Der ultimative Sündenbock

Die Drangsalierung von KenFM durch den Verfassungsschutz wurde von den Leitmedien hämisch begrüßt. Exklusivabdruck aus „Zombie-Journalismus“.

Die Medienplattform KenFM ist zu einem „Verdachtsfall“ für den Verfassungsschutz geworden. Das wurde Ende Mai 2021 bekannt. Der Vorgang an sich ist bereits ungeheuerlich. Aber noch ungeheuerlicher ist, wie elegant Medien diesen massiven Angriff auf die Pressefreiheit hinnehmen. Es trifft eben den „Richtigen“. Exklusivabdruck aus „Zombie-Journalismus: Was kommt nach dem Tod der Meinungsfreiheit?“.

Wir haben in diesem Buch bereits über KenFM und einige Hintergründe gesprochen. Deshalb erspare ich mir an dieser Stelle lange Ausführungen.

Wahrscheinlich dürfte den meisten Leser dieses Buches der „Fall KenFM“ bekannt sein. Von daher nur im Schweinsgalopp durch den Morast: Aus Sicht vieler allseits aufrichtiger Haltungsjournalisten sind das Medium KenFM und der Macher des Formats, Ken Jebsen, ein einziger Albtraum. Für sie ist KenFM eine unerträgliche Plattform, auf der Verschwörungstheorien und Fake News verbreitet und überhaupt alles andere als ein seriöser Journalismus geboten werden. Über den Erregungsmoment in so manchen Redaktionen, wenn die Worte „Ken“ und „FM“ fallen, haben wir ja bereits gesprochen. Kurzum: KenFM ist für viele Medien das rote Tuch schlechthin.

Dementsprechend sehen dann auch die Artikel aus, die Mainstream-Journalisten über dieses Medium verfassen.

Nun also zum Ausgangspunkt.

Unser Staat geht mit nachrichtendienstlichen Mitteln gegen ein Medium vor. Was das bedeutet, lässt sich an einer Hand abzählen: Überwachung, Bespitzelung, Kontrolle.

Die Außenwirkung dieses nachrichtendienstlichen Vorgehens ist eine Katastrophe. Das Medium bekommt ein höchstoffizielles Stigma aufgesetzt: Der Verdacht, irgendwie „radikal“ zu sein ― sonst würde ja nicht der Verfassungsschutz einschreiten entfaltet seine Wirkung.

Dessen Außenwahrnehmung, die wohl für die meisten Medien von Bedeutung ist, wird massiv beschädigt. Zumindest ein Teil jener potenziellen Nutzer, die noch nichts von dem Portal gehört haben oder vielleicht einmal über einen Beitrag stolpern und sich dann über das Medium informieren möchten, dürften durch diese Aktion abgeschreckt werden. Zudem fragen sich vermutlich einige Nutzer des Mediums, ob ihre IP-Adresse nachrichtendienstlich erfasst wird, wenn sie die Internetseite von KenFM aufrufen. Potenzielle Informanten, die dem Medium vielleicht eine wichtige Information zukommen lassen möchten, müssen befürchten, dass ihre vertrauliche Kontaktaufnahme einer geheimdienstlichen Kontrolle unterliegt.

Ganz zu schweigen von dem massiven, ja, unfassbaren Druck, der sowohl auf Ken Jebsen ausgeübt wird als auch auf alle Autoren, Mitarbeiter und so weiter. Als Herausgeber eines Mediums, das ― wohl durch politischen Druck ― zum Verdachtsfall für den Verfassungsschutz wird, liegt es nicht fern, dass man sich überlegt, ob man überhaupt noch weitermachen soll. Für die Pressefreiheit ist dieses Vorgehen ein Schlag ins Gesicht.

Bei aller berechtigten Kritik, die es generell an Medien zu üben gibt: Wo kommen wir hin, wenn ein demokratischer Staat mit geheimdienstlichen Mitteln freie Medien unter Druck setzt?

Gewiss: Natürlich lässt sich die Beobachtung durch den Verfassungsschutz dann rechtfertigen, wenn ein Medium den Boden der Demokratie verlässt, wenn also tatsächlich von einem Medium eine Gefahr für unseren Staat ausgeht. Ist das bei KenFM der Fall?

Aber wir greifen voraus. Zunächst die Frage: Warum wird KenFM zum Verdachtsfall für den Verfassungsschutz?

Sehen wir, was Medien, die die Nachricht verbreiten, berichten.

