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Die Widerstandsmaulhelden

Die Widerstandsmaulhelden

Die Maske der „Demokraten“ fällt und bringt die Fratze des Faschismus zum Vorschein.

Der nächste Januar kommt bestimmt. Corona hin, Corona her. Und wie üblich Ende Januar wird der Bundestag an die dunkelste Epoche der deutschen Geschichte erinnern und sich hierzu im stillen Gedenken zusammenfinden. Ganz still ist das Gedenken dabei leider nicht. Seit Jahren lauschen wir denselben Floskeln, wonach es so „nie wieder“ werden, sich „nicht mehr wiederholen“ dürfe.

An den Aussagen ist ja nichts falsch, aber so richtig beseelt ist dieser staatlich verordnete Antifaschismus nun ja auch nicht. Wie wird das im kommenden Winter sein, wenn wieder das Gedenken ansteht? Kann man das Programm, ohnehin schon seit Jahren müde abgespult, einfach wieder so veranstalten, als sei nichts gewesen? Mittlerweile haben wir ja Erfahrungen gesammelt, die eines klarmachen: Diese Phrasen, dass es sich „nie wieder“ so ereignen dürfe, sind ja hohler denn je.

Wir spüren das täglich. Selten zuvor wurde so offen, so ungeniert in diesem Lande über die Diskriminierung einer Bevölkerungsgruppe gesprochen wie in den letzten Wochen.

Und dass die dabei auch noch legitim und richtig sei, betonten die hiesigen Diskriminierungsbeauftragten besonders stolz.

Vergleichen nicht gleichsetzen

Wenn man ehrlich ist, dann steckt in dem Vorwurf, unsere Gedenkenden würden im Grunde jene Werte mit Füßen treten, die sie innerhalb des Andenkens noch hochhalten, ja durchaus auch einer jener Nazivergleiche, die heute als hochsensibel und hochnotpeinlich betrachtet werden. Es geziemt sich für viele nämlich nicht, die Einzigartigkeit jener braunen Jahre mit dem Leben danach zu vergleichen. Warum eigentlich nicht?

Nehmen wir jenen unseligen Forscher der Leopoldina namens Armin Falk. Der riet dem bayerischen Politiker Hubert Aiwanger medienwirksam, er möge die „Klappe halten (und sich) impfen lassen“. Aiwanger hatte vorher verlauten lassen, er habe noch keine Entscheidung für eine Impfung getroffen. Natürlich fand diese schroffe Empfehlung Falks einigen Jubel in den Netzwerken; ein Wissenschaftler, der eine klare Ansage macht, da kriegten sich manche vor Entzücken gar nicht mehr ein. Das sei aber gar nicht die Sprache der Wissenschaft, zwitscherte ich bei Twitter. Das sei eher die Sprache Freislers. Ich dachte dabei an jene Szene, in der der Schreihals auf dem Richterstuhl einem vor Gericht stehenden Widerständler aus der Offiziersriege den Mund verbat.

Wie nicht anders zu erwarten, erntete ich Kritik. So ein Vergleich gehe nicht. Freisler habe schließlich Leute in den Tod geschickt. Das ist ja gar nicht zu beanstanden. Natürlich hat er das. Aber darum geht es bei dem Vergleich ja nicht. Falk wie Freisler rekrutieren ihren Maulkorb ja auf die Tatsache, dass man Menschen systematisch diskriminieren darf, wenn das herrschende Meinungsbild oder das System es zulassen, und sogar als ausdrücklich opportun ausweisen.

Die Nazis haben ja seinerzeit zunächst mit Ausgrenzung und Diskriminierung begonnen: Eine Justiz, die nach ihrer Vorstellung handelte, kam erst später.

Beide Gestalten gleichzusetzen, verbietet sich auf jeden Fall. Aber sie zu vergleichen: Wieso denn nicht? Immerhin geht es doch genau darum, wenn wir bei den etwaigen Festivitäten der deutschen Verantwortung gedenken. Wir möchten so etwas nie wieder erleben. Nie mehr in einem totalitären System landen, in dem Individualrechte nichts mehr gelten.

Wieso soll man dann demokratische Ausreißer und totalitäre Versatzstücke nicht vergleichen dürfen? Genau so lernt man doch aus der Geschichte: Man zieht den historischen Erfahrungswert heran und vergleicht ihn mit dem, was jetzt geschieht.

Der faschistischste Antifaschismus aller Zeiten

Schon lange vor der Pandemie war die deutsche Gedenkkultur eingeschlafen. Da glänzten die aufgedonnerten Festtagsgesichter mit Sonntagsrhetorik, waren in Andacht und Betroffenheit aufgelöst, beklatschten, bestätigten sich einander, schworen publikumswirksam der Barbarei ab, legten ihre so kurzfristig präsentierte Haltung im Alltagsgeschäft jedoch wieder ab. Da gab man sich wieder autoritär, hetzte mit beinahe allen Mitteln gegen Sozialschmarotzer, gegen streikende Gewerkschafter, gegen alte weiße Männer oder gegen Ostdeutsche.

