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Die Macht der Seele

Die Macht der Seele

Es gibt gute Gründe, zuversichtlich zu sein.

Wer bin ich? Woher komme ich, wohin gehe ich und was zum Teufel mache ich hier eigentlich? Wer von uns hat Antwort auf diese Fragen? Wer kennt sein wahres Ich, sein einzigartiges Talent und die Sehnsucht seiner Seele? Wer lässt diese Fragen zu? Überholte Romantik, weltferne Esoterik, muffige Religion. In unserer Zeit geht es um Handfestes, um Dinge, die man sehen, anpacken, entsprechend kontrollieren und nutzen kann. Es geht um Ressourcen, Systemrelevanz und Kaufkraft, um den messbaren Wert der Dinge — nicht um Geistiges, Spirituelles, Religiöses. Die Seele — das immaterielle Prinzip des Lebendigen — hat in unserer materialistischen, aufgeklärten Welt nicht mehr viel zu suchen.

Die Vorstellung, wir seien Individuen — unteilbare, über die Grenzen des Körperlichen hinaus existierende Wesen — hat sich seit langem verloren. Seit Renée Descartes (1596 bis 1650) das abendländische Denken prägte, löste sich die auf die Antike zurückgehende Vorstellung der Seele als Lebensprinzip alles Lebendigen auf. Auch die Religion verlor an Einfluss, in unserem heutigen Leben spielt sie kaum noch eine Rolle. Opium fürs Volk, Hirngespinst, Illusion, vor allem aber ein Herrschaftsinstrument, das zu Recht verurteilt wird.

Millionen metzelten die Kreuzfahrer dahin. Ganze Kontinente fielen dem Sendungsbewusstsein eifriger Gottesgesandter zum Opfer. Die katholische Kirche trägt die Verantwortung für unzählige Menschenrechtsverletzungen und die Protestanten haben es nicht viel besser gemacht. Martin Luther (1483 bis 1546) und Johannes Calvin (1509 bis 1564) waren Menschenfeinde, denen vor allem am eigenen Seelenheil gelegen war. Während sich die Katholiken immerhin ins Paradies einkaufen können, sind Protestanten auch nach einem Leben guter Taten der Verdammnis ausgeliefert, wenn es so bestimmt ist.

Gelöste Verbindungen

Im Laufe der Zeit hat sich der Glaube verloren: der Glaube an Gott, der Glaube an das Gute im Menschen, der Glaube an das Wahre, Schöne, Große. Das heutige Menschenbild zeichnet uns als raffgierige, verdorbene Egoisten, die gerade endgültig ihr Recht verwirken, auf diesem Planeten leben zu dürfen. So zumindest sehen viele von uns die anderen — sich selbst freilich nicht. Entsprechend haben wir unseren Bezug zum Religiösen verloren.

Die Fäden zwischen Irdischem und Himmlischem sind gekappt und die religio — lateinisch das Verbindende — zwischen Körper und Geist hat sich aufgelöst.

Spätestens seit Galileo Galilei (1564 bis 1642) erkannte, dass nicht die Erde, sondern die Sonne das Zentrum unseres Universums ist, begannen sich die Beziehungen zwischen Mensch und Gott zu verschlechtern. Isaac Newton (1642 bis 1727) sah ihn immerhin noch als Lenker der Weltmaschine, doch spätestens seit Charles Darwin (1809 bis 1882) wurde der einstige Schöpfer des Lebens endgültig entthront. Mit der wissenschaftlichen Rechtfertigung des Gesetzes des Dschungels geriet auch die Seele in Vergessenheit. Seit der Aufklärung und dem Ende der Inquisition sind wir nicht nur von Vorstellungen von bösen Hexen befreit, sondern auch von Engeln und allen anderen immateriellen Wesenheiten, die vorher unser Universum bevölkerten.

Die Zeiten, in denen nicht nur Menschen, sondern alles, was die Natur hervorbrachte, eine Seele hatte, sind lange vorbei. Bevor unsere Wissenschaft sie zu Objekten degradierte, die man beliebig ausbeuten kann, galten Elemente, Planeten, Pflanzen, Tiere und Landschaften als lebendige Entitäten. Erst durch die Verdinglichung der Natur wurde die Zerstörung möglich, deren Konsequenzen wir heute so deutlich zu spüren bekommen. Sie führen uns vor Augen, wie weit wir von der einstigen Beziehung zwischen Mensch und Natur, Mensch und Gott, Mensch und Mensch entfernt sind.

Vom Wesentlichen entfernt

Wir haben den Kontakt verloren zu dem, was dem Existierenden Leben einhaucht und es beseelt. Anstatt die geistige Herkunft des Lebendigen zu ergründen, beschäftigen wir uns heute damit, die materiellen Erscheinungsformen unter unsere Kontrolle zu bringen. Wir sind die Herrscher der Welt und wollen es besser machen als die Natur. Wir nähern uns nicht mehr voller Ehrfurcht und Respekt dem Wunder des Lebens an, sondern zerlegen es in seine Einzelteile. So haben wir den Überblick verloren und verlernt, in Zusammenhängen zu denken.

Es geht uns nicht mehr darum, Wesentliches zu erforschen, sondern an Symptomen herumzudoktern und dabei möglichst gute Geschäfte zu machen. Besonders deutlich wird dies in unserem Umgang mit Krankheit.

