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Eine Brücke nach Damaskus

Eine Brücke nach Damaskus

Bürger in einer bayerischen Kleinstadt leisten wertvolle Friedensarbeit.

Die Vorgeschichte

In unserem Landkreis Pfaffenhofen ist unser Verein „Freundschaft mit Valjevo e.V. bei Flüchtlingen durch sein konsequentes Eintreten für ihre Rechte bekannt. Es ist bekannt, dass wir mehrfach schwerkranken Kindern aus dem Irak und Syrien eine Behandlung in deutschen Krankenhäusern ermöglicht haben. Es war also kein Zufall, dass im Oktober 2015 eine ältere syrisch-palästinensische Asylbewerberin mit eben einer solchen Bitte auf uns zukam.

Ihr damals 15jährigen Enkel Mohamad in Damaskus litt an einem Tumor im rechten Kniegelenk. Die Ärzte in Syrien hatten ihm nicht helfen können. Wir fanden eine Klinik, die bereit war, die Behandlung zu einem Festpreis zu übernehmen, sammelten das notwendige Geld und erhielten endlich nach mehr als einem Jahr dauernden zähen Bemühungen vom deutschen Konsulat in Beirut ein Einreisevisum für Mohamad. Die Operation verlief erfolgreich. Mohamad ist heute vollständig gesund, wohnt bei seiner Großmutter in unserer Stadt, besucht die Berufsschule und spielt mit seinen Freunden gerne und viel Fußball.

Eine Zusammenarbeit beginnt

Bei der Durchsicht von Mohamads Unterlagen hatten wir gesehen, dass er vor seinem Flug nach Deutschland im „Italienischen Krankenhaus“ in Damaskus untersucht worden war. Dieses Krankenhaus besteht seit über 105 Jahren und beschäftigt 140 Mitarbeiter.

Es steht Kranken unabhängig von ihrer religiösen Überzeugung oder ethischen Zugehörigkeit offen und hat einen exzellenten Ruf. Geführt wird es von Don Bosco Schwestern unter Leitung von Schwester Anna Maria Scarzello. Die gebürtige Italienerin aus einer kleinen Gemeinde im Piemont hatte zuvor 40 Jahre mit jungen Frauen im mexikanischen Chiapas gearbeitet und sie bei ihrer Entwicklung und der Durchsetzung ihrer Rechte unterstützt. 2011 ging sie ungeachtet aller Gefahren für ihre neue Aufgabe nach Damaskus. Mit diesem Krankenhaus nahmen wir Kontakt auf. Schwester Scarzello berichtete uns über die Probleme, vor denen das Krankenhaus steht:

Es fehlt an Ärzten, weil viele von ihnen das Land verlassen haben. Es gibt nur stundenweise Strom und die Preise für Diesel zum Betreiben der Notstromaggregate sind exorbitant hoch. Das sind Folgen der Sanktionen, die EU und Bundesregierung gegen Syrien seit 2011 verhängt haben. Sie verbieten explizit den Export von Treibstoff und Heizöl sowie von Technologie und Ausrüstung für die Raffination von Erdöl und für Kraftwerke zur Stromgewinnung.

Selbst Medikamente, medizinisches Verbrauchsmaterial, notwendige Geräte und Ersatzteile für das Krankenhaus sind wegen der umfassenden Finanz- und Wirtschaftssanktionen im Land kaum zu bekommen. Mitarbeiter des Krankenhauses müssen deshalb regelmäßig zu Einkäufen in den Libanon oder nach Jordanien reisen.

Das Krankenhaus hat große finanzielle Schwierigkeiten. Es hat Probleme, die eigenen Mitarbeiter zu bezahlen, die ihrerseits unter ständigen hohen Preissteigerungen leiden. Für sie sind selbst Grundnahrungsmittel sehr teuer geworden. Von den Patienten aber ist angesichts der Verarmung der Bevölkerung kaum Geld für Behandlung und Medikamente zu bekommen. Dringend bat uns Schwester Scarzello, die Finanzierung für die Erneuerung der 15 Jahre alten Wasseraufbereitungsanlage für die Dialyse zu übernehmen.

Wir informierten unsere Lokalpresse, klebten Plakate und verteilten Flugblätter in unserer Stadt. Sehr schnell konnten wir dem Krankenhaus nicht nur die benötigte Summe für die Anlage, sondern zusätzlich noch Geld für den Kauf kleinerer medizinischer Geräte für die Intensivstation zukommen lassen. Es hatte sich gezeigt, dass viele unserer Mitbürger bereit waren, sich bei der humanitären Hilfe einzubringen und wir diese Hilfe gut nutzen konnten, um über die Ursachen von Not und Leid in Syrien und die Mitverantwortung der Bundesregierung zu informieren.

