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Die andere Welt

Die andere Welt

Eine Auswahl unterschiedlicher mutmachender Projekte zeigt, dass und wie wir besser miteinander leben können. Teil 1/3.

Ich schreite durch ein Dorf. Vor einem Zauntor sitzt eine alte Frau, lächelt mich breit an und grüßt mich, während sie mit ihrer Nachbarin Körbe flicht und über ihre (Ur-)Enkel redet. Ihre Nachbarin ist die Heilerin und Hebamme. Die Straße verwandelt sich in eine Staubwolke, als eine mit Heu und Kindern voll beladene Kutsche von den Feldern heimfährt, um das Heu auf dem Heuschober über dem kleinen Stall einzulagern. Der Weg wird von Obst- und Nussbäumen gesäumt, dazwischen bunte Bauerngärten, auf deren Zäunen stolz bunte Gockel thronen.

Hinter den kleinen Holz-, Lehm- oder Steinhäuschen erstrecken sich Gemüsebeete und Felder, bespickt von bunten Farbtupfern, die weidende Kühe und Ziegen erahnen lassen. Aus den umliegenden Wäldern tönt ein Klopfen, Holz für den Winter wird mithilfe von Pferden und einiger Wasserbüffel oder Ochsen eingebracht. Ich erreiche an der Stelle, an der sich alle Wege kreuzen, den kleinen Teich. Gänse und Enten schnabulieren genüsslich und zufrieden schnatternd Teichkresse und dösen im kühlen Schatten der Korbweiden. Daneben spielen Kinder vor der Dorfschule Fangen.

Die Kinder werden altersübergreifend in handwerklichen und künstlerischen Fertigkeiten, körperlicher Gewandtheit, Lesen, Schreiben und Rechnen, Geschichte, dem Dorfrecht, sozialen Kompetenzen und Astrologie erlebnispädagogisch an wechselnden Standorten von verschiedenen Menschen geschult. Auf der Infotafel sind Anschläge angebracht, die Termine der nächsten Treffen oder selbstorganisierten Veranstaltungen, außerdem die Verfassung der Einwohner:

  • Jeder Mensch ist gleich viel wert.
  • Jeder hat das Recht auf ein bis zwei Hektar Land zum Leben, sowie auf die Nutzung der Allmendeweiden für die Tiere und versorgt sich und seine Familie mit Lebensmitteln, außer er übernimmt eine große Aufgabe für die Allgemeinheit, dann versorgt die Gemeinschaft ihn.
  • Niemand hat das Recht, Land zu besitzen.
  • Jeder hat das Recht auf gutes Wasser. Trocknet eine der Quellen aus, teilen die Nachbarn ihr Wasser.
  • Jeder darf jährlich das Dorfoberhaupt wählen, welches die Verwaltung und Rechtsprechung übernehmen wird.
  • Ist ein Mensch in Not, greifen ihm alle unter die Arme.
  • Es dürfen ausschließlich Waren und Dienstleistungen getauscht werden.
  • Durchreisende Nomaden dürfen am Waldrand ihr Lager aufschlagen, solange wie ihr Können gebraucht wird oder sie es benötigen.

Ich denke, wir alle sind zu solch einem Leben in der Lage. Der heutige Luxus umgibt die Mehrheit unserer Mitmenschen erst seit weniger als einem Jahrhundert, auf Kosten von Menschen an anderen Orten unserer globalisierten Welt, die ärmer leben, als sie in einer gerechten und nachhaltigen Welt leben müssten.

Wir brauchen die heutigen Umstände nicht wirklich. Gemeinschaftlich können wir hohen Belastungen standhalten, und es hat sich mindestens seit zehntausend Jahren eine ortsgebundene Lebensweise im Einklang mit unserer Mitwelt etabliert, die uns und das ökologische Gleichgewicht psychisch und physisch gesund hält und uns glücklich macht.

Dazu gehört das Recht eines jeden Menschen, Land zu nutzen, basisdemokratische Organisationsformen, die Anerkennung des Prinzips des Lebens, dem Zyklus von Geburt und Tod durch die Vereinigung weiblicher und männlicher Kräfte.

Diese Rechte müssen wir uns zurückholen ─ und zwar organisiert und als große Gruppe, gegliedert in überschaubare Einheiten. Denn ein Wandel funktioniert am besten im Zusammenspiel mit möglichst vielen Menschen. Unser Kulturkreis ist geprägt von der sich wiederkehrenden Enteignung der Bauern und der Etablierung von Großgrundbesitzern beziehungsweise Großbauern, welche Sklaven, Leibeigene und heutzutage unter anderem deutsche Saisonarbeiter aus der Unterschicht, Polen und Ukrainer beschäftigen. Das gilt auch für „Bio“- und Demeter-Farmen.

