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Der Trost des Zweifels

Der Trost des Zweifels

Jahrzehntelang hat die Linke von einem globalen Aufstand geträumt — jetzt, wo er da ist, projiziert sie ihre Angst und Wut auf dessen Galionsfigur.

Je mehr Greta Thunberg die angstmachenden Emotionen zur Sprache bringt, dass wir als Spezies kurz vor dem Aussterben stehen — wie sie es, erfüllt von zitternder Wut, auf dem UN-„Aktionsgipfel“ zur Klimakrise im September 2019 tat —, desto mehr strengt sich ein Teil der progressiven Linken an, ihrer Rolle als Akteurin des Wandels zu widerstehen.

Ich spreche hier nicht von der Linken, die weiterhin an ihrer „Vogel-Strauß-Politik“ festhält und den Klimawandel leugnet. Oder von der „Alles, was wir brauchen, ist, dass die Menschen die Produktionsmittel beschlagnahmen und dann den Planeten im Namen der Arbeiter und nicht der Chefs plündern“-Linken. Beide sind ärgerlicherweise vorhanden.

Ich meine die progressive Linke, die versteht, dass wir auf eine Klimakatastrophe zusteuern, die durch die Hybris einer winzigen Machtelite und unserer eigenen gedankenlosen, mitschuldigen Gier verursacht wird. Jene Linke, die weiß, dass wir unsere Gesellschaften und Prioritäten radikal verändern und uns schnell von fossilen Brennstoffen verabschieden müssen, um das Leben auf dem Planeten zu retten.

Dennoch wird ein Teil dieser Linken jedes Mal wütend, wenn Thunberg im Fernsehen auftaucht, um methodisch und bewegend darzulegen, warum sich unsere Gesellschaften im Griff eines kollektiven, selbstzerstörerischen Wahnsinns befinden.

Konfrontiert mit Thunbergs Aktivismus, kollabiert ihre natürliche Gegnerschaft zu den Reichen und Mächtigen und versinkt in einem Sumpf aus Zynismus gegenüber Thunberg selbst.

Ihre Argumente lassen sich in drei Hauptkategorien einteilen. Lassen Sie uns jede hinsichtlich ihrer Berechtigung beurteilen.

1. Es ist Kindesmissbrauch!

Es ist merkwürdig mitzuerleben, wie sich einige der Linken plötzlich in viktorianisch prüde Menschen verwandeln, sobald die 16-jährige Schwedin genau das sagt, was sie selber denken, dies allerdings mit viel größerer Wirkung. Kinder, so scheint es, sollen wieder nur gesehen, nicht aber gehört werden.

Bild 1: „Wenn Greta meine Tochter wäre, wäre ich ihretwegen sehr besorgt. Kein junges Mädchen sollte die Last der Welt auf solch bedrückende Weise auf ihren Schultern tragen, nicht einmal als Tochter von Aktivisten, wie gerechtfertigt der Grund auch sein mag.“

Thunberg und ihre Generation leben auf einem sterbenden Planeten, einem Planeten, den die ältere Generation — durch ihre Gier, ihre Entfremdung von der Natur und ihre spirituelle Leere — geplündert und verwüstet hat, ohne an diejenigen zu denken, die nach ihr kommen.

Die Menschen, die die Plünderung organisiert haben, sind unsere Führer, eine Elite, die die Wirtschaft beherrscht und unsere Politik und die Medien kontrolliert. Aber wir alle haben unseren Teil zur Zerstörung des Planeten beigetragen.

Wir haben die unnötigen Waren gekauft, die sie produziert und vermarktet haben. Wir glaubten an ihr Märchen von endlosem Wachstum auf einem endlichen Planeten. Wir ließen uns von gedankenloser Unterhaltung ablenken, während der Planet heißer wurde und an unserer Umweltverschmutzung erstickte.

Unsere Generation verfolgte eine Brandrodungspolitik auf der gesamten Oberfläche des Planeten und hinterläßt unseren Kindern keinen Zufluchtsort, derweil die Erde Jahrhunderte brauchen wird, um sich zu erholen.

