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Die Volks-Verdummung

Die Volks-Verdummung

Die Bundeszentrale für Politische Bildung möchte Jugendlichen das eigenständige Denken abtrainieren.

„Verschwörung gab es nie
Fort mit allen Theorien!
Ein Hoch auf unseren Staat
der manche Tiefen hat“

Diese Verse aus dem satirischen Song „Wir schwören ab“ von Rubikon-Autor Florian Kirner aka. Prinz Chaos II. scheinen das erklärte Mantra des neuen BPB-Formats Wahre Welle TV zu sein. Mit diesem vermeintlich lustigen Format, welches sich jedoch auf den ersten und letzten Blick als plumper, infantiler Klamauk entpuppt, versucht man Jugendlichen und Heranwachsenden den rechten Weg zu weisen beziehungsweise die verlorenen Söhne zurückzuholen, die sich in das Reich der sogenannten „Verschwörungstheoretiker“ verirrt haben.

Man möchte die Deutungshoheit zurückgewinnen und die neue Generation nicht den alternativen Medien überlassen. Wenigstens ist der zuständige Referent im Fachbereich Extremismus der Bundeszentrale, Cornelius Strobel, dabei ganz ehrlich. So lesen wir in einem Artikel der Westfälischen Zeitung:

„Für uns funktionieren die Entertainment-Elemente wie ein Angelhaken […] Wir sind uns bewusst, dass wir eingefleischte Verschwörungstheoretiker nicht erreichen können.“

Das ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Jugendliche werden also als dumme, unmündige Fische bezeichnet, die „per Netz“ geangelt werden müssen. Aber vom richtigen Angler, versteht sich. Weiterhin beißen die Jugend-Fische nur an, wenn man ihnen zuckerhaltige Entertainment-Köder hinwirft, weil etwas schwerere Kost ihnen nicht bekommen würde. Alle mündigen Fische, die in eine andere Richtung schwimmen, wenn nicht sogar – oh Schreck – gegen den Strom, werden als „eingefleischte Verschwörungstheoretiker“ verleumdet.

Wie ernst man Jugendliche nimmt, offenbart sich dann auf dem Internetauftritt von Wahre Welle TV. Decodiert man die Kommunikation in ihre Grundstrukturen, also Absender, Nachricht und Empfänger, schält sich ein Bild dessen hervor, was Jugendliche in den Augen der Macher sind. So infantil, wie die Nachricht gestaltet ist, muss man denken, Jugendliche würden nur noch auf völlig überzogene Satire, Klamauk und bunte, skurrile Bilder anspringen.

Was spült die Wahre Welle ans Land?

Mit der Methodik der Mentalvergiftung werden unliebsame Themen mit entweder skandalbehafteten Inhalten oder mit Unfug in einen Zusammenhang gestellt, sodass das relevante Thema gar mehr berührt wird. Vergleichbar mit einer guten Suppe, die niemand mehr isst, nachdem reingespuckt wurde. Genauso verfährt die Wahre Welle. Gleich an oberster Stelle erscheint ein Artikel zu „9/11“, direkt gefolgt von Chemtrails, Reptiloiden, Reichsbürgern, Mondlandung und Flacherde.

Wunderbar! Ein Thema – 9/11 – welches eine Neuaufarbeitung dringend nötig hätte, da es mit zahlreichen Ungereimtheiten und Absurditäten behaftet ist und einen Rattenschwanz, bestehend aus Millionen Kriegstoten, mit sich gezogen hat, wird in einen Topf mit heillosem Unfug wie der „Flacherde“ geworfen und zu einem heißen Eisen erhitzt, welches sich keiner mehr anzufassen getraut.

Ich möchte in diesem Artikel nicht auf der gesamten Wahren Welle surfen und werde offensichtlichen Unfug wie die „Reptiloiden“ einfach übergehen. Stattdessen möchte ich insbesondere auf eine Thematik eingehen, die durch die Wahre Welle mentalverseucht wird: 9/11.

