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Die Jahrhundertlüge

Die Jahrhundertlüge

Am offiziellen Narrativ zum Einsturz des World Trade Center 7 ist so offensichtlich etwas faul, dass nur eine massive Manipulationskampagne die Zweifel unterdrücken konnte.

Kaum ein, vielleicht kein Ereignis in den letzten zwanzig Jahren bereitete den Medien so viel Kopfzerbrechen wie der Einsturz des Gebäudes WTC7.

Wer davon bisher noch nichts gehört und gelesen hat: Auch dieses Nichtwissen ist dem Verhalten der etablierten Medien geschuldet, denn überwiegend wird dieses irritierende Ereignis schlichtweg ignoriert.

Nicht schreiben, was ist: WTC7 und das Versagen der etablierten Medien

WTC7 ist das dritte Gebäude, welches am 11. September 2001 in New York einstürzte, ohne von einem Flugzeug getroffen worden zu sein. Über zwei Sekunden lang fiel es in freiem Fall. Dies war und ist offensichtlich, es ist zudem von offizieller Seite aus so auch bestätigt worden. Der Anblick, auf YouTube für jedermann auffindbar, ist verstörend: Nie in der Geschichte ist ein Stahlskelettbau in solcher Weise aufgrund von Feuer zusammengestürzt, obschon Feuer bis heute die offizielle Erklärung für den sekundenschnellen Einsturz ist.

Wer die 9/11-Forschung in jüngster Zeit mitverfolgt hat, weiß: Diese im wahrsten Sinne des Wortes haltlose These wurde spätestens letztes Jahr widerlegt. In einer vierjährigen Studie von Professor Leroy Hulsey, University of Alaska Fairbanks in New York, und seinem Team wurde der Einsturz von WTC7 aufwendig mit Hilfe eines Computermodells nachvollzogen und analysiert. Ergebnis: Feuer kann nicht die Ursache gewesen sein, da für den freien Fall des Wolkenkratzers alle 81 senkrechten Stahlsäulen des Gebäudes gleichzeitig nachgeben mussten. Das Ergebnis der Studie lässt nur noch Sprengung als Ursache für den Einsturz zu.

Weil der Einsturz von WTC7 viele Fragen aufwirft, tun sich die etablierten Medien damit extrem schwer. Selbstverständlich müsste das Ergebnis der Studie konsequent diskutiert werden, alle Folgen und alle Fachleute betreffend, von Sprengmeistern über Bauingenieure bis zu Historikern, Politologen und Auslandskorrespondenten. Wo aber waren und sind derlei Berichte, Analysen, Interviews und Diskussionen zu hören, zu lesen und zu sehen?

Rückblickend lässt sich sagen, dass die Berichterstattung zu WTC7 in den Mainstream-Medien bisher ungefähr so gut funktioniert hat wie die Luftabwehr der USA am 11. September 2001.

Angesichts des offensichtlichen Widerspruchs zwischen Narrativ und Tatsachen stellt sich mir hier die Frage, wie das 9/11-Narrativ der Bush-Administration über so viele Jahre unbeschadet in der Mehrheit der Köpfe überleben konnte, wie den Medien die Vertuschung der Sprengung von WTC7 gelang und gelingt und was künftig bei der Orientierung im Informationskrieg helfen könnte.

Wenn wir es in diesem sehr offensichtlichen Fall schaffen, die Mechanismen der Vertuschung zu durchbrechen, werden wir auch in Zukunft als Gesellschaft immun dagegen werden. Damit wäre dem Frieden, der Umwelt und letztlich auch unserer Gesundheit gedient.

Hilfreich erscheint mir hier eine kurze und beispielhafte Medienanalyse zweier Fernsehbeiträge zum 11. September 2001.

Wer erzählt was warum? Dies ist eine der Fragestellungen, welche ich empfehle, um sich im Informationschaos zu orientieren. So hinterfragen wir die Auswahl von Interviewpartnern oder Experten zu einem Thema seitens des Senders.

Wir bemerken auch das Ausschließen anderer kompetenter Experten aus dem Diskurs, weil wir ihre Stimmen in den Medien vermissen. Es wird uns durch diese Frage auch bewusst, wenn seitens der Redaktion im Schnitt derart Unpassendes zusammengesetzt wurde, dass ein verwirrendes Bild entsteht, obwohl die einzelnen Bausteine und Interviews vielleicht durchaus wahrheitsgetreu zustande kamen.

Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) und das WTC7: Journalismus im freien Fall

„Verschwörungstheorien untersucht! Chemtrails und 11. September“ heißt eine Doku der Reihe ZDFinfo, die der Sender am 27. Mai 2020 auf YouTube einstellte.

Der elfminütige Film widmet anfangs drei Minuten dem Thema „Chemtrails“, die übrigen acht Minuten handeln von den Terroranschlägen am 11. September 2001. Die ungleiche Verteilung der Sendezeit nehme ich bereits als Hinweis dafür, dass das — zudem unseriös wirkende — Chemtrail-Intro nicht journalistisch für sich stehen, sondern dazu dienen soll, die kritischen Nachfragen zum 11. September zu diskreditieren. Dieser erste Teil endet mit der Aussage einer Psychologin: „Das heißt, jeder fünfte Deutsche glaubt solche Dinge“ und bildet die direkte Überleitung zum Teil 2 und zu den brennenden Zwillingstürmen.

Die Frage nach Chemikalien in Flugzeugabgasen betrifft wissenschaftlich gesehen ein anderes Fachgebiet als die Frage nach der Wirkung von Extremtemperaturen auf Stahlskelettbauten. Dennoch antwortet in beiden Teilen der gleiche Interviewpartner auf die offenen Fragen, nämlich Holm Hümmler. Damit ließe sich journalistisch gesehen leben, sofern dieser eine Interviewpartner dann wiederum seine Quellen, seine Recherche und seine Motivation zu den sehr unterschiedlichen Themen kurz offenlegen würde. Dies bleibt aber aus. Als persönliche Meinungen ließen sich die Statements von Hümmler durchaus auch veröffentlichen, seine große Präsenz im ganzen Beitrag sowie die Studio-Atmosphäre und die Untertitel zum Interview inszenieren ihn jedoch als Experten.

Die erste halbe Minute des achtminütigen Teils über den 11. September ist interessant und wirft Fragen auf, allerdings ohne WTC7 zu erwähnen. Nach 30 Sekunden wird das kritische Denken des Zuschauers in eine Schublade gesteckt. Dies geschieht durch eine unseriös wirkende grafische Aufmachung sowie durch den Kommentar dazu: „Dutzende Verschwörungstheorien ranken sich um die Anschläge von New York.“

Bild

Im Kommentar wird später die Überlegung angedeutet, US-Geheimdienste könnten an den Geschehnissen am 11. September 2001 beteiligt gewesen sein. Dagegen geschnitten wird nur Hümmlers kurze Aussage: „Ja, denen traut man dann eben alles zu.“

Kritisch denkenden Architekten widerspricht Hümmler in Bezug auf die Zwillingstürme: „Ein Gebäude dieser Größe kann eigentlich gar nicht anders einstürzen als senkrecht, weil einfach diese wahnsinnigen Gewichtskräfte auftreten“ (1).

Gegen Ende der Kurzdoku heißt es richtig: „Mehrere Stunden nach den Doppeltürmen stürzt auch das benachbarte Gebäude mit der Nr. 7 ein.“ Man muss dem ZDF zugutehalten, dass hier ausnahmsweise das richtige Bildmaterial, die Aufnahmen vom Einsturz des WTC7 in freiem Fall, zu sehen ist. Die Fragen, die dieser Einsturz für Bauingenieure und Architekten weltweit aufwirft, wischt der Experte Hümmler mit drei Sätzen regierungskonform vom Tisch:

„(...), dass sich einfach Teile durch die Hitze verformt haben und dann irgendwann gebrochen sind. Und dadurch ist dieses Gebäude eingestürzt. Und das ist nachzuvollziehen und auch sehr schön in Simulationen nachgerechnet worden.“

Am Ende des Films wird die Schublade geschlossen und das eigenständige Denken entschieden beendet: „Verschwörungstheorien können (…) gefährlich werden. Manche (…) halten sich ewig.“

Da Holm Hümmler uns, dramaturgisch gesehen, als Experte durch den kompletten Film führt und am Ende das uneingeschränkte Vertrauen der Filmemacher genießt, interessiert mich, welche Themen und Ziele dieser Fachmann verfolgt, welche Fragen er sich stellt und was ihn motiviert.

