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Die neuen Autoritären

Die neuen Autoritären

Die demokratische Verfassung wird zwischen partnerschaftlich-demokratischen und autoritären Konzepten zerrieben. Teil 1/2.

Dies alles zum Schutz des Lebens, unserer aller Gesundheit, die das Virus, von dem niemand Genaues weiß, bedroht. Es könnte zum Killervirus mutieren, tatsächlich verwandelt es sich weltweit zum Angstvirus mit verheerenden Folgen. Die menschliche Gesellschaft befindet sich im Kampf. Die ergriffenen Maßnahmen zeigen Wirkung — so heißt es von offizieller Seite. Dabei könnte es auch ganz anders sein. Schlussfolgerungen auf dem Niveau des verachteten magischen Denkens.

Die Jahrzehnte psychotherapeutischer Arbeit eröffnen Einblicke der besonderen Art durch die Intimität der Mitteilungen. Die Fenster in alle Bereiche der Gesellschaft tun sich auf. Die Familien einschließlich der Situation allein erziehender Mütter, Betriebe aller Größen vom Handwerk bis zur Luftfahrtindustrie, Schulen und Kindergärten, Krankenhäuser und psychosomatische Kliniken, Behörden und Geschäfte, Kirchengemeinden, Alten- und Kinderheime, Landwirtschaft und Gastronomie. Die Welt der Kinder und Jugendlichen, die Partnerschaften junger Erwachsener, die Besonderheiten von Alleinstehenden und immer wieder Familienkonstellationen, angesiedelt zwischen dem Großbürgertum und den untersten sozialen Schichten.

Die Fülle der Einblicke und Einsichten ist schier unübersehbar. Auffallend ist in allen diesen Bereichen der Gesellschaft das Nebeneinander von Verhaltensweisen, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Hier das Miteinander nach Maßstäben einer partnerschaftlich-demokratischen Konzeption und dort autoritäres Walten und Schalten, als wäre das Kaiserreich direkt unter uns. Dann wieder Menschen, die innerhalb von Sekunden vom einen zum anderen hinüberwechseln. Erst gilt das freundliche, einfühlsame Wort, dann — urplötzlich — fällt das Machtwort, Widerrede verboten. Bei wieder anderen sehen wir den Wechsel erst über Tage, dann heißt es Vorsicht, wo vorher Vertrauen und Fürsorglichkeit galten.

Autoritär oder partnerschaftlich

Da gibt es Betriebe, in denen in der einen Abteilung ein autoritärer Führungsstil herrscht, bei dem Schikanen und Intrigen auf der Tagesordnung stehen, und in der anderen eine entspannt fröhliche Stimmung durch ein kollegiales Miteinander. Dann gibt es Familien, in denen die Kinder liebevoll umsorgt aufwachsen, und solche, in denen die erzieherische Gewalt zum Alltag gehört. Diese lässt sich über mehrere Generationen zurückverfolgen und wird in der einen vom Vater, in der anderen von der Mutter ausgeübt.

So sehr Frauen und Männer das partnerschaftliche Miteinander gleichermaßen ausüben, so sehr auch das autoritäre.

Quer durch alle Gesellschaftsbereiche werden Führungspositionen in Behörden, Schulen, Heimen, Banken und Betrieben von autoritär agierenden Frauen und Männern besetzt, deren Strategien der Entwertung und Unberechenbarkeit völlig identisch sind.

Natürlich gibt es gesellschaftliche Institutionen, in denen das alte Patriarchat nach wie vor innerhalb festgefügter hierarchischer Strukturen Gültigkeit besitzt. Das Krankenhaus ist ein solcher Ort. Da sind die Herrschaftsebenen innerhalb der Berufsgruppe der Ärzte, der Krankenschwestern und Pfleger sowie der sonstigen Hilfskräfte von oben nach unten ebenso geregelt wie die hierarchische Kompetenz und Macht zwischen den genannten Gruppen. Dabei entsteht ein nicht zu durchdringendes Gewirr von Macht- und Intrigenspielen. Beide Geschlechter agieren von Person zu Person, nicht von Frau oder Mann, sowohl stümperhaft wie meisterlich. Vielen wird diese Schilderung bekannt vorkommen und eins zu eins oder in Teilen auf die Arbeitssituation im eigenen Betrieb oder der Behörde zu übertragen sein.

Verstecktes Matriarchat

Eine besondere Herausforderung stellen Familien und Partnerschaften dar. Auch hier greifen die beiden Konzepte des Partnerschaftlichen und des Autoritären widerstreitend ineinander, jedoch auf eine Weise so komplex und diffizil, dass es oftmals nur schwer ist, den Schleier des Verbergens zu durchdringen. Zur Besonderheit dieses Erlebensfeldes gehört, dass sich in ihm in den letzten fünf Jahrzehnten ein Wandel vollzog, der seinesgleichen sucht.

