzuführen: Das ist bekannt, Kinder. Am besten auf dem Dorfplatz am Pranger. Griffen die Manipulationen nicht mehr, so könnten all die Kriminellen mit ihren Plänen abziehen. Müsste man nicht eher da ansetzen?

Und die Grünen? Ach ja, waren immer schon pädophil. Und also corona-affin. So hörte ich es von einem Kritischen in dieser einschlägigen Kneipe. Dass die Grünen von früher und also die, welche Sexualität ― nicht Gewalt, Kinder, hier muss man vielleicht differenzieren ― entkriminalisieren wollten, jene Grünen waren, die aus der NATO strebten, dieser Zusammenhang ging vergessen. Kleines Detail.

Zu den Gesetzesverschärfern, zu Schutz- und Sicherheitsexperten wurden die Grünen mit der Wendung hin zum Krieg. Mit dem Turnschuh, den jener Maoist einst auf das Rednerpult niederschlug. Ihre Gesetzeslockerungspolitik sei ein großer Fehler gewesen. So schreien sie inzwischen selbst. Usurpiert seien sie gewesen, unterwandert. So, dass sie ihre Gesetzesverschärfungskompetenz anfänglich nicht hätten ausspielen können. Und weil die Kompetenz so gewaltig groß ist in Deutschland, die Kompetenz im Verschärfen gegen unten, braucht es keinen Führer mehr. Indes taucht plötzlich einer auf, in Bayern oder wo, so stellt man ihn gleichwohl vorne hin. Schadet ja nichts.

Katastrophenszenarien ― was sind das? Ich kann es euch sagen, Kinder. Überschwemmungen, Fluten, Tote durch Lockdowns, Graphenoxide, kollabierende Immunsysteme, Suizide, alte Menschen, des Atems beraubt, Einsamkeit, Isolation, Eugenik und die weltweite totale Diktatur ― nun, das sind vielleicht Vorformen, bestenfalls, zur Hauptsache aber Fakes. Die wirkliche Katastrophe ist, wenn Sofas in den Talkshowstudios der TV-Anstalten knapp werden. Wenn der Seher aus Asterix, reinkarniert als Harari, da drauf will, er aber erkennen muss, da sitzt schon der Palastredenhalter Precht. Der aber wiederum sitzt bei genauerem Beschau auf Spahn, weil ja Sesselknappheit herrscht, darunter hört man Lauterbach lallen, den Irren aus dem Dorf, dem man die Behandlung verwehrt, und als Fundament, mehr erahn-, denn identifizierbar, da selbst Sessel geworden, Couch, Materie, Masse, die Merkel.

Dieser Sesselnotstand also ist die Katastrophe ― und die wird größer noch, sieht man zu, dass auch die Moderator-knack-knack-knack-Innen sich auf einem einzigen Sessel türmen. Toxische Masse. Nun, diese Sessel, zum Glück, werden nicht knapp, solange Deutschland Deutschland ist. Weil alle Menschen der ARD und dem ZDF monatlich, die Knarre im Nacken, Geld spenden. Sodass ARD und ZDF immer wieder die schönsten Sessel und Sofas kaufen können. Sofaeinkäufer bei ARD und ZDF ― ein letzter Traumberuf, Kinder.

Über Graphenoxid bin ich zuletzt gestolpert, Kinder. Vielleicht die Scharnierstelle schlechthin. Das digitale Konto allein reicht nämlich nicht. Immerhin, es könnten sich da analoge Netzwerke spinnen ganz außerhalb. Also müssen die Synapsen direkt gesteuert sein. Nun, Kinder, entweder sind diese Partikeln drin und dann lassen sie sich nachweisen oder sie sind nicht drin. Allerdings: Braucht es das Graphenoxid wirklich? Zeigt sich die Vernichtung nicht viel zuvor?

Müsste man wissen, in welchem Büro, welchem Raum, bei welchem Dinner, unter welcher Beteiligung und mit welcher Finanzierung eine Vernichtung ersonnen wird? Zum Beispiel Auschwitz, die Vergasung? Hätte man das wissen müssen, damit es rechtzeitig hätte wirklich werden können? In den Köpfen? Lag das nicht lange schon ganz offen zu Tage? In den Palastreden? In den Handlungen der Politiker? Im Dröhnen und Raunen des Volkes, von Schwarzhemden, SA und Antifa? Lag nicht offen zutage, auch damals, wer zur Solidarität aufrief, wer einheizte? Hat es wirklich mit einer fehlenden Täterstory zu tun, wenn KZs verschwiegen wurden, umgedeutet, verniedlicht, übersehen?

