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Die Bilderberger in der Schweiz

Die Bilderberger in der Schweiz

Zum 67. Mal traf sich die Weltelite hinter verschlossenen Türen.

von Peter Koenig

Vom 30. Mai bis zum 2. Juni 2019 fand im schweizerischen Montreux die 67. Bilderberg-Konferenz statt. Die rund 130 geladenen Gäste aus 23 Ländern trafen sich im Luxus-Ressorthotel Montreux Palace. Ungefähr ein Viertel der Teilnehmer waren Frauen.

Die Bilderberg-Konferenz wurde zu Beginn des Kalten Krieges ins Leben gerufen. Sie diente als Debattierclub für US-amerikanische und europäische Führungskräfte und als Bollwerk gegen den Kommunismus – oder kurz gesagt, gegen die Sowjetunion. Die erste Konferenz fand im Jahr 1954 im Hotel de Bilderberg im niederländischen Oosterbeek statt. Seitdem wurden die Treffen der Bilderberg-Gruppe einmal im Jahr an verschiedenen Orten der westlichen Welt abgehalten, vor allem jedoch in Nordamerika.

Dass die Bilderberger sich dieses Jahr in der Schweiz trafen, ist kein Zufall: Die Schweiz ist eines ihrer beliebtesten Gastgeberländer außerhalb der USA.Vor der diesjährigenVeranstaltung in Montreux wurde die Konferenz bereits an mindestens fünf weiteren Terminen in der Schweiz abgehalten: 1960 im Palace Hotel, Bürgenstock; 1970 im Grand Hotel Quellenhof, Bad Ragaz, St. Gallen; 1981 - Palace Hotel, Bürgenstock; 1995 im Palace Hotel, Bürgenstock; 2011 im Suvretta House, St. Moritz.

Die Bilderberg-Konferenzen finden unter völligem Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Veranstaltet werden sie von denen, die hinter den Führungskräften der Welt ihre Fäden ziehen – Politiker, Vorstandsvorsitzende globaler Konzerne und internationaler Finanzinstitutionen, Führungskräfte anderer Institutionen – sowie von Künstlern und dem Who’s who der Weltelite. Und wir sprechen dabei von der westlichen Welt. Denn abgesehen von etwa zehn Teilnehmern aus der Türkei, Polen, Bulgarien und Estland handelt es sich bei den Anwesenden ausschließlich um Nordamerikaner oder (West-)Europäer. Der Rest der Welt ist nicht so wichtig.

Exklusiver Club des Westens

Das östlichste Land, das in diesem exklusiv westlichen Club mit einbezogen wird, ist die Türkei. Dies soll wohl als Köder für Erdogan dienen, in der Hoffnung, die NATO-Türkei würde wieder ins westliche Lager wechseln. Doch wie lange noch? Die Türkei, ewig schwankend zwischen Ost und West, hat mit der Anvisierung des Eintritts in die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) bereits mehr als einen Fuß im Osten. Und die SOZ ist nicht gerade eine östliche Version der Bilderberg-Gruppe. Vielmehr handelt es sich dabei um ein offenes Forum für wirtschafts- und sicherheitspolitische Zusammenarbeit, ohne Geheimnisse und Manipulation à la Bilderberg-Club.

Den Vorsitz der diesjährigen Bilderberg-Konferenz führte der Franzose Henri de Castries, Präsident des in Paris ansässigen Institut Montaigne, einer gemeinnützigen Denkfabrik, die in den Bereichen sozialer Zusammenhalt und öffentliche Ordnung arbeitet. Weitere prominente Teilnehmer waren Mike Pompeo, derzeitiger Außenminister der USA, sowie der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger, treibende Kraft hinter den Bilderberg-Treffen, Protegé von Rockefeller – und Kriegsverbrecher –; Frankreichs Minister für Wirtschaft und Finanzen Bruno Le Maire; der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte von der rechtsextremen Volkspartei für Freiheit und Demokratie; Ursula von der Leyen, Deutschlands Bundesministerin der Verteidigung von der konservativen Christlich Demokratischen Union (CDU); und nicht zu vergessen Jared Kushner, Schwiegersohn und persönlicher Berater von US-Präsident Donald Trump sowie enger Vertrauter von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.

Das bedeutet, dass Israel auf höchster Ebene vertreten war. Aus der Schweiz war unter anderem der amtierende Präsident Ueli Maurer anwesend. Es wird gemunkelt, dass Maurer hinter verschlossenen Türen mit Pompeo Gespräche über den Iran führte, den die Schweiz gegenüber Washington vertritt. Die Anwesenheit von Persönlichkeiten wie Kushner und Pompeo sowie die Gerüchte über heimliche Iran-Gespräche lassen nichts Gutes verheißen.

