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Der woke Monokulturalismus

Der woke Monokulturalismus

Mit der Cancel Culture und dem Vorwurf der „kulturellen Aneignung“ wird die viel beschworene Vielfalt abgetötet.

Kunst, Kultur und Literatur

Es gab eine Zeit, in der es als wünschenswert erachtet wurde, sich zu bilden. Maler, Künstler, Schriftsteller, Musiker. Jede Kultur bringt ihre eigenen begabten Menschen hervor, von deren Genialität und Kreativität andere profitieren können. Der Blick über den Tellerrand wurde das genannt. Es war fast verpönt, sich nur im Dunstkreis der eigenen deutschen Kultur zu bewegen. Deutsche Literatur, deutsches Essen, Kaffee Haag.

Die Deutschen im Urlaub

Bei Pauschalreisen sagte man den Deutschen nach, sie würden nach Schnitzel mit Pommes verlangen und wären nur zufrieden, wenn es entkoffeinierten Kaffee geben würde. Deutsches Bier war fast ein Garant für die gute Urlaubsstimmung.

Aufgeschlossenheit

Dann dämmerte es erst dem einen oder der anderen und dann immer mehr Menschen, dass man zwar ein Zimmer mit Ausblick gebucht hatte, die Augen allerdings vor all den Dingen, die fremde Kulturen zu bieten hatten, weiterhin verschloss. Interesse setzte ein. Man fand Gefallen an Pizza und Döner, gelegentlich auch am scharfen indischen Essen. Unter Umständen ließ man sich bei einem Urlaub in der Südsee Zöpfe flechten und kam damit sogar nach Hause. Gewürze und allerlei andere Dinge fremder Kulturen hielten im Spießbürgertum Einzug. Es wurde bunter.

Keine Yoga-Kurse mehr

Heute stelle ich mir die Frage, wie lange ich wohl noch Yoga-Kurse anbieten kann, bevor mir dies als Aneignung fremder Kulturen verboten wird.

Vielleicht ist ein Kurs „Deutsches Strammstehen und Gehorchen“ in Zukunft besser?

Mein Vater (Franzose) bemängelte immer, dass „die Deutschen“ nur Schwarz und Weiß kennen würden. Er meinte damit, dass es in vielen Dingen keinen Mittelweg zu geben schien. Entweder man ging einen Weg zu Ende, oder man wagte nicht einmal den ersten Schritt. Dabei schien es in seinen Augen unerheblich zu sein, ob man nach halber Strecke feststellte, dass der Weg eine Sackgasse war. Er stellte zu seinen Lebzeiten — mein Vater starb vor 22 Jahren — auch fest, dass „die Deutschen“ nie auf die Straße gehen würden. Oft frage ich mich, wie er wohl mit der jetzigen Situation zurechtkäme.

Cancel Culture ist Ablehnung

Wenn Kinder keine Winnetou-Bücher mehr lesen oder die dazugehörigen Filme sehen, sich nicht mehr als Cowboy und Indianer verkleiden dürfen, wenn man keine Rastas mehr tragen darf, wenn Tolstoi und Dostojewski verboten werden, wenn man Tschaikowski nicht mehr lauschen darf und vielleicht auch bald verboten wird, zu Hause selbst eine Pizza zu backen, wo bleibt dann der Blick über den Tellerrand?

Hauptsache, die Kinder lernen Respekt vor fremden Kulturen, indem sie sich nicht damit auseinandersetzen, nichts davon adaptieren.

Heute werden Künstler gebeten, ihre Frisur zu ändern, wenn sie auftreten wollen. Restaurants müssen sich umbenennen und im Freibad gibt es schon lange keine Mohrenkopfsemmel mehr. Ja, auch der Sarotti-Mohr musste weichen. Es handelt sich jetzt um einen Sarotti-Magier. Ich bin mir nicht so sicher, ob da nicht die Hexen auf die Barrikaden gehen werden, weil sie sich jetzt zurückgesetzt fühlen.

Sexuelle Aufgeschlossenheit

Aber wir haben ja ein neues Hobby gefunden. Wie können wir Kindern, denen ihr Geschlecht noch vollkommen egal ist, möglichst früh beibringen, wer was wo mit wem und in welchen Spielarten im Schlafzimmer, im Freien, im Bordell oder sonst wo treibt?

Lack und Leder, Latex und Hundeleinen, Regenbögen und Gendersternchen. Das reicht zur Horizonterweiterung.

Wer braucht denn da noch internationale Literatur und Malerei, Musik und sonstigen Krimskrams?

Unterm Strich

Unser Horizont wird kleiner. Die Möglichkeiten des Erlaubten werden immer weniger. Die Welt wird grauer. Folklore-Blusen und der Bohemian Style werden wohl auch bald der Cancel Culture zum Opfer fallen. Schade. Es ist egal, ob Interesse im Keim erstickt wird, um die Gefahr der Aneignung fremden Kulturguts zu bannen, oder ob etwas als „unrein“ betitelt wird.

Am Ende bleibt die Einsamkeit. Multikulti dürfte damit auch gestorben sein.

Wie ist das eigentlich auf dem Oktoberfest? Wer kontrolliert denn da die Nationalität derer, die in Dirndl und Lederhosen erscheinen? Ich meine ja nur.

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