So frag ich mich, Kinder: Braucht es für eine Vernichtung, die offensichtlich und im Gang ist, tatsächlich die Kriminalgeschichte dazu? Als Eduard Schulte ― das war jener, Kinder, der die Nachricht von der Existenz von Auschwitz nach Zürich trug ― mit seiner Nachricht auf taube Ohren stieß, so nicht deshalb, weil er keine Täterthese vorlegen konnte, sondern weil die Wirklichkeit der Nachricht nicht gewollt war. Die Menschen waren nicht willens, Vernichtung als das zu lesen, was sie ist, so einfach ist das.

Das spricht nicht gegen Graphenoxid in den Impfungen und Aufklärung hierüber, ganz im Gegenteil ― aber wenn Erkenntnis erst mit dem Graphenoxid einsetzt, dann fehlt nicht eine Täterthese, dann steht es arg um den Menschen selbst. Soll ich ihm also nachweinen, Kinder? So ganz und gar weiß ich das noch immer nicht und wenn ja, so aus einem einzigen Grund: Weil ich sehe, was an seine Stelle tritt.

Questions in a World of Blue (8). Moral, Klischee und Kitsch, Kinder, sind Mittel der Macht. Auf nichts hat sich Macht jemals besser verlassen können. Und doch gibt es am Ende den Kitsch, der alles streicht. Sich selbst und die Palastreden und die Macht gleich mit. Es ist der absolute Kitsch. Das wäre der dritte Weg und meine Utopie, vielleicht der Ausweg. Der absolute Kitsch nämlich erschlägt den Faschismus, dem er entstammt, und je länger ich Questions in a World of Blue höre, desto analytischer werde ich, emotionsloser, leerer. Leer und frei für die letzte Erkenntnis.

Es ist die übergroße Emotion dieses Liedes, die Vollendung des Kitsches darin sozusagen, was jedes Sentiment austrocknet, um am Ende den reinen Begriff darzureichen. Dabei ist es nur Fassade, dieses Lied, A-Dur, Tonart des alten weißen Mannes. Äußerstes und Wesen zugleich, kommt doch der Fassade einzig das Äußerste als Wesen zu. Das ist Logik. Und einzig, weil es reine Fassade ist, dieses Lied, führt es hinter sich selbst, hinter die Fassade und zum Wesen schlechthin. Algorithmenfrei. Am Ende und zu Ende gedacht führt das Lied naturgemäß auch hinter die Corona-Inszenierung, welche die größte Fassade ist in der Geschichte , die wir kennen, den Kitsch, der die Bomben auf Serbien segnete, den Kitsch jeder humanitären Intervention, wohl selbst 9/11 weit hinter sich lassend.

Auf dieser Ebene, Kinder, bin ich bereit zu einem Gespräch. Nämlich über die Frage, ob die Inszenierung, die läuft und die nach allem, was wir als Menschen wissen können, die ungeheuerlichste und wuchtigste ist, die je gelaufen ist, misst man das Ungeheuerliche daran, was nach der Inszenierung, käme sie gänzlich zum Durchbruch, zurückbleiben würde an Urteilsfähigkeit, an Regung überhaupt, bin ich also bereit über die Frage zu sinnen, ob diese Inszenierung, im Rahmen derer alles, was nicht Fassade ist, in einem fort überwuchert wird, am Ende nicht exakt mit ihren eigenen Mitteln, einer radikalen Fassadenhaftigkeit also, zu ersticken wäre?

Mit einer die Fassade der Inszenierung brechenden Fassade an sich, Kitsch eben in reinster Form, der, es wäre unweigerlich, am Ende gar zur Schönheit würde? Und da käme dann eben dieses Questions in a World of Blue ins Spiel, ein Lied, das Julee Cruise nicht singt, sondern mit einer Stimme, die mehr Auflösung ist denn Stimme selbst, andeutet, haucht, nahe der Tonlosigkeit, bald Teil einer synthetischen Stille auf ewig.

Jeder andere Kitsch aber, der dieses Maß nicht erreicht, Versuche etwa, über die Muster der Empörung und des Berauschens― mit Musik, mit Bilderfluten, mit Mossad, Epstein und Moral― eine Gegenemotion aufzubauen, die aber nicht Bestand haben kann, weil bei jedem bloßen Kitsch ― die Berauschungen durch ARD und ZDF und durch alle Tempel des solidarischen Gesangs machen es vor― keine Distanz bleibt, zwischen die sich ein für die Macht gefährlicher Begriff legen könnte, jeder andere Kitsch muss versagen. Ja, Kinder, er muss.

