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Die Stunde der Entscheidung

Die Stunde der Entscheidung

„Wir können nicht beides retten: das Ökosystem und unser dysfunktionales Wirtschaftssystem — von einem von beiden müssen wir uns verabschieden“, kommentiert Dirk Pohlmann im Interview zum ersten Rubikon-Buch.

Roland Rottenfußer: In diesen Tagen kommt das Buch „Die Ökokatastrophe“ heraus. Sie sind mit Jens Wernicke Herausgeber. Welches ist die wichtigste Botschaft, die Sie mit diesem Buch aussenden wollen?

Dirk Pohlmann: Es geht nicht allein um meine Botschaft. Das Buch hat mehr als 20 Autoren, darunter sehr bekannte wie Noam Chomsky, Karin Leukefeld, Charles Eisenstein, Chris Hedges und Rainer Mausfeld. Alle Autoren beleuchten das wohl brisanteste Thema dieser Zeit von verschiedenen Seiten: die fortschreitende Zerstörung unserer Lebensgrundlage. Es geht um mehrere Fragen: Warum passiert so gut wie nichts, obwohl die Probleme seit Jahrzehnten bekannt sind? Ich denke, wir müssen grundlegende Mechanismen des marktradikalen Wirtschaftssystems und der damit verbundenen Herrschaftsformen verstehen, um handeln zu können.

Die wichtigste Botschaft des Buches lautet: Ohne einen Systemwechsel werden wir die Ökokatastrophe nicht in den Griff bekommen. Ganz einfach ausgedrückt: An oberster Stelle der Wertehierarchie muss stehen, ob Entscheidungen und Regeln die Lebensgrundlagen schützen. Jede neue Entscheidung muss auf „Enkelkompatibilität“ untersucht werden. Der Preis darf nicht mehr die oberste Entscheidungsgrundlage sein. Das Wirtschaftssystem muss sich an den Planeten anpassen, nicht umgekehrt. Leider sind wir davon weiter entfernt, als in den 1970er Jahren, als die Wissenschaft die Klimaerwärmung und ihre Folgen verstanden hatte.

Ihre Ansichten zum Klimawandel sind nicht unumstritten. Klimaskeptiker finden sich nicht nur bei der AfD und in den etablierten Parteien, sondern auch in Ihrer ureigenen „Szene“, also in manchen alternativen Medien. Was erwidern Sie Ihren Kritikern?

Dass ein historisch einmaliger, weil extrem rasanter Klimawandel im Gange ist, der mit dem Verbrennen der fossilen Energieträger seit der Industrialisierung zu tun hat, weiß die Wissenschaft seit 50 Jahren. Solange warnen Wissenschaftler aus aller Welt auch bereits davor. Die Sachlage ist klar, das Wissen darüber wird immer genauer.

Die Warnungen der Wissenschaftler werden aber seit dem Jahrtausendwechsel massiv und organisiert in Zweifel gezogen, je mehr die Wissenschaftler versuchen, gehört zu werden, umso lauter werden die PR-Aktivitäten jener Akteure, die am meisten von den notwendigen Änderungen betroffen sind. Das sind vor allem Konzerne, deren Geschäftsgrundlage fossile Energieträger sind. Dazu gehören natürlich die Mineralölfirmen, auch superreiche Industrielle wie die Koch-Brüder, die hauptsächlich in Öl investiert haben, aber zum Beispiel auch die Düngemittel und Pflanzenschutzmittelindustrie.

Die heutige Landwirtschaft ist erdölbasiert, und das nicht wegen der Traktoren. Die heutigen Kriege und Regime Changes haben auch solche Ursachen, siehe Libyen, Syrien und zukünftig Iran, den Begriff „Pipelinestan“ für den Mittleren Osten gibt es nicht ohne Grund, Venezuela ist das ölreichste Land der Erde. Die Verbindung von ölbasierter Wirtschaft, Rüstungsindustrie und Kriegen ist klar. Mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar sind deshalb nach Angaben von Scientific American in PR-Kampagnen zur Desinformation über den Klimawandel gesteckt worden. Thinktanks und Lobbygruppen wurden finanziert, um Zweifel zu säen und den Eindruck zu erwecken, als ob wissenschaftliche Erkenntnisse unterdrückt würden, als ob die Wissenschaft sich noch streite.

Die PR-Strategie und Textbausteine dazu hat der PR-Berater der Republikaner Frank Luntz im Jahr 2002 in seinem berüchtigten Memo in der Politik und Wirtschaftselite verschickt. An seine Vorgaben halten sich in Deutschland übrigens EIKE und die AfD, die engstens verbandelt sind.

Was geradezu unglaublich ist: Frank Luntz hat 2019 die Seiten gewechselt. Er sagte am 25. Juli 2019 vor einem US-Parlamentsausschuss, er habe damals unrecht gehabt und jetzt seine Ansichten geändert. Er werde sich ab sofort im Kampf gegen den Klimawandel engagieren, wenn das nicht von den US-Demokraten parteipolitisch ausgeschlachtet werde. Wenn es um eine neue Klimapolitik im Konsens gehe, sei er dabei.

Ist es das, was Sie mit ihrem Überkapitel „Verwirrung“ im Buch meinten? Versuchen bestimmte Kreise, die Menschen vorsätzlich zu verwirren?

Natürlich, das war genau die Strategie, die Luntz vorschlug und die umgesetzt wurde: zu behaupten, dass die Sachlage unklar sei, die Wissenschaftler uneins seien und man keinesfalls voreilige Maßnahmen auf unsicherer Grundlage fordern dürfe. Das sei unverantwortlich. Es gehe ja um die Wirtschaftsordnung als Grundlage des Reichtums der USA, die auf dem Spiel stünde. Oder, wie EIKE das behauptet: „Nicht das Klima, die Freiheit ist in Gefahr.“

In der Diskussion wurden deshalb falsche Fakten oder getunte Viertelwahrheiten mit dem Argument der „Meinungsfreiheit“ veröffentlicht, plakativ gesagt, Lügen wurden zu Tatsachen – oft wider besseres Wissen. Es gibt Söldner-Wissenschaftler, die sich als Allzweckwaffe für die Republikaner bereitstellen. Zum Beispiel Fred Singer, ein Atmosphärenphysiker, der Jahren lang öffentlich als Experte abstritt, dass Rauchen etwas mit Krebs zu tun habe, das Ozonloch leugnete, Giftmüll für überbewertet hält und jetzt behauptet, dass der Klimawandel eine Lüge sei.

