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Die Akte Anthrax

Die Akte Anthrax

Der Anthrax-Terror, der bereits am Folgetag alle behördlichen Ermittlungen zum 11. September 2001 beendete, ist Teil der 9/11-Verschwörung.

Wir alle erinnern uns natürlich an den Anthrax-Terror, der schon am 12. September 2001 alle behördlichen Ermittlungen des Falles „9/11“ praktisch beendete. Nein, natürlich erinnern wir uns nicht. Deshalb rufen wir uns heute den Anfang der längst untergegangenen Story in Erinnerung, die uns aus aktuellem Anlass alle noch einmal beschäftigen muss.

Mit Präsident George W. Bushs direkter Anweisung an seinen Justizminister John Ashcroft — „John, sorg dafür, dass das nie wieder passiert!“ — hatte das FBI bereits am 12. 9. 2001 eine neue Hauptaufgabe: nicht die Aufklärung der Vergangenheit, sondern den Schutz der Zukunft, die Sicherung des Heimatlandes. Die Homeland Security. Dass die Gefahr für das Homeland immens war, erwies sich dann umgehend, nur eine Woche nach den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon. Denn schon am 18. September 2001 griff Al-Qaida auf dem Postweg an, Ashcroft teilte der Bevölkerung mit, Islamofaschisten transportierten lastwagenweise biologische Massenvernichtungswaffen über die US-Highways.

Tags darauf, am 19. September, wurde den überraschten Kongressmitgliedern ein 342 Seiten starker Gesetzentwurf vorgelegt: der US Patriot Act. Am 3. Oktober protestierte der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Tom Daschle, gegen das Eiltempo beim weitreichend in die Bürgerrechte eingreifenden Gesetzentwurf, sein Mit-Senator Patrick Leahy opponierte ebenfalls. Auch persönliche Anrufe von Präsident Bush und Vizepräsident Dick Cheney erweichten die Demokraten nicht. Am 15. Oktober — mit Poststempel vom 7. Oktober — erreichten Anthrax-Briefe sowohl Daschle als auch Leahy. Der US Patriot Act wurde am 21. Oktober 2001 mit beider Stimmen verabschiedet.

Hernach konnte man sich daran machen, Afghanistan einzunehmen. Nicht, weil Afghanistan für die Anschläge oder für den Anthrax-Terror verantwortlich gewesen wäre, das behauptete niemand, sondern nur, weil das Land Osama bin Laden nicht herausrücken wollte. Und der hatte ja den ganzen Terror zu verantworten. Auch die Anthrax-Anschläge.

Um Anthrax wurde es danach im Mainstream vergleichsweise still, die vielen mobilen Laborlaster schienen sich verfahren zu haben. Erst 2003 konnten dann die Behörden überraschende Erfolge vermelden, in personam Colin Powell. Denn am 5. Februar präsentierte der US-Außenminister dem Weltsicherheitsrat den Beweis, dass eben nicht Osama die tödliche Massenvernichtungswaffe hergestellt und auf die US-Haushalte losgeschickt hatte, sondern: Saddam Hussein.

Der Diktator, der offenkundig Unmengen mobiler Chemiewaffen-Labors besaß. Das von Powell präsentierte gemeingefährliche Röhrchen Anthrax legitimierte — jedenfalls in den Augen der „Koalition der Willigen“ — den Irakkrieg, begonnen am 20. März. Am 1. Mai verkündete Bush vor filmreifer Kulisse: „Mission accomplished“ — Mission erfüllt. Dass Powell seinen eigenen Auftritt, eine grandiose Lüge, später als „Schandfleck“ in seiner Karriere bezeichnete — geschenkt. Mission accomplished. Das gemeine Anthrax hatte zum zweiten Mal seine Schuldigkeit getan.

2008 nahm der Fall dann aber doch noch einmal eine Wende, denn nachdem das FBI jahrelang weiterermittelt hatte, erwies sich: Entgegen aller ursprünglich felsenfesten Überzeugungen der US- und britischen Regierungen gingen die Anthrax-Anschläge eben doch nicht auf Osama Bin Laden oder auf den Irak zurück, sondern waren von den USA, vom Homeland aus gestartet worden. Mit dort produziertem waffenfähigem Anthrax. Einem Stoff, den man ausschließlich in Militärlabors zusammenkochen kann, nicht im eigenen Keller oder mobilen Meth-Mobil.