Die Bilderberg-Gruppe steht – unter anderem durch sich teilweise überlagernde Mitgliedschaften – in Verbindung mit der privaten US-amerikanischen Denkfabrik Council on Foreign Relations (CFR), der von David Rockefeller gegründeten Trilateralen Kommission, der Londoner Denkfabrik Chatham House, welche die Regeln für die Treffen festlegt, und nicht zuletzt dem berühmt-berüchtigten Weltwirtschaftsforum (WEF), das jedes Jahr in Davos im Schweizer Kanton Graubünden stattfindet. Im Gegensatz zur Bilderberg-Konferenz, die in jeder Hinsicht eine Geheimorganisation ist, wahrt das WEF gegenüber der Welt eine transparente Fassade, obwohl auch dort geheime Besprechungen hinter verschlossenen Türen stattfinden. Die Bilderberg-Konferenzen – so wird behauptet – sind informelle Gespräche, die es den Teilnehmern ermöglichen, erhaltene Informationen frei zu verwenden. Gleichzeitig ist es jedoch untersagt, die Identität und Gruppenzugehörigkeit der Redner und Konferenzteilnehmer offenzulegen.

Die Schweiz als idealer Gastgeber

Die Schweiz ist eines der undurchsichtigsten Länder der Welt. Sie ist ein Universum des Bankenwesens und riesiger Finanzinstitutionen, der sichere Hafen für internationale Konzerne, die nicht nur mit niedrigen Steuern davonkommen, sondern auch ethischen Standards entgehen wollen – Standards, die sie normalerweise bei Tätigung ihrer Geschäfte und der Ausbeutung natürlicher Ressourcen in nicht-industrialisierten Ländern erfüllen müssten. Diese Konzerne haben Privilegien allein dadurch, dass sie ihren Sitz in der Schweiz haben. Die Helvetische Konföderation ist ein Land, das von den Lehnsherren des westlichen Geldmarktes regiert wird. Es wird beherrscht von dem pyramidalen Geldsystem, das vom Zentralbanksystem der Vereinigten Staaten (FED) gesteuert wird und schuldenbasiert ist. Dieses Schneeballsystem, angeführt unter anderem vom Clan der Rothschild Bank, hat nunmehr seit hundert Jahren Bestand.

Diese stehen in enger Verbindung zueinander und kontrollieren den Goldspeicher des westlichen Bankensystems – die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel, auch „Zentralbank der Zentralbanken“ genannt. Die BIZ wiederum pflegt enge Beziehungen mit der Schweizer Finanzbranche. Sie ist verkehrsgünstig an der deutschen Grenze gelegen und diente der FED bereits als Zwischenhändlerin zur Finanzierung von Hitlers Krieg gegen die Sowjetunion.

Gibt es einen besseren Ort für die Bilderberger, ihre Pläne bezüglich der Zukunft der Welt auszuhecken und sich – um es drastisch auszudrücken – gegen den Rest der Welt zu verschwören?

Es ist kein Zufall, dass die Schweiz von der Zerstörung, die während der beiden Weltkriege angerichtet wurde, verschont blieb. Sie ist das einzige OECD-Land, in dem Gesetze direkt von Finanzinstitutionen und Großkonzernen erlassen werden, und zwar indem Parlamentsabgeordnete im Vorstand von Konzernen und Finanzinstituten sitzen, während sie gleichzeitig Gesetze für die Bevölkerung erlassen. Es ist ein Land, in dem die Grundprinzipien der Unternehmensethik vernachlässigt und von schamlosen Interessenskonflikten außer Kraft gesetzt werden können; ein Land, in dem Wirtschaftsverbände jene Gesetze beschließen, die dem Großkapital gelegen kommen. Noch einmal: Gibt es einen besseren Veranstaltungsort für die Bilderberger?

Die Schweiz wurde in den letzten 30 Jahren zum Epizentrum des Neoliberalismus – und ist somit ideal für hinter den Kulissen stattfindende Diskussionen und Übereinkünfte und den Austausch von visionären Strategien zur Schaffung einer Neuen Weltordnung. Der erste Punkt auf der Tagesordnung der diesjährigen Bilderberg-Konferenz war „eine stabile strategische Ordnung“ – ein Euphemismus für das Konzept der Neuen Weltordnung.

Leitziel: Reduzierung der Weltbevölkerung

Weitere offizielle Tagesordnungspunkte waren „Die Zukunft des Kapitalismus“, „Russland“, „China“, „Der Gebrauch sozialer Medien als Waffe“, „Brexit“, „Was kommt als Nächstes für Europa?“ und „Ethik der Künstlichen Intelligenz“. Natürlich darf bei einer Konferenz von derartiger Bedeutung auch das Thema „Klimawandel und Nachhaltigkeit“ nicht fehlen. Was kann bei einer so harmlos klingenden Agenda denn schon hinter verschlossenen Türen passieren?

