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Die Flüchtlings-Manipulation

Die Flüchtlings-Manipulation

Das ZDF präsentiert Flüchtlinge als die Unmenschen unserer Zeit.

Claus Kleber ist gerne bestürzt. Der Mann, der so gerne den Kalenderspruch des längst verstorbenen Kollegen Hajo Friedrichs vom Stapel lässt: Journalisten dürften sich nie mit einer Sache gemein machen – und sei sie noch so gut. Dieser Satz zeigt nur, erstens, dass Journalisten in der Regel nicht über die Grundlagen ihres Gewerbes reflektieren, denn es kann gar keine absolute Neutralität geben und die relative könnte ein Merkmal für Qualitätsjournalisten sein.

Zweitens wird diese Maxime gerne von denen gepredigt, die sich in einer Weise darüber hinwegsetzen, die den elementarsten Regeln des Gewerbes spottet. Zu denen gehören ganz zweifelsohne Claus Kleber und die Redaktion des heute journal.

Am 7. Juni 2018 eröffnete Kleber die Sendung mit der Erklärung, dass es mal wieder ein schwarzer Nachrichtentag gewesen sei. Ein seit 14 Tagen vermisstes Mädchen – Susanna – wurde tot aufgefunden, ermordet, nachdem sie zuvor vergewaltigt worden war. Der Tatverdächtige: ein 20-jähriger „Flüchtling“, der vor seiner Festnahme mitsamt seiner Familie vom Düsseldorfer Flughafen in den Irak fliegen konnte.

Wäre der Tatverdächtige ein Deutscher, ein Onkel oder Nachbar, dann wäre der Fall allenfalls von Gundula Gause kurz gemeldet worden, aber nicht als Topthema über 10 Minuten lang in dieser Sendung vorgekommen.

So aber konnte man die Lieblingsfurcht der Deutschen weiter aufrüsten: Flüchtlinge seien eine besondere Gefahr. Und Medien ernten, was sie nach allen Regeln der Kunst gesät hatten.

Die „Flucht“ des Irakers war für ZDF-Journalisten offenbar Beweis genug, um aus dem Tatverdächtigen einen Täter zu machen. Der Mann war außerdem ein abgelehnter Asylbewerber, der zuvor in mindestens zwei Fällen polizeilich aufgefallen war. Wer sich ein wenig mit den Umständen der Tat beschäftigt, wird umgehend feststellen, dass die Täterschaft keineswegs als erwiesen gelten kann, auch wenn mittlerweile ein internationaler Haftbefehl erlassen wurde. Es bleiben jede Menge ungeklärte Fragen. Doch genau die und überhaupt sachliche Information zum Tathergang hätten die Aura wehrhafter Journalisten getrübt.

„Opfer der Toleranz“

An der Auffindestelle des toten Mädchens hatten Unbekannte ein Holzkreuz errichtet, auf dem der Name des Opfers stand: „Susanna 2004 – 2018“ und darunter der Satz „Opfer der Toleranz“. Und Claus Kleber hatte gleich zu Protokoll gegeben, dass das Mädchen Opfer einer falschen Politik sei. Denn ohne den ungeregelten Zustrom von Flüchtlingen hätte es die Tat gar nicht geben können.

Wäre der Zustrom „geregelt“, wäre Susanna vermutlich trotzdem ein Opfer der Toleranz gewesen. Nur ein Deutscher hätte das furchtbare Drama in kriminelle Normalität gehüllt.

Wenn demnächst wegen einer Fußballweltmeisterschaft Millionen Menschen nicht immer angenehmen Temperaments mehr oder weniger geregelt ins Land strömen und Ausländer mit Sicherheit Straftaten begehen werden und mit Sicherheit Statistiken einen höheren Ausländeranteil ausweisen, dann darf man gespannt sein, wen Kleber und die Seinen dann verantwortlich machen – die FIFA, den DFB, den Fußball oder den Rest der Welt schlechthin?

Nachdem wir also in aller Eile über die Tat und den Täter „unterrichtet“ wurden, stellt Kleber die entscheidende Frage: „Ob das Leben in Deutschland gefährlicher geworden ist, seitdem Hunderttausende – viele von ihnen männlich, jung, traumatisiert oder frustriert – aus fremden Kulturen ins Land gekommen sind?“ Natürlich kennen wir alle die Antwort, die Statistiken sind gewissermaßen omnipräsent.

Das Sündenregister der Flüchtlinge

Doch wer es vergessen haben sollte, dem wird jetzt der Kurzbericht des Kollegen Benjamin Dzialowski die Augen für das drohende Unheil öffnen. Im Schnelldurchgang lässt er ein paar der markantesten Flüchtlingsverbrechen Revue passieren: natürlich an erster Stelle die Silvesternacht von Köln, dann zwei Morde nach Vergewaltigung, die längst im kollektiven Gedächtnis tief verankert sind. Nach diesem Anschauungsunterricht folgen „die neuesten Zahlen von heute“.

Wir sehen, dass sich die Zahl der tatverdächtigen Flüchtlinge bei Tötungsdelikten von etwas über 100 im Jahr 2014 bis 2017 knapp vervierfacht hat. Kollege Dzialowski räumt ein, in der Zwischenzeit wäre natürlich auch die Zahl der Flüchtlinge gestiegen. Ach ja? Nämlich um circa 600 Prozent, insofern könnte man sagen, die Gewaltkurve dieser Gruppe habe sich eher abgeflacht. Aber man will natürlich im Angesicht einer schaurigen Tat nichts relativieren.