Das wäre nun allerdings tatsächlich eine Headline gewesen, selbst für linientreue Medien, nur konnte man die FBI-Entwarnung ja gleich mitliefern: Der Einzeltäter war ein Irrer gewesen. Und war zum Glück bereits tot.

Der Name des Täters: Dr. Bruce Ivins. Alleinverantwortlich für den brieflichen Angriff auf die USA. Ivins, Molekularbiologe und Spezialist für biologische Kriegswaffen, tätig seit 1980 im militärischen Geheimlabor USAMRIID in Fort Detrick, Maryland, war einer der wenigen, die Zugang zu den potentiell massenmordenden Ames-Sporen vom Typ RMR 1029 gehabt hatten, die bei den Anthrax-Anschlägen verwandt worden waren; seine Schuld war nun als zweifelsfrei erwiesen anzusehen, seine Vollmeise erst recht.

Der Festnahme durch das FBI hatte Ivins sich am 29. Juli 2008 mit einer Überdosis des frei erhältlichen Schmerzmittels Tylenol endgültig entzogen. Den Agenten, die ihn rund um die Uhr beobachtet hatten, war völlig entgangen, dass der Verdächtige sich am Vortag mit einer Überdosis ausgestattet hatte. Weshalb sie den behandelnden Ärzten dann auch keinen Hinweis geben konnten, woran der am 26. Juli ins Frederick Memorial Hospital eingelieferte Notfall möglicherweise litt.

Hätten sie, wäre er nicht gestorben, denn Todesfälle durch Tylenol-Überdosierung — Wirkstoff Paracetamol — sind, da es ein hocheffektives Gegenmittel namens ACC gibt, „extrem selten“ — sofern man rechtzeitig medizinisch interveniert.

Ivins ließ Frau und Kinder zurück, aber keinen Abschiedsbrief. Das FBI machte sich nicht mehr die Mühe, die genaue Todesursache des Verbrechers per Autopsie feststellen zu lassen.

Der Fall war damit abgeschlossen. Jedenfalls für FBI und Justiz.

Dass nun Ivins, wie sich nach Abschluss des Falles zweifelsfrei nachweisen ließ, weder das bei den Post-Anschlägen verwandte Anthrax hatte herstellen können (3) noch die ermittelnde Behörde eine befriedigende Antwort lieferte, wie er den Briefkasten, in den die tödliche Post am 17. September gesteckt wurde, denn überhaupt jemals hätte erreichen können (4), spielte am Ende keine große Rolle mehr.

Die Ermittlung endete nach sechs Jahren und einer zwischenzeitlichen Schadenersatzzahlung von 5,82 Millionen Dollar an Ivins vorher öffentlich beschuldigten Forscherkollegen Dr. Stephen Hatfill (5), 9.000 Befragungen und der Untersuchung von zigtausenden Fotokopierern, Schreibmaschinen und Briefkästen mit dem Freitod eines Soziopathen.

Die dringende Forderung von Senator Charles Grassley und des Abgeordneten Rush Holt nach Untersuchung der Untersuchung wurde abgelehnt, gelegentlicher zarter Unterstützung durch den medialen Mainstream zum Trotz (6, 7). Die US-Regierung wies dieses Ansinnen zuletzt im August 2010 als „redundant“ zurück.

In meiner Bestandsaufnahme von 2010 erlaubte ich mir dennoch einen bis dahin weitgehend vernachlässigten Aspekt des Falles festzuhalten. Seinen ersten — und tödlichen — Brief hatte der irre Ivins an Bob Stevens geschickt, obwohl dieser, anders als Daschle und Leahy, gar nicht gedroht hatte, das Patriotengesetz zu verhindern. Dieser Bob Stevens war nämlich kein Politiker, sondern Redakteur des südfloridianischen Revolverblattes Sun.

Sein Chef, Michael Irish, war nach Angaben der St. Petersburg Times im Besitz einer Pilotenlizenz und früheres Mitglied der Civil Air Patrol in Lantana, wo Mohammed Atta im August 2001 Flugstunden nahm. Stevens lebte in Lantana. Michael Irishs Frau, Gloria, vermietete ein Apartment in Delray Beach an die 9/11-Attentäter Marwan Al-Shehhi und Said Al-Ghamdi. Die Frage des hervorragenden Verschwörungstheoretikers Chaim Kupferberg, ob die Irishs „Babysitter im Rahmen einer Geheimdienstoperation“ waren, ist offiziell beantwortet mit der FBI-Erklärung „Zufall“. Daher wollen wir an dieser Stelle lediglich festhalten: Zufälle gibt‘s.