Die Macht des selbstherrlichen Patriarchen ist, bis auf wenige Ausnahmen, unwiderruflich gefallen. Die dadurch entstandene Leerstelle haben inzwischen vielfach die Mütter eingenommen. Für sie gilt, was oben bereits festgestellt wurde: Auch bei ihnen existieren Partnerschaftlichkeit und Autoritäres nebeneinander. Was nicht verwundert, weil die Sozialisation in der autoritären Gesellschaft unserer nahen Vergangenheit auf Jungen und Mädchen gleich prägend wirkte, aber mit unterschiedlichen Inhalten versehen war. Was zur Folge hat, dass sich die autoritäre Vorgehensweise in der Gegenwart grundsätzlich gewandelt hat. Das weibliche Geschlecht agiert eher in versteckten Formen des Autoritären, die es in den Jahrhunderten der Unterordnung und Abhängigkeit gezwungen war zu kultivieren.

Autoritäres Vorgehen verbirgt sich hinter der Maske der Sorge und Liebe, der Fürsorglichkeit und Angst, der Kontrolle des guten Willens und der Weltenrettung. Bill Gates entspricht exakt diesem neuen Bild. Es ist das alte Bild des versteckten Matriarchats.

Die Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen, das gezeichnete Bild wäre vielfältiger und zugleich unüberschaubar bunt, jedoch ohne zusätzlichen Erkenntnisgewinn. Es bietet sich an, diese Fülle mit Fragestellungen zu konfrontieren. Welche Bedeutung kommt unserem Erbe des autoritären Patriarchats heute noch zu? Wie sehr wird das soziale Handeln unserer Gesellschaft von diesem autoritären Erbe bestimmt? Ist es zu einem unbedeutenden Randereignis geworden oder sitzt es noch immer mitten im Zentrum des Geschehens? Können wir noch von einem autoritären Patriarchat sprechen oder ist das Autoritäre heute eine männlich-weibliche Kraft, die beide Geschlechter gleichermaßen leben und gestalten?

Dass das autoritäre Erbe in unserem sozialen Handeln, gleich in welchem Bereich, noch heute allgegenwärtig ist, machen diese Beschreibungen unbestritten deutlich. Allerdings kann es nur situativ, in der konkreten Ausprägung erfasst werden. Allgemeine Feststellungen oder Regeln sind ausgeschlossen. Dadurch sitzt es mitten im Zentrum des Geschehens, ist allgegenwärtig und von beiden Geschlechtern gleichrangig praktiziert mit jeweils eigenen Ausprägungen. Die Kraft des Autoritären hat in den letzten Jahrzehnten einen Wandel vollzogen, sodass es keinen Sinn mehr ergibt, gegenwärtig von einem autoritären Patriarchat zu sprechen. Die autoritäre Ideologie kennt kein Geschlecht, nur den ganzen Menschen oder alle. Sie kleidet sich neuerdings im adretten Kostüm oder Hosenanzug oder wie gewohnt im blauen Anzug mit Krawatte.

Alte autoritäre Denkweise

Kehren wir zurück zur bedrückenden Gegenwart. Alle Maßnahmen des Freiheitsentzugs beginnen bei der Beratungskompetenz der Virologen. Die Erforschung des Virus mag einem wissenschaftlichen Erkenntnisinteresse entspringen, alle Maßnahmen zu seiner Bekämpfung haben eine existentiell-gesellschaftliche Bedeutung. Sie könnten so auch dem Kaiserreich entstammen, enthalten also die alte, patriarchal-autoritäre Denkweise. Was uns nicht verwundert, entstammt sie doch dem von autoritären Strukturen durchdrungenen Gebäude der Berliner Charité.

Der abrupte Übergang von der Parlamentsentscheidung zur Verordnung katapultiert die demokratischen Ämter in hochherrschaftliche und verwandelt Staatsbürger in Untertanen.

Das reibungslose Gelingen dieser Verwandlung basiert auf der Allgegenwart des Autoritären und findet deshalb diese außergewöhnliche Zustimmung der politisch Führenden, die sich allesamt, ob Mann oder Frau, der versteckt-matriarchalen Vorgehensweise verschrieben haben. Deren Unsichtbarkeit ist das herausragende Merkmal. Eine geschlechtliche Differenzierung ist damit ausgeschlossen.

Zum Abschluss folgende Situation aus dem derzeitigen Alltag: Ich betrete ein Gemüsegeschäft und frage die Verkäuferin, ob ich für den Kauf des bereits verpackten Spargels extra die Handschuhe anziehen muss. Sie antwortet freundlich mit „Ja“. Gleichzeitig kommt es wie geschossen aus dem Mund einer Kundin, die an der Kasse steht: „Handschuh an!“


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