Zum Inhalt:
Hilfe-Icon Unterstützen
Pilcrow Es kommt immer anders, wenn man denkt. Daher gibt es vom Rubikon jetzt auch Bücher.
Eine neue Welt

Eine neue Welt

Um negative Entwicklungen zu stoppen, müssen wir positive Ideen sammeln. Interview mit Aaron Boos vom Projekt TROM.

Kerstin Chavent: Lieber Aaron, erst einmal herzlichen Glückwunsch zu deinem enormen Engagement in diesem umfassenden Projekt. Was verbirgt sich dahinter? Was bedeutet TROM? Wer hat das Projekt ins Leben gerufen? Wer finanziert es?

Aaron Boos: Danke. Hinter TROM steckt mittlerweile ein kleines Team, von rund 10 Menschen aus verschiedenen Ländern, die sich freiwillig für das Projekt engagieren. Das heißt, wir schreiben Bücher, produzieren Videos, übersetzen Materialien in andere Sprachen, helfen bei technischen Dingen et cetera.

Das Projekt an sich steht für einen neuen und innovativen Weg, die Welt zu sehen, wie sie wirklich ist. Dabei nutzen wir Wissenschaft als Werkzeug, um Werte, Ideen und Vorstellungen zu hinterfragen, die heute normal zu sein scheinen. So hinterfragen wir Begriffe und Vorstellungen wie Vernunft und Logik, Moral und Ethik, Schönheit und Kunst, Sprache, Familie und Handel und betrachten diese in einem wissenschaftlichen Licht, um zu sehen, was dahinter steckt.

TROM sollte „The Reality Of Me“, auf Deutsch: „Meine Realität“, oder „The Reality Of Mankind“, auf Deutsch: „Die Realität der Menschheit“, bedeuten — diesen Namen hat der Gründer des Projekts, Tio, sich während der Arbeit an dem Dokumentarfilm im Jahr 2011 ausgedacht. Jetzt kann der Name einfach als TROM für sich stehen.

Tio hat dieses Projekt ins Leben gerufen. Er ist aufgewachsen in einer kleinen Stadt in Rumänien, wo er schon früh in seinem Leben erkannt hat, dass es viele Probleme gibt, gleichzeitig aber auch Lösungen, die jedoch nicht umgesetzt werden. Mit der Zeit hat er einen rumänischen Blog aufgebaut, um über solche Themen zu schreiben. 2011 hat er sein Studium aufgegeben, um den Dokumentarfilm TROM zu erstellen.

Er hat ein Jahr an diesem Film gearbeitet, um ihn dann kostenlos ins Internet zu stellen: 14 Stunden Videomaterial und tausende Stunden an Arbeit, ohne etwas als Gegenleistung zu verlangen. Nachdem er ihn veröffentlicht hatte, bekam er finanzielle Unterstützung von vielen Menschen, die TROM gut finden. Seitdem kann er sich — mit Mühe — selbst und das Projekt über Spenden finanzieren. Zurzeit bekommt das Projekt knapp 600 Euro pro Monat von Menschen, die seine Ziele unterstützen wollen.

„Tio“ ist ein „gefälschter“ Name per se, weil sein rumänischer Name schwer auszusprechen ist, also nennt er sich einfach nur Tio. Er hat auch eine persönliche Website.

Wie kamst du dazu, diese Inhalte zu übersetzen? Wer bist du?

Ich bin nur ein junger Mensch, der versucht, die Welt ein bisschen besser zu machen. In Süddeutschland bin ich in einem kleinen Dorf aufgewachsen, wo mir im Laufe der Zeit klar wurde, dass es viele Probleme gibt, sodass ich angefangen habe, nach Lösungen zu suchen. Auf meiner Reise nach dem Abitur bin ich auf zahlreiche Ideen gestoßen, die jedoch bei genauem Betrachten hauptsächlich Symptome eines größeren strukturellen Problems bekämpfen und dieses strukturelle Problem ist nicht Geld — Geld ist dennoch ein Symptom.

Durch TROM, von dem mir jemand auf meiner Reise erzählt hat, habe ich gelernt, dass dieses strukturelle Problem der Handel an sich ist. Als ich wieder daheim war und mich intensiv damit beschäftigt habe, war ich davon so begeistert, dass ich mit den Übersetzungen angefangen habe. Ich habe auch eine eigene Website, auf der ich aus meinem Leben berichte und Gedanken teile.

Wenn ich genug Unterstützung bekommen würde, könnte ich mich 100 Prozent auf TROM konzentrieren und noch mehr Materialien und Werkzeuge ins Deutsche übersetzen.

Wie entwickeln sich die verschiedenen Themen und worauf gründet sich die Recherche?

Die Themen entwickeln sich aus Neugier. Wir wollen die Welt und die Art, wie sie funktioniert, besser verstehen; wir hinterfragen kulturelle Werte und Normen und betrachten sie in einem wissenschaftlichen Licht. Dass wir von den Menschen unterstützt werden, erlaubt es uns, komplett unabhängig von irgendwelchen profitorientierten Interessen zu sein. Das schätze ich sehr an diesem Projekt. Unsere Recherchen gründen sich auf zahlreiche Dokumentationen und das Internet. Wir haben sogar eine eigene Website, auf der wir interessante und relevante Dokumentationen sammeln und kostenlos bereitstellen. Alle unsere „Behauptungen“ werden mit verlässlichen Quellen belegt und können von jedem überprüft werden.