Einer der festen Tagesordnungspunkte ist die Verringerung der Weltbevölkerung. Dieses Thema lag Rockefeller – aktuell treibende Kraft hinter den Bilderbergern – sehr am Herzen und wird von seinem Schützling Henry Kissinger propagiert. Denn nur so kann die Weltelite mit den drastisch knapper werdenden Ressourcen länger und besser leben.

Es gibt noch einige Themen, die zwar nicht offiziell auf der Tagesordnung stehen, aber im Rahmen der „Verringerung der Weltbevölkerung“ sicherlich diskutiert wurden. Beispielsweise der permanente „Krieg gegen den Terror“, mit dem Massentötungen legitimiert werden und der einen ungeheuren Ausstoß an CO2 und anderen Treibhausgasen verursacht – worüber natürlich nie gesprochen wird. Oder die Implementierung von 5G – die fünfte Generation tödlicher Strahlung –, um unsere Kommunikation zu erleichtern, sprich: für eine effektivere Überwachung, das Aufzwingen von Künstlicher Intelligenz (KI), eine effizientere Digitalisierung von Finanzen – und wahrscheinlich verzögert auftretende, aber exponentiell steigende Krebsraten; die giftigen gentechnisch veränderten Organismen (GVOs) und Glyphosatprodukte von Bayer-Monsanto; künstlich eingeschleuste tödliche Epidemien wie Ebola; und nicht zuletzt das Forschungsprogramm High Frequency Active Auroral Research Program (HAARP) der US-amerikanischen Luftwaffe, das den Klimawandel als Waffe einsetzt und der Welt durch die Verursachung von Dürren, Überschwemmungen, Hurricanes, Tornados und anderen Klimakatastrophen Hunger, Elend und anderes Leid bringt.

Das sind natürlich alles nur Spekulationen, abgeleitet aus dem Leitziel des Bilderberg-Clubs: Die Reduzierung der Weltbevölkerung.

Es kann sein, dass ich völlig falsch liege.

Ein zukunftsfähiges System

Da bei der Bilderberg-Konferenz alles der Geheimhaltung unterliegt und höchstwahrscheinlich nur Verschwörungstheorien und Wissen aus zweiter Hand in Bezug auf die informellen Gespräche und hinter den Kulissen getroffenen Entscheidungen in die Medien gelangen werden, ist es durchaus möglich, dass die Bilderberger tatsächlich das sind, was sie zu sein behaupten: eine friedliche, dialogorientierte Gruppe von Menschen, die sich den Werten der Demokratie und Freiheit verpflichtet fühlt – und natürlich dem Unternehmertum.

Und schließlich – Sie lesen richtig – betonte der Mitorganisator André Kudelski gegenüber der Schweizer Zeitung 24 Heures: „Über die Zukunft des Kapitalismus zu sprechen bedeutet nicht, dass wir es für das einzig mögliche System halten“.

In dem Punkt stimme ich ihm sogar zu. Kapitalismus ist nicht das einzige zukunftsfähige System. Tatsächlich ist es sogar DAS System, das NICHT zukunftsfähig ist, denn es verbreitet weltweit Ungerechtigkeit, Ungleichheit, Kriminalität und Elend und ist somit ganz bestimmt nicht nachhaltig. Ja, liebe Bilderberger, fangt doch mal an, über eine Alternative nachzudenken! Eine, die soziale Gerechtigkeit und Teilhabe mit sich bringt, Chancengleichheit ermöglicht und eine gleichmäßigere Verteilung des Reichtums auf der Welt bewirkt; eine, in der FRIEDEN möglich ist, damit wir alle gut leben können – nicht wohlhabend, sondern gut.


Peter Koenig ist Ökonom und geopolitischer Analyst. Er ist außerdem Spezialist für Wasserressourcen und Umweltfragen; in diesem Bereich hat er über 30 Jahre lang für die Weltbank und die Weltgesundheitsorganisation gearbeitet. Er unterrichtet an Universitäten in den USA, Europa und Südamerika. Regelmäßig schreibt er unter anderem für Global Research, ICH, Russia Today, Sputnik, PressTV, The 21stCentury, TeleSUR, The Saker Blog und New Eastern Outlook (NEO). Er ist Autor des auf seinen Weltbank-Erfahrungen basierenden Romans „Implosion – An Economic Thriller about War, Environmental Destruction and Corporate Greed“ sowie Ko-Autor von „The World Order and Revolution! – Essays from the Resistance“. Außerdem ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter des „Centre for Research on Globalization“.


Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text erschien zuerst unter dem Titel „The Bilderbergers in Switzerland“. Er wurde von Nadine Müller aus dem ehrenamtlichen Rubikon-Übersetzungsteam übersetzt und vom ehrenamtlichen Rubikon-Korrektoratsteam lektoriert.

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