Der erste Absatz des Artikels „Warum Verschwörungstheorien nicht tot zu kriegen [sic!] sind“ häuft jeglichen Unfug auf, der zu finden war:

„Wären alle Verschwörungstheorien wahr, dann wäre die Welt ein ziemlich anstrengender Ort: Das Weltfinanzjudentum, die Nazis (aus der Hohlerde, deren Eingang sich in der Antarktis befindet), die Illuminaten und Reptiloiden aus der vierten Dimension streiten im Hintergrund um die Weltherrschaft. "Normale" Menschen sind in diesem Spiel nur Marionetten - und müssen sich zudem mit Problemen durch Aliens, Elektrosmog und Chemtrails herumschlagen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Elvis und John Lennon leben noch - Adolf Hitler leider auch.“

Hier lässt man kein noch so hanebüchenes Klischee aus. Dann aber ändert sich der Ton. Nach den genannten Absurditäten wird es plötzlich ernst:

„Eine wichtige Rolle bei den meisten Verschwörungstheorien spielt der Zweifel. Ein gutes Beispiel dafür ist der Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001: Laut der offiziellen Version sollen die brennenden Flugzeuge (…)“

Huch!
Laut der offiziellen Version sind brennende (!) Flugzeuge in das WTC geflogen? Klingt für die offizielle Version sehr apokalyptisch. Habe ich das Update der Bush-Version verschlafen? Egal! Weiter im Text:

„… die in die beiden Wolkenkratzer gelenkt wurden, die Gebäude zum Einsturz gebracht haben. Verschwörungstheoretikerinnen und Verschwörungstheoretiker wenden hier ein: Aber Flugzeugbenzin brennt bei einer Temperatur von 800°C, Stahlträger, wie sie beim Bau der Türme verwendet wurden, schmelzen jedoch erst bei 1500°C. Seltsam.“

Später im Artikel beschreibt die Wahre Welle, dass die Zweifler an der offiziellen 9/11-Version „Zweifel-Rosinenpickerei“ betreiben. Interessant! Zu hinterfragen, dass eine Handvoll Gauner mit Teppichmessern das beste Luftabwehrsystem der Welt mal mir nichts, dir nichts überlisten konnte, dass zwei Flugzeuge drei Türme zum Einsturz bringen und im Anschluss für die Aufklärung dieses doch so gewichtigen Anschlages nur ein Zehntel des Budgets zur Verfügung gestellt wurde, welches man für die Aufklärung eines Blowjobs im Weißen Haus aufwendete, ist alles nur „Zweifel-Rosinenpickerei“.

Auf der Seite der Wahren Welle widmet sich ein ganz eigener Artikel dem Thema 9/11. Hier werden in vergleichbarer Manier Skeptiker als „Truther“ und „Verschwörungstheoretiker“ verleumdet. Interessant ist folgender Abschnitt:

„Viele "Truther" glauben, dass Mitglieder der US-Regierung die Anschläge bewusst geschehen ließen. Andere gehen sogar noch weiter und behaupten, ein kleiner Personenkreis innerhalb der US-Führung habe die Anschläge selbst geplant und mithilfe Dritter durchgeführt. Warum? Um einen Vorwand zu schaffen, in Afghanistan und im Irak einzumarschieren. Und warum das? Wegen des Öls. In der Tat wird die US-Invasion des Iraks heute von vielen als Fehler betrachtet. Der Vorwand, Diktator Saddam Hussein entwickle Massenvernichtungswaffen hat sich mittlerweile als Fehlinformation der US-Geheimdienste entpuppt.“

Soso! Bei den Massenvernichtungswaffen handelte es sich also um – ja, um was genau? – um Fehlinformationen der US-Geheimdienste. Fehlinformationen! Ein ziemlich harmloses Wort, oder? Wenn es der eigenen Seite geschieht, dann sind es Fehlinformationen. Wären hier andere Begriffe nicht passender? Lüge? Fake News? Oder gar … Verschwörungstheorie?

Der fast schon entschuldigende Ton des Wortes „Fehlinformationen“ unterschlägt geradezu, welche Folgen diese falschen Tatsachenbehauptungen hatten.

Dass es ein UN-Gewaltverbot gibt, war dem Autor dieses Artikels wohl auch keine Zeile wert. Dass der 9/11-Artikel äußerst knapp und frei von Quellenangaben ist, stört die Autoren genauso wenig, während sie angeblichen Verschwörungstheoretikern vorwerfen, einfache Antworten auf komplizierte Fragen zu liefern.

Medienrevolution

Eigentlich macht es keinen großen Sinn, der Wahren Welle Beachtung zu schenken. Dadurch, dass sie bereits jedes Aluhut-Klischee bedient hat, hat sie ihre gesamte Munition verballert und plätschert nun mit der Intensität einer sanften Baggersee-Woge an die Küste der heranwachsenden Jugend, die sie eigentlich überschwemmen sollte. Diese Kampagne argumentativ noch zu zerfetzen, grenzt eigentlich an Leichenschändung.

