Zum Inhalt:
Der Ungebrochene

Der Ungebrochene

Evo Morales, Ex-Präsident Boliviens, berichtet über seinen schweren Kampf gegen das US-Imperium, das global jeden Widerstand zu ersticken versucht.

von Matt Kennard

Als im November 2019 Evo Morales, der erste indigene Präsident Boliviens, durch einen von den Briten unterstützten Putsch gestürzt wurde, glaubten viele, sein Leben sei in Gefahr. In der Geschichte Lateinamerikas gab es viele solche Fälle, in denen ein Freiheitskämpfer von rachsüchtigen imperialen Mächten eliminiert wurde. Der legendäre Widerstandsführer Tupac Katari, der wie Morales dem indigenen Stamm der Aymara angehörte, wurde 1781 von den Spaniern gevierteilt — mithilfe von vier Pferden, an denen seine Arme und Beine festgebunden wurden.

238 Jahre später, ein paar Tage nach dem Putsch gegen Morales, erschien Boliviens selbst ernannte Interimspräsidentin Jeanine Áñez im Kongress und schwenkte eine riesige, in Leder gebundene Bibel. „Die Bibel ist in den Regierungspalast zurückgekehrt“, verkündete sie. Ihr neues Regime peitschte sofort das Dekret 4078 durch, das dem Militär Immunität verlieh für alle Aktionen, die „zur Verteidigung der Gesellschaft und zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung“ dienten. Das bedeutete grünes Licht. Am folgenden Tag wurden 10 unbewaffnete Protestierer von Sicherheitskräften massakriert.

Morales war in den Untergrund gegangen, als der Staatsstreich unausweichlich schien. Zusammen mit seinem Vizepräsidenten Alvaro García Linero floh er nach El Trópico de Cochabamba, eine tropische Gegend tief im Amazonas-Regenwald in Zentralbolivien, die das Kerngebiet seiner Partei „Movimiento al Socialismo“ und deren indigene Basis bildete.

Bevor er offiziell zurücktrat, flog er zu dem entlegenen Flugplatz Chimoré, dessen Zugangsstraßen von lokalen Kokabauern gesperrt worden waren. Die Blätter der Kokapflanze bilden den Rohstoff für Kokain, und der Flugplatz war in der Zeit vor Morales‘ Präsidentschaft eine regionale strategische Basis für die US-amerikanische Drogenbehörde DEA. 2008 hatte Morales die DEA aus Bolivien verbannt und die Basis in einen zivilen Flugplatz umgewandelt. Der Kokaanbau nahm bald darauf ab. Wenige Tage nachdem Morales und Linera in El Trópico angekommen waren, schickte Mexikos linksgerichteter Präsident Andrés Manuel López Obrador ein Flugzeug, um sie zu retten und von Chimoré auszufliegen. Obrador sagte später, die bolivianische Armee hätte eine raketengetriebene Granate (RPG) auf die Maschine abgefeuert, kurz nach deren Start. Scheinbar wollte das von den Briten unterstützte Putschregime den abgesetzten Präsidenten — der 13 Jahre lang gedient hatte — tot. Morales sagt heute, er verdanke Obrador sein Leben.

Villa Tunari

Morales ist heute wieder zurück in El Trópico, aber unter stark veränderten Umständen. Nach einem Jahr unter der „Interimsregierung“ wurde die Demokratie schließlich im Oktober 2020 wiederhergestellt und Morales‘ Regierungspartei MAS gewann aufs Neue die Wahlen. Der neue Präsident Luis Arce, Morales‘ früherer Wirtschaftsminister, kam an die Macht, und Morales kehrte triumphierend aus dem argentinischen Exil zurück. Er bereiste große Teile des Landes zu Fuß und ließ sich dann in El Trópico nieder. Kürzlich hat er in Villa Tunari, einer kleinen Stadt — sie hat gut 3.000 Einwohner —, etwa 20 Meilen vom Chimoré-Flugplatz entfernt, ein Haus bezogen.

Um von Cochabamba, der nächstgelegenen größeren Stadt, nach Villa Tunari zu gelangen, braucht man vier Stunden in einem der Minibusse, die alle 10 Minuten abfahren. Man kommt auch durch Sacaba, den Ort, an dem das Regime die 10 Demonstranten massakrierte, einen Tag nachdem es dem Militär Straffreiheit zugesichert hatte.

Als der Minivan tiefer nach El Trópico eindringt, wird die Bedeutung von Morales und der MAS-Partei immer offensichtlicher. Die mit Wellblech bedeckten Unterkünfte, in denen die Armen dieser Welt zu Hause sind, sind immer öfter an der Seite mit Wandmalereien versehen, die Morales‘ Gesicht zeigen. Bald ist sein Name in Großbuchstaben — EVO — überall zu sehen. Ebenso das Wort MAS.