Es gibt Unternehmen wie ExxonMobil. Der Konzern hat 1982 eigene Forschung betrieben, er hat seine Tankerflotte dazu genutzt, Messwerte auf den Weltmeeren zu erheben. Daten aus den Ozeanen sind in der Klimaforschung extrem wichtig, waren damals aber rar. Exxon hatte sie. Sie haben 1982 auf der Grundlage der damaligen wissenschaftlichen Kenntnisse und mit ihren Messdaten den Anstieg des CO2-Gehaltes der Atmosphäre und den daraus resultierenden Temperaturanstieg exakt vorhergesagt, die Prognosekurve von 1982 für 2019 stimmt exakt. Und als Ergebnis ihrer Erkenntnis haben sie die Daten geheim gehalten und begonnen, Zweifel an der Klimaerwärmung zu säen.

Dieses Verhalten wird jetzt zu einer Gefahr für den Konzern in den USA. Es stehen jetzt mindestens zehn Schadensersatzverfahren in Sachen Klimawandel an. Die Tatsache, dass ExxonMobile über die drohende Klimakatastrophe seit über 40 Jahren Bescheid weiß, aber gezielt desinformiert hat, wird durch extrem hohe Schadenssummen jetzt zum finanziell unkontrollierbaren Risiko. Ein Prozess gegen Exxon hat gerade begonnen. Die Staatsanwaltschaft New York wirft dem Konzern vor, Kunden und Anleger über finanzielle Risiken der Klimakatastrophe getäuscht zu haben. ExxonMobil bietet deshalb jetzt an, in Zukunft massiv in den Klimaschutz zu investieren – aber der Konzern will als Gegenleistung von der Politik Straffreiheit per Gesetz.

Es war und ist ein nüchternes Kalkül. Erst war Leugnen gewinnträchtig, jetzt sind ExxonMobile kalkulierbare Kosten besser als unkalkulierbare.

Die Logik des Kapitalismus besagt, dass man mit allem Geld machen kann. Das gilt wohl auch für CO2-Zertifikate!?

Ja, sicher. Das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem wird versuchen, dem Klimawandel mit marktradikalen Instrumenten zu begegnen und auch dabei Gewinn zu machen. Man sollte sich fragen, ob es eine kluge Idee ist, darauf zu vertrauen, ob ein System, das uns wider besseres Wissen in eine existenzbedrohende Notlage gebracht hat, uns auch wieder daraus herausführen wird.

Ich glaube, es gibt keine Lösung im gegenwärtigen System. Wie gesagt, die Entscheidungsgrundlagen müssen verändert werden, fundamental. Ein Beispiel: Auch wenn Wasserstoff als Energieträger im Autoverkehr teurer ist als Elektroantrieb mit Batterien, sollte er genutzt werden, weil er aus Vernunftgründen die beste Lösung ist. Er ist aus Wasser mit erneuerbaren Energien herstellbar, man kann damit unter anderem Windenergie speichern, er ist im Luftverkehr einsetzbar, für Schiffe und so weiter. Das ist eine Zukunftstechnologie, auf die nicht ohne Grund auch Japan und Südkorea zentral setzen. Aber wer kann das bei uns entscheiden?

Die Abschaffung internationaler und nationaler Organisationen und Strukturen ist in allen westlichen Staaten im Rahmen der marktradikalen Privatisierung vorangetrieben worden, weil der Markt angeblich alles besser regelt. Diese Theorie ist an der Wirklichkeit gescheitert. Sie gehört auf den Müllhaufen der Geschichte. Wir haben das alle vor Augen: Die private Wasserversorgung ist eine Katastrophe und Einladung zur Erpressung, die deutsche Eisenbahn funktioniert mehr schlecht als recht, die Infrastruktur der USA verrostet und zerbröselt, weil zum Neoliberalismus auch Steuersenkungen gehören. In Chile hat der Staat die von ihm finanzierten Wasserwerke, Straßen und Krankenhäuser privatisiert. Dort bezahlt man jetzt mehr für Krankenversicherung, wenn man arm ist. Private Krankenversicherungen sind gut für Yuppies ohne Kinder. Aber Yuppies ohne Kinder sind nicht gut für die Rentenversicherung. Die Agenda 2010 hat keine Jobs geschaffen, von denen man leben kann. Und so weiter und so weiter.

Probleme wie den Klimawandel, die nur international gelöst werden können, werden von den marktradikalen Kräften mit PR-Maßnahmen bearbeitet. Der Marktradikalismus ist nicht in der Lage, sinnvolle Lösungen für das Überleben des Planeten zu schaffen. Er agiert nach dem Motto: nach mir die Sintflut – im Wortsinn. Er schafft kein planetares Bewusstsein und keine Strukturen, die uns überleben lassen könnten. Mit CO2-Zertifikaten oder einer CO2-Steuer werden wieder einmal die Kosten sozialisiert, nachdem die Gewinne privatisiert wurden. Das Problem müsste aber nach dem Verursacherprinzip behandelt werden. Wer am meisten von der Ölnutzung profitiert hat, sollte auch die meisten Kosten tragen.

Was passiert, wenn sich die Marktradikalen mit ihrer Verschleierungstaktik durchsetzen und wenn wir nicht sehr bald radikal umsteuern?

Das kann man sehr deutlich in den Analysen der NATO, der US-Militärs und seiner Thinktanks nachlesen. Ich habe einen Artikel in dem Buch dazu geschrieben, auch, weil man den US-Militärs ja schlecht unterstellen kann, Klimalügen zu verbreiten; weil die Klimaforschung durch den IPCC die knappen Budgets der Streitkräfte sichert, wie EIKE das bei den Wissenschaftlern behauptet.