Nach welchen Kriterien wählt das ZDF seine Experten?

Holm Hümmler schrieb die beiden Bücher „Verschwörungsmythen“ und „Relativer Quantenquark“. Im Fernsehen tritt er als Experte zu den verschiedensten Themen auf, die absolut nichts miteinander zu tun haben. Im Beitrag „Corona — die große Verschwörung?“ der Reihe „Engel fragt“ des Hessischen Rundfunks (HR) wird er zum Thema Corona befragt. Anmoderiert wird er wie folgt:

„Das Widerlegen von Verschwörungstheorien, genau das hat sich ein Mann zur Aufgabe gemacht, mit dem ich jetzt verabredet bin.“

Die Diffamierung von kritischen Nachfragen bezüglich Corona gipfelt in „Engel fragt“ dann mit Hümmlers folgendem Statement:

„Verschwörungsglaube ist eigentlich immer gefährlich, weil er eine der Grundideen der Demokratie untergräbt. (…) Im günstigsten Fall zieht man sich als ‚Verschwörungstheoretiker‘ zurück, im ungünstigeren Fall wählt man extreme Parteien, und im aller ungünstigsten Fall greift man halt zur Waffe“ (2).

Ganz offensichtlich geht es hier nicht um Expertise zu einem bestimmten Thema. Am treffendsten lässt sich diese dramaturgische Vorgehensweise des HR und des ZDF mit dem Begriff Diskurskontamination beschreiben: Je mehr unglaubwürdige und unseriöse Dinge mit einer an sich klaren Fragestellung oder einem wissenschaftlichen Diskurs in Verbindung gebracht werden, desto größer werden die Angst und die Ablehnung beim Rezipienten vor der Fragestellung.

Der Bayerische Rundfunk (BR) und das WTC7 — Erweckungserlebnis für Gutgläubige

Nach ähnlichem Strickmuster wie oben beschrieben verhält sich die Berichterstattung zu WTC7 in dem Beitrag „9/11 — Erweckungserlebnis für Verschwörungstheoretiker“ des BR vom 11. September letzten Jahres. Hier allerdings geschieht die Desinformation noch offensichtlicher.

Die Beitrag ist insgesamt viereinhalb Minuten lang. Auch hier ist der Anfang während eineinhalb Minuten journalistisch brauchbar. Zu sehen ist hier folgender Dialog:

„‚WTC war ja im Grunde das Haus, in das gar kein Flugzeug hineingeflogen war.‘
‚WTC7 war das.‘
‚WTC7, wo man sich heute noch fragt, war das Brand, war das Sprengung?‘“
(3).

Im darauf folgenden Video ist Archivmaterial der Zwillingstürme, nicht des WTC7 zu sehen. Während das zweite Flugzeug darin den Südturm trifft, kommentiert die Sprecherin:

„Nach wie vor geistern wilde Spekulationen über den wahren Hergang durch die Welt. Von der US-Regierung über Geheimdienste bis hin zum Weltfinanzjudentum reicht die Verschwörungsliste. Manche glauben sogar, die Videos seien manipuliert worden und es habe gar keine Flugzeuge gegeben“ (4).

Davon hat zuvor aber niemand gesprochen. Im weiteren Verlauf wird dann öfter der Begriff „Verschwörungstheorie“ genannt. Es wird klargestellt: Man müsse sich davor in Acht nehmen.

Der insgesamt viereinhalb Minuten lange Beitrag thematisiert eine Minute lang den YouTuber Jarow. Er gibt zwei längere Statements ab und ist der einzige YouTuber, der zu Wort kommt.

Mich hat interessiert: Was veröffentlicht Jarow zu 9/11? Die Antwort lautet: Nichts.

Seinen YouTube-Kanal beschreibt er wie folgt: „Auf meinem Kanal findest du spannende, mysteriöse und lustige Videos! Die Welt ist böse, passt auf euch auf!“ Der Kanal von Jarow enthält überwiegend Kriminalfälle und fiktionale Gruselgeschichten.

Wenn ein Interviewpartner in einem Beitrag fast eine Minute lang von insgesamt viereinhalb Minuten spricht, aber nichts mit dem Thema der Sendung zu tun hat, dann ist das ein grober Recherchefehler. Das falsche Archivmaterial hinter ein Interview oder ein Statement zu schneiden, ist ein grober Schnittfehler.