Tunari selbst ist eine traditionell indigene Stadt, eine von Nationalparks umgebene Touristendestination. Seit der Wiederherstellung der Demokratie hat sich auch die Touristikindustrie erholt. Da El Trópico das Rückgrat der Unterstützung von MAS und Morales bildet, war es zur Zeit der Putschregierung Repressionen ausgesetzt. Eine ganze Zeitlang funktionierten überall die Bankautomaten nicht — ein Versuch der Áñez-Regierung, die Region zu isolieren. Doch heute herrscht wieder reges Leben in Tunari. Entlang seiner Hauptachse reihen sich gut besuchte Brathähnchen- und Fischrestaurants. Am Busbahnhof warten dampfend die Busse, in den Seitenstraßen findet man Hotels und Herbergen. Ein reißender, sepiafarbener Fluss erstreckt sich entlang einer Seite der Stadt. Sie sieht aus wie ein typischer lateinamerikanischer Backpacker-Zwischenstop.

Die britische Botschaft als „strategischer Partner“ des Putschregimes

Ich komme spät am Samstagnachmittag in Tunari an, nach einem langen Flug nach Cochabamba und der vierstündigen Fahrt im Minibus. Das Gespräch mit Morales ist für Montag angesetzt, aber als ich nach der Ankunft auf meinem Handy das Wi-Fi aktiviere, finde ich einen Haufen Textbotschaften seines Assistenten. Morales hat seine Tagesgeschäfte fast erledigt und will das Interview später am Abend geben, in zwei Stunden. Und zwar in seinem Haus.

Morales ist für seine Arbeitsmoral bekannt. Kurz darauf kommt mein Kollege, der das Interview filmen wird (3), um mich abzuholen. Mitten in einem tropischen Platzregen, das Wasser scheint in Massen zu fallen wie Ziegelsteine, nehmen wir ein Tuk-Tuk in die Stadt und sitzen unter einer Plane am Kaffee nippend, um auf den Anruf des Assistenten zu warten. Schließlich kommt der Anruf, und wir besteigen ein anderes Tuk-Tuk und fahren durch entlegene Straßen, bis wir vor den Wänden eines unscheinbaren Hauses stehen. Eine Frau kommt heraus, um uns einzulassen. Wir gehen ins Wohnzimmer, in dem als einziges Inventar zwei Sofas stehen. Wie ich später herausfinde, bin ich der erste Journalist, der Morales in seinem Haus interviewen darf.

Ich bekam das Interview, weil ich im März 2021 einen investigativen Artikel geschrieben hatte, in dem ich die Unterstützung des Vereinigten Königreiches für den Putsch offenlegte, der Morales das Amt kostete. Das britische Außenministerium gab 30 Seiten von Dokumenten frei, in denen es um Projekte der britischen Botschaft in Bolivien geht. Demnach scheint sie ein in Oxford ansässiges Unternehmen beauftragt zu haben, die „Ausbeutung“ von Boliviens Lithiumlagerstätten zu optimieren, in dem Monat, nachdem Morales aus dem Land floh. Es zeigt auch, dass die britische Botschaft in La Paz als „strategischer Partner“ des Putschregimes fungierte und eine internationale Bergbaukonferenz vier Monate nach dem Sturz der Demokratie in Bolivien organisierte.

Die Geschichte verbreitete sich schnell in Bolivien. Der Außenminister Rogelio Mayta bestellte den britischen Botschafter Jeff Glenkin ein, zeigte ihm den Inhalt des Artikels und verlangte eine Stellungnahme. Die britische Botschaft in Boliviens Hauptstadt La Paz gab eine Erklärung ab, in der sie behauptete, Declassified betreibe eine Desinformationskampagne, aber keine Beweise vorlegte.

Ein alternatives Wirtschaftsmodell

Lokale Journalisten erzählten mir, dass Morales den Artikel oft in seinen Reden erwähnt, deshalb werde ich damit beginnen. „Erst letztes Jahr erfuhren wir aus den Medien, dass auch England sich an dem Putsch beteiligt hatte,“ berichtet er. „Dies war ein Schlag gegen unser Wirtschaftsmodell, weil dieses Wirtschaftsmodell zu Resultaten geführt hat“, sagt er und fügt hinzu:

„Es ist ein Wirtschaftsmodell, das dem Volk gehört, nicht dem Imperium (1). Eines, das nicht vom Internationalen Währungsfonds (IWF) kommt, sondern ein Wirtschaftsmodell, das aus den sozialen Bewegungen hervorgeht.“

Und weiter:

„Als wir 2006 an die Regierung kamen, war Bolivien, wirtschaftlich und nach den Entwicklungsindikatoren, das Schlusslicht in Südamerika und das zweitschlechteste Land auf dem Doppelkontinent.“

In den darauffolgenden 13 Jahren seiner Regierung erlebte Bolivien die stabilste Zeit seit der Unabhängigkeitserklärung von 1825 und erzielte einen beispiellosen wirtschaftlichen Erfolg, der sogar von IWF und Weltbank anerkannt wurde. Entscheidend war, dass dieser Erfolg auch in nie dagewesene Verbesserungen für Boliviens arme Schichten umgesetzt wurde. „Während der ersten sechs Jahre hatten wir das höchste Wirtschaftswachstum in Südamerika, und das lag an der Verstaatlichungspolitik, die aus den sozialen Bewegungen hervorging“, erzählt Morales. Er war ein Teil der „pink tide“ (rosa Flut) linker Regierungen, die es in den 2000er-Jahren in Lateinamerika gab, aber sein Wirtschaftsmodell war eines der radikalsten von allen.