Die US-Militärs wollen sich auf die Folgen der Klimaerwärmung vorbereiten, weil sie katastrophal sein werden, sie betrachten den „Klimawandel“ als Thema der „Nationalen Sicherheit“. Es geht um die Fluchtbewegungen vor dem Anstieg des Meeresspiegels, Dürre und Hitzezonen, Kriege um Wasser und Nahrungsmittel, Flüchtlingsströme von ungeahnten Ausmaßen. Die derzeitigen Anbauzonen der Nahrungsmittel werden verdorren, die nutzbaren Klimazonen verlagern sich in Richtung der Pole – also im Norden nach Norden, im Süden nach Süden. Dort sind aber keine Anbauflächen. Also werden Nahrungsmittel knapp. Das bedeutet Krieg ums Überleben. Darauf bereiten sich die Militärs vor. Durch ähnliche Kausalitätsketten, durch eine ökologische Krise, versiegende Ernten und die dadurch ausgelösten Kriege ist die Mayakultur innerhalb von 100 Jahren untergegangen. Die Mayas verstanden nicht, warum die Katastrophe kam.

Bei uns wird gelogen, um Zweifel am vorhandenen Wissen zu schüren.

Der Untertitel Ihres Buches lautet: „Den Planeten zu retten, heißt die herrschenden Eliten zu stürzen“. Ist diese Botschaft nicht zu radikal? Treibt Sie nicht die Sorge um, dass viele gemäßigt denkende Menschen Ihnen darin nicht mehr folgen können?

Die Eliten haben bisher versagt, sie haben uns in die Situation gebracht, in der wir sind. Gibt es eine schlimmere Beurteilung als: Ihr habt unsere Lebensgrundlagen in Gefahr gebracht? Mehr Nachweis der Unfähigkeit ist nicht möglich. Dahinter steckt ja keine Unkenntnis, sondern Unwillen. Ich bin sicher, dass dieses Wirtschaftssystem am Ende ist. Die Frage ist, ob zuerst das Wirtschaftssystem oder die menschliche Zivilisation zusammenbrechen. Wir sollten darüber diskutieren, wie ein Wirtschaftssystem aussieht, das enkelkompatibel ist. Das Wirtschaftssystem darf sich selbst auf keinen Fall der höchste Zweck sein.

Die Wirtschaft soll die Lebensgrundlagen für die Menschen erzeugen, sie hat eine dienende Funktion. Wie kommen wir da wieder hin? Das sollten wir erproben. Man könnte in verschiedenen Bundesländern mit verschiedenen Varianten experimentieren, um zu sehen, was wirklich funktioniert, vom Bedingungslosen Grundeinkommen mit landwirtschaftlichen Kooperativen über Stadtgärten, dezentrale Energieversorgung, Wasserstoff und Elektromobilität, Ausbau des öffentlichen Verkehrs, Holzbauten statt Beton — Zement ist ein Riesen-CO2-Produzent — und so weiter. Von mir aus können auch die Libertären experimentieren, die an den totalen Kapitalismus glauben, die behaupten, wir haben zu wenig Kapitalismus und immer noch zu viel Staat.

Das alles wäre auch ein Thema für die öffentlich-rechtlichen Medien, es entspräche ihrem Auftrag, das anzugehen: die Aufklärung über die Klimaerwärmung, auch Diskussionen über die wissenschaftlichen Grundlagen, über mögliche Maßnahmen zu informieren, Beispiele zu suchen, wer erfolgreich damit umgeht, und welche Vorschläge es gibt. Warum findet das nicht statt? Das ist doch unglaublich.

In den etablierten Medien findet man häufig den Vorschlag, Ökonomie und Ökologie zu versöhnen. Das Stichwort heißt „Grüner Kapitalismus“. Mehre Autoren in Ihrem Buch sind da skeptisch. Warum eigentlich? Wäre das nicht ein plausibler Vorschlag?

Ich habe Ende der 1970er Jahre geglaubt, dass der ökologische Landbau sich durchsetzen wird, weil er lebende Böden produziert, weil er einfach besser ist, für die Menschen und die Natur, das er sich in der Marktwirtschaft durchsetzen würde, weil er besser ist. Damals habe ich geglaubt, dass sich das Bessere in der Marktwirtschaft durchsetzt. Sancta simplicitas.

Aber nicht der Ökolandbau hat den Kapitalismus besiegt, sondern der Kapitalismus den Ökolandbau. Und in der Bio Company, die zum Beispiel hier in Berlin rasant expandiert, versuchen die Kassierer einen Job bei Aldi zu bekommen, weil man dort besser verdient. Die Kunden sind Bildungsbürger mit großen Autos, die Produkte sind grün und die Ausbeutung flächendeckend. Das grüne Modell hat die Gesellschaft nicht wirklich reformiert, wenn man von Individualrechten für LBGT absieht, oder? Bei allen Fragen, die für das Klima relevant sind, ist sehr wenig bis nichts passiert.

Warum muss es eigentlich gegen den Kapitalismus gehen? Wenn man die Umweltbilanz der ehemaligen Ostblockstaaten anschaut — war dort nicht alles noch viel schlimmer?

Ich habe in den 1980er gedacht, dass der Kapitalismus deutlich wandlungsfähiger ist als der Sozialismus. Die Lage in den kommunistischen Staaten war ja unter Umweltgesichtspunkten wirklich übel. Wenn es ein System schafft, so dachten viele, die ökologischen Probleme in den Griff zu bekommen, dann eher der Kapitalismus. Aber jetzt muss ich feststellen, dass die höchstentwickelte Form des Kapitalismus, der marktradikale Neoliberalismus, keine systemischen Lösungen für die Klimaerwärmung produziert, sondern in einen Informationskrieg gegen die Wissenschaft investiert, um noch ein paar Jahre so weitermachen zu können wie bisher.