Allein und einzig der Kitsch, der sich selbst mit aufhebt, zerstört die Distanzlosigkeit und öffnet den Raum für eine Geltung außerhalb der Macht, für eine Gültigkeit nahe der Gleichgültigkeit und des Ewigen Lichts, nach dem Goethe in seinen letzten Worten verlangte. Dieses Licht, angesichts dessen du den Mut fasst, die Lüge, im Ohr schon das Geräusch des strömenden Gases, mit einer ebenso erhabenen wie unbekümmerten, fast kindlichen Geste zurückzuweisen, erfahre ich, wenn ich in diesen Tagen Questions in a World of Blue― meistens im Auto― ganz lautschalte.

Es ist das Licht in einem dunklen Drei-Sorten-, dann Zwei-Sorten- und bald schon Ein-Sorten-Herbst― die Arier sind wieder da, als Cyborgs aufgetaucht, graphentoxisch rundumerneuert―, es ist dieses Lied, das mir eine Dimension belässt, für die sich alles lohnt, Kinder. Im Gymnasium, in das der Staat meine Tochter zwecks Beschallung mit Solidarität eingewiesen hat, sind zwei Wochen nach Beginn bereits alle fünf ersten Klassen in Quarantäne getestet. Das macht Sinn, Kinder, denn das Graphenoxid, will ― wie von Zauberhand ― zu den Kindern, und die Beschallung läuft auch online. Mit 5G noch viel besser. Davon demnächst mehr in diesem Theater.


Quellen und Anmerkungen:

(1) Marcel Barz zeigt das in einem eindrücklich sachlich-unspektakulären Film über das Erbsenzählen, der kurz nach Erscheinen auf YouTube machtnaturgemäß gelöscht wurde. Nach der Arbeit von Marcel Barz (andere haben auch darauf verweisen) ist es rational nicht mehr möglich, von einer Pandemie zu sprechen. Irrational schon.
(2) Das Saarland als utopische Fläche für jene, welche nicht an Klaus Schwabs Hand ins Neue Reich schreiten wollen, ist von Sven Böttcher an mehreren Stellen immer wieder ins Spiel gebracht worden, zum Beispiel in diesem schönen Gespräch, moderiert von Jens Lehrich.
(3) Der UN-Sonderberichterstatter für Folter und Schweizer Strafrechtsprofessor Nils Melzer ermittelt wegen Polizeigewalt in Deutschland. Vereinzelt wurde das auch in der Systempresse vermeldet, zum Beispiel hier.
(4) Tony Gatlif, geboren 1948, ist ein französischer Filmemacher. Er stammt aus Algerien und hat Roma-Wurzeln. In einer Zeit (2007), als die Systempresse teilweise noch journalistisch arbeitete, gab es in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein Interview mit ihm über Freiheit. Lesenswert.
(5) Zigeunerjunge ist ein seinerzeit sehr erfolgreiches Lied der deutschen Sängerin Alexandra aus dem Jahre 1967.
6) Swing ist ein vielschichtiger, feuriger Spielfilm aus dem Jahre 2002 von Tony Gatlif. Die Handlung, teilweise sehr dokumentarisch gehalten, spielt in einer Zigeunersiedlung im Elsass. Vordergründig und umwerfend gespielt, geht es um die Freundschaft eines zehnjährigen Zigeunermädchens mit einem gleichaltrigen Jungen aus der französischen Bourgeoisie, der, ferienhalber untergebracht bei seiner Großmutter in der Provinz, für einen kurzen Sommer aus seiner Ordnung ausbricht und in der Romasiedlung mit dem Mädchen, mit der Gitarre und seinem Gitarrenlehrer eine zuvor nicht gekannte Dichte an Sinnlichkeit erlebt, bevor ihn seine Mutter in die (schon damals) globale Businesswelt zurückholt. Philosophisch geht es um Freiheit, Versklavung und Würde des Menschen, um Normen, Staat und Technik auch. Hauptprotagonistin aber ist im Grunde die Musik selbst: Jazz Manouche in erster Linie, aber auch arabische Musik bis hin zu jiddischen Liedern, in denen das Leben zu einer Dichte kommt, wie nirgends sonst.
(7) Pier Paolo Pasolini (1922 bis 1975) war ein kommunistisch-marxistischer Filmemacher und Lyriker. Er zählt mit zu den bedeutendsten Filmregisseuren des 20. Jahrhunderts. Fellini hat bei ihm assistiert. Pasolini war homosexuell und traf sich oft mit Strichjungen am Lido di Ostia, dem Strand von Rom. Ob er tatsächlich auch von einem solchen Jungen ermordet worden ist oder ob seine Ermordung nicht vielmehr mit Kenntnissen über Machenschaften in der Politik, namentlich des Ölkonzerns ENI, zusammenhängt, ist nicht geklärt. Pasolini hat ungefähr ein Jahr vor seiner Ermordung darauf verwiesen, dass kritische Intellektuelle vom italienischen Staat in Kooperation mit rechten Kreisen umgebracht würden. Die heutigen Schubladisierungsnormen würden Pasolini als pädophil einstufen. Für Interessierte: Hier ein Einstieg in Pasolinis Leben von seiner Ermordung her. Was die politischen Optionen des Mordes betrifft, bleibt diese Quelle aber durchaus zurückhaltend, es gäbe noch immer Gründe, beispielsweise genauer zu prüfen, inwiefern Pasolinis Tod mit antikommunistischen Machenschaften des amerikanischen Geheimdienstes beziehungsweise der kulturellen Freiheit zu tun haben könnte ― von seiner Ideologie her war Pasolini zweifelsohne einer jener, der im kritischen Fokus amerikanischer Strategien stand.