An seinem 100sten Tag im Amt verstaatlichte Morales Boliviens Gas- und Öllagerstätten, indem er den Streitkräften befahl, die Gasfelder zu besetzen, und ausländischen Investoren 6 Monate Zeit ließ, seine Forderungen zu erfüllen oder das Land zu verlassen.

Morales glaubt, dass es dieses Verstaatlichungsprogramm war, das zu dem vom Westen gestützten Putsch gegen ihn führte. „Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass das Imperium, oder der Kapitalismus/Imperialismus, nicht akzeptieren kann, dass es ein Wirtschaftsmodell gibt, das besser ist als der Neoliberalismus“, sagt er mir.

„Der Staatsstreich war gegen unser Wirtschaftsmodell gerichtet (…); wir zeigten, dass ein anderes Bolivien möglich ist.“

Morales sagt, die zweite Phase der Revolution — nach der Verstaatlichung — sei die Industrialisierung. „Und am wichtigsten war das Lithium“, betont er. Bolivien hat die zweitgrößten Lithium-Lagerstätten der Welt, ein Metall, das für Batterien gebraucht wird und das durch den aufkeimenden Trend zum Elektroauto zum heiß begehrten Rohstoff geworden ist.

Ein Besuch in Südkorea

Morales erinnert sich an eine prägende Reise nach Südkorea, die er 2010 unternahm.

„Wir sprachen über bilaterale Vereinbarungen, Investitionen, Kooperationen. Sie nahmen mich mit in eine Fabrik für Lithiumbatterien. Interessant. Südkorea wollte Lithium von uns, das Rohmaterial.“

Dann habe Morales, erzählt er, in der Fabrik gefragt, was der Bau der Anlage gekostet habe. Sie sagten, 300 Millionen Dollar. „Unsere Währungsreserven waren im Wachsen“, berichtet er. „In diesem Augenblick sagte ich: ‚Ich kann für 300 Millionen garantieren. Lasst uns genau so eine Fabrik in Bolivien bauen. Ich übernehme die Garantie für eure Investition.‘ Aber die Koreaner sagten: ‚Nein, nein.‘“, erinnert sich Morales.

„Damals wurde mir klar, dass die Industrienationen an Lateinamerika nur die Rohstoffe interessieren. Den Mehrwert wollten sie uns nicht überlassen.“

An diesem Punkt beschloss Morales, Bolivien zu industrialisieren und damit ein halbes Jahrtausend von Kolonialgeschichte rückgängig zu machen.

Die übliche imperiale Dynamik, die Bolivien in Armut hielt, bestand darin, dass die reichen Länder Rohstoffe extrahierten, sie in Europa zu Produkten verarbeiteten, was gleichzeitig zur Industrialisierung Europas beitrug, und die fertigen Produkte in Bolivien teuer verkauften.

Bild

Die bolivianische Salzpfanne Salar de Uyuni (oder Salar de Tunupa) enthält einen Pool mit Salzlake, die außerordentlich reich an Lithium ist (2). (Anouchka Une, Wikimedia Commons)

Mit den Lithiumvorräten des Landes war Morales fest entschlossen, anders zu verfahren. Man würde sich nicht mit dem Lithiumabbau zufriedengeben, sondern auch selbst die Batterien herstellen. Morales bezeichnet das als „Wertschöpfung“. „Wir fingen mit einem Labor an, natürlich mussten wir internationale Experten anheuern“, berichtet er.

„Dann bauten wir eine Pilotanlage. Wir steckten 20 Millionen Dollar in das Projekt, und heute funktioniert sie. Jedes Jahr erzeugt sie 200 Tonnen Lithiumkarbonat und Lithiumbatterien in Potosi.“

Potosi ist eine Stadt in Südbolivien, die zum Zentrum des spanischen Reichs in Lateinamerika wurde, nachdem man dort im 16. Jahrhundert gigantische Mengen von Silber entdeckt hatte. Man schätzt, dass in dieser sogenannten ersten Stadt des Kapitalismus bis zu 8 Millionen Indigene in den Minen von Potosis Cerro Rico (reicher Berg) starben, wo sie nach Silber schürften, das ausschließlich für Europa bestimmt war.

Morales fährt fort:

„Wir hatten einen Plan, 42 neue (Lithium-)Fabriken bis 2029 zu bauen. Man rechnete mit einem Profit von 5 Milliarden Dollar. Profit!“

„Aber dann kam der Putsch“, berichtet er (4).

„Die USA sagten, Chinas Anwesenheit ist nicht erlaubt, aber (…) China als Markt zu haben ist sehr wichtig, das Gleiche gilt für Deutschland. Als nächster Schritt war Russland vorgesehen, und dann kam der Putsch.“

„Und erst letztes Jahr fanden wir heraus, dass auch England an dem Putsch beteiligt war — alles wegen des Lithiums.“ Aber, sagt Morales, der lange Kampf seines Volkes um die Kontrolle über ihre eigenen Reichtümer sei kein Einzelfall.

