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Die Meta-Zensur

Die Meta-Zensur

Werden europäische YouTube-Kanäle bald Geschichte sein?

„Oh nein! Ich hab‘ das Internet kaputt gemacht!“ Konnten wir früher noch über die schockierten Ausrufe unserer Großeltern lachen, als sie sich beim „Laufenlernen“ im Internet etwas schusselig anstellten, droht der Wortlaut nun Realität zu werden. Hier soll jetzt keine Altersfront zwischen Jung und Alt aufgebaut werden – ganz und gar nicht –, nur muss eben nüchtern festgestellt werden, dass alte Menschen gerade dabei sind, das Internet kaputt zu machen! Gemeint sind jene EU-Abgeordneten, die vergangenen September für die Reform des EU-Urheberrechts stimmten, welche eine weitläufige Zensur des Internets vorsieht. Die Hintergründe dazu können Sie hier nachlesen. Übrigens ist das Abstimmungsverhalten öffentlich. Sie können also genau sehen, wer in Brüssel gegen die freie Meinungsäußerung stimmt.

Noch ist das Kind nicht in den Brunnen gefallen, aber es klammert sich mit den obersten Fingerkuppen am steinernen Rand fest. Diese Reform muss Anfang 2019 noch das Gesetzgebungsverfahren in Brüssel durchlaufen. Einen Vorgeschmack, wie ein solches unfreies Internet aussehen würde, lieferte die YouTube-Chefin Susan Wojcicki in einem Brief an alle YouTuber mit Partnerstatus. Sollte dieses neue Urheberrecht tatsächlich das Licht der Welt erblicken, würden europäische YouTuber – Produzenten wie Nutzer gleichermaßen – in die Röhre gucken. Die wäre zwar nicht schwarz, würde aber nur noch aus Inhalten verifizierter Unternehmen bestehen. Das Grundkonzept des „Broadcast yourself“ wäre damit hinfällig! Genauer beschrieben wird das in einem Video von „Wissenswert“, welches sich zum Zeitpunkt dieser Niederschrift auf Platz 1 der YouTube-Trends in Deutschland befand.

YouTube wird NoTube!

Seit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz von Heiko Maas(los) und der Kampfansage an vermeintliche Fake-News wird im Internet des Westens munter zensiert. So wurden die Internetauftritte des Journalisten Alexander Jones mal eben synchron von allen großen Plattformen wie YouTube, Twitter und Facebook gelöscht. Letzteres löschte darüber hinaus auf einen Schlag 559 Auftritte und 251 Privatkonten kritischer und vor allem pazifistischer Journalisten und arbeitet seit kurzem ganz eng mit dem Think Tank „Atlantic Council“ zusammen. Dieser wiederum unternahm in der Vergangenheit einige Anstrengungen, um der Bevölkerung Eroberungskriege schmackhaft zu machen.

Und dennoch erdreisten wir uns, auf China zu zeigen! Die bösen Chinesen zensieren das Internet. Ja, das tun sie! Tun wir in unserem christlichen Abendland dasselbe, dürfen wir dies anderen nicht vorhalten, oder wie es in der Bibel geschrieben steht:

„Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?“
– Matthaeus 7:3

Und wir haben bald einen gewaltigen Balken vor Augen! Einen Zensurbalken! Unsere Gesichter der freien Meinung verschwinden aus dem Netz. Zumindest dort, wo wir sie haben wollen. In den Datenbanken von Big-Data bleiben sie natürlich erhalten. Warum reden wir also über den Kaiser von China, wenn der Kaiser in Europa nackt ist?

Die EU offenbart nun ihre scheußliche, antidemokratische Fratze. Wie stehen jetzt, angesichts solcher Gesetzesreformen, die „Pulse of Europe“-Teilnehmer zu Europa? Finden sie die Politik dieses Staatenverbundes immer noch so geil? Offen kritisiert wurde nach dem BREXIT-Votum, dass die Alten des Landes den jungen Engländern – die teilweise gar nicht berechtigt waren, mitzuentscheiden – durch ihre Pro-BREXIT-Stimme die Zukunft verbauen würden. Jetzt verbieten jedoch die Alten der EU den Jungen – aber auch den Menschen über 30 – die Freiheit im wichtigsten Medium ihrer Zeit. Der Unterschied ist die Institutionalisierung des Unbeliebten: Was in England eine Entscheidung der älteren Bevölkerung war, ist in der EU eine Entscheidung der älteren Abgeordneten.

Digital-Genozid

Nach dieser Nachricht ging eine Schockwelle durch die YouTube-Community. Wäre das Ganze nicht so ernst, hätte man beinahe lachen können. „Arbeitsplätze gehen verloren!“, klagen die einen. „Was denn nur los sei, dass man sich nun auf einmal mit Politik auseinandersetzen muss“, jammern die anderen. Die Nadel der grausamen politischen Realität nähert sich scheinbar unaufhaltsam der unpolitischen Filterblase der YouTuber. Ich finde, es wäre ein guter Nebeneffekt, wenn ein gewisser Teil der YouTuber nun auf einmal gezwungen wäre, einem vernünftigen Beruf nachzugehen, der am Ende vielleicht sogar der Gesellschaft zugutekommt. In den letzten Jahren hat sich nämlich ein Sumpf aus jungen Menschen gebildet, die schlicht aufgrund des Ablieferns einer mit Product-Placement bestückten Dokumentation ihres belang- und geistlosen Lebensstils wie die Made im Speck leben. Natürlich trifft das nicht auf das gesamte YouTube-Unterhaltungs- und Wissensangebot zu.