(8) Questions in a World of Blue, komponiert von Angelo Badalamenti, gesungen von Julee Cruise, ist ein leitmotivisch eingesetzter Song aus dem Soundtrack zum Lynch-Film Twin Peaks ― Fire Walk With Me, der kurz nach den ersten beiden Serienstaffeln gedreht und im Jahr 1992 veröffentlicht wurde. Die Verflechtungen sind zu ausufernd, als dass sie hier auch nur ansatzweise angedeutet werden könnten, und wer noch nicht in Lynchs Twin Peaks-Universum vorgestoßen ist, dem ist das sehr zu empfehlen, so lange das noch graphenoxidfrei möglich ist. Allerdings wird auch für jene, welche den Film und den Einsatz dieses Songs dort nicht kennen, allein durch das Anhören vielleicht klar, weshalb ich als Verkörperung meiner Idee vom reinen, absoluten Kitsch diesen Song hier anführe. Und dass ich hierbei auf YouTube verlinke, passt in diesem Fall sogar (obgleich: ich höre das Lied von der CD).
Die einzige Bemerkung in der Sache, die ich anführen möchte: Badalamenti, Lynchs Hofkomponist, ist meines Erachtens einer der ganz wenigen (Nino Rota zählt auch dazu), die begriffen haben, dass Filmmusik, soll es sich um Kunst und nicht um Berauschung handeln, Bilder nicht untermalen darf. Vielmehr erzählt die Musik eigenständig eine Geschichte, welche sich mit der Geschichte der Bilder und derjenigen des Textes verschränkt. Die Verschränkung hier: Eine Nachtclubsängerin namens Julee Cruise ― sie tritt auch im fiktiven Film mit ihrem realen Namen auf, nimmt ihre Identität als Sängerin also mit in die Fiktion hinüber ― singt dieses vollkommen platte und geglättete und nahtlose Lied, das einfach nur schön ist, im Roadhouse, dem Nachtclub von Twin Peaks, einer fiktiven Ortschaft, eingebettet in ein Setting aus Mord, Gewalt, Sehnsucht und vor allem magischer Bedrohung.
Dass das „Blue“ in diesem Lied und in der Uto- und Dystopie des ganzen Films natürlich mit der Blauen Blume von Novalis zu tun hat, sei bloß für Uneingeweihte erwähnt ...

Spenden per SMS
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann senden Sie einfach eine SMS mit dem Stichwort Rubikon10 an die 81190 und mit Ihrer nächsten Handyrechnung werden Ihnen 10 Euro in Rechnung gestellt, die abzüglich einer Gebühr von 17 Cent unmittelbar unserer Arbeit zugutekommen.
Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.

Weiterlesen

Der furchtlose Vorläufer
Thematisch verwandter Artikel

Der furchtlose Vorläufer

In dekadenten und materialistischen Zeiten, in denen der Wille zur Ohnmacht vorzuherrschen scheint, kann die Philosophie Nietzsches für uns eine Inspiration sein.

Gebrochene Versprechen
Aktueller Artikel

Gebrochene Versprechen

Die Gesamtschau auf das tatsächliche Abstimmungsverhalten der im Parlament befindlichen Parteien zeigt, wie bindend Wahlprogramme nach der Regierungsbildung noch sind: gar nicht!