Kleinbauern sind ─ insgesamt betrachtet ─ ertragreicher als Großbauern. Auch die Permakultur lebt vor, dass sie auf den gleichen Flächen mehr erwirtschaftet als die konventionelle Landwirtschaft. Weg von großen Maschinen und hin zu einer Renaissance des freien Bauerntums macht also sehr viel Sinn, gerade in Hinblick auf die vielen Menschen, die momentan noch von Tierhaltung und Gärten im kleinen Maßstab träumen, und auch in Anbetracht der zahlreichen Probleme wie der Verdichtung und Versandung der Böden, eines hohen Ressourcenverbrauchs, Pestizide und künstlichem Dünger, Sortenverarmung, Massentierhaltung sowie Überdüngung.

Diese Menschen möchte ich dazu ermutigen, sich aus der Masse heraus zu nehmen, sichtbar zu werden und sich zusammenzuschließen, um dann für ein autarkes und selbstbestimmtes Leben zu kämpfen. Dazu gehört auch die Gründung eines eigenen Bildungs- und Währungssystems.

So habe ich wunderbare Blitzlichter als Vorbilder zusammengestellt. Sie sollen Sie inspirieren und zeigen, dass ein Wandel bereits stattfindet und wie er möglich ist. Auch Sie können Schritt für Schritt aussteigen, wenn Sie Lust auf ein anderes Leben haben.

Tamera ─ Heilungsbiotope als globale Friedensstrategie

Tamera ist ein „Heilungsbiotop“ — darunter verstehen wir eine Gemeinschaft von Mensch, Tier, Natur, die heilend auf ihre Mitglieder und auf ihre Umwelt wirkt. Als Gemeinschaft existiert Tamera bereits seit 1978, wurde damals in Deutschland von Dieter Duhm und Sabine Lichtenfels gegründet. Nach der Studentenbewegung der 68er gab es sehr viele Menschen, die nach Alternativen suchten.

Darunter auch die Gründer von Tamera. Sie mieteten einen Bauernhof in Süddeutschland und luden alle ein, die beim Aufbau einer Friedensuniversität mithelfen wollten. Das begann sehr gut, doch dann kam es zu inneren Konflikten bei den Themen Eifersucht, Konkurrenz, Liebe, Machtkampf — also das Übliche.

Die Gruppe sagte deshalb, lasst uns drei Jahre lang ganz diesen Themen widmen, dass wir eine Kraft und ein Wissen verfügen, damit uns Konflikte nicht mehr trennen können. Vor allem in den Bereichen Liebe und Religion haben sie ganz neue Wahrheiten entdeckt und gelebt, alles mit viel Kunst und Kreativität. Danach war die Basis eines Zukunftsprojektes gelegt.

Die Gemeinschaft zog 1995 nach Portugal, wo wir mit inzwischen mehr als 150 Menschen daran arbeiten, ein Gesellschaftsmodell für Frieden, Heilung in der Liebe und ökologische Restaurierung aufzubauen. Wir haben ein globales Netzwerk von Gruppen und Initiativen, die in ihrem Umfeld für einen Systemwechsel arbeiten, darunter auch viele Gruppen in Krisengebieten.

Was wir machen, kann man auf die beiden Begriffe Forschung und Ausbildung fokussieren. Wir erforschen: Was ist der Mensch? Wie sehen soziale und spirituelle Bedingungen aus, in denen der Mensch frei, gesund, intelligent und liebend sein und bleiben kann? Wie gehen wir mit dem Lebendigen um — mit dem Wasser, den Tieren, unserer eigenen Lebensenergie, einschließlich der Liebe, Erotik und Sexualität, auch „unliebsamen“ Emotionen wie Wut, Gier, Angst?

Und Ausbildung heißt, dass wir Menschen aus aller Welt darin ausbilden, selbst Heilungsbiotope zu gründen oder in anderer Form Friedensarbeit zu tun. Dazu gibt es Onlinekurse, Wochenseminare bis zu Dreijahresausbildungen.

Wir haben ethische Richtlinien, nach denen wir unser soziales Miteinander organisieren. Ganz grob gesagt, sind das: Wahrheit untereinander, selbstverantwortliche Teilnahme, gegenseitige Unterstützung.