Aber hier geht es um weit mehr als um eine verschwenderische und im Vergleich zu essenziellen Branchen unfair bezahlten „Berufssparte“, die wegbrechen könnte. Pro Minute werden 400 Stunden (!) Videomaterial – Stand 2015 – auf YouTube hochgeladen. Darunter findet sich sehr viel Redundantes, aber auch eine unglaubliche Fülle an Wissen und Daten. YouTube ist eine der letzten Bastionen der freien, alternativen Medien. Wenn YouTube in Europa nur noch Content von ausgewählten Unternehmen liefert, ja was erwartet uns dann? Prank-Videos auf dem Traumschiff? Schminktipps von Rosamunde Pilcher? Ein interaktives „Wetten, dass?“? Ach, nee! Geht ja gar nicht! Man bräuchte ja einen YouTube-Kanal, um mitzumachen.

Wir hätten schlicht wieder das, was wir beim Fernsehen erleben. Content, den wir nicht selbst produzieren könnten, der von anderen gemacht wird, der uns schlicht auf die Funktion des Konsumenten reduziert. Portale wie KenFM können dann ihre Pforten schließen oder müssten sich wieder darauf besinnen, lediglich Audio-Podcasts mit ihren Gästen zu produzieren und diese dann auf dem Internetauftritt oder auf der App hochzuladen.

Aber auch zahlreiche Tutorials, Live-Radios und POV-Eisenbahnvideos zum Meditieren würden damit das digitale Zeitliche segnen. Ja, eine ganze Kultur würde mit einem Male sterben. Der Tod von Millionen Avataren darf getrost als Digital-Genozid bezeichnet werden!

YouTuber nach Brüssel!

YouTube hat den Ernst der Lage erkannt, aber verlässt sich auf die Wirkkraft zu kleiner Kaliber, um diesen Kampf zu bestreiten. Es erschienen nun etliche Videos unter dem Hashtag #saveyourinternet. Die Aufforderungen lauten dabei meist gleich. Man solle eine – alte – Petition unterschreiben und eigene (Video-)Beiträge auf YouTube, Twitter und Instagram erstellen.

Und das soll helfen?

Nein, meine lieben YouTuber! Davon lässt sich die EU nun wirklich nicht beeindrucken. Ihr könnt so viele Beiträge à la #saveyourinternet erstellen, wie ihr wollt. Am Ein/Aus-Schalter, der uns allen den Saft abdrehen könnte, sitzen Leute wie Jean-Claude Juncker. Und ist dieser Schalter einmal betätigt, gibt es eigentlich kein Zurück mehr. Wir erinnern uns an seine Worte 1999:

„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

Jetzt muss es aber einen Aufschrei geben! Also einen Richtigen! Keinen Hashtag! Ich erwähnte vorhin die unfassbare Zahl von 400 Stunden Videomaterial, die pro Minute auf YouTube landen. Diese Inhalte werden ja nicht maschinell hochgeladen, sondern von echten Menschen aus Fleisch und Blut. Und auf die kommt es nun an! Auf die physische Präsenz in Brüssel, wenn dort am Jahresanfang über diese Gesetzesreform abgestimmt wird.

Wenn es also möglich ist, dass tausende Menschen wegen dem YouTuber Drachenlord eine kleine mittelfränkische Gemeinde mit ihrer Anwesenheit terrorisieren, um diesen zu demütigen, dann sollte es doch möglich sein, das Hundertfache dieser Energie in etwas Positives umzuwandeln.

Napoleon hat seine Schlachten nicht mit einem Selfie-Stick bestritten und die Länder nicht dadurch erobert, dass er Brieftauben mit Hashtag-Zetteln in die Lande geschickt hat! Wenn wir unser YouTube – um nicht zu sagen, das gesamte Internet – retten wollen, dann müssen wir das auf der Straße ausdrücken! Und zwar zentral!

Diesmal würde es auch stimmen, wenn wir sagen: #wirsindmehr. Weil wir alle YouTube und das Internet nutzen. Sobald wir wissen, wann die EU-Organe über das neue Urheberrechtgesetz entscheiden, müssen wir uns aus allen Ländern der EU gen Brüssel bewegen und unseren Protest lautstark kundtun, friedlich, aber bestimmt für den Erhalt des wichtigsten Mediums der Menschheit. Es ist an unseren Freunden in Belgien, rechtzeitig eine solche Demonstration im Regierungsviertel Brüssels anzumelden, zu der wir dann alle zu erscheinen haben und wo es dann heißt: „Hoch die digitale Solidarität!“

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