Die am meisten bewunderten unter den Erwachsenen, unsere Firmenchefs, fragen sich, ob wir jetzt in den Weltraum reisen können, um von vorne zu beginnen. Und manche nennen Thunberg kindisch!

Die Vorstellung, dass irgendein Erwachsener das Recht hat, Thunberg und den anderen Millionen Kindern, die wir verraten haben, zu sagen, dass sie einfach die Klappe halten, die Streiks beenden und zur Schule zurückkehren sollten, um ihre Ausbildung zu beenden, ist lächerlich — und beleidigend.

Was denn beibringen? Sollen wir ihnen die gleiche Dummheit, die gleiche Selbstsucht beibringen, die man uns in diesen erzieherischen Produktionsbetrieben beigebracht hat, und die uns in konforme, konsumfreudige Schmarotzer verwandelt hat?

Brauchen diese Kinder wirklich noch mehr von der neoliberalen Gehirnwäsche, die die meisten Erwachsenen davon abhält, ebenfalls zu streiken, um den Planeten zu retten?

Natürlich ist es nicht richtig, dass Thunberg ihre Kindheit damit verbringen muss zu protestieren, damit sie das Erwachsenenalter erleben kann. Aber ihre Entscheidung, ihre Teenagerjahre zu opfern, ist nicht der Missbrauch; es ist unser Verhalten, das ihr eine Zukunft verweigert, das sie zwingt, ihre Jugend mit Millionen anderer Kinder auf der Straße zu verbringen, im Versuch, uns zur Besinnung zu bringen.

2. Sie wird von den Massenmedien ausgenutzt!

Der Beweis, dass man Thunberg nicht trauen kann, scheint der zu sein, dass sie jetzt so viel Aufmerksamkeit erhält. Die Massenmedien gehören Großkonzernen, und wenn sie bereit sind, Thunbergs Beschwerden zu verbreiten, muss das darauf zurückzuführen sein, dass sie ihren, also den Konzern-Absichten dient.

Thunberg sei ein Werkzeug der Reichen und Mächtigen, wird es uns gesagt, ob sie es selbst nun versteht oder nicht. Was immer sie uns auch mitteilt, wie scharf sie diejenigen, die uns regieren, auch kritisiert, die Wahrheit sei nun einmal, dass ihren Argumenten nicht zu trauen sei, weil sie diese auf Konzernplattformen zum Ausdruck bringt.

BIld 2: „Offensichtlich haben es die Milliardärsmedien darauf abgesehen, Sie jedes Mal, wenn sie Ihnen gnadenlos ein Kindermaskottchen um die Ohren hauen, zu manipulieren. Das bedeutet aber nicht, dass das Kind selbst dubios oder der Klimawandel nicht real ist, sondern nur, dass sie darauf hinwirken, Sie in eine bestimmte Richtung zu lenken.“

Wenn ich diese Argumentation höre, frage ich mich, wie wir in den 1950er und 60er Jahren auf Martin Luther King reagiert hätten. Hätte es damals bereits die alles durchdringenden sozialen Medien gegeben, wären wir dann auch so sicher gewesen, dass Martin Luther King niemand anderer als das schwarze Maskottchen des weißen Establishments war? Weil er ja schließlich auch in den Medien viel Beachtung fand.

Hätten wir auf den Selma-Marsch (die Selma-nach-Montgomery-Märsche im Jahr 1965, Anmerkung des Übersetzers) genauso zynisch reagiert wie heute auf die Klimastreiks? Hätten wir Martin Luther King gesagt, er müsse wieder vor seiner Kirchengemeinde predigen, genauso wie wir Thunberg sagen, sie solle wieder in die Schule gehen?

Diese Kritik an Thunberg behandelt die Massenmedien als wären sie reine Propagandamaschinen. Es gibt keinen schärferen Kritiker der Massenmedien als mich. Ich habe Jahre damit verbracht, meinen Blog dafür zu nutzen, aufzuzeigen, dass selbst die liberalsten Massenmedien, wie etwa The Guardian, für den ich viele Jahre gearbeitet habe, eine Täuschung sind und für uns ein größtenteils falsches Bild der Welt entwerfen, das den Interessen der Reichen und Mächtigen dient.

