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Die Terror-Profiteure

Die Terror-Profiteure

Durch die kontinuierliche Verbreitung von Angst-Propaganda wurde die Sicherheitsindustrie zu einem der profitabelsten Wirtschaftsbereiche der Welt.

Die Sicherheitsindustrie existierte vor 1990 kaum. Zwar werden seit Jahrhunderten Zäune und Türschlösser hergestellt, um Wohnungen, Häuser und Unternehmen gegen Diebstahl zu schützen. Die Produzenten bildeten aber nur eine bescheidene Klasse innerhalb der Gesellschaft.

Das hat sich in der Folge von 9/11 drastisch geändert: Die Sicherheitsindustrie erhielt kurz nach diesem Ereignis gewaltigen Aufschwung und entwickelte sich inzwischen zu einem der profitabelsten Industriezweige.

Der Hauptzweck zur Errichtung und Pflege des Feindbildes „islamistischer Terrorismus” ist die Erzeugung von Angst. Um diese Angst zu verringern, erkaufen sich Menschen vermeintliche Sicherheit, sei es in Form von Versicherungen, Sicherheitsanlagen, Waffen oder Sicherheitssoftware. Sie sind auch bereit, behördliche Maßnahmen zu finanzieren, zum Beispiel zur Stärkung der Polizei. In der kapitalistischen Gesellschaft kann Angst leicht in Profit umgemünzt werden. Diese Kausalität hat die Industrie längst erkannt und fast alle großen Konzerne nutzen sie als Mittel zur Steigerung ihres Gewinns.

Laut einer detaillierten Marktanalyse für den Zeitraum von 2017 bis 2022, die rund 2.000 Seiten umfasst, soll der globale Sicherheitsmarkt jährlich um 5,7 Prozent wachsen (1). Für dieses Wachstum werden folgende Einflussfaktoren angeführt:

  • Der Terrorismus in Europa und die Migrationskrise,
  • Die Turbulenzen in der arabischen Welt, die Konflikte im Irak, in Syrien und im Jemen, sowie der sunni-schi‘itische Konflikt,
  • Präsident Donald Trumps Versprechen, hart gegen den islamistischen Terrorismus vorzugehen und in Sicherheitseinrichtungen und Anti-Terror-Maßnahmen zu investieren,
  • Die Zunahme von Naturkatastrophen als Folge des Klimawandels,
  • Organisiertes Verbrechen,
  • Der unersättliche Investitionsdrang seitens undemokratischer Regierungen wie China und Saudi-Arabien, um ihre Macht zu erhalten
  • Computerverbrechen und Gefahren bezüglich der Computersicherheit.

Es muss hier ergänzt werden, dass nicht die Realität dieser Umstände das Wachstum der Industrie beeinflusst, sondern die allgemeine Wahrnehmung dieser Umstände. Diese Wahrnehmung kann und wird künstlich erzeugt und gepflegt.

Der Bericht analysiert unter anderem die Wachstumsprognose für 24 Produktbereiche der Sicherheitsindustrie. Darunter befinden sich:

  • Die Handhabung riesiger Datenmengen (Big Data),
  • Software zur Videoanalyse,
  • Computersicherheit (Cybersecurity),
  • Informationstechnologie,
  • Biometrik,
  • Notstandskommunikation,
  • Kinetische Hindernisse,
  • Automatische Grenzkontrollen,
  • Elektronische Umzäunung,
  • Das Aufspüren von Eindringlingen,
  • Videoüberwachung,
  • C2/C4ISR Systeme (2),
  • Das Aufspüren chemischer und nuklearer Gefahren,
  • Das Aufspüren von Sprengstoffen, Technologie gegen IED (unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen),
  • Entseuchung von Gefahrgütern,
  • Metallsuchgeräte,
  • Schutzkleidung,
  • Nicht-tödliche Waffen,
  • Die Verhinderung von ansteckenden Krankheiten.

Friedrich Schneider, Tilman Brück und Daniel Meierrieks kamen im Jahr 2011 in ihrer gemeinsamen Studie über die ökonomischen Folgen des Terrorismus und der Terrorbekämpfung zu ähnlichen Ergebnissen wie die angeführte Marktstudie (3). Im Jahr 2011 schätzten sie die Wachstumsrate der Sicherheitsindustrie auf 7 bis 8 Prozent, was die durchschnittlichen Wachstumsraten der Wirtschaft im Westen bei Weitem übertraf. Einige Unterbereiche der Sicherheitsindustrie versprachen sogar höhere Wachstumsraten.

Die drei Verfasser wiesen darauf hin, dass nicht nur der Terrorismus das Wachstum der Sicherheitsindustrie vorantreibt, sondern auch die Wahrnehmung von organisiertem Verbrechen und die individuelle Unsicherheit.

Mit der Terrorabwehr und dem vermeintlichen Sicherheitsbedürfnis vieler Menschen verdient die Sicherheitsindustrie Milliarden, schrieb Stephan Kaufmann in der Frankfurter Rundschau bereits im Jahr 2016. Sein Urteil beruht auf einer Marktstudie der Berenberg Bank und des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts HWWI, die den globalen Umsatz des Marktes für Sicherheitsprodukte für das Jahr 2015 auf 244 Milliarden Dollar mit Wachstumsraten zwischen 5 und 10 Prozent pro Jahr schätzt. Diese hohen Wachstumsraten entstehen dank der „vielfältigen Gefährdungen” oder genauer gesagt dank der induzierten Wahrnehmung dieser Gefährdungen (4).