Auf Facebook kündigten sie bereits an – vermutlich mangelt es an Personal, um kritische Kommentatoren in die Schranken zu weisen –, die Seite Anfang August zu löschen.

Dennoch ist es wichtig, auch post mortem jene Versuche, die öffentliche Meinung wieder in die Bahnen des herrschenden Narratives zu lenken, klar zu beleuchten.

Weil soziale Netzwerke ein maßgeblicher Verstärker für Verschwörungstheorien seien, habe man sich bei der Bundeszentrale für Politische Bildung dazu entschlossen, man müsse in jenen sozialen Medien ein attraktives Angebot entgegensetzen, erklärt Cornelis Strobel.

Dies ist nun qualitativ wie quantitativ grandios gescheitert! Die vermeintlich aufklärerischen Texte der Wahren Welle sind enorm unkompliziert, einseitig und beleglos. Die Kürze der Texte widerspricht dem Vorhaben, ein Korrektiv für vereinfachende Antworten auf komplexe Fragestellungen zu liefern.

So besteht der Text über 9/11 gerade mal aus acht Abschnitten mit insgesamt 764 Wörtern, während die Gesprächsrunde bei KenFM zu 9/11 – ein Format, auf das es die Wahre Welle mit Sicherheit abgesehen hat – mit Dr. Daniele Ganser, Mathias Bröckers, Paul Schreyer und Elias Davidsson 144 Minuten dauert und in welcher das Thema sachlich, objektiv und reflektiert behandelt wird. Grundsätzlich gehen die mit kritischen Fragen durchsetzten Interviews bei KenFM, bei denen Gäste jeder Couleur eingeladen werden, im Schnitt 90-120 Minuten, die Gesprächsrunde „Positionen“ meist knappe drei Stunden. Will man so einem Format Unterkomplexität und Vereinfachung vorwerfen?

Welche Medienkompetenz die Wahre Welle den Jugendlichen vermitteln möchte, ist durch und durch schleierhaft! Auf der Facebook-Seite finden sich lediglich Memes, die auf Texte der Wahren Welle verlinken, welche wiederum, wie oben beschrieben, keiner langen Aufmerksamkeitsspanne bedürfen. Da bedarf es schon deutlich mehr Konzentration, Hintergrundwissen und Neugier, eine Analyse der NachDenkSeiten zu studieren. Und ich denke, dass alle Eltern mit Herz und Verstand wesentlich stolzer auf ihre/n Tochter / Sohn wären, würde sie oder er sich auf unabhängigen Medien über Themen wie Sozialabbau, Neoliberalismus, Militarisierung, Kriegslügen und Tiefenindoktrination informieren, anstatt sich seichte, auf BRAVO-Niveau verfasste Texte reinzuziehen.

Zum Kopfschütteln regt auch der YouTube-Kanal der Wahren Welle an. Mit gerade einmal sieben Videos, die allesamt am gleichen Tag veröffentlicht wurden, tritt noch deutlicher zutage, dass die Wahre Welle nach einmaligen Rauspusten ihrer Deutungshoheits-Kampagne nun nichts mehr auf Lager hat. Die Videos sind Persiflagen von TV-Formaten wie Berlin Tag und Nacht („Bielefeld Tag und Nacht“), Frontal 21 („Frontal 23“) oder Schwiegersohn gesucht („Such den Sündenbock“), die man früher (!) zumeist aus Privatsendern kannte.

Hier zeigt sich deutlich die Realitätsferne der Produzenten. Zwar wurden die Videos rein technisch sehr aufwändig produziert und sehen nicht ansatzweise so billig und trashig aus wie die Ergüsse des selbsternannten und von Milliardär George Soros finanzierten Aufklärers Correctiv – doch haben die Macher auch hier die Zeichen der Zeit nicht erkannt.

Die Jugend von heute guckt kein RTL und ZDF mehr! Entsprechend kommen auch die Persiflagen dieser Formate nicht an, weil die „Originale“ schon altbacken sind. Die Macher der Wahren Welle denken scheinbar noch, dass die Jugend bis vor Kurzem brav vor ihren Flimmerkästen saß und nun in die bösen Abgründe des Internet abgetaucht ist.