Dabei ist mir auch bewusst, dass die Konzernmedien mit realen Personen, mit Journalisten besetzt sind. Sie sind überwiegend weiß, mittelständisch, privilegiert, selbstgefällig und karriereorientiert. Sie interessieren sich nur wenig für die Wahrheit außerhalb der engen Parameter, die ihnen die Unternehmenskultur vorgibt, innerhalb derer sie sich bewegen.

Aber auch diese Konzern-Journalisten, die für die Massenmedien arbeiten, haben Träume, Ängste und Kinder. Trotz der wirtschaftlichen Prioritäten der Medien leben ihre Mitarbeiter in der realen Welt, in der andere Spezies in noch nie dagewesenem Ausmaß aussterben, die Meere ansteigen und sich mit giftigem Plastik füllen, sich furchterregende Stürme zusammenbrauen und das Chaos Einzug hält.

Ich versichere Ihnen, dass viele dieser Journalisten nicht verstehen, wie schlimm die Dinge bereits sind und inwieweit sie sich weiter verschlimmern werden. Wie auch die Klimaforscher wurden sie durch ihre Ausbildung und Auswahl abgerichtet, sich konservativ und gehorsam zu verhalten.

Trotzdem wissen sie, dass sich die Dinge ändern müssen. Sie verstehen immer mehr, dass die bevorstehende Klimakrise eine Tatsache ist, die sie nicht ignorieren dürfen, da sie sich bald auf ihr eigenes Leben und das ihrer Kinder auswirken wird.

Die Journalisten selbst stehen an einem Wendepunkt. Manche von ihnen, insbesondere die Umweltkorrespondenten, wollten uns vor Jahrzehnten bereits etwas über die düstere Zukunft berichten, die uns bevorsteht. Ich habe mit einigen von ihnen gearbeitet.

Sie wurden jedoch von einer Unternehmenskultur ausgebremst, die ihren „Pessimismus“ nicht dulden wollte. Sie waren zu isoliert, zu ängstlich, ihren Job zu verlieren, um es zu wagen, Lärm zu schlagen. Jetzt fühlen sie sich befreit, weil sie entdecken, dass es genug Kollegen gibt, die genauso denken wie sie.

Thunberg erhält Aufmerksamkeit von Konzernjournalisten, weil sie der langjährigen journalistischen Frustration Luft macht. Sie artikuliert die eigenen, berechtigten Ängste der Journalisten und tut dies auf eine Art und Weise, dass die Journalisten dies mit ihrer trivialen Mann-beißt-Hund-Art, die ihnen als Professionalität beigebracht wurde, auch akzeptieren können.

Wie ein wohlwollender Rattenfänger bringt dieses schwedische Kind mit Asperger-Syndrom Millionen anderer Kinder auf die Barrikaden. Diese kleine, schüchterne Figur ist mutig genug, um auszudrücken, was wir Erwachsenen schon lange einer Elite sagen wollten, die uns einfach ignoriert. Sie ist eine gebrauchsfertige Davina (eine amerikanische Comic-Superheldin, Anmerkung des Übersetzers), die sich einem Konzern-Goliath entgegenstellt.

Die Selbstmordelite in Davos und bei den Vereinten Nationen klatscht begeistert über ihre Kritik, weil keiner von ihnen als nackter Kaiser dastehen will. Ihre Begrüßung ist schweißnass angesichts dessen, was Thunberg und ihre Bewegung noch entfesseln könnten. Es ist die Angst, die ihren Applaus antreibt. Wenn sie sie zähmen können, werden sie es tun.

3. Sie ist ein Werkzeug der Großkonzerne!

Wie ich bereits hier und hier ausgeführt habe, wurde die Unvermeidbarkeit der Klimakatastrophe, mit der wir jetzt konfrontiert sind, Anfang der 1980er Jahre von Wissenschaftlern, die für die fossile Brennstoffindustrie arbeiteten, mit absoluter Präzision — fast auf die Woche genau — vorhergesagt.

Sie wussten vor langer, langer Zeit, dass dieser Moment kommen würde. Die Konzerne verzögerten vier Jahrzehnte lang eine Reaktion erfolgreich hinaus, damit sie den Planeten weiterhin ungestört verwüsten konnten. Und wir sind wieder und wieder auf ihre Verschleierungen und Zeitvergeudung hereingefallen.

