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Diffamierung statt Aufklärung

Diffamierung statt Aufklärung

Karin Leukefeld beleuchtet den Unterschied zwischen süddeutschen Streiflichtern und belegbaren Fakten.

Laut Duden handelt es sich bei einer Glosse um eine „(spöttische) Bemerkung, Randbemerkung“, einen „knappen (polemischen) Kommentar (in Presse, Rundfunk oder Fernsehen) zu aktuellen Ereignissen oder Problemen“.

Den Stoff für journalistische Glossen finden Autoren und Autorinnen in weltpolitischen oder auch lokalen Themen. Mittlerweile 73 Jahre umfasst die Sammlung der SZ-Streiflichter, die für die Zeitung als „Markenzeichen“ gelten. Die Rubrik ist so prominent, dass sie mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde und 2003 sogar den Deutschen Sprachpreis zur Pflege der Reinheit der deutschen Sprache erhielt.

Der Schöpfer des Streiflichts Franz-Josef Schöning wollte mit der Rubrik „eine Art Leuchtturm im Sturmgebraus der täglichen Hiobsbotschaften“ bieten. Das, was die SZ Mitte September in dieser Rubrik der Öffentlichkeit zumutete, hatte mit Journalismus nichts zu tun. Der Autor oder die Autorin lieferte sprachlich einen Text mit Wortsaltos und Spezialeffekten ab, der Inhalt war allerdings gleich null.

Die Rubrik wurde vielmehr für einen Rundumschlag auf geradezu unterirdischem Niveau gegen den Herausgeber der NachDenkSeiten, Albrecht Müller, gegen das Internetportal, seine Mitarbeiter und die Autorinnen und Autoren missbraucht. In diskriminierender Weise wird Müller zudem sein Alter vorgehalten. Der Autor, die Autorin und die verantwortlichen Redakteure, die die Veröffentlichung des Schmierenstücks zugelassen haben, stehen der BILD-Zeitung in nichts nach.

Mit diesem Stück reiht die SZ sich in den Reigen der Medien und Journalisten ein, die sich nicht inhaltlich mit Geschehen und Ereignissen — international, regional, lokal — auseinandersetzen und in alle Richtungen recherchieren, um aufzuklären, sondern die andere Kollegen und Kolleginnen oder Medien angreifen, lächerlich machen und verleumden.

Hätte der Autor, die Autorin des SZ-Schmierenstücks sich informiert, wüssten sie, dass die Geschehen am 11. September 2001 in New York, die Ereignisse in Hongkong und selbst die deutsche Politik und Außenpolitik in der internationalen Presse sehr viel differenzierter ausgeleuchtet werden als in deutschen Medien. Das Gleiche gilt für den israelisch-palästinensischen, in Deutschland so genannten „Nahost-Konflikt“, für die Kriege im Jemen und in Syrien, einschließlich des angeblichen Giftgaseinsatzes der syrischen Armee in Syrien.

Deutschsprachige Journalisten und Autoren, die selber vor Ort recherchieren, die historische Zusammenhänge herstellen und zumindest internationale Berichte, Studien und Bücher bei der eigenen Arbeit einbeziehen, finden in den bekannten deutschsprachigen Medien wenig Raum. Das ist nicht nur auf Stellenabbau und sinkende Auflagen der Zeitungen zurückzuführen.

Viele deutsche Medien bewegen sich bei ungeklärten Fragen wie in einem Korsett und bieten den Lesern und Zuschauern oder Hörern die „Einordnung“ eines Geschehens durch bestimmte Wortwahl, durch ausgewählte „Experten“ oder „Fakten-Checks“ gleich mit. Eine Debattenkultur, in der um Erkenntnis gestritten wird, gibt es nicht. Selber denken unerwünscht?

Die Öffentlichkeit fühlt sich offenbar nicht ernst genommen, gegängelt und durch andere Medien — nicht zuletzt durch Internetportale wie die von Albrecht Müller herausgegebenen NachDenkSeiten — besser informiert. Dort werden „heiße Eisen“ angefasst, unbequeme Themen besprochen und im besten Sinne aufgeklärt. Der Zuspruch, den Medien wie die NachDenkSeiten, Rubikon, KenFm und andere erfahren, spricht für sich.

Seit geraumer Zeit geht man nun dazu über, nicht nur diese Medien, sondern auch deren Herausgeber, Autoren und Autorinnen persönlich anzugreifen. Es trifft Albrecht Müller ebenso wie Daniele Ganser, Michael Lüders, Jürgen Todenhöfer, Andreas Zumach oder auch die Autoren, die inzwischen geradezu kampagnenartig von Kolleginnen und Kollegen in den deutschen Leitmedien, aber auch in der Schweizer Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) unglaubwürdig gemacht werden.

  • Eine bekannte deutsche Journalistin gibt ein Interview unter dem Titel „Daniele Ganser im Fakten-Check“.

  • In der NZZ polemisiert ein Journalist in einem Kommentar gegen Daniele Ganser, der „postfaktisch und empathielos“ argumentiere.

  • Dem langjährigen Nahost-Redakteur der ZEIT, Michael Lüders, der auch als Politik- und Wirtschaftsberater arbeitet, wird von einer ARD-Moderatorin unterstellt, seine politischen Analysen über den Mittleren Osten und Syrien seien seinen Auftraggebern geschuldet.

  • Der SPIEGEL bezeichnet Lüders als „umstritten“ und Tagesschau.de widmet Lüders sogar einen „Faktenfinder“-Artikel.

  • Jürgen Todenhöfer, der selber Kriegs- und Krisengebiete im Mittleren Osten regelmäßig bereist und darüber erfolgreich Bücher veröffentlicht hat, wurde nach der Ausstrahlung eines Interviews mit dem syrischen Präsidenten Bashar al-Assad in der ARD von zwei Journalisten anschließend als naiv und unkritisch abgekanzelt.

  • Im SPIEGEL unternimmt ein weiterer Journalist große Anstrengungen, um Todenhöfer nach dessen Interview mit einem Nusra-Kommandanten im Westen von Aleppo nachzuweisen, dass er einer Inszenierung aufgesessen sei.

Es ist eine beschämende Entwicklung des Journalismus, dass die Kolleginnen und Kollegen sich nicht anstrengen und mit dem auseinandersetzen, was gesagt und berichtet wird, sondern dass sie sich anstrengen, um andere Journalisten und Autoren persönlich anzugreifen und unglaubwürdig zu machen. Angebliche „Fakten-Checks“ bedienen sich dabei bereits bekannter Darstellungen in den großen deutschen Medien, die offenbar nicht hinterfragt werden sollen.

Längst gibt es international Medien, die auf Englisch, Arabisch oder Spanisch nach professionellen journalistischen Maßstäben arbeiten und Nachrichten verbreiten und Debatten zulassen, die in deutschen Medien nicht vorkommen (sollen). Jenseits von Deutschland gibt es mehr Informationen als die, die von dpa, afp, Reuters oder AP über die deutschen Fernseh- und Rundfunkanstalten und Zeitungen verbreitet werden. Das westliche Monopol der Berichterstattung ist seit dem Beginn des von den USA erklärten „Kriegs gegen den Terror“ in Afghanistan (2001) und Irak (2003) durchbrochen.

Unabhängige Internetportale und Medien sorgen dafür, dass Informationen, Recherchen und Debatten aus aller Welt auch in Deutschland ankommen und dass man auch in Deutschland wieder beginnt, nachzudenken. Das ist Aufklärung im besten Sinne:

Sapere aude — Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!


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