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Die ARD liebt Rubikon

Die ARD liebt Rubikon

Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD-aktuell, würdigt die Arbeit von Rubikon, indem er dessen kritische Analysen zu diskreditieren versucht.

Also schrieb Dr. Kai Gniffke, Chefredakteur der ARD-aktuell:

„Den Vorwurf der Informationsunterschlagung weisen wir zurück, da die von Ihnen angeführten Quellen "rubikon.news", "deutsche-wirtschafts-nachrichten.de", "deutsch.rt.com" und "warisacrime.org" uns nicht als verlässliche Quellen gelten.“

So macht er das, der Gniffke, Landpfleger mit öffentlich-rechtlicher Deutungshoheit, der ARD-Exarch. Alle Nachrichtenanbieter, die ihm nicht in den transatlantischen, regierungsfrommen und ansonsten hochherrschaftlichen Kram passen – es sind haufenweise mehr, als er hier aufzählt – tut er ohne Begründung als „nicht verlässlich“ ab. Unter solchem Plafond ließ sich natürlich auch leicht öffentlich dazu aufzufordern, Vorwürfe wie „Informationsunterschlagung“ rückhaltlos zu äußern: „Sag's mir ins Gesicht“ hieß die eigens dazu eingerichtete Sendereihe der ARD-aktuell. Eine Infamie.

„Sag's mir ins Gesicht“ verlangt einer, der meint, jeden, aber auch jeden Vorwurf niederbügeln zu können und in Tat und Wahrheit über alle Kritik erhaben zu sein. Er lädt dazu ein, auf ihn loszugehen, weil er aller Welt zeigen möchte, von welch edlem Charakter und wie unverwundbar er selber ist. Dass er sich sogar zu dieser großmütigen Geste herbeilässt...

Herablässt. Hinter der vorgeblichen Generosität steckt Verachtung gegenüber Andersdenkenden. „Höher hängen!“ befahl bekanntlich der Alte Fritz, als Seine Majestät an einer Schmähschrift vorüberritten, die von gepeinigten Untertanen am Wegrand plakatiert worden war...

Die Sendereihe der ARD-aktuell mit dem Titel „Sag's mir ins Gesicht“ lud das Publikum zwar ein, die Programmverantwortlichen direkt für Schlingerkurs und Schlagseite des „Flaggschiffs der ARD“ zu kritisieren. Ein Eingeständnis aber war damit keineswegs verbunden. Erst recht nicht eine Anerkennung des Publikums als gleichwertiger, ernst zu nehmender Gesprächspartner – obwohl es doch für die ganze Chose bezahlt. Bezahlen muss.

Offenbar haben die förmlichen Programmbeschwerden und die sich häufende Kritik auch aus Fach- und aus Wissenschaftskreisen ein Ausmaß angenommen, dass es der Führung der Qualitätsjournalistentruppe geraten schien, die Flucht nach vorne anzutreten. Dass sie auch dabei auf hinterhältige Tricks nicht verzichtete, versteht sich von selbst. Die „Gesichter“ stellten sich nur einem Scheingefecht, nicht einem echten Meinungskampf.

Wir wollen kurz ausholen. Früher lernte der Redaktionsvolontär nicht nur das Abfassen von Berichten, sondern auch, wie Zeitungssatz zu umbrechen und die Seiten grafisch zu gestalten sind. Ein Prinzip dabei war: Das Wichtige gehört nach rechts, am besten nach oben, das weniger Wichtige kann nach links, gegebenenfalls dort nach unten. Denn der Betrachter einer Zeitung widmet seine Aufmerksamkeit unwillkürlich mehr den rechts stehenden Angeboten. Er guckt viel häufiger nach rechts oben als nach links unten.

Was beim Aufschlagen einer Zeitung geschieht, das tritt auch beim Aufschalten der Wunderlampe im Wohnzimmer ein: Der Zuschauer legt den Schwerpunkt seiner Aufmerksamkeit unwillkürlich auf die rechte Bildschirmhälfte.