Bild 3: „Dieses @exxonmobile-Diagramm von 1982 sagte voraus, dass unser atmosphärischer CO2-Gehalt 2019 etwa 415 ppm erreichen und damit die globale Temperatur um etwa 0,9 °C ansteigen würde. Update: Die Welt hat diese Woche die Schwelle von 415 ppm überschritten und 0,9 Grad Celsius in 2017 durchbrochen.“

Jetzt ist das Spiel vorbei. Wie diese Wissenschaftler auf der Gehaltsliste der Konzerne vor langer Zeit insgeheim bereits vorausgesagt haben, können die Auswirkungen auf das Weltklima vor der Öffentlichkeit nun nicht mehr als kurzfristige Laune des Wetters verschleiert werden. Eine andere Herangehensweise ist erforderlich.

Es versteht sich von selbst, dass die Konzerne versuchen werden, das neoliberale kapitalistische System, das sie reich gemacht und ihnen nahezu unbegrenzte Macht verliehen hat, so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Ihre beste Taktik zu diesem Zeitpunkt ist es, angesichts der sich abzeichnenden, tatsächlichen Ereignisse in der Welt, ihre Ablehnung gegenüber einer Klimakrise aufzugeben und uns stattdessen davon zu überzeugen, dass es zu spät für ein Eingreifen ist, dass der Zug bereits abgefahren ist.

Wenn uns der Himmel bereits auf den Kopf gefallen ist, macht es keinen Sinn mehr, den Planeten zu retten. Sein Schicksal ist besiegelt. Die besten Reaktionen auf die unaufhaltsame Klimakatastrophe sind, so werden sie argumentieren, technische Korrekturen — die wiederum ihre Unternehmenstaschen füllen —, um die schlimmsten Auswirkungen hinauszuschieben, während wir unbekümmert weitermachen und feiern, bis die Musik verstummt. Wir werden aufgefordert werden, für „unsere Leute" zu plündern, bevor den anderen die verbliebenen Kostbarkeiten in die Hände fallen.

In den nächsten Jahren wird es noch viele solcher Manipulationen geben. Und es gibt kein Anzeichen dafür, dass diese von Thunberg und den streikenden Kindern ausgehen werden.

Falls die Konzerne vorhaben, eine Galionsfigur hervorzubringen oder zu vereinnahmen, um die Klimabewegung zu neutralisieren, ist Greta Thunberg jedoch eine eigenartige Wahl. Ihre Offenheit ist befreiend. Ihre Empörung und Wut sind ermutigend. Ihre Arglosigkeit ist ansteckend. Ihr jugendliches Engagement ist ein heftiger, beschämender Schlag ins Gesicht unserer eigenen Faulheit und Weltverdrossenheit.

Wir Linken haben seit Langem auf eine Massenmobilisierung gehofft, darauf, dass die einfachen Menschen aus Protest auf die Straße gehen und sich ihre Macht von den über uns herrschenden Eliten zurückerobern. Doch nun, da es jemandem — und ausgerechnet einem Teenager — tatsächlich gelingt, dies endlich auf globaler Ebene zu tun, da verurteilen wir ihn und verspotten diejenigen, die ihn anfeuern.

Bild 4: „In Teil 5 ihrer Untersuchungen kommt @elleprovocateur zu dem äußerst wichtigen Ergebnis, dass all den schönen, ökologisch klingenden Worten eine aufeinander abgestimmte Strategie zugrundeliegt, um die Natur zu kommerzialisieren und finanzialisieren — nicht zu ihrem Schutz, sondern des Profites wegen.“

Bedeutet die Tatsache, dass sie und ihre Proteste auf dem internationalen Parkett erfolgreich sind, nun aber, dass unsere Machthaber nicht versuchen werden, Thunberg und ihr Anliegen zu vereinnahmen? Natürlich nicht. Es ist selbstverständlich, dass sie versuchen werden, diese neue, gefährliche Leidenschaft in unnütze und erfolglose Richtungen zu lenken.