Die Menschheit befindet sich heute in einem grundsätzlichen Wandel, der ihr Ende bedeuten kann. Was sind die Visionen und Möglichkeiten, die aufgezeigt werden?

Wie ich schon erwähnt habe, liegt fast allen Problemen ein strukturelles Problem zugrunde, dies ist der Handel, denn durch Handel entsteht ein Ungleichgewicht von Macht — manche haben mehr, manche weniger — und durch dieses Ungleichgewicht entstehen sehr viele Probleme. Wir konzentrieren uns deshalb vor allem darauf, diesen Zusammenhang zu vermitteln, denn wir sagen: Die Lösung ist, das Problem zu verstehen. Ausführlich erklären wir das in unseren Büchern „Die Ursache der meisten Probleme“ und „Das Geldspiel und darüber hinaus“.

Gleichzeitig bieten wir auch handelsfreie Dinge an: Wir kuratieren zum Beispiel automatisierte Nachrichten, Videos und Podcasts aus verschiedenen relevanten Quellen, um Klickköder-Nachrichten zu beseitigen und um den Fokus auf „echte“ Nachrichten aus Bereichen zu lenken, die unsere Gesellschaft wirklich betreffen: TROM kuratierte Nachrichten, Videos und Podcasts. Außerdem haben wir eine handelsfreie Suchmaschine, ein Quiz und einen Musikdienst, auf dem man handelsfrei Musik hören kann. Alles was wir tun, stellen wir ins Internet, ohne etwas als Gegenleistung dafür zu verlangen — viele Unternehmen sammeln für ihre Dienste Daten und sind folglich nicht handelsfrei.

Unsere Dienste sind — bis jetzt — nur auf Englisch. Ich arbeite aber an den deutschen Übersetzungen.

Es geht um einen Sprung in eine höhere Dimension. Wie können wir ihn schaffen?

Ich würde nicht sagen, dass es um einen Sprung in eine höhere Dimension geht, sondern um die Anwendung von Wissenschaft und Technologie, um Probleme zu lösen — ohne die Limitierung unseres Handelssystems.

Wir müssen das Raubtierspiel, das wir spielen, ändern, wenn wir wollen, dass Menschen weniger räuberisch sind. Wir werden nie in der Lage sein, eines unserer heutigen Probleme — Umweltverschmutzung, Klimawandel, Krieg, Armut, Korruption et cetera — zu lösen, wenn wir sie weiterhin als isolierte, voneinander getrennte Themen betrachten.

Wir sind alle gemeinsam in diesem Ganzen und müssen und können ein neues sozioökonomisches System entwickeln, das allen zugute kommt.

Wir betonen jedoch, dass wir zur Schaffung dieser Welt eine ständige Bewegung brauchen, um die Infrastruktur aufzubauen und die Bildung voranzutreiben. Die Infrastruktur muss open source, dezentralisiert, in der Lage sein, Überfluss zu schaffen und folglich den Handel obsolet machen. Bildung muss wissenschaftlich, vielfältig, offen und frei sein, sodass wir sicherstellen, dass die Werte der Menschen vernünftiger sind. Beide Bewegungen, also Bildung und Infrastruktur, sind eine ständige Entwicklung ohne ein Ende in Reichweite. Auf TROMsite geben wir ständig Beispiele dafür.

Was sind eure Pläne?

Demnächst werden wir unser handelsfreies Betriebssystem TROMJaro, eine angepasste Version von der Linux Distribution Manjaro, veröffentlichen, welches eine sehr schöne Alternative zu den proprietären Betriebssystemen Windows und MacOS ist. Außerdem haben wir vor, dieses Jahr eine Dokumentation zu erstellen und sie handelsfrei ins Internet zu stellen. Zusätzlich werden noch weitere Bücher erscheinen und eine Website, auf der wir handelsfreie Projekte, Gruppen oder Organisationen sammeln, damit Menschen darauf aufmerksam werden, was es alles schon an handelsfreien Dingen gibt. Wir haben also sehr viel vor, wollen die Idee weiter voranbringen und sind auf Unterstützung angewiesen, ohne die es nicht möglich wäre, all das zu machen. Unterstützen kann man uns hier und mich persönlich hier.

Zum Schluss bleibt mir noch zu sagen:

Menschen und Organisationen sterben. Ideen überleben. In TROM geht es um eine Idee. Entdecke eine neue Welt auf TROM.

Spenden per SMS
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer 10,- Euro Spende per SMS. Senden Sie einfach eine SMS mit dem Stichwort Rubikon10 an die 81190 und mit Ihrer nächsten Handyrechnung werden Ihnen 10,- Euro in Rechnung gestellt, die abzüglich einer Gebühr von 17 Cent unmittelbar unserer Arbeit zugutekommen.
Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.

Weiterlesen

Pflugscharen zu Schwertern
Thematisch verwandter Artikel

Pflugscharen zu Schwertern

Mit leeren Versprechungen versuchen uns die Politiker zum Stillhalten zu bewegen, während sie die Schlinge um unseren Hals fester ziehen.

Die Gespensterdebatte
Aktueller Artikel

Die Gespensterdebatte

Um nicht wirklich etwas verändern zu müssen, locken uns die Eliten auf argumentative Nebengleise. Interview mit Jens Wernicke zum Buch „Die Öko-Katastrophe“.