Aber Stevens´ zufälliger Tod spielte nicht nur dem ab 9/12 Panik verbreitenden Justizminister Ashcroft und den Freunden des Patriot Act in die Hände, sondern auch der schwer angeschlagenen kleinen Firma Bioport aus Michigan, die nach der kurzen Anschlagserie wie Phönix aus der Asche stieg und Anfang 2004 mit einem 245 Millionen Dollar schweren Dreijahresvertrag zur Belieferung des Pentagon mit Anthrax-Impfstoffen belohnt wurde.

Was das mit dem geisteskranken USAMRIID-Loner-Selbstmörder Ivins zu tun hat?

Allerhand.

Der Reihe nach: Bioport versuchte seit Ende der Neunziger Jahre, einen Impfstoff gegen Anthrax herzustellen, brachte jedoch lediglich ein mittelmäßiges Mittel namens AVA zustande. 2000 durfte Bioport Angestellte des US-Militärs sogar zwingen, sich mit dem Stoff impfen zu lassen, nur wurden die Soldaten bedauerlicherweise krank, und als dieses Exempel für „Menschenversuche“ durchsickerte, war die Empörung groß.

Drei Jahre lang hatte die amerikanische Food And Drug Administration FDA Bioport die Zulassung für ein neues Labor standhaft verweigert, wegen ernsthafter Sicherheitsbedenken gegen die Anlage in Michigan. Und so klang das, was Robert Myers, der Chefchemiker des Hauses, im Januar 2001 zur Lage seiner Firma von sich gab, in den Ohren der meisten Zuhörer bloß wie Pfeifen im Walde respektive die letzten heroischen Lügen aus der Vorstandsetage eines todgeweihten Unternehmens, das jahrelang auf Panik gesetzt — und verloren hatte.

Dennoch bekräftigte Myers: „Auch wenn vieles über unsere Beziehung zur FDA gesagt worden ist, ziehen wir ein Scheitern unserer Bemühungen, die Zulassung durch die FDA zu bekommen, nicht in Betracht. Wir werden sehr bald wieder einen sicheren, reinen und effektiven Anthrax-Impfstoff herstellen — und zwar rechtzeitig und zu einem angemessenen Preis. Wir haben uns ganz und gar der Vollkommenheit verschrieben, und wir werden nicht ruhen, solange wir dieses Ziel nicht erreicht haben“ (8).

Und nochmals: Was hat das mit dem irren Dr. Ivins zu tun? Beziehungsweise Ivins mit Bioport? Doch wohl hoffentlich nichts.

Na ja. Fast nichts.

Außer, dass ausgerechnet Ivins der Pentagon-Troubleshooter war, der das existenzielle Bioport-Problem lösen sollte. Gemeinsam mit sechs anderen USAMRIID-Molekularbiologen war der posthum als verrückt und zugenäht Enttarnte nämlich im Jahr 2000 von Donald Rumsfelds Ministerium angewiesen worden, die Firma und deren Impfstoffproduktion zu retten. Allerdings klang Ivins in seinen E-Mails aus diesem ersten Jahr in neuer Position weit weniger zuversichtlich als die Bioport-Geschäftsführung:

„Leider sind die BioPort-Leute keine Wissenschaftler, deshalb ist uns die Aufgabe zugefallen, ihr Problem für sie zu lösen“, sowie — im Juli 2000 betreffend das Impfprogramm: „Die K---e fliegt uns demnächst um die Ohren, im großen Stil ... Das alles ist einfach ein schöner Mist“ (9).

Ab August 2001 machte der verrückte Pentagon-Beauftragte dann nachweislich haufenweise nächtliche Überstunden im Labor. Heimlich? Auf der Suche nach einem besseren Impfstoff? Was das FBI als Hinweis auf seinen geplanten Anschlag betrachtet, erschien Ivins Kollegen jedenfalls 2008 als enorm weit hergeholt, aber wir wollen zugunsten des FBI annehmen, dass der Doktor tatsächlich an gewinnbringenden Briefsendungen arbeitete. Auf eigene Faust natürlich. Einsam und allein im gut gesicherten Top-Secret-Militär-Anthrax-Labor.