Das einzige Land, bei dem ich erkennen kann, dass es in der Lage ist, das Problem substanziell anzugehen ist China. China schafft es als einziges Land, seine vereinbarten Klimaziele zu erreichen, ohne großes Getöse, und es wird seine Ziele wohl deutlich übertreffen. Das hat mit der staatlichen Lenkung zu tun. China setzt auf erneuerbare Energien. Man kann sagen, dass China in dieser Hinsicht ein wirklich sozialdemokratischer Staat ist, während die europäischen Sozialdemokraten den Neoliberalismus übernommen haben. Man könnte auch sagen, ein reformierter Sozialismus hat sehr wohl eine Perspektive für die Zukunft, der Neoliberalismus aber nicht.

Was wäre also das Mittel der Wahl — eine veritable Revolution?

Ein neues Wirtschafts- und Gesellschaftssystem ist überlebenswichtig. Wir haben sehr wenig Zeit, das macht das Problem nicht geringer. Ich habe mit Professor Michael Mann, einem der wichtigsten Klimaforscher der Welt, darüber korrespondiert. Er meint, man könne wegen der Dringlichkeit nicht erst einen Systemwechsel propagieren, sondern müsse mit allen Kräften zusammenarbeiten, die bereits vorhanden sind, das Klimaproblem jetzt, sofort anzugehen. Das erinnert mich an die Fundi-Realo-Diskussion bei den Grünen. Tatsächlich haben die Realos das System nicht verbessert, sie sind vom System assimiliert worden.

Ich möchte Deng Xiao Ping zitieren. „Es ist egal, ob eine Katze schwarz oder weiß ist. Hauptsache, sie fängt Mäuse.“ Und noch ein Zitat: „Suche die Wahrheit in den Fakten.“ Bisher hat der Neoliberalismus blühende Landschaften versprochen, aber nur zu einer Nagerplage geführt. Und er versucht, die Fakten zu verschleiern.

Greta Thunberg hat es ganz richtig gesagt: „Unser Haus brennt.“ Unsere Handlungen müssen adäquat zur Bedrohung sein.

Also: Wer das Klima rettet, hat recht. Aber bitte fangen wir endlich damit an, es zu retten.

Legen die Erkenntnisse aus Ihrem Buch nicht eine Ökodiktatur nahe? Muss die Freiheit dem Überleben unseres Ökosystems weichen?

Ich empfehle das Buch von Dirk C. Fleck: „GO! Die Ökodiktatur“. Das ist eine Dystopie wie „1984“, kein Handbuch. Aber wie „1984“ zunehmend zu der Realität geworden ist, vor der George Orwell warnen wollte, wird auch Flecks Buch immer realistischer. Je weniger Zeit wir haben, die Dinge in den Griff zu bekommen, umso radikaler werden die Maßnahmen werden. Unsere Regierungen haben 30 Jahre verplempert. Ich will keine Diktatur. Ich will überleben. Ich will, dass meine Kinder eine Zukunft haben. Zwischen diesen Wünschen sollte, verdammt noch mal, kein Widerspruch entstehen.

Und ich behaupte: Die Öko-Diktatur werden die Neoliberalen einführen, nicht die Ökos. Das die vor den bösen Ökos warnen, ist lächerlich. Welche Macht haben die denn? Wie viele Divisionen gehorchen ihrem Kommando? Welche Finanzinstitutionen dominieren sie?

Revolution? Blutvergießen? Das können die Neoliberalen. Die Neoliberalen werden die Katastrophe, die sie selbst zu verantworten haben, nutzen, um die Macht ein für alle Mal zu zementieren.

Wenn wir sie nicht daran hindern, wird unsere Zukunft dem Film „Elysium“ ähneln.

Warum gehen viele Menschen den Wandel noch immer so schläfrig und halbherzig an? Stellen sie sich auf den Standpunkt „Besser in bekannten Höllen als in unbekannten Himmeln“?

Ja. Ich glaube, wir reagieren auf die Anforderung eines radikalen Wandels mit Angst vor der Veränderung. Es geht letztlich nicht ein bisschen vegan, weniger Fleisch, Elektroautos und CO2-Steuer.

Es geht darum, dass wir einsehen müssen, dass ein Zeitalter vorbei ist und ein neues beginnt, von dem wir noch nicht wissen, wie es aussehen wird. Nur: So geht es nicht weiter. Als klar war, dass die Erde nicht die Sonne umkreist, war das eine fundamentale Änderung des Weltbildes mit weitreichenden Wirkungen. Als klar wurde, dass wir ein Ergebnis der Evolution sind – ebenso. Wir ahnen, dass wir höchstwahrscheinlich nicht die einzige Intelligenz im Universum sind, auch wenn es dafür nüchtern betrachtet keinen Beleg gibt, sondern nur Wahrscheinlichkeiten. Falls sich dabei die Tatsachenlage ändert, wird auch das fundamental sein.

Der Klimawandel ist auch ein weiterer fundamentaler Wandel, im allerhöchsten Maße. Der Mensch ist in der Lage seinen Lebensraum zu zerstören. Seine Herrschaftsformen spielen mit der nuklearen Vernichtung. Seine Wirtschafts- und Herrschaftsorganisationen zerstören den Lebensraum.

Wir müssen vernünftig werden. Das heißt: moderne Lakota. Wir müssen uns als eine Lebensform begreifen, die ihr Habitat schützen muss. Vor dieser massiven Veränderung haben viele Menschen wohl instinktiv Angst. Sie wollen, dass die Dinge so bleiben, wie sie sind. Wenn die Klimakatastrophe eine große Verschwörung ist, dann muss man keine Angst haben. Man muss nur die Feinde auf den Scheiterhaufen zerren, ganz fest die Augen schließen und hoffen, dass die Realität verschwindet.

Aber das wird nicht funktionieren. Und wer sagt eigentlich, dass die Zukunft, die uns bevorsteht, eine Verschlechterung für unser Leben sein muss? Jede Krise ist eine Chance. Wir können und müssen uns Gedanken über eine bessere, vernünftigere Welt machen. Das Nachdenken über Utopien – wörtlich: „Nicht-Orte“, – ist auf einmal überlebensnotwendig und sehr vernünftig.

Diese Diskussion wollen Jens Wernicke und ich mit unserem Buch anschieben. Wir hoffen darauf, dass sich viele Menschen Gedanken machen — neue, verschiedene, eigene — und dann handeln. Zügig, aber nicht überstürzt. Es geht ums Ganze. Wir haben noch etwa 20 Jahre. Es gibt viel zu tun — packen wir‘s an. Weil: Esso hat versagt!