„Die Medienplattform ‚KenFM‘ wird nun vom Berliner Verfassungsschutz beobachtet. Dort würden Desinformation und Verschwörungsmythen verbreitet und damit die Szene der ‚Querdenker‘ weiter radikalisiert, heißt es“ (1).

Und weiter:

„Der Berliner Verfassungsschutz sieht dies anders. Die Behörde hält KenFM für eine Plattform, über die gefährliche Verschwörungserzählungen verbreitet werden und hat das Portal daher nach Informationen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung (SZ) im März als Verdachtsfall eingestuft. KenFM verbreite Falschinformation und Desinformation, und treibe damit die Radikalisierung der sogenannten Querdenker-Szene voran, heißt es im Verfassungsschutz.“

Wenn das alles ist, was dem Medium vorgeworfen wird ― und mehr findet sich in dem Beitrag auf tagesschau.de nicht ―, dann muss man die Frage stellen: Was passiert hier gerade? Ein Medium wird vom Verfassungsschutz ins Visier genommen, weil es „Desinformation“ und „Verschwörungsmythen“ verbreite und „damit die Szene der Querdenker weiter radikalisiert“ werde?

Oje. Wo soll man da mit der Kritik ansetzen? Zum Offensichtlichen: Weil also ein Medium angeblich „Desinformation“ verbreitet, wird es vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestuft.

Frage an Radio Eriwan: Wer bestimmt eigentlich, was „Desinformation“ ist und was nicht?

Um die Problematik mal an einem Beispiel zu verdeutlichen: Wie ist es zu bewerten, wenn ein Medium einen Beitrag veröffentlicht, in dem die These vertreten wird, SARS-CoV-2 stamme aus einem Labor? Wie es dem Hamburger Professor Roland Wiesendanger ergangen ist, als er eine Ausarbeitung veröffentlicht hat, die genau das nahelegt, haben wir gesehen. Die Vorwürfe der Medien, die in Richtung Wiesendanger geschleudert wurden, dürften ihm heute noch in den Ohren dröhnen.

In einem Interview sagte Wiesendanger:

„Ja. Die Laborunfalltheorie stand in einem engen Zusammenhang mit dem damaligen US-Präsidenten Trump. Darum war dieses Thema in den USA bis zu den Präsidentschaftswahlen quasi tabu. Es gab bereits vor einem Jahr viele Wissenschaftler, die die Laborunfallhypothese als sehr viel wahrscheinlicher angesehen haben, aber niemand aus intellektuellen Kreisen mochte sich dazu öffentlich bekennen, um nicht Trump eine Vorlage zu bieten. Auch Journalisten wollten nicht Trump in seiner Meinung bestärken, sondern standen auf dem Standpunkt: Was Trump sagt, muss grundsätzlich falsch sein. So etwas ist unglaublich gefährlich.

Dies also ist die dritte Krise, die wir derzeit im Zuge der Pandemie erleben: die Krise der Medienwelt, die dadurch ausgelöst wurde, dass Journalisten eine vorgefertigte Meinung hatten und Nachrichten im Licht dieser Meinung bewerteten und dann darüber berichteten oder nicht berichteten ― abhängig davon, ob die Nachricht in ihr Weltbild passte oder nicht. Das sah man ja auch an meinem Beispiel. Es war ja so, dass sehr viele Journalisten meine Studie gar nicht gelesen haben, im Gegensatz zu den meisten in der Bevölkerung.

Die Journalisten hatten eine vorgefertigte Meinung, die durch ‚Faktenchecker‘ bereits frühzeitig abgesegnet wurde:

Nein, die Laborunfalltheorie ist keine plausible Erklärung und muss bekämpft werden ― auch durch Zensur auf Facebook ―, da sie angeblich eine Verschwörungstheorie darstellt“ (2).

Was der Physiker Wiesendanger zu den Medien sagt, ist letztlich auch der Befund, zu dem kritische Medienwissenschaftler und Soziologen kommen. Wiesendanger äußert sehr deutlich, dass das Verhalten von Journalisten, je nach eigenem Weltbild, für andere Meinungen blind zu sein, „sehr gefährlich“ ist. Auch in diesem Buch ist mehrfach davon die Rede, dass von dem zu beobachtenden Weltbildjournalismus, ja, von dem Zombie-Journalismus eine echte Gefahr für uns als Gesellschaft genauso wie für die Demokratie ausgeht.