Tatsache ist: Bioport stand auch am 11. September 2001 noch am geschäftlichen Abgrund — ohne Aussicht auf Zulassung der FDA für ihren umstrittenen Anthrax-Impfstoff.

Aber dann kamen die Briefe. Und mit ihnen die Panik. Sowie die politischen Ansagen von sehr weit oben: Wir brauchen den Patriot Act. Und wir brauchen den Impfstoff.

Im Dezember 2001 warf die FDA all ihre ernsthaften Bedenken gegen Bioport über Bord — und Chefchemiker Myers konnte stolz verkünden, seine Anthrax-Firma sei gerettet und saniert (10).

Wohlgemerkt: Am Ende 2001 sprunghaft steigenden Absatz des Gegenmittels für Anthrax-infizierte Patienten — dem Antibiotikum Cipro — verdiente versehentlich nur ein deutscher Konzern, nämlich Bayer. Deutlich mehr jedoch sollte sich langfristig mit einem Impfstoff einfahren lassen — und dieses lukrative Marktsegment eroberte unmittelbar nach den ersten Todesfällen die Firma Bioport, die hernach der weltweit einzige Hersteller eines behördlich zugelassenen Anthrax-Impfstoffes war: BioThrax.

Verwunderlich ist daran auf den ersten Blick allerdings, dass die US-Regierung sich keinen größeren Partner gesucht hat — schließlich hatte Donald Rumsfeld qua Karriere allerbeste Kontakte zur Pharmaindustrie. Auf den zweiten Blick aber wird alles noch ein bisschen verwunderlicher. Denn Bioport gehört, auf einigermaßen simpel nachzuvollziehenden Beteiligungswegen, den Firmen Intervac LLC und Intervac Management LLC sowie Michigan Biologic Products. Intervac LLC ist Mehrheitseigner und befindet sich im Besitz von William J. Crowe, Fuad El-Hibri, dessen Frau Nancy sowie der auf den Antillen ansässigen Investment-Firma von Vater Ibrahim El-Hibri, I & F Holdings (11).

Letztere war zuvor maßgeblich beteiligt an der englischen Biotech-Firma Porton Products Ltd., die im ersten Golf-Krieg die US-Truppen mit Anthrax-Impfstoff versorgte. Interessant ist aber nicht nur die Vita von Bioport-Mitbesitzer Fuad El-Hibri, einem Libanesen, der mit deutschem und US-Pass reist und in den Neunzigern in England geschäftig gegen Milzbrand forschte, sondern erst recht die seines Partners Admiral William J. Crowe, der 22,5 Prozent an Intervac LLC hält. Crowe nämlich war von 1994 bis 1997 US-Botschafter in Großbritannien, aber das allein hätte ihn sicherlich nicht als Biotech-Experten und Partner der El-Hibris qualifiziert.

Dafür sorgte dann möglicherweise schon eher die Karriere, die er vorher hingelegt hatte, denn der Mann, der maßgeblich von der 2001 in den USA ausgebrochenen Anthrax-Panik profitierte, war von 1985 bis 1989, unter US-Präsident Ronald Reagan, Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte.

Der Geschäftsführer von Admiral Crowes ab Dezember 2001 wieder wie geschmiert laufenden Firma, Bob Cramer, verkündete im Januar 2004 voller Stolz den erfolgreichen Abschluss einer maßgeblichen Geschäftsoperation: „Regierungsvertreter haben unlängst ihre Befürchtungen hinsichtlich der Anfälligkeit im Falle eines massiven, aus der Luft geführten Anthrax-Angriffes nochmals unterstrichen. Dieser Vertrag erlaubt anderen Behörden wie der für die Homeland Security zuständigen, den Health And Human Services sowie dem State Department, BioThrax über das Verteidigungsministerium anzufordern (12).

Der Vertrag, von dem Cramer sprach, wurde Ende Dezember 2003 zwischen Militärchef Rumsfelds Behörde und der Firma des Ex-US-Militärchefs Crowe geschlossen. Er garantierte der kleinen Firma aus Michigan 245 Millionen Dollar für zu liefernde Anthrax-Impfstoffe — allerdings nur bei Bedarf.