Haben Sie vielen Dank für das Gespräch.


Mit Beiträgen von Noam Chomsky, Rainer Mausfeld, Chris Hedges, Charles Eisenstein, Franz Ruppert, Ullrich Mies, Nafeez Ahmed, Karin Leukefeld, Florian Kirner, Dirk Pohlmann, Sven Böttcher, Steffen Pichler, Jonathan Cook, Susan Bonath, Wolfgang Pomrehn, Stephan Bartunek, Roland Rottenfußer, Peter H. Grassmann, Murtaza Hussain, Klaus Moegling, Caitlin Johnstone, Medea Benjamín, Anselm Lenz, Felix Feistel, Nicolas Riedl, Jens Bernert, Hermann Ploppa und Jens Wernicke.


Stimmen zum Buch:

„Das Thema Umwelt treibt viele um und ist zugleich hochexplosiv. Ich finde es wichtig und richtig, dass sich der Rubikon hier klar positioniert und sagt, dass der Klimawandel eine große Herausforderung darstellt und wir mehr erneuerbare Energien benötigen.“
Dr. Daniele Ganser, Friedensforscher

„Die aktuell größten Bedrohungen für das Überleben der Menschheit stellen die beständig wachsende Gefahr eines großen Krieges sowie die immer gravierendere Zerstörung unserer Lebensgrundlagen dar. Zeit, dass entschlossen gegen die Propaganda in beiden Bereichen vorgegangen und so immens wichtige Aufklärung geleistet wird.“
Prof. Rainer Mausfeld, Kognitionsforscher

„In Zeiten massiver sozialer Kämpfe und medial organisierter Massenverwirrung ist es das besondere Verdienst des Online-Magazins Rubikon, der Umweltdebatte neue Impulse zu geben. Die katastrophalen Langzeit-Trends weltweit kollabierender Ökosysteme zeigen in aller Deutlichkeit, dass ein begrenzter Planet mit hirnrissigen Wachstumsideologien marktradikaler Herrschaftscliquen unvereinbar ist. Rubikon leistet hier wichtige Aufklärungsarbeit.“
Ullrich Mies, Politikwissenschaftler und Publizist

„Menschen traumatisieren ihre Mitwelt, weil ihre Innenwelt traumatisiert ist. Sie stellen das Chaos in ihrem Inneren in ihrer Außenwelt her. Umweltzerstörung ist Ausdruck ihrer Destruktivität als Folge ihrer Traumabiografie. Wer jedoch seinen inneren Frieden findet, muss auch seine Mitwelt nicht mehr zerstören. Frieden findet, wer seinen Schmerz in Mitgefühl für sich selbst und andere verwandelt.“
Prof. Franz Ruppert, Traumaforscher


Stimmen aus dem Buch:

„Die Massenmedien im eigentlichen Sinn haben im Wesentlichen die Funktion, die Leute von Wichtigerem fernzuhalten. Sollen die Leute sich mit etwas anderem beschäftigen, Hauptsache, sie stören uns nicht.“
Prof. Noam Chomsky, Linguist

„Die herrschenden Eliten und die Konzerne, denen sie dienen, sind die Haupthindernisse für Veränderung. Sie können nicht reformiert werden. (…) Wir müssen die Macht übernehmen. Und da die Eliten ihre Macht nicht freiwillig abgeben werden, müssen wir sie uns durch gewaltfreie Aktionen nehmen.“
Chris Hedges, Journalist und Pulitzer-Preisträger

„Unsere Geschichte ist nicht neu. Die eklatanten Lügen und Dummheiten der unfähigen und korrupten Eliten. Die Unfähigkeit, die kostspieligen, endlosen Krieg aufzuhalten und die gigantischen Ausgaben für das Militär zu senken. Die Plünderung einer belagerten Bevölkerung durch die Reichen. Die Zerstörung des Ökosystems. Der Zerfall und die Aufgabe einer einst effizienten Infrastruktur. Der Zusammenbruch der Institutionen, die einen funktionierenden Staat aufrechterhalten, von der Bildung bis zur Diplomatie. Die Welt hat all das schon gesehen. Es ist die altbekannte Krankheit des Endes einer Zivilisation.“
Chris Hedges, Journalist und Pulitzer-Preisträger

„Was sind die Technokraten und Wissenschaftler, die uns erzählen wollen, dass Bildung und westliche Zivilisation uns in rationale Wesen verwandeln können, anderes als Schamanen? Und was sind die Konzern-Titanen, die ein Vermögen mit ihren Waffen, Chemikalien, fossilen Brennstoffen oder umweltzerstörerischer Tierzuchtindustrie machen, anderes als Menschenopfer fordernde Hohepriester?“
Chris Hedges, Journalist und Pulitzer-Preisträger

„Je mehr Greta Thunberg die angstmachenden Emotionen zur Sprache bringt, dass wir als Spezies kurz vor dem Aussterben stehen — wie sie es, erfüllt von zitternder Wut, auf dem UN-„Aktionsgipfel“ zur Klimakrise im September 2019 tat —, desto mehr strengt sich ein Teil der progressiven Linken an, ihrer Rolle als Akteurin des Wandels zu widerstehen.“
Jonathan Cook, Journalist

„Der Beweis, dass man Thunberg nicht trauen kann, scheint der zu sein, dass sie jetzt so viel Aufmerksamkeit erhält. Die Massenmedien gehören Großkonzernen, und wenn sie bereit sind, Thunbergs Beschwerden zu verbreiten, muss das darauf zurückzuführen sein, dass sie ihren, also den Konzern-Absichten dient. Thunberg sei ein Werkzeug der Reichen und Mächtigen, wird es uns gesagt, ob sie es selbst nun versteht oder nicht. Was immer sie uns auch mitteilt, wie scharf sie diejenigen, die uns regieren, auch kritisiert, die Wahrheit sei nun einmal, dass ihren Argumenten nicht zu trauen sei, weil sie diese auf Konzernplattformen zum Ausdruck bringt.“
Jonathan Cook, Journalist