Dazu gibt es soziale Gruppen — also Menschen, die zusammen oder in der Nähe wohnen, essen, kochen — und Projektgruppen — also Menschen, die zusammenarbeiten. Diese Gruppen und auch die Gesamtgemeinschaft investiert viel Zeit für den Austausch und die Transparenz. Wir haben verstanden, dass es gesund ist, voneinander zu wissen, was wir denken, fühlen et cetera. Das soziale Werkzeug, das wir dazu benutzen, nennen wir „Forum“.

Darüber hinaus ist es wichtig zu wissen, dass wir das gleiche Ziel, die gleiche Vision haben. Daher „studieren“ wir viel. Studium bedeutet für uns der tiefe geistige Austausch über unser Ziel.

Es gibt einen Platz der Kinder mit Schule und Kindergarten. Die Kinder leben grundsätzlich bei den Eltern, haben aber auch die Möglichkeit, am Platz der Kinder mit anderen aller Altersgruppen, Zeiten zu verbringen. Wir haben eine eigene Schule, in die auch Kinder der Nachbarschaft gehen.

Dazu, wie wir uns finanziell tragen, gibt es zwei Antwort-Richtungen:

  1. Durch Seminar- und Gäste-Einnahmen, einige kleinere Unternehmen (Verlag, ökologische Beratung) und Spenden beziehungsweise Fundraising für Einzelprojekte.
  2. Wir möchten grundsätzlich nichts machen nur wegen des Geldes. Dafür nehmen wir immer wieder auch Engpässe in Kauf.

Wir sind nicht lebensmittelautark. Was wir anstreben, ist keine Autarkie für uns selbst, sondern eine regionale Autarkie. Dafür unterstützen wir Produzenten in der Region durch ökologisches Wissen und unsere Kaufkraft und den Aufbau einer Food-Kooperative. Unser Ort eignet sich wegen seiner Lage im Flusssystem eher für die Aufforstung als für den Gemüseanbau. Die Energieautarkie liegt bei 60 Prozent und soll in den nächsten zwei Jahren auf 100 Prozent steigen.

Wir streben derzeit nicht an, dass wir als Gemeinschaft wachsen. Aber wer die komplette Ausbildung mitgemacht hat, findet im Netzwerk und in einigen Fällen auch in Tamera einen Platz zum Leben und Arbeiten.

Nach unserer Wahrnehmung geht es nicht mehr ums Aus- oder Einsteigen. Wir sitzen alle in einem Boot, auf einer Erde — und diese Erde ist bedroht. Wir müssen alle den Platz finden, wo wir am besten beitragen können zu einem Systemwechsel.

Die einen stellen sich der Mega-Maschine in den Weg, die anderen arbeiten an Alternativen. Das ist eine gemeinsame Aufgabe.

Wer Gemeinschaft gründen will, braucht eine tragfähige soziale Basis — also Wissen über Kommunikation, Anteilnahme, Liebe — und ein gemeinsames Ziel. Alles andere — Geld, Ort, gutes Wasser — wird oft überbewertet. Die meisten Gemeinschaften scheitern aus menschlichen Gründen, nicht aus ökologischen oder finanziellen.

Ein wirklicher Ausstieg aus dem System kann nur gemeinsam gelingen. Die Europäische Union (EU), aber auch die Einzelstaaten verlangen immer stärkere Anpassung. Als Landbesitzer hat man entweder einen Bauernhof oder eine Firma oder ein Dorf. „Gemeinschaft“ gibt es als rechtliche Form nicht, das führt zu einigen Schwierigkeiten. In Tamera und in einigen andern Gemeinschaften arbeiten wir daran, dass Gemeinschaft als Rechtsform anerkannt wird. Das hat Auswirkungen für die Besitzverhältnisse, für das Bauen et cetera.

Nach Portugal sind wir damals gegangen, weil wir dachten, es wäre hier leichter. Aber die EU-Hörigkeit in Portugal hat sich rasant verstärkt. Wir haben die gleichen bürokratischen Hindernisse wie überall. Aber wir erleben auch, dass angesichts der Klimakrise und anderer Krisen sich immer öfter Behörden an uns und ähnliche Gruppen wenden, um von uns zu lernen. Die Machtverhältnisse ändern sich auch; und wir stehen vor echten Kooperationsmöglichkeiten.

Ich würde Gruppen und Gemeinschaften nicht raten, unbedingt an die schönsten Orte zu gehen. Geht lieber an die Schwierigsten, da bewirkt ihr am meisten!

Leila Dregger, Tamera Peace Research Centre.