„Dieser Kampf tobt nicht nur in Bolivien oder Lateinamerika, sondern weltweit. Wem gehören die natürlichen Ressourcen? Der Bevölkerung, unter Kontrolle ihres Staates? Oder sind sie privatisiert unter Kontrolle eines multinationalen Konzerns, der freie Hand zum Plündern hat?“

Partner oder Bosse?

Morales‘ Verstaatlichungsprogramm brachte ihn auf Kollisionskurs mit mächtigen transnationalen Konzernen, die sich an die traditionelle imperiale Dynamik gewöhnt hatten. „Während des Wahlkampfes 2005 sagten wir, wenn die Konzerne hier sein wollen, können sie das als Partner tun oder als Anbieter von Diensten, aber nicht als Chefs oder als Besitzer unserer Bodenschätze“, erzählt Morales.

„Wir vertreten eine klare Position gegenüber den Multis: Wir reden, wir verhandeln, aber wir unterwerfen uns keinem Diktat.“

Als Beispiel nennt Morales die Kohlenwasserstoff-Verträge, die von früheren Regierungen abgeschlossen wurden:

„In diesen Verträgen — die von Neoliberalen entworfen wurden — steht wörtlich: ‚Der Rechteinhaber erwirbt die Rechte an dem Produkt am Eingang des Bohrlochs.‘ Wer ist dieser Rechteinhaber? Der transnationale Ölkonzern. Sie wollen das Öl vom Eingang des Bohrlochs an besitzen.“

Und weiter:

„Die Firmen sagen uns, solange es im Boden liegt, gehört es den Bolivianern, aber sobald es gefördert ist, gehört es nicht mehr den Bolivianern. Sobald es aus dem Boden ist, haben die Multis ein erworbenes Recht darauf. Und deshalb bestanden wir auf der Regelung: Gefördert oder nicht, es gehört den Bolivianern.“

Morales fährt fort:

„Am wichtigsten ist, dass jetzt von 100 Prozent der Einnahmen 82 Prozent für die Bolivianer und 18 Prozent für die Konzerne bestimmt sind. Davor waren es 82 Prozent für die Konzerne, und 18 Prozent für die Bolivianer, und der Staat hatte keinerlei Kontrolle — wie viel gefördert wurde, auf welche Weise —, nichts.“

Es sei ein harter Kampf gewesen, fügt Morales hinzu, und einige Firmen seien gegangen. „Wir respektieren ihre Entscheidung zu gehen,“ sagte Morales.

„Aber wir bestanden darauf, dass alle rechtlichen Ansprüche in Bolivien zu stellen wären, anstatt zum CIADI zu gehen. Auch das war ein Kampf den wir zu führen hatten, alle Forderungen auf der nationalen Ebene zu verhandeln, weil das eine Frage der Souveränität und Würde ist.“

CIADI ist das spanische Akronym für ICSID, „International Centre for Settlement of Investment Disputes“ (deutsch etwa: Internationales Zentrum zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten). Obschon eine wenig bekannte Zweigstelle der Weltbank, stellt es doch die wichtigste supranationale Anlaufstelle dar, wo Konzerne Staaten verklagen können, wenn diese Regeln einführen, durch die der Investor seine Rechte verletzt sieht. In Wirklichkeit stellt sie ein System dar, das oft Konzernen erlaubt, souveräne Staatsentscheidungen außer Kraft zu setzen oder zu ignorieren — oder riesige Kompensationszahlungen herauszuschlagen.

Unter diesem „Schlichtungs“-System hat ein britisches Unternehmen Bolivien verklagt. Im Jahr 2010 verstaatlichte Morales den größten bolivianischen Energieversorger, Empresa Eléctrica Guaracachi. Die britische Elektrizitäts-Investmentfirma Rurelec, der auf indirektem Wege 50,001 Prozent des Energieversorgers gehörten, zitierte Bolivien vor eine andere Investor-Staat-Schlichtungsstelle, diesmal in Den Haag, und wollte eine Abfindung von 100 Millionen Dollar. Bolivien wurde schließlich zur Zahlung von 35 Millionen an Rurelec verurteilt, und nach weiteren Verhandlungen einigten sich die Parteien auf eine Zahlung von etwas mehr als 31 Millionen im Mai 2014. Rurelec feierte dieses Ergebnis mit einer Reihe von Pressemitteilungen auf seiner Webseite. „Mein einziger Wermutstropfen ist, dass es so lange gedauert hat bis zur Einigung“, sagte der CEO des Fonds in einer Stellungnahme.

„Alles, was wir wollten, war eine friedliche Verhandlung und einen Handschlag mit Präsident Morales.“

Das Imperium stellt Bedingungen

Seit dem Beginn der Monroedoktrin anno 1823 — in der die USA ganz Amerika als Einflusszone für sich reklamierten — stand Bolivien weitgehend unter Kontrolle der USA. Dies änderte sich zum ersten Mal mit dem Amtsantritt der Regierung Morales. „Als Staat wollen wir diplomatische Beziehungen mit allen Ländern der Welt, aber basierend auf gegenseitigem Respekt“, stellt Morales klar.