Eine Berufsausbildung als Existenzgrundlage für syrische Mütter

In ihrem Dankesschreiben an uns betonte Schwester Scarzello, wie wichtig für die syrische Bevölkerung eine solche Unterstützung nicht nur als materielle Hilfe, sondern gerade auch als moralische Unterstützung ist. Es gibt viel Kraft, so die Schwester, wenn man weiß, dass es in Europa Menschen gibt, die mit uns fühlen und Solidarität leisten. Vor wenigen Monaten hat sie uns ein weiteres Projekt ans Herz gelegt.

Sie bat uns, die Finanzierung von 2 Kursen für die Berufsausbildung von Frauen in Damaskus zu Schneiderinnen zu übernehmen. Ihre Kollegin Carolin Tahhan, die aus Aleppo stammt und bereits einen Kindergarten mit 200 Kindern leitet, hatte vor 7 Jahren mit Geldern des UN-Flüchtlingswerkes begonnen, solche Kurse für Palästinenserinnen und Irakerinnen zu organisieren.

Nach Abschluss der 4 Monate dauernden Ausbildung erhalten die Teilnehmerinnen ein Zertifikat und eine eigene Nähmaschine. Für ausgebildete Schneiderinnen gibt es in Syrien gute Möglichkeiten, selbstständig oder bei Einrichtungen zu arbeiten und Geld zu verdienen.

Damaskus ist voll von Flüchtlingen. Unter ihnen sind viele Mütter, die ihren Mann im Krieg verloren haben und jetzt allein auf sich gestellt, das Geld für ihren Lebensunterhalt und ihre Kinder verdienen müssen.

Gut 20.000 EUR sind für die Finanzierung von 2 Klassen mit jeweils 20 Teilnehmerinnen und den Kauf der Nähmaschinen (Stückpreis 364 EUR) erforderlich. 11.000 EUR haben wir bereits geschickt, so dass die beiden Kurse, wie uns Schwester Tahhan freudig mitteilte, vor 3 Wochen beginnen konnten. Jetzt gilt es für uns, noch das Geld für die Nähmaschinen zu sammeln.

Für unsere Arbeit als örtliche Friedensgruppe ist der direkte Kontakt nach Damaskus wichtig. Die geleistete humanitäre Hilfe hat uns viel Anerkennung bei unseren Mitbürgern gebracht. Sie ermöglichte es uns gleichzeitig, über die verheerenden Folgen der Sanktionen für die syrische Bevölkerung aufzuklären.

Die Informationen aus den regelmäßigen Schreiben und Telefonaten mit dem Krankenhaus helfen uns in der politischen Arbeit vor Ort. Fragt man Schwester Tahhan nach den Ursachen des Krieges, so verweist sie auf den Reichtum des Landes, der die Begehrlichkeit der Großmächte und Nachbarstaaten geweckt habe, das „schwarze“ Gold“ (Erdöl), das „gelbe“ Gold und „weiße“ Gold (Baumwolle) Syriens.

Dass die Syrer ungeachtet der ethnische und religiöser Vielfalt zusammengehören und gut zusammenleben können, dafür führt sie viele Beispiele aus ihrem Alltagsleben auf. Sie ist überzeugt, dass der Frieden kommen wird.

Dafür aber sei es ganz wichtig, betont Schwester Scarzello, dass der Westen aufhört, Terroristen zu bewaffnen und die Sanktionen aufhebt. Für den Herbst hat uns das Italienische Krankenhauses jetzt offiziell nach Damaskus eingeladen.

Wer uns beim Kauf der erforderlichen Nähmaschinen unterstützen möchte, den bitten wir um Spenden auf das Konto unseres gemeinnützigen Vereins „Freundschaft mit Valjevo e.V.“ bei der Sparkasse Pfaffenhofen, DE06 7215 1650 0008 0119 91, Stichwort „Hilfe für Mütter in Damaskus“.


BildSchwester Scarzello mit Wasseraufbereitungsanlage.

BildSchwester Tahhan mit Kursteilnehmern

BildSchwester Tahhan inmitten von Kindern ihren Kindergarten

BildDas italienische Krankenhaus

BildInfostand in Pfaffenhofen

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