Reiner Zufall, dass für die Sendereihe „Sag´s mir ins Gesicht“ diese rechte Bildschirmseite reserviert war für Gniffke & Co., während die Videos der Anrufer auf die linke platziert wurden? ARD-aktuell machte nicht nur damit deutlich, wie unredlich und unehrenhaft die Qualitätstruppe mit ihren Kritikern umspringt. Eine Frechheit war das, eine Bösartigkeit: Kamerafeste, ausgebuffte Profis aus der Spitzengehaltsklasse des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ließen private Kritiker gegen sich antreten, die keine Studiotechnik zur Verfügung hatten, keine Maskenbildner, keine Beleuchtungsmeister, keine Bildregie, keine Fachleute hinter den Kameras, keine Toningenieure – und keine Stichwortgeber per Teleprompter. Rhetorisch geschult, geschniegelt und geschminkt, stellten sich hier „Qualitätsjournalisten“ dem Gespräch mit gutgläubigen Mitmenschen, die sich mit ihren vernünftigen Argumenten nur in unzulänglicher Skype-Qualität präsentieren konnten. Das musste zumindest von der Außenwirkung her zugunsten der ARD-aktuell-Profis ausgehen. Es demonstrierte nichts anderes als ekelhaften Umgang mit einem kritikbereiten Publikum, das sich nicht so eloquent darstellen kann und vor allem nicht mit aalglatten Ausweichmanövern glänzen, sondern mit facts and figures diskutieren wollte. Mit offenem Visier angetreten gegen die gewieften Routiniers

Und heraus kam dabei ein abstoßendes Showturnier.

„...ich musste da einfach wegschalten. Der fiese Umgang mit dem kritischen Publikum, das sich nicht so klar und deutlich ausdrücken kann wie Sie, hat mir weh getan,“ schrieb uns ein Kritiker. Er hatte erkannt, was eine der Absichten hinter dieser Sendereihe war: Den Kritikern generell sollte mal das Maul gestopft, ein Exempel statuiert werden.

„Tagesschau sucht Dialog mit Hass-Postern“, titelte der Deutschlandfunk und behauptete „Mit ihrer Aktion ‚Sag's mir ins Gesicht’ möchte die Tagesschau die Diskussionskultur im Netz verbessern und ein Zeichen gegen den zunehmenden Hass setzen.“ Der DLF zeigte damit das grundlegende, gewollte „Missverständnis“ auf, mit dem öffentlich-rechtliche Qualitätsjournalisten tricksen: Sie setzen Kritik mit Hasstiraden (neudeutsch: hate speech) gleich. Sie mokieren sich über die Form und versuchen, damit zugleich die Inhalte der Kritik abzumeiern.

Verdienten Schimpf deklarieren diese ARD-aktuell-Herrschaften als Majestätsbeleidigung - und spielen beleidigte Leberwurst. Dr. Gniffke: "Wir treffen uns heute mit Menschen, die uns beschimpfen [... um] die Diskussionskultur im Netz zu verbessern und ein Zeichen gegen den zunehmenden Hass zu setzen" [...] Löblich, wenn dies das wahre Motiv wäre. "Uns ging es nicht darum, jemanden vorzuführen." Noch eine Lüge. Konzeptionell. Denn: Die Herrschaften wollten sich wohl dem Publikum „stellen“. Aber nicht in der aufrichtigen Bereitschaft, sensibel zuzuhören und der Frage nachzuspüren, wie berechtigt die Kritik der Zuschauerinnen und Zuschauer zumeist ist. Sondern in der Absicht, diese Kritik an sich abprallen zu lassen.

Anstand und Courage hätten die ARD-aktuell-Vertreter gezeigt, wenn sie sich professionellen und damit auch formal satisfaktionsfähigen Kritikern gestellt hätten. Einer Debatte unter fairen Rahmenbedingungen, beispielsweise mit Jürgen Becker, Sabine Schiffer, Uwe Krüger, Maren Müller, Walter van Rossum, Gabriele Krone-Schmalz, Michael Lüders, Günter Meyer, Peter Vonnahme, Jochen Scholz u.a. Das wagen die Gniffkes freilich nicht. Denn trotz aller Schminkkünste der Maskenbilder würden sie dabei alt aussehen. Ur-uralt.

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