„‚31 Seiten Schocklektüre‘ — so hatte Spiegel Daily eine Studie betitelt, deren Autoren im Auftrag der Firma Shell die Risiken des Klimawandels beschrieben. Das war 1986. Die Studie war verdammt präzise. Nicht nur die kontinuierliche Erwärmung, auch die Zunahme extremer Wetterereignisse und Gefahren für die Bewohnbarkeit weiter Teile des Globus wurden als sehr wahrscheinlich vorhergesagt — ziemlich zutreffend, wie wir heute wissen. Die Studie zeigte auch, dass der einzige verantwortbare Weg aus dieser Bedrohung die Aufgabe der fossilen Brennstoffe war, des Geschäftskerns von Shell. Aber Shell entschied sich dagegen, gegen den Rat seiner eigenen Wissenschaftler, die einen „nach vorne schauenden Ansatz gemeinsam mit den Regierungen“ empfahlen. Die Vorstände erklärten das Dokument als streng geheim und beschlossen eine Politik des organisierten Anzweifelns und Zuwartens.“
Dr. Peter H. Grassmann, Publizist und ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Carl Zeiss

„Hinter schillernden Namen, wie dem American Enterprise Institute, Heartland Institute, Competitive Enterprise Institute, verbergen sich Lobbyorganisation, die mit Desinformationskampagnen insbesondere in den USA das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Klimawissenschaften zu untergraben versuchen. Finanziert werden sie unter anderem von den Brüdern Charles und David Koch, Multimilliardäre, die für ihre Unterstützung der rechten Tea-Party-Bewegung bekannt sind und unter anderem erhebliche Beteiligungen am besonders klimaschädlichen Teersandgeschäft in Kanada haben.“
Wolfgang Pomrehn, Physiker, Autor und Publizist

„Besonders absurd, speziell bezogen auf die Partei der Republikaner, erscheint eine weitere PR-Strategie, die Luntz seinen Kunden vorschlägt. Sie sollten in ihren öffentlichen Äußerungen herausarbeiten, dass es gerade die weniger Betuchten seien, die unter Umwelt-Regulierungsmaßnahme zu leiden hätten. Dass das kalte Herz der vielleicht mächtigsten Unterstützer-Partei der neoliberalen Globalisierung jetzt ausgerechnet für die Armen schlägt, dient dabei einem klaren manipulativen Ziel: Der ‚einfache‘ Amerikaner soll gegen Maßnahmen zum Umweltschutz eingenommen werden, vor allem dort, wo diese höhere Preise zur Folge hätten.“
Roland Rottenfußer, Publizist und stellvertretender Chefredakteur des Online-Magazins Rubikon

„Ihnen war klar, dass sie bewaffnete Wachleute brauchen würden, die ihre Anwesen vor dem wütenden Mob schützten. Aber wie sollten sie diese Wachen bezahlen, wenn Geld wertlos war? Was würde die Wachleute davon abhalten, ihre eigene Anführerin zu wählen? Die Milliardäre überlegten, die Nahrungsvorräte mit speziellen Schlössern zu sichern, deren Zahlenkombination nur sie kannten. Oder die Wachen als Gegenleistung für ihr Überleben mit irgendeiner Art von disziplinierendem Halsband auszustatten. Oder vielleicht Roboter zu bauen, die als Wächterinnen und Arbeiterinnen dienen – falls sich diese Technologie rechtzeitig entwickeln ließe.“
Douglas Rushkoff, Autor und Dokumentarfilmer

„Seit ‚Die Grenzen des Wachstums‘, dem Bericht an die Klimaschutzorganisation Club of Rome aus den Jahren 1971/72, ist fast alles über das Umweltproblem des Menschen auf dem Planeten Erde bekannt. (…) Wir wissen, dass die Menschheit, also wir alle, den einzigen Planeten, den wir haben, durch die marktwirtschaftliche Produktionsweise zerstört und dabei ist, ihn früher oder später für Menschen unbewohnbar zu machen.“
Anselm Lenz, Kulturwissenschaftler und Dramaturg

„Klimaschutz stellt zahlreiche Geschäftsmodelle infrage. Viele Konzerne sehen sich und ihre Gewinne in Gefahr und versuchen seit Jahrzehnten – mit aller Macht, obskuren ‚Instituten‘ und zahllosen Tricks – Zweifel zu sähen und die Transformation aufzuhalten oder zumindest hinauszuschieben.“
Wolfgang Pomrehn, Geophysiker und Journalist

„Die aktuelle Situation ist doch viel ernster. Zwar ist alles Leben auf der Erde schon fünfmal weitgehend ausgestorben, sie hat also zwischen 50 und 80 Prozent ihrer Bewohner verloren – und beileibe nicht immer wegen kosmischer Kiesel, vulgo Asteroiden. Erderwärmung und CO2 waren zuletzt vor 250 Millionen Jahren Ursache für einen 5-Grad-Temperaturanstieg und das weitgehende Ende der Planetenbesiedlung. Doch im Unterschied zu heute wussten unsere Vorfahren nicht, was sie gegen dieses drohende Ende versuchsweise hätten unternehmen können. Wir wissen es. Aber wir machen es nicht. Deshalb ist unser zeitnahes Aussterben nicht nur ein bisschen tragisch, sondern ich empfinde es vor allem als peinlich.“
Sven Böttcher, Schriftsteller und Drehbuchautor

„Jene, die im globalen Süden leben, leiden und sterben bereits jetzt an den Effekten der weltweiten Erwärmung, für die die reichen Industrienationen des globalen Nordens die größte Verantwortung tragen. Die reichsten 0,54 Prozent der Weltbevölkerung, das heißt, 42 Millionen Menschen, sind für mehr Emissionen verantwortlich als die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung, das heißt, 3,8 Milliarden Menschen. Diese Eliten opfern die Ärmsten des Planeten, während sie sich selbst in der sozialen und wirtschaftlichen Hierarchie emporarbeiten, um uns alle auszulöschen.“
Chris Hedges, Journalist und Pulitzer-Preisträger