„Das Internet ist für uns alle Neuland?“ Nein! Es ist nur für die Neuland, die noch am Strand stehen und hoffen, die Neuankömmlinge an der Küste abfangen zu können, während selbige schon längst das Neulandesinnere erkunden.

Auf der inhaltlichen Ebene braucht man also nicht mehr lange erläutern, wer nun ein besseres Verständnis davon hat, wie die Welt, in der wir leben, funktioniert – diejenigen, die drei bis vier der inhaltlich plumpen Doku-Soap-Persiflagen produzieren, oder diejenigen, die sich beispielsweise einen tiefgründigen Beitrag von Prof. Rainer Mausfeld zu Gemüte führen. Dass bei jedem Video der Wahren Welle die Anzahl der Dislikes jene der Likes übersteigt, spricht eine deutliche Sprache bezüglich der Perzeption des Formates bei den Nutzern.

Kritikfähigkeit des Formats

Bevor wir die Wahre Welle nun auf der quantitativen Eben betrachten, sei noch angemerkt, wie es die Wahre Welle mit Kritik und Widerspruch hält. Denn mit Kritikfähigkeit, welche essentieller Bestandteil der Mündigkeit ist und somit doch nur im Interesse der Bundeszentrale für politische Bildung sein kann, ist diese Produktion mitnichten gesegnet. Wäre Kritik Weihwasser, würde in der Wahren Welle keines mitschwimmen, da sie es fürchtet wie der Teufel:

Unter ausnahmslos jedem Video ist die Kommentarfunktion gesperrt.

Eine offene Diskussion ist hier offenbar unerwünscht. Der Tenor scheint wie folgt zu lauten: Die offizielle Version von 9/11 ist die reine Wahrheit! Basta! Jeder, der widerspricht, ist ein Spinner!

Ein sehr interessantes Demokratie- und Meinungsfreiheitsverständnis! Auch hier scheint die Wahre Welle im TV-Zeitalter hängengeblieben zu sein, denn die Kommunikation ist nur auf eine Richtung ausgelegt. Im Fachjargon nennt sich das das „One-to-many“-Kommunikation; das Gegenteil ist ein „one-to-many-and-many-to-one“-Konzept, also ein gegenseitiger Austausch – so wie ihn fast alle alternativen Medien praktizieren. Dass die ach so aufklärerische Wahre Welle hier bewusst auf eingleisigen Schienen fährt, macht sie umso unglaubwürdiger.

Zahlen, bitte!

Aber kommen wir endlich zur quantitativen Ebene. Man wolle den alternativen Medien etwas entgegensetzen, so Cornelius. Dann werfen wir doch mal einen Blick auf die Zahlen, um einen Eindruck von der Resonanz dieses Vorhabens zu erhalten.

Auf Facebook hat die WW ca. 4.000 Likes. Setzen wir das mal ins Verhältnis zum Rubikon. Der hat – und das ohne öffentliche Fördermittel – ca. 28.000 Likes. Da hilft es auch nichts, dass die Wahre Welle auf ihrer Facebook-Präsenz behauptet, „sehr viele Menschen (…) erreichen zu können“.

Übrigens: Im selben Post brüstet sich die Wahre Welle damit, eine kontroverse Diskussion angeregt zu haben; denn „konstruktive Diskussion gehört zu den Grundpfeilern der Demokratie“, Zitat Ende.

Dass die YouTube-Kommentare gleichzeitig durchgehend deaktiviert sind, ist entlarvend.

Apropos YouTube: Hier tritt noch dramatischer zutage, wie das Projekt bei den Nutzern ankommt. Die WW hat auf ihrem Kanal – auf dem höchstwahrscheinlich kein Video mehr erscheinen wird – 70.000 Klicks; man erinnere sich an das Like-Dislike-Verhältnis. Der Rubikon wurde mit knapp 140.000 Klicks, Zahl stetig steigend, doppelt so oft gesehen.

Setzt man die Klickzahlen der WW prozentual ins Verhältnis zu anderen alternativen Medien, wird ganz klar deutlich, wie gering ihre Reichweite tatsächlich ist: NuoVisoTV hat knapp 36 Millionen Klicks (WW hält davon 0,19 Prozent); KenFM generierte bis dato – unter massivem Gegenwind aus Medien und Politik – 67 Millionen Klicks (WW hält davon 0,1 Prozent).