„Das Problem, das wir mit den USA haben, ist, dass jede Beziehung zu ihnen immer an Bedingungen geknüpft wird.“

Er fährt fort:

„Es ist wichtig, dass der Handel und die bilateralen Beziehungen auf gemeinsamem Nutzen basieren, nicht auf Konkurrenz. Und wir fanden einige europäische Länder, die dazu bereit sind. Aber vor allem fanden wir China. Diplomatische Beziehungen mit ihnen sind nicht mit Bedingungen verknüpft.“

Und weiter:

„Zum Beispiel mit den USA: Wenn du ihrem Wirtschaftsplan, der ‚Millenium Challenge Corporation‘ (MCC), beitreten wolltest, musstest du im Gegenzug deine natürlichen Ressourcen privatisieren.“

Diese MCC war ein Projekt der Regierung George W. Bush, das Entwicklungshilfe mehr wie ein Geschäft betreiben wollte. Unter Führung eines CEO wird es mit öffentlichen Geldern finanziert, kann aber autonom agieren und hat einen Vorstand wie eine Firma, in dem Geschäftsleute sitzen, die sich aufs Geldverdienen verstehen. Die „Hilfsverträge“, die mit den Ländern abgeschlossen werden, sind mit politischen Bedingungen verknüpft. „China stellt keine solchen Bedingungen an uns, auch Russland nicht und einige Länder in Europa“, fügt Morales hinzu. „Das ist der große Unterschied.“

Regimewechsel made in USA

Einen Einblick in die Art, wie die US-Regierung Bolivien zu betrachten pflegte, gestattet das folgende private Gespräch, das Richard Nixon im Juni 1971 mit seinem nationalen Sicherheitsberater Henry Kissinger führte:

Kissinger: Wir haben auch ein Riesenproblem in Bolivien. Und …

Nixon: Ich verstehe. (US-Wirtschaftsminister) Connally sprach davon. Und was schlagen Sie vor?

Kissinger: Ich habe (den stellvertretenden CIA-Planungsdirektor) Thomas Karamessines angewiesen, schleunigst eine Operation vorzubereiten. Selbst der Botschafter dort, der immer ein Softie war, sagt jetzt, wenn wir dort nicht das Militär einsetzen, geht alles den Bach runter.

Nixon: Ja.

Kissinger: Montag geht es los.

Nixon: Und was, glaubt Karamessines, wird nötig sein? Ein Putsch?

Kissinger: Wir müssen sehen, was wir machen können, in welchem Kontext … In zwei Monaten wollen sie uns aus dem Land werfen. Das haben sie schon mit dem Friedenskorps gemacht, einem wichtigen Aktivposten. Aber jetzt wollen sie auch (die US Informationsbehörde und) militärisches Personal ausweisen. Und ich weiß nicht, ob wir überhaupt an einen Putsch denken können, aber wir müssen herausfinden, wie die Lage dort aussieht. Bevor es zum Putsch käme, würden wir …

Nixon: Denken Sie dran, wir haben den verdammten Bolivianern das Zinn überlassen.

Kissinger: Nun, das lässt sich jederzeit rückgängig machen. Und dann …

Nixon: … machen wir das rückgängig.

Das „Riesenproblem“ in Bolivien, von dem Kissinger sprach, war Juan José Torres, ein sozialistischer Führer, der im Vorjahr an die Macht gekommen war und sich die Unabhängigkeit des Landes zum Ziel gesetzt hatte. Der US-Putsch kam zwei Monate nach dem obigen Gespräch, und der Militär General Hugo Banzer wurde installiert. Torres floh ins Exil und wurde fünf Jahre später, 1976, in Buenos Aires von der Operation Kondor ermordet — einem von der CIA gestützten rechten Terrornetzwerk, das damals in ganz Lateinamerika operierte. Torres war der letzte linke Präsident in Bolivien vor Morales.

Die Briten geben eine Party

Zurück zu dem Putsch von 2019 in Bolivien. Die britische Regierung unterstützte diesen überschwänglich und hieß das neue Regime willkommen, voller Lob für das Potenzial, das es britischen Unternehmen eröffnete, aus den Bodenschätzen des Landes, besonders aus Lithium, Geld zu machen. Am 14. Dezember 2019 — drei Wochen nachdem das von England unterstützte Regime ein weiteres Massaker an Protestdemonstranten verübt hatte — gab der britische Botschafter Jeff Glekin sogar eine englische Teeparty im Stil von Downtown Abbey. Es gab Victoria-Biskuits.