„Die mathematischen Modelle für die Zukunft des Planeten ergeben drei verheerende Verläufe: das massive Aussterben von etwa 70 Prozent der menschlichen Population und eine darauf folgende unsichere Stabilisierung; das Aussterben des Menschen und der meisten anderen Spezies; eine sofortige und radikale Umgestaltung der menschlichen Gesellschaft, um die Biosphäre zu schützen und sie vielfältiger und produktiver zu machen.“
Chris Hedges, Journalist und Pulitzer-Preisträger

„Sicherlich werden wir, bei all dem Gerede über die gewaltigen, umfassenden Veränderungen, die erforderlich sind, um eine Klimakatastrophe abzuwenden, (…) nicht den schlimmsten Umweltverschmutzer der Welt übersehen, nur weil einige Mitarbeiter von Denkfabriken und ihre plutokratischen Sponsoren der Meinung sind, dass es für die US-zentralisierte Machtallianz wichtig sei, ihre totale globale Hegemonie beizubehalten? Sollten wir also immense, weitreichende Veränderungen vorhaben, dann wäre die völlig unnötige weltumspannende US-Kriegsmaschinerie der naheliegende Ausgangspunkt.“
Caitlin Johnstone, Journalistin und Guerilla-Poetin

„Das so von der Großindustrie gesponserte Heartland-Institut gehört zum Atlas Network, das der britische Unternehmer und Wirtschaftsförderer Anthony Fisher 1981 zum Aufbau und zur internationalen Vernetzung neoliberaler beziehungsweise rechtslibertärer Denkfabriken gegründet hatte. Fisher war Mitglied der Mont Pelerin Society. Der neoliberale Vordenker Friedrich August von Hayek hatte diese Stiftung 1947 in der Schweiz gegründet. Unter Obhut von Atlas, gesponsert von Mont Pelerin, schossen in den 1980ern und 90ern Hunderte neoliberale Denkfabriken in 95 Ländern aus dem Boden und vernetzten sich. Nachdem Ende der 1980er Jahre wissenschaftliche Prognosen zur klimatischen Entwicklung an die Öffentlichkeit geraten waren, widmeten sich die Think Tanks (…) vor allem dem Verhindern von Umwelt- und Klimaschutz im Sinne der Industrie. (…) Auf dem Programm (…) steht seither die Diskreditierung von Wissenschaftlern und Leugnung ihrer Thesen ganz oben. Die Industrie honoriert es fürstlich.“
Susan Bonath, freie Journalistin

„Mit dem Erfolg oder dem Scheitern entscheidender Maßnahmen gegen die Erderwärmung wird innerhalb der nächsten 15 bis 20 Jahre über die Versorgung mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln entschieden. Es wird außerdem darüber entschieden, welche Flüchtlingsströme bisher unbekannter Dimension entstehen und welche Kriege ausgelöst werden. Denn es wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Kriege geben, die durch die globale Erwärmung verursacht werden. Das ist nicht etwa die Einschätzung einiger alarmistischer Angehöriger der Klimareligion oder panischer Greta-Jünger, wie uns professionelle PR-Agenten und Lobbyisten einreden wollen. Es ist die interne Einschätzung der Generalstäbe der größten Militärapparate der Welt (…).“
Dirk Pohlmann, Autor und Publizist

„Den ökonomischen Zentren der Macht geht es daher darum, heute schon die gesellschaftlichen Plätze für die durch eine Klimakatastrophe hervorgerufenen schweren sozialen Verwerfungen zu ihren Gunsten festzuzurren und entsprechend Platzkärtchen für Gewinner und Verlierer zuzuweisen. Diejenigen, die heute schon zu den Verlierern gehören, sollen auch dann — und zwar in verschärfter Weise — wieder zu den Verlierern gehören.“
Prof. Rainer Mausfeld, Kognitionsforscher

„Aus der Skeptiker-Sicht gilt es, den linken, okkultistischen sowie von Soros finanzierten Plan zum Ende der fossilen Brennstoffe zu verhindern. EIKE will mehr Braunkohleförderung und Verbrennung in Kraftwerken, mehr Atomenergie, weniger Solar- und Windenergie. Es geht um die Freiheit und um Fridays for Hubraum.“
Dirk Pohlmann, Autor und Publizist

„Wir stehen also vor der überraschenden Tatsache, dass die US-Republikaner entlang dieser Bruchlinie in zwei Teile zerfallen. Da sind einerseits die Militärs, die „National Security“ als höchsten Wert betrachten und den Klimawandel als große Gefahr ausgemacht haben. Sie nehmen ihn ernst, todernst. Und es gibt andererseits die Wirtschafts- und Öl-Republikaner, die den Kapitalismus als Zentralheiligtum der USA anbeten, der gebenedeit ist unter den Ideologien, in Ewigkeit, Amen.“
Dirk Pohlmann, Autor und Publizist

„Wenn die Klimaveränderung menschengemacht ist, müssen wir dringend etwas ändern. Wenn sie nicht menschengemacht ist, müssen wir erst recht dringend etwas ändern. Die „Mad-made“-Diskussion ist somit überflüssig. Wir müssen so oder so handeln.“
Sven Böttcher, Schriftsteller und Drehbuchautor

„Bedauerlicherweise werden wir derzeit von Phantasielosen und Psychopathen angeführt. Aber es sollte uns doch Hoffnung geben, dass es sich bei diesem ernstlich gestörten Grüppchen nur um höchstens 10 Prozent von uns handelt. Nur diese 10 Prozent stehen zwischen uns und der Zukunft, und das einzige, was wir benötigen, um sie zu vertreiben, ist eine neue Erzählung. Der Rest ergibt sich dann von selbst.“
Sven Böttcher, Schriftsteller und Drehbuchautor

„Unfassbar viel Gehirnaktivität wird aufgewendet — nicht um das Richtige zu tun, sondern um dem dummen Volk das Falsche marketingpsychologisch smart zu verkaufen.“
Roland Rottenfußer, Publizist und stellvertretender Chefredakteur des Online-Magazins Rubikon