Feny Kapu ─ die Balance zwischen Einfachheit und Entwicklung

Eszter und Attila Dobos leben in einer kleinen Gemeinschaft im Szeklerland. Alle Häuser sind mit natürlichen Materialien gebaut und zeugen von unglaublicher Kunstfertigkeit und bewusster Energiearbeit. Es wird versucht, auf Erdölprodukte zu verzichten, alte Traditionen und soziale Strukturen zu pflegen. Dabei halten die Dobos seltene Bergrinder und Wasserbüffel, außerdem werden in der Gemeinschaft Lipizzaner gezüchtet und als Arbeitspferde genutzt. Die Szekler halten sich für die Nachfahren von Attila dem Hunnenkönig, der mit seinen Stämmen eine Gruppe in der rumänischen Hochebene ─ dem Szeklerland ─ zurückgelassen hat, wo bis heute ein ungarischer Dialekt gesprochen wird.

Wir sind die Dobos-Familie: Eszter (32) und Attila (41) sowie ihre fünf Kinder im Alter von zwölf, zehn, acht, sechs und einem Jahr. Wir sind beide Fotografen. Auf unserem Bauernhof halten wir alte Rinderrassen, Pferde, Hühner, Enten und Kaninchen. Unseren Hof haben wir in dem Jahr gegründet, in dem wir heirateten. Jedes Jahr laden wir Volontäre und Schulgruppen ein, mitzuhelfen. Manchmal organisieren wir auch mit Freunden Workshops. Vorigen Sommer haben wir ein Reit-Camp für Kinder organisiert und beworben.

Wie wir uns finanziell tragen, ist eine schwierige Frage: Es ist sehr hart für uns. Momentan haben wir ein kleines Baby und schaffen nicht alles so wie sonst. Aber normalerweise haben wir im Sommer viel Gemüse, unterschiedliche Milchprodukte, Fleisch und Eier. Brot tauschen wir bei Freunden ein, das nennen wir „Barter“. Wir brauchen Geld lediglich, um Öl, Getreide und manches Obst zu kaufen. Allen Aussteigern empfehlen wir, die Balance zwischen Einfachheit und Entwicklung zu finden, die Arbeit zu genießen und jeden Tag dankbar zu sein.

Eszter Dobos, Feny Kapu, von der Autorin aus dem Englischen übersetzt

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Wanderuni ─ ein wortwörtlicher Studiengang

Wir sind eine Gruppe von Menschen, die aktiv an der Wanderuni teilnehmen oder teilgenommen haben. Die Wanderuni ist eine Idee. Sie besteht darin, sich selbstorganisiert und mithilfe alter Wanderuni-Hasen als Menschen zusammenzufinden und gemeinsam einen Studiengang zu durchlaufen. „Studiengang“ ist hier wortwörtlich gemeint: Zusammen wird das Sommerhalbjahr gelebt, gelernt, gewandert und gereist.

Die Gruppendynamik entwickelt sich jedes Jahr aufs Neue individuell und bestimmt, auf welche Art und Weise sich mit meist basisdemokratisch nach dem Konsensprinzip gewählten Themen beschäftigt wird. Dabei nimmt auch das soziale Lernen großen Raum ein und die Beschäftigung mit sich selbst, unterstützt und angestoßen durch den Spiegel der Gruppe.

So haben bisher alle Gruppen verschiedene Gemeinschaften, Lehrer und Veranstaltungen in Deutschland besucht, Zeiten in der Natur verbracht und sich den Herausforderungen des sich täglich wandelnden Lebens gestellt. Seit zwei Jahren gibt es auch ein Winterquartier für die Wanderuni. Da können Menschen „studiengangübergreifend“ ihr eigens gestaltetes Studium fortsetzen.

Die Wanderuni ist aus dem „Funkenflug“, einer Jugendbewegung aus dem Jahre 2012, die sich für eine bessere Bildung einsetzte, hervorgegangen. Den ersten Studiengang gab es im Sommer 2015. Da sich über die Wanderuni kaum allgemeingültige Aussagen treffen lassen, kann ich Genaueres nur von meinem Studiengang 2018 erzählen.

Entscheidungen haben wir getroffen, in dem wir im Kreis beisammensaßen, jede Stimme angehört haben und versucht haben, einen Entschluss zu fassen, der sich für jede einzelne Person gut anfühlt. Das konnte ganz schön lange dauern, war uns aber sehr wichtig. Denn wir wollten neue Wege des sozialen Miteinanders beschreiten, auf denen sich alle gesehen und wertgeschätzt fühlen und durch die Menschen Freude dabeihaben, miteinander in Kontakt zu gehen und sozial unterwegs zu sein.