„Wir beschweren uns, dass die Briten beim Anblick der toten Demonstranten feierten“, so Morales. „aber das ist unsere Geschichte seit der europäischen Invasion von 1492.“ Und erklärt:

„Ich pflegte gewisse europäische Nationen in Ehren zu halten für ihre Selbstbefreiung von Monarchien. Aber die Oligarchie ging weiter und die Monarchie und die Hierarchien, und damit wollen wir nichts zu tun haben.“

Laut Morales ist das neue Jahrtausend „ein Jahrtausend der Menschen, nicht der Monarchien, Hierarchien, Oligarchien. Das ist unser Kampf.“

Auf die Briten bezogen, findet er: „‚Überlegenheit‘ ist für sie so wichtig, die Fähigkeit zu dominieren. Wir sind einfache, arme Leute, das ist der Unterschied. Es ist verwerflich, dass ihnen jedes Gefühl für Humanität, für Brüderlichkeit abgeht. Stattdessen sind sie Gefangene ihrer Dominanzstrategien.“

Über die Beziehung zu England sagt er:

„Da gibt es tiefe ideologische, programmatische, kulturelle und Klassengegensätze, aber besonders in Bezug auf Prinzipien und Glaubenssätze.“

Er fügt hinzu:

„Es gibt Länder, die aufgrund ihrer staatlichen Prinzipien immer dazu neigen, Schwestern und Brüder zu unterdrücken, zu isolieren oder zu verdammen und auszugrenzen, wenn diese von der Wahrheit reden und das Leben und die Menschlichkeit verteidigen. Ich kann das nicht akzeptieren.“

Ich berichte, dass, als ich das Außenministerium des UK wegen meiner ursprünglichen Recherche kontaktierte, sie einfach sagten, „Es gab keinen Staatsstreich“ im November 2019. Was sagt Morales dazu?

„Es ist unbegreiflich, wie ein europäisches Land (…) im 21. Jahrhundert ernsthaft behaupten kann, dies sei kein Staatsstreich gewesen, das ergibt keinen Sinn.“

Und weiter:

„Das ist eine zutiefst koloniale Betrachtungsweise. Sie glauben, dass einige Länder im Besitz anderer Länder sind. Dass Gott sie an diesen Platz gesetzt hat und somit die Welt den USA und den Briten gehört. Und deshalb werden die Rebellionen und Aufstände weitergehen.“

Morales sah von Kindesbeinen an das Ergebnis dessen, dass sein Land als Eigentum anderer Länder betrachtet wurde. Er wuchs in extremer Armut auf, vier seiner sechs Geschwister starben als Kinder. Er arbeitete früh als „cocalero“ (Kokapflücker) und wurde durch Amerikas „Krieg gegen die Drogen“ politisiert. Er erlangte nationale Bekanntheit, nachdem er 1996 zum Führer der Gewerkschaft der Kokabauern gewählt worden war.

Eine Einschüchterungsmaßnahme

Als WikiLeaks 2010 damit begann, diplomatische Depeschen zu publizieren, brachte es eine umfangreiche Kampagne der US-Botschaft in La Paz ans Licht, die Regierung von Morales zu stürzen. Viele hatten das schon geahnt, aber die Depeschen zeigten klare Verbindungen der USA mit der Opposition.

Ich frage Morales nach Julian Assange, dem Gründer von WikiLeaks, der nun seit vier Jahren im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh einsitzt, weil er diese und andere imperiale Operationen der USA an die Öffentlichkeit gebracht hat.

„Manchmal spricht das Imperium über freie Meinungsäußerung, aber tief drinnen sind sie Feinde der Meinungsfreiheit“, kommentiert Morales.

„Das Imperium, sobald jemand die Wahrheit erzählt (…) in diesem Augenblick beginnen die Vergeltungsmaßnahmen, genau wie bei Assange.“

Er fügt hinzu: „Einige Leute (…) stehen gegen diese Maßnahmen auf, weil sie es für wichtig halten, das Leben, die Gleichheit, Freiheit, Würde zu verteidigen. Dann kommt die Vergeltung.“ — „Ich grüße und bewundere all jene, die um der Befreiung der Menschen willen die Wahrheit sagen“, sagt Morales.

„Das Gefangenhalten unseres Freundes (Assange) ist eine Eskalation, eine Einschüchterungsmaßnahme, sodass all die Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die von den verschiedenen US-Regierungen begangen werden, nicht ans Licht kommen. All die Interventionen, all die Invasionen, all das Plündern.“

Und weiter: „An dieser Rebellion nehmen auch ehemalige CIA-Agenten und DEA-Agenten teil und erzählen die Wahrheit über die USA. Die Vergeltung kommt immer.“ — „Die Wahrheit ist, das wird nicht aufhören, sondern weitergehen“, führt Morales aus.

„Unserem Bruder (Assange) sende ich unseren Respekt und Bewunderung. Ich hoffe, dass es noch mehr Aufdeckungen geben wird, sodass die Welt sich informieren kann (…) über all die kriminellen Machenschaften in der Welt.“

Morales glaubt, dass Information und Kommunikation für die „Menschen, die keine Stimme haben“, das wichtigste Thema heute sind. Er arbeitet zurzeit am Aufbau unabhängiger Medien in Bolivien. „Für Menschen mit wenigen Kommunikationsmitteln ist es schwer, sich mitzuteilen“, sagt Morales.