Die Wagniskapitalfirma LDV Capital schätzte in einer Studie, dass bis zum Jahr 2022 weltweit 45 Milliarden Kameras im Einsatz sein werden. Großbritannien hat bereits schätzungsweise sechs Millionen Überwachungskameras installiert, so dass jeder Bürger im Durchschnitt siebzig Mal am Tag gefilmt wird. Die Analysefirma IHS Markit schätzt, dass in China im öffentlichen und privaten Raum 176 Millionen Überwachungskameras in Betrieb sind, bis 2020 sollen es 450 Millionen sein. Supermärkte erproben Gesichtserkennungssysteme, die aus Gesichtern den emotionalen Zustand der Kunden ableiten (5).

Die Pflege der Terrorangst ist nicht die einzige Methode, um Massen in Angst zu versetzen. Auch die Angst vor staatlicher Überwachung, die Angst vor Hauseinbrüchen und die Angst vor Fremden kann in Profit verwandelt werden. Angst zu schüren ist für Anleger offensichtlich eine Goldgrube. Das Webportal www.sicherheit.info/ bietet einen guten Einblick in das florierende Geschäft mit der Angst.

Zur Sicherheitsindustrie zählen auch Firmen wie Security Cleared Jobs, die für 90.000 Kunden den Hintergrund Stellensuchender überprüft, die für ihre Tätigkeit eine Sicherheitszulassung bis zur NATO-Ebene brauchen. Berufsverbote können durch diese Methode wieder eingeführt werden. Eine andere Privatfirma, Tonbellier Compliance Solutions, bietet Unternehmen an, den Hintergrund ihrer Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner zu überprüfen, zum Beispiel ob diese in Terrorismus verwickelt sind. Die Firma bezieht sich auf verschiedene Sanktionslisten, die von den USA, dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und der Europäischen Union, unterhalten werden.

Auch solche Firmen bauen ihre Geschäftsmodelle auf der Pflege der Angst auf. Über die finanziellen Vorteile der Zusammenarbeit zwischen privaten Firmen und öffentlichen Behörden im Bereich der Terrorismusbekämpfung, veröffentlichten Professor Austen D. Givens und Nathan E. Busch das Buch „The Business of Counterterrorism: Public-Private Partnerships in Homeland Security” (6). Von der Pflege der Terrorfiktion leben inzwischen Abertausende von Akademikern. Auch sie gehören streng genommen zur Sicherheitsindustrie. Man kann sich leicht vorstellen, welche Theorien diese Akademiker produzieren.

In der beschriebenen Kausalität zwischen Angstproduktion und Profit manifestiert sich die Pathologie des Profitanreizes, die darin liegt, ein Wirtschaftssystem zu pflegen, das Menschen gerade zum Betrug ihrer Mitmenschen verführt, ein System das Täuschung und die Ausbeutung der Hilflosigkeit der Mitmenschen zur Tugend erhebt.

„Der wahrhaft effiziente totalitäre Staat wäre der, in dem eine allmächtige Exekutive von Politbossen und ihrem Heer von Managern die Bevölkerung aus Sklaven kontrolliert, die man nicht zwingen muss, weil sie ihr Sklavendasein liebt. Sie dazu zu bringen, es zu lieben, ist in den heutigen totalitären Staaten Aufgabe der Propagandaministerien, Zeitungsredaktionen und von Lehrern.“ — Aldous Huxley, 1946.


Quellen und Anmerkungen:

(1) Global Public Safety & Homeland Security Markets, Industry & Technologies, 2017-2022, Homeland Security Research (Washington, D.C.), Mai 2017 (www.homelandsecurityresearch.com).
(2) C2: Gefechtstände, d.h. die Zentren für die Führung oder Führungsstellen militärischer Verbände im Gefecht. Die frühere Bezeichnung in Deutschland war Stabsquartier. C4ISR ist ein Akronym des Militärs für command and control, communications, computers, intelligence, surveillance, and reconnaissance. Auf Deutsch: Führung und Steuerung, Kommunikation, Computer, Informationsbeschaffung, Überwachung und Aufklärung Der Begriff bezieht sich vor allem auf die Vernetzung aller Führungs-, Informations- und Überwachungssysteme, um ein genaueres Lagebild zu erhalten und so die Entscheidungsfindung und Führungsfähigkeit der Führung zu verbessern.
(3) Friedrich Schneider, Tilman Brück und Daniel Meierrieks, The Economics of Terrorism and Counter-Terrorism: A Survey (Part II), Economics of Security Working Paper 45, April 2011, B621.
(4) Stephan Kaufmann, Milliardengeschäft der Sicherheitsindustrie, Frankfurter Rundschau, 30.6.2016, B642.
(5) Adrian Lobe, Wer überwacht die Überwacher? Süddeutsche Zeitung, 21.9.2017, B641.
(6) Austen D. Givens und Nathan E. Busch, The Business of Counterterrorism: Public-Private Partnerships in Homeland Security (Terrorism Studies) (2014).

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