In der Rhetorik des Rückblickes hieß es zwar, dass „nie wieder“ die Menschenverachtung einen Fuß auf deutschen Boden setzen sollte, aber die deutsche Wirklichkeit sah immer schon anders aus. In den letzten Jahren hat sich dieser Antifaschismus zu einer Fundgrube der Selbstgerechtigkeit ausgewachsen. Unter dem Label der Diversität formierte sich die politische Überkorrektheit, die auch nicht mehr davor zurückschreckte, gesellschaftliche Gruppen zu stigmatisieren, wenn es der eigenen, nur vermeintlich antifaschistischen Sache diente.

So etablierte man eine deutsche Gedenkkultur, die die Übergriffigkeiten der Wokeness mit der deutschen Geschichte verband.

Man gedachte des deutschen Wahns von einst und akademisierte hinzu, dass zum Beispiel Weiße per se eine rassistische Attitüde an den Tag legten oder Männer grundsätzlich Unterdrücker des weiblichen Geschlechts seien. Heterosexuelle wiederum würden jede andere Form sexueller Orientierung kleinhalten und ausgrenzen.

Diese Einschätzungen verstanden sich offiziell als Emanzipation, als Schritt zur Gleichberechtigung: Sind aber im Grunde nichts anderes als Diffamierung, Ausgrenzung, Generalisierung und Stereotypisierung.

Sie sind Vorurteile, die sich verselbständigt haben und die das Denken derer, die vorgeben, die Welt zu einem besseren, gleichberechtigteren Ort formen zu wollen, eindimensional und uniform prägen. Mit einiger Berechtigung könnte man sagen, dass sie nicht das Produkt eines antifaschistischen Denkens sind, sondern ganz im Gegenteil, nämlich Ausdruck jener Qualitäten, die man benötigte, um einen Faschismus überhaupt etablieren zu können: Vereinfachung und Reduzierung.

Die Widerstandsmaulhelden von heute

Letztlich erleben wir also seit geraumer Zeit schon, wie ein „faschistischer Antifaschismus“ versucht, die Deutungshoheit zu erlangen. Dass er dabei auf Menschen bauen kann, die freudig diesen Weg mitbeschreiten wollen, lässt sich in den letzten Monaten — und ganz speziell in den letzten Wochen — recht gut erkennen.

Und dass die, die meinen, das Gute zu verteidigen, auch vor Mitteln nicht zurückschrecken, die wir in der jahrzehntealten Gedenkkultur dieses Landes noch als verwerflich, ja als gefährlich auswiesen, mussten wir erschrocken und besorgt zugleich zur Kenntnis nehmen. Denn Diskriminierung wird offen als jetzt dringend angebrachte Methode vorgestellt. Als vereinbar mit dem Grundgesetz gar. Menschen vom sozialen Leben auszugrenzen, sei demnach völlig legitim.

Es sind die selben Politiker, die dergleichen Verachtung laut darlegen, die man sonst schon bei Feierlichkeiten zum Gedenken an die Verbrechen von einst sah und die dort voll von andächtiger Beseelung klarmachten: Nie wieder! Sowas dürfe einfach nie wieder passieren. Nicht mit uns!

Beklatscht wird diese Entwicklung der letzten Wochen gerade von Teilen eines Publikums, das sonst nicht müde ist zu betonen, dass es nicht so dumm wie Großmuttern gewesen wäre. Es wäre nicht mitmarschiert, hätte Paroli geboten, denn man hätte doch sehen können, wohin es ab 1933 ging. Sie sprechen freilich aus der Warte der späteren Generationen, die sich einen vollumfänglichen Blick auf jene Jahre erlauben konnten, weil die Tatsachen bereits geschaffen und nicht etwa in der Schwebe waren. Nichtsdestotrotz wähnen sie sich als Widerstandshelden, denen die Gnade der späten Geburt die Ehre verwehrt hat, in den Untergrund zu gehen, um gegen den braunen Geist zu konspirieren.

Diese Widerstandsmaulhelden sprechen nun jenen Hardlinern der Corona-Politik Mut zu, die offen über Ausgrenzung verhandeln, Grundrechte weiterhin aussetzen und Demonstrationen aus politischen Gründen verbieten. Sie scheinen nicht mehr zu spüren, dass sie einen demokratischen Geist zu verteidigen trachten, der ihnen längst abhandengekommen ist.

Verloren in den Wirren der Wokeness, nicht wiedergefunden in der pandemischen Hysterie und wohl verloren für die Zukunft. Vor der Rückkehr eines Faschismus in der Maske der Demokraten: Davor hatte sich bekanntlich schon Theodor Adorno gefürchtet.

Dass diese Maske der Demokraten hellblauer OP-Schutz oder weißer Staubschutz sein würden, ahnte der Frankfurter Soziologe freilich noch nicht.

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