„Wir konnten ein paar Erfahrungen sammeln, insbesondere in El Trópico. Wir haben einen Radiosender, den nicht die ganze Nation empfangen kann, aber er wird häufig von den rechten Medien gehört und verfolgt.“

Sie hoffen dabei vor allem, Angriffspunkte gegen Morales zu finden. „Wie schön wäre es, wenn die Menschen ihre eigenen Medienkanäle hätten“, fährt Morales fort, „das ist die Herausforderung, vor der die Menschen stehen. Die existierenden Medien, die dem Imperium oder dem rechten Flügel Boliviens gehören, und so ist es überall in Lateinamerika, die verteidigen ihre Interessen (…) und sind niemals auf der Seite des Volkes.“ Und weiter:

„Wenn zum Beispiel die Rechte einen Fehler macht, wird er niemals aufgedeckt, sondern vertuscht, und sie schützen sich selbst. Die (Konzern-)Medien dienen dem Schutz der großen Konzerne, ihrer Ländereien und ihrer Banken, und sie wollen die Völker Boliviens demütigen, die einfachen Leute dieser Erde.“

Lateinamerika war lange das globale Zentrum des demokratischen Sozialismus. Ich frage Morales, ob er Hoffnung für die Zukunft hat. „In Südamerika ist es nicht mehr die Zeit von Hugo Chávez, Lula, (Néstor) Kirchner, (Rafael) Correa“, gibt er zu bedenken. Zusammen haben diese progressiven Führer an der Integration Lateinamerikas und der Karibik gearbeitet, durch Organisationen wie die „Union südamerikanischer Nationen“ (UNASUR) in 2008 und die „Gemeinschaft lateinamerikanischer und karibischer Staaten“ (CELAC) in 2011.

„Wir haben nachgelassen, aber nun sind wir auf dem Wege der Erholung“, kommentiert Morales. Die jüngsten Ereignisse lassen auf ein Wiedererstarken der Linken auf dem Kontinent hoffen. Morales verweist auf die neuesten Wahlsiege in Peru, Chile, Kolumbien sowie auf die bald zu erwartende Rückkehr Lulas ins brasilianische Präsidentenamt.

„Diese Zeiten kommen wieder“, meint er.

„Wir müssen an der Konsolidierung dieser demokratischen Revolutionen arbeiten, zum Nutzen der Menschheit. Ich habe sehr viel Hoffnung.“

Und weiter:

„In der Politik müssen wir uns fragen: Sind wir mit dem Volk oder mit dem Imperium? Wenn wir mit dem Volk sind, bauen wir ein Land auf; wenn wir mit dem Imperium sind, machen wir Geld. Wenn wir mit dem Volk sind, kämpfen wir für das Leben und die Menschlichkeit; wenn wir mit dem Imperium sind, unterstützen wir die Politik des Todes, die Kultur des Todes, Interventionen und die Ausplünderung des Volkes. Das müssen wir uns als Menschen, als Führer immer fragen: Sind wir unserem Volk zu Diensten?“

Dann spricht Morales die russische Invasion in der Ukraine an. „Ich finde, es ist an der Zeit, angesichts der Probleme zwischen Russland und der Ukraine, eine internationale, weltweite Kampagne durchzuführen, die zunächst klarstellt, dass die NATO letztendlich einfach die USA repräsentiert.“

„Oder besser noch eine Kampagne, die die Auflösung der NATO zum Ziel hat. Die NATO garantiert nicht die Humanität oder das Leben. Ich akzeptiere nicht — ja, ich verdamme sogar —, wie sie Russland aus dem UN-Menschenrechtsrat ausschließen konnten. Nach den US-Interventionen in Irak, Libyen, in so vielen Ländern in den letzten Jahren, warum wurden (die USA) nicht aus dem Rat ausgeschlossen? Warum hat niemand diese Frage gestellt?“

Er fügt hinzu:

„Wir haben tiefe ideologische Differenzen mit der Politik, die die USA mit Hilfe der NATO betreiben. Sie beruht auf Interventionismus und Militarismus.“

Und, das Thema abschließend:

„Zwischen Russland und der Ukraine sucht man nach einer Einigung, aber (die USA) fachen den Krieg weiter an, die US-Rüstungsindustrie, die vom Krieg lebt, und sie provozieren Kriege, um ihre Waffen zu verkaufen. Das ist die andere Realität, in der wir leben.“

Bild

Cochabamba, Bolivien (JH PLATA Filmmaker, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons)

Die Wasserkriege

Morales ist der erfolgreichste Präsident in der Geschichte Boliviens — und einer der erfolgreichsten in der Geschichte Lateinamerikas. Die Zeit seiner Präsidentschaft ist vielleicht das erfolgreichste Langzeitexperiment mit demokratischem Sozialismus in der Geschichte überhaupt. Darin liegt eine Gefahr für die imperialen Mächte, die seit Langem vor der Bedrohung durch ein erfolgreiches Beispiel warnen. Er erklärte 500 Jahre weißer Herrschaft in Bolivien für beendet und führte das Land in die moderne Welt ein. Die neue Verfassung von 2009 „gründete“ Bolivien neu als „plurinationalen“ Staat, in dem die indigenen Völker sich selbst regieren durften. Sie schuf einen neuen Kongress, in dem auch für die kleinen indigenen Gruppen Sitze reserviert sind, und anerkennt die andine Erdgottheit Pachamama anstelle der römisch-katholischen Kirche.