Wir hatten eine Gemeinschaftskasse, in die jeder einen für ihn möglichen Betrag eingezahlt hat, solange, bis dies wieder notwendig war. Keiner von uns hatte wirklich viel Geld und wir haben nur sehr wenig gebraucht. Jeder von uns war so ausgerüstet, dass wir jederzeit unter freiem Himmel nächtigen konnten, und wir haben immer wieder für Kost und Logis gearbeitet. Wir sind komplett unabhängig von einer Organisation und dem staatlichen Bildungssystem. Dadurch haben wir auch keinen offiziell anerkannten Abschluss und bekommen keine staatliche Unterstützung. Daher arbeiten wir daran, ein eigenes Zertifikat zu entwickeln und Strukturen aufzusuchen und zu gründen, bei denen auch im weiteren Leben der selbstbestimmte Weg weiter beschritten werden kann.

Dies bedarf viel Mut und Kraft und die Ernte ist groß. Bei der Wanderuni darf jeder mitmachen. Allerdings ist es gut, von Anfang an bei den Gruppenfindungsprozessen und Planungstreffen im Winter teilzunehmen. Unsere Erfahrung ist, dass es sich lohnt, aus dem, was alle für normal und notwendig halten, auszusteigen. Sobald ich die Entscheidung getroffen hatte, mein Psychologiestudium abzubrechen, haben sich mehr alternative und einzigartige Perspektiven und Möglichkeiten aufgetan, als ich es jemals für möglich gehalten hätte.

Letztendlich habe ich mich in den ukrainischen Waldkarpaten wiedergefunden und bin nun selbst ausgestiegen. Und so ist wahr geworden, was ich mir schon als Kind erträumt habe: einen kleinen Selbstversorgerhof zu betreiben. Nur früher und einfacher als gedacht.

Rike de Vries, Wanderuni — Studiengang 2018, Aussteigerin und Autorin des Artikels

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Sadyba Sadhura ─ ein naturverbundenes Leben auf dem Land

Die beiden Ukrainer Saschko und Tatjana leben am Rand des größten Buchenwaldes der Welt. Sie haben eine Vielfalt an Obstbäumen verjüngt und gepflanzt, vor allem aber einen Haselnuss Garten angelegt, der wunderbar in ihre Welt passt, welche so sehr von alten koreanischen und japanischen Kulturen inspiriert wurde und sich doch an den europäischen Gegebenheiten orientiert. So ernten sie Jahr für Jahr mehr Früchte, einhergehend mit einer stetigen Verringerung des Arbeitsaufwandes.

Wir sind eine Familie: Vater, Mutter und drei Kinder und haben einen kleinen Selbstversorgerhof nach dem Permakultur-Konzept in den ukrainischen Karpaten aufgebaut. Unseren Ort haben wir mithilfe von Jürgen aus der Longo Mai Ukraine gefunden. Mit unseren Nachbarn kommen wir gut klar, aber es fällt uns leichter, uns mit Menschen mit ähnlichen Ideen und einer ähnlichen Philosophie wie der unseren zu unterhalten. Wir leben von dem Kindergeld, welches für uns alle ausreicht, brauchen wir dennoch mehr, verkaufen wir selbst gemachte kunsthandwerkliche Stücke.

Die Pflanzen, welche wir anbauen, reichen nicht komplett für unsere Ernährung, aber wir stillen unseren Milch-, Käse- sowie Gemüsebedarf selbst. Klamotten kaufen wir gebraucht oder stellen sie selbst her. Bei uns kann jeder mithelfen, der die Gesetze von Mutter Erde versteht, und glaubt sowie bereit ist, ehrlich und hilfsbereit zu sein. Ich empfehle den nachfolgenden Generationen, ein Netzwerk von Leuten aufzubauen, die nachhaltig leben wollen; die Idee des guten, gesunden Lebens und gelebte Permakultur zu verbreiten und ein Bildungsprogramm für die Kinder und Neuankömmlinge zu entwickeln. Diese Menschen sollten sich mehr oder weniger verlassene Orte zum Leben auswählen. Am besten ist es, selbstständig die nötigen Ressourcen aufzubringen oder die Hilfe von Freunden im Rücken zu haben.

Tetjana, eine ukrainische Aussteigerin aus Mala Uholka in den Bergen, Sadyba Sadhura, ihren Beitrag übersetzte die Autorin


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