Der psychopathische Loner und Einzeltäter Ivins setzte im August 2008 seinem Leben ein Ende, ehe die Behörden ihn befragen konnten, ob er von all diesen gewinnbringenden Verbindungen gewusst hatte. Wir können ihn daher nicht mehr fragen, weshalb ausgerechnet er so interessiert daran gewesen war, den Patriot Act über Nacht durchzupeitschen, einen Fotografen aus dem Atta-Umfeld schleunigst umzubringen — und erst recht können wir ihn nicht mehr fragen, weshalb er das Weiße Haus im Vorfeld über seine bevorstehenden Anschläge informierte.

Denn Richard Cheneys Angestellte wurden schon am Abend des 11. September angewiesen, das Anthrax-Antidot Cipro einzunehmen (13).

Eine Woche vor den ersten Briefen.

Aber die Geschichte ist damit nicht zu Ende erzählt. Der Fall Ivins ist abgelegt. Der Fall Bioport war nie einer und wird auch keiner mehr werden, denn die Firma Bioport gibt es nicht mehr. Bioport firmiert heute unter Emergent Biosolutions (14) und entwickelt weiterhin Impfstoffe, auch und gerade für staatliche Stellen. Der Jahresumsatz liegt bei etwa 500 Millionen Dollar, aber jetzt hat Emergent Biosolutions ein großartiges neues Produkt in der Pipeline, die letzte klinische Studienphase ist abgeschlossen. AV7909 ist das alte Bioport-AVA, ergänzt um einen monoklonalen Zusatzstoff, eine „neuentwickelte immunstimulierende Verbindung“, interner Code CPG 7909 (15).

Der neue Impfstoff, NuThraxTM, wird 2020 auf den Markt kommen. Emergent Biosolutions rechnet für 2020 mit einer Verdopplung seines Jahresumsatzes auf eine Milliarde Dollar. Das wäre keine Kleinigkeit, sondern ein Quantensprung.

Um den Grippe-Impfstoff Tamiflu — Wirkstoff Osetalmivir — loszuwerden, benötigte Roche die Vogelgrippe und einen Pandemie-Alarm der Weltgesundheitsorganisation WHO (16). Was benötigt Emergent Biosolutions, um 2020 etwas so Abwegiges wie einen Anthrax-Impfstoff in rauen Mengen unter die Leute bringen zu können? Die avisierten primären Zielmärkte der Firma sind laut eigener Investoren-Präsentation von 2017 die USA, Frankreich und Deutschland.

Den Rest der Geschichte hat Heiko Schöning. Und er erzählt sie zu Ende, bis über den heutigen Tag hinaus. Inklusive diverser weiterer, 2010 noch nicht vollständig sichtbarer Verbindungen, vollständig belegt, sehr sachlich und beeindruckend präzis vorgetragen im Gespräch mit Ken Jebsen. Ohne mich an dieser Stelle des Spoilerns schuldig machen zu wollen, verrate ich ungefragt, dass ich Heiko Schöning für einen bemerkenswert mutigen Mann halte. So ist die Verbreitung des hier verlinkten Beitrages nicht nur zur Erkenntnisgründen empfohlen, sondern dient hoffentlich auch dem Schutz des Informanten. Denn wer die Wahrheit ausspricht und kein schnelles Pferd hat, braucht dringend uns: die Öffentlichkeit.



Quellen und Anmerkungen:

(1) Walther, Der zensierte Tag, S. 45 ff, Heyne 2003.
(2) Bröckers/Walther. 11.9.: 10 Jahre danach. Einsturz eines Lügengebäudes. S. 225 ff, Westend 2011.
(3) Vgl. Byrne, John, Anthrax spores don't match dead researcher's samples, February 26, 2009. http://rawstory.com/news/2008/Anthrax_spores_dont_match_dead_researchers_0226.html
(4) Erst recht machte das fleißige FBI sich nicht die Mühe, die von Journalisten gründlich dokumentierten Widersprüche des Falles aufzuklären. Dass Ivins das FBI bei den Ermittlungen unterstützte, ist allerdings ebenso wenig ein Geheimnis wie der Umstand, dass er weder über das Equipment noch über die Möglichkeiten verfügte, das bei den Anschlägen verwendete Anthrax überhaupt herzustellen. Exzellente und sehr detaillierte Analysen der genauen Zusammenhänge finden sich in Glenn Greenwalds mehrfach (online) aktualisierter Berichterstattung „Vital unresolved anthrax questions and ABC news“ (Salon.com, 18. August 2008). https://www.salon.com/2008/08/01/anthrax_2/
(5) Vgl. History Commons-Sammlung, abschließend den 27. Juni 2008: „June 27, 2008: Former Anthrax Attacks Suspect Hatfill Exonerated; Paid Nearly $ 6 Million to Settle Suit against US Government“. http://www.historycommons.org/context.jsp?item=a062708hatfillpayment#a062708hatfillpayment
(6) Markon, Jerry — „Anthrax report casts doubt on scientific evidence in FBI case against Bruce Ivins“, Washington Post, 15. Februar 2011.
(7) Fair, Matt / The Times: „Holt: FBI anthrax investigation is itself subject of probe“, nj.com, 16. September 2010. http://www.nj.com/mercer/index.ssf/2010/09/holt_fbi_anthrax_investigation.html
(8) Robert Myers, Chief Scientific Officer, am 18. 1. 2001, Pressemitteilung der Firma Bioport. www.bioport.com
(9) Vgl. History Commons & New York Times, ebd: „Ivins is working at USAMRIID, the US Army’s top bioweapons laboratory, and he and about six other USAMRIID scientists were assigned by the Defense Department to fix the problems with the vaccine so production could resume. In a June 2000 e-mail message, Ivins writes, “Unfortunately, since the BioPort people aren’t scientists, the task of solving their problem has fallen on us.” http://www.historycommons.org/searchResults.jsp?searchtext=Ivins&events=on&entities=on&articles=on&topics=on&timelines=on&projects=on&titles=on&descriptions=on&dosearch=on&search=Go
The criticism, which reached its peak in 2000 and early 2001, was clearly starting to get on Dr. Ivins’s nerves. “I think the **** is about to hit the fan ... big time,” he wrote in a July 2000 e-mail message about the inoculation program, according to a government affidavit. “It’s just a fine mess.” http://www.nytimes.com/2008/08/09/washington/09vaccine.html?pagewanted=2&_r=1
(10) Myers, ebd.: „In December 2001, Bioport obtained FDA approval for ist newly-renovated anthrax vaccine manufacturung facilities. With approval of a conbtractor to fill the vaccine in vials, Bioport received final approval to distribute vaccine from its newly renovated facilities in January 2002.“ (www.bioport.com).
(11) Am 30. Juni 1999 führte El-Hibri vor dem „Subcommittee on National Security, Veterans Affairs, and International Relations of the House Committee on Government Reforms“ aus: „Three Companies currently hold voting equity in Bioport: Intervac LLC and Intervac Management LLC, wihich are both Maryland limited liability companies, and Michigan Biologic Products, Inc., a Michigan Corporation. Intervac LLC ist the controlling shareholder. Intervac LLC is owned by Admiral William J. Crowe, Jr., my wife Nancy and me, and I & F Holdings N.V., a Netherlands Antilles investment company owned by my father Ibrahim El-Hibri. As mentioned earlier, I and F Holdings ia an investment company in biotech operations, which previously had invested in in the management buy-out of Proton Products Ltd ... Admiral Crowe and I and the controlling members of Intervac LLC.“
(12) „Federal officials recently re-stated their concerns about the level of vulnerability in the event of a massive airborne anthrax attack. This contract allwos other agencies such as Homeland Security, Health and Human Services and the State Department to obtain BioThrax through the Defence Department´, (Bioport-President Bob) Kramer said“. http://www.bioport.com/NewsRoom/newsReleases/Bioport/2004-jan09.pdf
(13) Associated Press, 24. Oktober 2001. http://www.historycommons.org/context.jsp?item=a091101ciprocheney#a091101ciprocheney
(14) https://www.emergentbiosolutions.com/pipeline
(15) AV7909 is a new vaccine which is a combination of BioThrax (also called anthrax vaccine, adsorbed or AVA), a FDA-licensed vaccine, and CPG 7909. CPG 7909 is a synthetic short DNA sequence that has been shown to be an effective vaccine adjuvant, and one which increases the speed and the degree of the immune response to Protective Antigen (PA), the major vaccine antigen. (...). All formulations of AV7909 have the same or less AVA than the licensed AVA vaccine and all have less CPG 7909 per dose than the formulation used in the first Phase I volunteer study of CPG 7909 combined with AVA. https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT01263691
(16) Eine Kurzfassung des „größten Diebstahls aller Zeiten“ (Peter Goetzsche) findet sich in „Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität“, S. 63 ff, Riva 2015.

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