„Wie konnten die Indios — oder die sozialen Bewegungen — eine Revolution anführen?“, fragt Morales in Anspielung auf die traditionelle weiße Elite Boliviens und ihre imperialen Meister.

„Eine demokratische Revolution, basierend auf den Stimmen des Volkes, die das Bewusstsein der Bevölkerung verstärkte und sogar die Regierung erreichte?“„Auch heute noch gibt es Menschen, die glauben, ‚wir müssen die Indios dominieren und über sie herrschen‘. Diese Mentalität findet man im Innern von Bolivien. ‚Sie sind Sklaven, sie sind Tiere, wir müssen sie ausrotten.‘ Diese Mentalität zu überwinden, ist unser Kampf.“

Auf dem Weg zurück nach Cochabamba, einer quirligen indigenen Stadt, der viertgrößten Boliviens, werde ich daran erinnert, dass genau hier dieser epische Kampf begann. Zu Anfang des Jahres 2000 tobten in Cochabamba die „Wasserkriege“, nachdem die örtliche Wassergesellschaft privatisiert worden war und der amerikanische Konzern Bechtel die Preise drastisch erhöhte und sogar das Sammeln von Regenwasser verbot. Zehntausende Protestierende lieferten sich über Monate Straßenschlachten mit der Polizei. Boliviens Kokabauern unter Führung eines wenig bekannten Kongressabgeordneten, Evo Morales, schlossen sich den Demonstranten an und verlangten ein Ende des von den USA finanzierten Programms zur Vernichtung ihrer Koka-Pflanzungen.

Nach monatelangem Protest und Aktivismus war das bolivianische Parlament im April 2000 bereit, die Privatisierung zurückzunehmen. Es war der Beginn einer Revolution. Fünf Jahre später ergriff das Volk die Macht und machte 500 Jahre kolonialer Herrschaft in Bolivien rückgängig.

Doch auch im Jahre 2022 ist die Gefahr noch nicht gebannt. Die USA und Großbritannien samt ihren lokalen Eliten arbeiten weiter daran, Bolivien unter Kontrolle zu bringen. Doch in diesem Land mit mehrheitlich indigener Bevölkerung scheinen sie einen ebenbürtigen Gegner gefunden zu haben.

Morales berichtet, dass der Aufbau gewerkschaftlicher Macht die Grundlage für die demokratische Revolution war. Doch der entscheidende Schritt sei gewesen, in die Regierung zu gelangen.

„Das Erlangen politischer Macht ermöglichte uns, die US-Militärbasis zu schließen. Wir verwiesen die DEA des Landes, wir verwiesen die CIA des Landes. Übrigens, der US-Botschafter, der den Putsch(versuch) von 2008 durch seine Konspiration und Finanzierung ermöglichte, auch den haben wir ausgewiesen.“

Und, nach einer Pause:

„Wir reden nicht nur über Antiimperialismus. Wir praktizieren ihn.“


Matt Kennard ist leitender Investigativjournalist der Onlinezeitung Declassified UK. Er war Mitarbeiter und später Direktor am Zentrum für investigativen Journalismus in London. Folgen Sie ihm auf Twitter unter @kennardmatt. Weitere Informationen unter: declassifieduk.org.


Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text erschien in ausführlicher Fassung unter dem Titel „Evo Morales: UK Role in Coup That Ousted Him“ zuerst bei Consortium News. Er wurde vom ehrenamtlichen Rubikon-Übersetzungsteam übersetzt und vom ehrenamtlichen Rubikon-Korrektoratsteam lektoriert.


Quellen und Anmerkungen:

Anmerkungen des Übersetzers:

(1) „Das Imperium“ ist eine in Lateinamerika übliche Umschreibung, gemeint sind immer die USA.
(2) Der Salar de Uyuni liegt auf 3.600 Metern Höhe und hat etwa die zwanzigfache Fläche des Bodensees.
3) Das dabei entstandene Video ist zum Beispiel unter https://consortiumnews.com/2022/07/15/evo-morales-uk-role-in-coup-that-ousted-him/ zu finden.
(4) Der Autor lässt unerwähnt, dass Morales auch den Tesla-Chef Elon Musk der Komplizenschaft mit den Putschisten beschuldigt. Im Video findet sich diese Passage ab Minute 5:30.

Spenden per SMS
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann senden Sie einfach eine SMS mit dem Stichwort Rubikon10 an die 81190 und mit Ihrer nächsten Handyrechnung werden Ihnen 10 Euro in Rechnung gestellt, die abzüglich einer Gebühr von 17 Cent unmittelbar unserer Arbeit zugutekommen.
Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.

Weiterlesen

Unerwarteter Klartext
Thematisch verwandter Artikel

Unerwarteter Klartext

Die Rede Henry Kissingers auf dem Weltwirtschaftsforum sorgte für Furore — der Politik-Veteran geißelte die momentane US-Politik nämlich als völlig verfehlt.

Der Ausnahme-Fall
Aus dem Archiv

Der Ausnahme-Fall

In manchen Fällen sollte man eine Nachricht auch publizieren, wenn sie nicht durch eine zweite Quelle abgesichert ist. Exklusivabdruck aus „Krieg und Frieden in den Medien“.