Thunberg ist nicht Wonder Girl. Sie wird so gut sie kann durch diese tückischen Gewässer navigieren müssen, um zu entscheiden, wer wirklich helfen will, wer versucht, ihr Anliegen zu sabotieren, und mit welchen Partnern sie es sich leisten kann, Bündnisse einzugehen. Sie und ähnliche Bewegungen werden Fehler machen. Das ist bei sozialen Protesten stets der Fall. Doch die Beteiligten werden daraus lernen und sich weiterentwickeln.

Martin Luther King selbst manövrierte, manchmal unbeholfen, beständig zwischen den dringenden Forderungen nach Gleichberechtigung seitens eines schwarzen Amerika, die er zur Sprache bringen wollte, und den Ängsten eines weißen Amerika, dessen Privilegien in Gefahr zu sein schienen.

Und es ist durchaus vertretbar, zu behaupten, dass er mit seiner Mission gescheitert ist, dass sein Traum zu Fall gebracht wurde. Die Vereinigten Staaten sind, Jahrzehnte später, noch immer eine zutiefst rassistische Gesellschaft. Mit Hilfe der Massenmedien hat die US-Führungsriege das Erbe Kings weitgehend vereinnahmt, indem sie ihm ein neues Image als harmlose Totemfigur eines nicht existenten Zusammenlebens verpasst hat.

Trotz seines Scheiterns haben die inspirierenden Worte und Taten von Martin Luther King die USA auf eine Weise verändert, die niemals rückgängig gemacht werden kann. Er gab einem Anliegen eine moralische Stimme, zu dem sich heutige Alltagsrassisten gerade einmal Lippenbekenntnisse abringen.

Es mag ihm nicht gelungen sein, den institutionellen Rassismus in den USA im Alleingang zu beenden, doch dieses Scheitern beeinträchtigt nicht sein Erbe und untergräbt auch nicht, was er erreicht hat, bevor er von einem Attentäter zum Schweigen gebracht wurde.

Und natürlich deutet all das, außer für einige unverbesserliche Verschwörungstheoretiker, nicht darauf hin, dass er mit weißen Rassisten zusammengearbeitet oder unwissentlich nach deren Geheiß gehandelt hätte.

Thunberg und die nächste Generation haben einen noch steileren Weg vor sich als Martin Luther King. Sie müssen unser Verhältnis nicht nur zu den schlimmsten Auswüchsen unserer eigenen Gesellschaft, sondern zum Planeten selbst verändern.

Das erfordert eine völlig neue Vision unserer Zukunft — und der Ort, an dem eine solche Vision am ehesten Fuß fassen kann, wird in den Reihen junger Menschen sein, deren Idealismus durch unser Bildungs- und Berufssystem noch nicht vernichtet worden ist.

Sollte Thunberg, wissentlich oder nicht, tatsächlich von westlichen Eliten eingefangen werden, gibt es keinen Grund dafür, anzunehmen, dass die vielen Millionen Junger und Alter, die sich ihr bei den Klimastreiks anschließen, nicht erkennen werden, dass sie vereinnahmt wurde oder ihren Weg verloren hat.

Diejenigen, die dieses Argument vorbringen, gehen arroganterweise davon aus, dass nur sie den wahren Weg kennen würden. Sie gehen davon aus, dass Thunbergs Worte keine lebendige, logische und moralische Kraft entfalten, unabhängig davon, wer sie ist oder ob sie, wie Martin Luther King, letztendlich zum Schweigen gebracht wird.

Noch besorgniserregender ist, dass sie die Möglichkeit einer wachsenden, kollektiven Weisheit ablehnen, eines höheren Bewusstseins, das notwendig ist, damit wir als Spezies überleben.

Die Ablehnung Thunbergs und der Klimaproteste durch die Linken dürfte Samen der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit säen — und damit zu genau jenem Ergebnis führen, nach dem sich die Elite verzweifelt sehnt, wenn sie versucht, diese Proteste zu neutralisieren.



Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text erschien zuerst unter dem Titel „Greta Thunberg and the consolation of doubt“. Er wurde vom ehrenamtlichen Rubikon-Übersetzungsteam übersetzt und vom ehrenamtlichen Rubikon-Korrektoratsteam lektoriert.

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