„Das Klimaproblem ist untrennbar mit der Frage verbunden, in welcher Art von Gesellschaft und in welcher Wirtschaftsordnung wir nicht nur überleben, sondern auch menschenwürdig leben können. Dabei geht es buchstäblich um alles, nämlich die menschliche Zivilisation.“
Prof. Rainer Mausfeld, Kognitionsforscher

„Dass dieser Schrecken des Klimawandels so gut zu unserer gewohnten Denkweise passt, sollte uns zum Innehalten veranlassen. Es bedeutet nicht, dass der Klimawandel nicht alarmierend ist oder dass der Mensch ihn nicht verursacht hat, aber es deutet darauf hin, dass unsere Herangehensweise an das Problem den psychischen und ideologischen Unterbau des Systems zu stärken vermag, das den Planeten verschlingt. Dies ist besonders wichtig, da sich die Aktivisten nahezu uneingeschränkt darüber einig sind, dass die Bemühungen zur Begrenzung der Kohlenstoffemissionen kläglich gescheitert sind. Dieser Misserfolg ist jedoch nicht darauf zurückzuführen, dass die Bewegung zu radikal ist und ‚enger mit der Wirtschaft zusammenarbeiten‘ oder das Oxymoron des ‚nachhaltigen Wachstums‘ annehmen muss. Es ist eher so, dass sie nicht radikal genug ist — noch nicht bereit, die zentralen, unsichtbaren Narrative infrage zu stellen, die unsere Zivilisation lenken. Im Gegenteil, die Bewegung selbst verkörpert sie.“
Charles Eisenstein, Philosoph und Vordenker für eine ökologische, vom Geld unabhängigere Lebensweise

„Wenn wir dieses Prinzip ignorieren, wird sich das symptomatische Fieber des Klimawandels nur weiter verschlechtern, unabhängig davon, welche makroskopischen Maßnahmen wir ergreifen, um die unmittelbaren Ursachen anzugehen. Diese Maßnahmen werden unwirksam sein oder sogar nach hinten losgehen, wie sie es jetzt schon tun, wenn wir nicht aus einem Narrativ heraus agieren, das jede Art, jeden Menschen, jeden Wald, jeden Fluss für sich wertschätzt und nicht nach ihrem instrumentellen Nutzen bewertet. Lasst uns den Krieg gegen den Klimawandel aufgeben und die Dinge neu bewerten, die von der Mentalität des Krieges ausgeschlossen werden. Paradoxerweise kann dann, und nur dann, das Fieber abklingen und der CO2-Gehalt sinken.“
Charles Eisenstein, Philosoph und Vordenker für eine ökologische, vom Geld unabhängigere Lebensweise

„Es gibt kein Ende der Geschichte, außer nach einem Atomkrieg oder auf einem Planeten, der durch den Klimabruch für Säugetiere und Menschen großflächig nicht mehr bewohnbar ist.“
Dirk Pohlmann, Autor und Publizist

„US-Militärstützpunkte zerstören die Landschaft, belasten den Boden und vergiften das Trinkwasser. Auf dem Kadena-Stützpunkt in Okinawa hat die US-Luftwaffe den dortigen Boden und das Wasser mit gefährlichen Chemikalien, wie Arsen, Blei, polychlorierten Biphenylen, Asbest und Dioxin, verseucht. Darüber hinaus hat die US-Umweltschutzbehörde EPA über 149 aktuelle oder ehemalige Militärstützpunkte als Standorte für den Entschädigungsfond ausgewiesen, da die Umweltverschmutzung des Pentagons den dortigen Boden und das Grundwasser hochgefährlich für menschliches, tierisches und pflanzliches Leben gemacht hat.“
Medea Benjamin, Friedensaktivistin und Publizistin

„Wenn das Pentagon ein Land wäre, stünde es unter den größten Kohlendioxidemittenten der Welt an der 55. Stelle. Und sein Hauptzweck — Kriegsführung — ist mit Sicherheit die kohlenstoffintensivste Aktivität. (…) Die Tatsache, dass der Hauptfaktor des Klimawandels die Emission fossiler Brennstoffe ist, verleiht diesen Kriegen eine weitere düstere Ironie. Seit Jahrzehnten wird der starke militärische Fußabdruck der USA im Nahen Osten durch die Notwendigkeit gerechtfertigt, den Zugang zu den Ölreserven der Region aufrechtzuerhalten.“
Murtaza Hussain, Journalist

„In ein paar Generationen kann eine organisierte menschliche Gesellschaft vielleicht nicht mehr überleben. Das müsste den Menschen ohne Unterlass klargemacht werden.“
Prof. Noam Chomsky, Linguist

„Es darf bezweifelt werden, ob das Militär tatsächlich nur den Schutz der Bevölkerung im Sinn hatte. Eine Studie aus jenen Jahren nimmt kein Blatt vor den Mund. Zweck von Project Cirrus sei es, ‚feindliche Truppen in Schnee und Regen festfahren zu lassen, Flugpisten so kostengünstig wie möglich vom Nebel zu befreien sowie angefachte Stürme mit bakteriellem oder radioaktivem Material zu infizieren.‘“
Hermann Ploppa, Politologe und Publizist

„Die Folgen der von den USA und ihren Verbündeten in mehreren Golfkriegen eingesetzten abgereicherten Uranmunition haben noch heute die Familien im Südirak und westlich von Bagdad, in Falluja zu tragen. Unzählige Kinder werden tot oder mit schweren Missbildungen geboren: mit offenem Rücken, zusammengewachsenen Beinen, außenliegender Blase, einem Auge oder auch gar keinem Auge, offenen Schädeln, um nur einige Beispiele zu nennen.“
Karin Leukefeld, Auslandskorrespondentin

„Doch nicht nur die ursprünglichen Bewohner der von den US-Truppen heimgesuchten Gebiete sind betroffen, auch die US-Soldaten und ihre Verbündeten selber werden krank: Lungenerkrankungen, Leukämie, Krebs, Knochenmarkserkrankungen und vieles mehr. US-Medien berichten regelmäßig, doch niemand zieht die Armee zur Rechenschaft. Die Kriegsveteranen fühlen sich allein gelassen.“
Karin Leukefeld, Auslandskorrespondentin

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