Die Pandemie, das heißt eine sehr ernste, weitreichende Situation, in der ein kritischer Journalismus dringend gebraucht wurde, hat uns vor Augen geführt, was Zombie-Journalismus bedeutet. Ob SARS-CoV-2 aus einem Labor kommt ― mitsamt den weiteren Fragen, die dies aufwürfe ― oder nicht, wurde von Journalisten abgetan ― weil „der Falsche“ (Trump) diese Auffassung vertrat und weil das irgendwie „verschwörungstheoretisch“ klingt. Wahnsinn!


„Diesen Totalausfall der Medien und Journalisten in der sogenannten Corona-Pandemie nimmt Klöckner zum Anlass, sich selbige ‚zur Brust‘ zu nehmen. Nach seinem Buch ‚Sabotierte Wirklichkeit: Wenn Journalismus zur Glaubenslehre wird‘ aus dem Jahr 2019 zerlegt Klöckner in seinem neuen Buch die gesamte Medienbranche und ihre journalistischen Zombies. Er präsentiert sie uns als bösartige Propaganda-Maschinerie wider Anstand und Fairness, bar jeder journalistischen Profession. (...) Ihre Hauptkompetenz liege darin, im Schulterschluss mit der Regierung Angst zu schüren. (...) Indem sie jede kritische Analyse scheuen wie der Teufel das Weihwasser seien sie selbst zu einer grundlegenden Gefahr für die Demokratie geworden. (...) Das Politik- und Medienkartell kann nur noch als integrale Verbrechensform begriffen werden, wobei die Medien nicht selten die Politik vor sich hertreiben beziehungsweise der Politik als Verstärker ihrer kriminellen Machenschaften zugunsten der Kapitalfraktionen dienen. Die Medien sind daher nichts anderes als Kombattanten im laufenden ‚information warfare‘ gegen die Zivilgesellschaften. Sie sind kriegführende Partei. Die gesamte Mainstream-Medienindustrie begreift Klöckner völlig richtig als nicht mehr reformierbar.“
Ullrich Mies, Autor und Publizist

„Der Kampf gegen das gleichgeschaltete, regierungskonforme Medienkartell hat gerade erst begonnen. Wer immer noch meint, es ginge um eine innergesellschaftliche Diskussion, hat nicht begriffen, dass es Regierung und angeschlossener Bewusstseinsindustrie ausschließlich darum geht, die Definitionshoheit mit allen perfiden Mitteln zu erhalten. Kollabiert die Definitionshoheit, kollabiert die Macht des herrschenden kriminellen politischen Regimes. Zombie-Journalisten sind mitverantwortlich dafür, dass wir in faschistische Verhältnisse abgleiten. Obwohl in weiten Teilen des Buches anklingt, wie sehr Klöckner die derzeitige Journaille verachtet, gelingt es ihm dennoch, Leserinnen und Leser immer wieder zum herzhaften Lachen zu bringen.“
Annette van Gessel, Pharmazeutin und Lektorin

„Marcus Klöckner liefert (...) jetzt all die Beweise, die bei meiner Draufsicht aus dem Blick geraten sind. Textanalyse vom Feinsten, geschöpft aus dem Fundus der Fehlleistungen, die wir seit anderthalb Jahren beobachtet haben. Nena und #allesdichtmachen. Das WDR-Interview mit Jan Josef Liefers. Die Kampagnen gegen ‚Impfvordrängler‘, ‚Schwurbler‘, ‚Maskenverweigerer‘.“
Michael Meyen, Professor für Kommunikationswissenschaft


Im August erscheint das neue Buch von Marcus Klöckner. Hier können Sie das Buch bestellen: als Taschenbuch oder E-Book.


Quellen und Anmerkungen:

(1) Florian Fade und Georg Mascolo, „Exklusiv. Berliner Verfassungsschutz ‚KenFM‘ unter Beobachtung“. In: Tagesschau.de, 27. Mai 2021, https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-dr/verfassungschutzkenfm-101.html, Zugriff: 5. Juli 2021.
(2) Stefan Frank, „Wuhan-Affäre: ‚Die Weltbevölkerung in die Irre geführt‘“, Interview mit Roland Wiesendanger. In: Achgut.com, 8. Juni 2021, https://www.achgut.com/artikel/wuhan_affaere_die_weltbevoelkerung_in_die_irre_gefuehrt, Zugriff: 5. Juli 2021.