Entsprechend kurzsichtig sind unsere Problemlösungen in allen Lebensbereichen. So stehen wir heute vor dem Dilemma, dass das, was wir an uns gerissen haben, nicht mehr für alle reicht. Dass dabei Menschen zugrunde gehen, nehmen die Überlebenden nicht nur in Kauf. Es ist ausdrücklich erwünscht, dass Platz für die frei wird, die glauben, ihr Leben hätte einen höheren Wert.

Sklaven der Launen und Gelüste

So haben wir es geschafft, das einstige Paradies in eine Hölle zu verwandeln. Dies wurde auch dadurch ermöglicht, dass die ewige Seele durch die körpergebundene Psyche ersetzt wurde. Wir lassen uns von unseren Gefühlen einfangen und identifizieren uns mit Angst und Schrecken, mit Groll, Kummer und Sorgen, als seien wir selbst nicht mehr als unsere vorbeiziehenden Stimmungen, die wir trotz allen Bemühens nur so schwer unter unsere Kontrolle bringen. Hier versagen unsere Bestrebungen, alles in den Griff zu bekommen. Wie ein Schiff ohne Kapitän schwanken wir hin und her, von einem Extrem ins nächste.

Wir jagen Gelüsten hinterher und werden zu Sklaven unserer Launen. Außer Rand und Band sind Wollen, Fühlen und Denken. Wir sorgen uns um Zukünftiges, halten an alten Schmerzen fest und können sie nicht sein lassen. Keinerlei Sinn erkennen wir in dem Erlebten, das uns vor die Füße fällt. Wie wilde Pferde galoppieren unsere Ängste und Verletzungen mit uns davon. Was hat man uns angetan! Voller Wehleid geben wir uns unseren Geschichten hin, die unverarbeitet von einer Generation zur nächsten reisen. So gut wie möglich versuchen wir uns abzulenken und finden dabei keine Lösung, wie wir dem irren Rennen Einhalt gebieten können.

Jenseits der körperlichen Begrenztheit

„Wohin gehst du?“, würde hier die Seele fragen. „Was machst du mit dem Leben, das dir geschenkt wurde? Ist es das, was du wirklich willst? Einen Wimpernschlag auf diesem Planeten verbringen und nach dir die Sintflut kommen lassen?“

Arbeiten, Sorgen machen, konsumieren, amüsieren — ist das das Leben? Und wenn es in Wirklichkeit ganz anders wäre? Wenn man uns nur erzählt hat, wir seien unbedeutende Rädchen im Getriebe und der Himmel sei leer?

Wenn es gar nicht stimmt, dass wir klein und nichtig sind? Wenn wir gar nicht großtun müssten, um wenigstens einen kurzen Augenblick lang das Gefühl zu haben, jemand zu sein? Wenn wir tatsächlich groß sind, lichtvoll und unendlich schöpferisch? Wenn man uns seit Jahrtausenden immer wieder dieselben Geschichten von unserer Schlechtigkeit und Verdorbenheit erzählt, um uns fügsamer zu machen und besser ausbeuten zu können?

„Ihr seid Lichtwesen“ lautet der Titel eines Buches des Philosophen Armin Risi (1). Als solche sind wir in der Erfahrung der Begrenztheit des materiellen Körpers angelangt. Wir sind so tief in die Materie eingedrungen, dass es hier nicht weiter geht. Gleichzeitig eröffnet sich uns in diesem Erleben der nächste Schritt. Dort, wo die Materie endet, offenbart sich uns eine neue Dimension: Ob Teilchen oder Schwingung — es hängt von der Intention des Betrachtenden ab, was er wahrnimmt. Das Herz der Materie, so wird es in der Quantenphysik beobachtet, ist Vibration, Energie, Geist.

Die Wissenschaft ist den Schritt ins Ungewisse gegangen, in eine Welt, in der es keine kalkulierbaren Gewissheiten mehr gibt, nur Potenzial. Es ist nun an uns, ebenfalls diesen Schritt zu tun — und dabei unsere Seele wiederzufinden. Sie wartet auf uns. Sie hat uns nicht verlassen. Jederzeit können wir Kontakt zu ihr aufnehmen und mit ihrer Führung weitergehen. Sie sagt uns, was gut und richtig für uns ist und was jetzt zu tun ist. Ihr können wir vertrauen. Mit ihr zusammen lernen wir, unser Bewusstsein weiter zu entwickeln, ein Bewusstsein, das die Trennung überwindet und den Boden für eine neue Art des Zusammenlebens bildet.

Hiermit geht die Zeit der Verdummung vorbei. Wir lassen uns nicht mehr erzählen, wer wir zu sein haben, sondern spüren tief in unserem Inneren, wer wir in Wirklichkeit sind.

Wir erkennen, dass wir einzigartig und eins zugleich sind und geben unser Talent dafür hin, gemeinsam mit anderen eine Welt aufzubauen, in der Respekt, Liebe und Vielfalt herrschen. „Es besteht Hoffnung“, flüstert mir meine Seele zu. Von einer tiefen Zuversicht erfasst, lasse ich mich von ihr an die Hand nehmen, voller Vertrauen, dass ich mit ihr gemeinsam die nächsten Stürme überstehe, wie sehr sie auch an mir rütteln mögen.


Hier können Sie das Buch bestellen: als Taschenbuch oder E-Book.


Quellen und Anmerkungen:

(1) Armin Risi: Ihr seid Lichtwesen: Ursprung und Geschichte des Menschen, Govinda 2020-07-15

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