Wir haben also mindestens zwei grobe Fehler in dem kurzen Beitrag. Warum?

Wann erliegen wir als Gesellschaft einer Kollektivhalluzination?

In „Psychologie der Massen“ beschreibt Gustave Le Bon schon 1895 das Phänomen der „Kollektivhalluzination“. So bezeichnet er ein Phänomen, welches eintritt, wenn sich eine Masse Menschen von einem Märchen oder einer Täuschung überzeugen lässt.

„Die Masse scheidet nicht das Subjektive vom Objektiven; sie betrachtet die in ihrem Bewusstsein auftauchenden Bilder, die sehr oft mit der beobachteten Tatsache nur eine entfernte Ähnlichkeit besitzen, als Wirklichkeiten. (…) Infolge der Ansteckung sind die Entstellungen bei allen Individuen von gleicher Art und Richtung. Die erste Entstellung, die ein Glied der Gesamtheit erfasst hat, ist der Kern der ansteckenden Suggestion“ (5).

Le Bon beschreibt ein Beispiel, in welchem ein Haufen treibendes Holz im Meer verwechselt wird mit einem Schiff und Schiffbrüchigen. Die Mannschaft eines Schiffes sieht diesen, und weil ein Seemann ruft, dies sei ein Schiff mit Schiffbrüchigen, bleibt dies die Assoziation, die alle zu dem Anblick haben.

„An diesem Beispiele sieht man klar, wie der Mechanismus der Kollektivhalluzination sich in der von uns dargelegten Weise abspielt. Auf der einen Seite eine im Zustande erwartungsvoller Aufmerksamkeit befindliche Masse; auf der anderen eine von der Wache, welche ein entmastetes Fahrzeug auf dem Meere signalisiert, ausgehende Suggestion, die durch Ansteckung von allen Anwesenden, Offizieren wie Matrosen, aufgenommen wurde“ (6).

Die Ansteckung bezeichnet hier die Überzeugung, die von einem auf den anderen überspringt. Plötzlich sind sich alle einig, obwohl alle der gleichen Täuschung unterliegen. Es sieht so aus, als könne die Vorstellungskraft die Tatsachen, die die Seeleute sehen, überdecken.

So entsteht eine gemeinsame Suggestion, von welcher sich ein Einzelner nur sehr schwer oder nicht überzeugen ließe. Wenn dann etwas nicht ins Bild passt, dann ändert das an der Kollektivhalluzination erst einmal nichts.

Die Sprengung von WTC7 ist das, was nicht ins Bild passt. Die gemeinsame Suggestion ist aber so stark, dass es für viele von uns sehr schwer oder gefühlt unmöglich wird, sich dagegenzustellen. Dies betrifft uns als Leser und Hörer, aber auch als Kameraleute, Redakteure und Cutter.

Die beste Möglichkeit, sich frei von derart starker kollektiver Beeinflussung zu machen, ist die Orientierung an unabhängiger Wissenschaft und unabhängigen Veröffentlichungen sowie an eigenen Werten und einer intrinsischen Motivation.

Je mehr Klarheit wir über unsere eigene Motivation gewinnen, desto leichter fällt es uns auch, die Absicht und die Zielsetzung eines Fernsehbeitrags oder eines Interviews zu erkennen. Das ist ein Weg, den wir aus meiner Sicht gesellschaftlich aktuell gehen müssen und auch gehen.


Vortrag von Angela Mahr am 5. September 2020 beim Friedensfestival Magdeburg


Quellen und Anmerkungen:

(1) https://youtu.be/WyQm7Nk91qg#t=08m13s
(2) Vergleiche meinen Artikel: „Der Mediendschungel“, Rubikon, 25. Juli 2020; https://youtu.be/mQSHQdVKy70#t=23m55s
(3) https://youtu.be/LUOBOne4Ktw#t=01m13s
(4) https://youtu.be/LUOBOne4Ktw#t=01m25s
(5) Le Bon, Gustave: Psychologie der Massen, Alfred Kröner Verlag 1919, Seite 23
(6) Le Bon, Gustave: Psychologie der Massen, Alfred Kröner Verlag 1919, Seite 24

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