Es folgt sogleich das nächste Schaubild, das belegt, dass der Anteil der Flüchtlinge an allen Tötungsdelikten von 4,4 Prozent im Jahr 2014 auf 15,5 Prozent 2017 angestiegen sei. Und wieder das gleiche Bild: Der Anstieg ist proportional geringer als die Zahl der Geflüchteten gestiegen ist.

Claus Kleber hatte zuvor versprochen, man müsse sich die Zahlen auch genau anschauen, um sie zu verstehen. Deshalb kommt jetzt der renommierte Kriminologe Professor Christian Pfeiffer ins Bild und darf sich in zwei Ministatements die Zahlen genauer anschauen. Er macht darauf aufmerksam, dass ein Großteil der Flüchtlinge 14–30-jährige Männer sind, die weltweit die Kriminalstatistiken bei diesen Delikten anführen.

Dann weist er daraufhin, dass diejenigen Flüchtlinge kriminell besonders gefährdet sind, die keine Chance hätten, hierbleiben zu dürfen. Anschließend serviert der Reporter noch eine nicht ganz korrekte Statistik, die besagt, dass Zuwanderer aus Irak, Syrien und Afghanistan „besonders selten“ Straftaten begehen, wohingegen Zuwanderer aus den Maghrebstaaten Marokko, Tunesien und Algerien dies „besonders häufig“ täten.

Genauer hinsehen lohnt sich

In absoluten Zahlen ist das Gegenteil wahr, erst wenn man die Zahl in Beziehung setzt zur Zahl der aus den jeweiligen Ländern stammenden wird sie richtiger – besonders häufig oder besonders selten stimmt in beiden Fällen trotzdem nicht. Hier wird also stillschweigend in Proportionen gerechnet.

In der dann folgenden Statistik über die Straftaten zu Sexualdelikten wieder nicht: Um die Kurve noch steiler werden zu lassen, beginnt man hier schon im Jahr 2013 mit 599 Fällen, die bis zum Jahr 2017 auf 3.404 tatverdächtige Flüchtlinge steigen. 2014 waren es 942. Und wiederum: In Relation zu den Zahlen der Flüchtlinge mildert sich das Verhältnis deutlich. Unaufhaltsam nähern wir uns dem Fazit: „Durch die Flüchtlinge hat sich das Gewaltrisiko erhöht“ überlässt man Christian Pfeiffer zu erklären.

Daran ist exakt gar nichts neu. Doch vor dem schaurigen Hintergrund leuchten die Zahlen so richtig schön grell. Frame für Frame hat es die Redaktion darauf angelegt und macht sich sehenden Auges hundsgemein mit der „guten“ Sache.

Die Anklage steht unausgesprochen im Raum: Ohne Merkels Flüchtlingspolitik hätte es 300 Tötungsdelikte weniger gegeben und über 3.000 Frauen hätten keine sexuelle Gewalt erlitten.

Statistisch gesehen hätten Flüchtlinge vielleicht Anspruch auf knapp zwei Prozent des deutschen Kriminalitätsaufkommens, doch auf vielen Gebieten liegen sie deutlich darüber.

Darüber hat sich auch der Kriminologe Professor Pfeiffer schon Gedanken gemacht und diese in Dutzenden von Veröffentlichungen mitgeteilt. Im ZDF hatte er 20 Sekunden, um die Zahlen zu interpretieren, während das heute journal alles tut und anderes unterlässt, um klarzustellen, was Claus Kleber schon in den ersten Sekunden seiner Eröffnungsmoderation heraustrompete: Flüchtlinge sind besonders kriminell.

Junge Männer in sozialer Not

Immerhin konnte Pfeiffer in der Sendung noch erklären, dass das Gros der Zugewanderten aus einer bestimmten Altersgruppe kommt. Was heißt das? Vergleicht man die Gewaltverbrechen Einheimischer der Altersgruppe von 14 bis 40 Jahren mit der entsprechenden Gruppe von Flüchtlingen, dann ergibt sich eine deutliche Relativierung.

Vergleicht man dann noch die sozialen Umstände von Flüchtlingen mit einer annähernd ähnlichen Gruppe von sozial entwurzelten Deutschen, dann dürfte man schon bei Parität sein.

Und schließlich machen Pfeiffer, aber auch die Polizeiliche Kriminalstatistik seit Jahren unmissverständlich klar: Bei den schweren Gewalt- und Sexualdelikten von Zuwanderern stammen die Opfer oft – in einigen Bereichen bis zu 90 Prozent – aus der eigenen Gruppe von Flüchtlingen. Man muss kein Tiefenpsychologe sein, um die Gründe dafür zu verstehen. Aber vielleicht ein Journalist, um es nicht zu verstehen. Am Ende müssten sie sogar noch darüber nachdenken, woher all die Fliehenden denn kommen und warum.

Man ahnt, wie ein Vergleich zwischen der Kriminalstatistik von Hamburg und der Lüneburger Heide ausginge. In der Logik eines Claus Kleber hieße das: Hamburger sind krimineller.

Das ist aber keine Logik, sondern bloß dumm. Man hat sich ja schon fast daran gewöhnt, dass unsere sogenannten Qualitätsjournalisten fast alle Regeln des Gewerbes über Bord geworfen haben. Mittlerweile gebiert das Unprofessionelle das Unanständige.

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