Von einer großflächig angelegten Kampagne, die „sehr viele Menschen“ erreicht hat, kann also – vor allem im Vergleich – keine Rede sein.

Fazit:

„Schiebt ma keine Welle!“ würde man nun im Berliner Rap-Jargon sagen. Das Projekt wirkt wie der verzweifelte Versuch des bornierten Onkel Vernon im ersten Band von Harry Potter, ebenjenem weiszumachen, es gäbe keine Magie, kurz bevor abertausende Eulenbriefe das Haus im Ligusterweg Nummer 4 fluten.

Die Cyberbüchse der Pandora ist geöffnet und sie wird sich nicht durch den dilettantischen Versuch, die Jugend mit billigen Klamauk zu locken, wieder schließen lassen. Die zahlreichen Artikeleinsendungen junger, kritischer Denker, die bei der Rubikon-Jugendredaktion ein Sprachrohr erhalten wollen, bestätigen dies.

Die Verlierer dieser Medienrevolution begehen noch immer den gleichen Fehler, der Printzeitung und Farbfernseher prägt: Sie betrachten ihre (jungen) Rezipienten als unmündige Fische, die man an der Hand bzw. Flosse nehmen müsse, um ihnen den rechten Weg in den sicheren Strom, den Mainstream, zu zeigen. Sie, die Medienmacher, verstehen sich als Angler, als Herrscher über ihre Leser und das ist genau das, was sie von alternativen Medien unterscheidet.

Die alternativen Medien stehen nicht über ihren Rezipienten, sie agieren auf Augenhöhe mit ihnen. Alternativen Medien sind keine Angler im Informationsmeer, die ihre Fische fangen wollen, sondern Stimmen der Gesellschaft, die Wissen anbieten, mit den Rezipienten diskutieren, diese selbst zu Wort kommen lassen und sie sogar auffordern, ihre Inhalte nicht kritiklos zu übernehmen, sondern sich unter Einbezug anderer Sichtweisen letztlich eine eigene zu bilden. Können Sie sich erinnern, dass Claus Kleber sie mal darum gebeten hat, das, was er und Gundula Gause in den letzten dreißig Minuten von sich gegeben haben, zu hinterfragen, ehe er auf die Wettervorhersage hinweist? Wohl kaum!

Am Ende wird die Wahre Welle uns wohl als eine der dreistesten, nicht aber als eine der härtesten „Medialen Kugeln“ in Erinnerung bleiben. Die Wahre Welle ist nicht „die perfekte Welle“, auch nicht „die neue deutsche Welle“, sondern eine ausgeleierte Dauerwelle an Kleingeistigkeit, Obrigkeitshörigkeit und systemkonformem Intellekt.

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat hier eine beleidigend dreiste Kampagne zur Wahrung der Deutungshoheit, zur Diffamierung von Freigeistern und der Eingrenzung des Sagbaren in Auftrag gegeben. Aber, und das ist das Schöne daran:

Die Menschen lassen sich eben nicht gerne für dumm verkaufen!


Nicolas Riedl, geboren 1993 in München, durchlief faste jede Schulform des deutschen Schulsystems und absolvierte neben einer kaufmännischen Ausbildung jeden Schulabschluss vom Quali bis zum Abitur. Schon in Kindheitsjahren entdeckte er seine Leidenschaft für das Schreiben, eine journalistische Laufbahn verfolgte er jedoch nicht konsequent und versuchte stattdessen vergeblich, in der Filmbranche Fuß zu fassen. Ferner wurde er 2014 im Zuge der Ukrainekrise von der Politisierungswelle erfasst und verlor zunehmend sein berufliches Interesse in der Medienbranche. Nichtsdestotrotz veröffentliche er 2016 seinen ersten Film in Spielfilmlänge auf YouTube, drehte seither zahlreiche Musikvideos und studiert seit Oktober 2017 Politikwissenschaften mit Theater- und Medienwissenschaften in Erlangen.


Aaron Richter (Co-Autor), Jahrgang 1998, ist Student und Freigeist. Er war nie Schülersprecher und mied auch die Schülerzeitung akribischst, um nicht über zufälligen Unfug berichten zu müssen. Er ist ein neugieriger Zeitgenosse, der sich ungern einschränken lässt und mitunter auch jugendlich-persiflierend daherkommt. Trotzdem hat er noch einiges zu lernen, denn das, was vor ihm liegt, ist nichts geringeres als ein Leben in einem Zeitalter existenzieller Brisanz.

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