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Der totalitäre Stoßtrupp

Der totalitäre Stoßtrupp

Die aggressive Frontstellung des Genderismus gegenüber dem Feminismus hat mit dem großen Umgestaltungsprojekt der Eliten zu tun. Teil 1/2.

Daniel Sandmann: Das zivilisatorische Ende ist naturgemäß ein Ende mit Gewalt, wenngleich in sehr unterschiedlicher Ausprägung. Ich möchte mit dir, Susanne, diesen unseren Einmarsch in den Schlachthof, um dieses martialische Bild zu gebrauchen, unter Herausstellung eines besonderen Gesichtspunkts, nämlich des Genderismus, betrachten und dabei auf das Verhältnis von Genderismus und Feminismus, den ich als eine der fundamentalsten Infragestellungen der kapitalistischen Gesellschafts- und Weltordnung verstanden habe, eingehen. Es kann nicht Zufall sein, dass Ausführungsinstanzen des Coronadurchgriffs gendern.

Im Hinblick auf die Gesamtgemengelage, die sich im Kern dadurch auszeichnet, dass Machtinstanzen darauf bedacht sind — seit mindestens über 100 Jahren, je nach Definition aber auch schon entschieden länger — alles, was dem Kapital gefährlich werden könnte, durch angezettelte Identitätskämpfe, also in gewissem Sinne Scheingefechte, zu sedieren und als Widerstandsinstrumente wirkungslos zu machen, kommt dem Verhältnis von Feminismus und Genderismus insofern eine kardinale Bedeutung zu, als daraus exemplarisch hervorgeht, wie Macht Kräfte, welche die Machtdekonstruktion als ihr Ziel ansehen, zu vernichten trachtet.

Feminismus als Sprungbrett missbraucht

Um diesen Mechanismus herauszustellen, gilt es also, einen genaueren Blick auf den Feminismus beziehungsweise sein Schicksal zu werfen, ein Feminismus, der — ich nehme für mich Ingeborg Bachmann als Referenz — eben angetreten ist, Gewaltverhältnisse, auch alltägliche, strukturelle, institutionelle, aufzudecken und so zu einer demokratischeren und eben gewaltfreieren Gesellschaft beizutragen und der sich dann plötzlich — oder eben doch nicht so plötzlich — vollständig gedreht vorgefunden hat, zum Genderismus mutiert, einer transhumanen Bewegung eingeschrieben, angetrieben vom globalen Kapital. Vielleicht legt diese Usurpation Muster offen, die sehr grundsätzlich für das stehen, was ich als gesellschaftlichen Zustand im Jahre 2020 wahrnehme.

Susanne, du hast dich ein Leben lang mit Feminismus, Macht und gesellschaftlichen Wirklichkeiten hier im Westen, aber auch im arabischen Raum beschäftigt. Wie siehst du das Verhältnis im Hinblick darauf, was derzeit weltpolitisch und zivilisatorisch vor allem bei uns im Westen abgeht?

Susanne Kappeler: Ich würde zunächst von einem Feminismus sprechen, der plötzlich oder eben nicht so plötzlich einem auf die Bühne der Öffentlichkeit getretenen Genderismus gegenüber steht, ein Genderismus, der in keiner Weise feministische Ziele teilt, sondern die Sprache zentraler feministischer Differenzierung für etwas ganz anderes benutzt und den Feminismus als seinen Hauptfeind versteht.

Ein Virus mutiert zu etwas nur minimal anderem und bleibt dabei eine Variante. Der Genderismus aber ist keine Variante des Feminismus, auch keine verdrehte. Und der Feminismus ist immer noch derselbe, der er vorher war. Nicht der Feminismus hat sich vollständig gedreht und ist zum Genderismus mutiert, sondern der Genderismus ist über den Feminismus hergefallen. Nicht zu vergessen, dass in den sogenannten sozialen Medien von „Feminazis“ gesprochen wird und der Genderismus ein besonders ekelhaftes Vokabular beleidigender Namen für Frauen einsetzt.

In England und den USA und auch anderweitig wurden und werden feministisch-kritische Professorinnen, die eine „Falschaussage“ oder kritische Bemerkung betreffend Transsexualismus gemacht haben, an den Universitäten „gecancelt“ — „No Platform“: keine öffentliche Redemöglichkeit mehr ab sofort — und teilweise entlassen mittels gerichtlicher Verfahren mit den abenteuerlichsten Anklagen und Begründungen wie „scholarly misconduct“ oder „academic Fraud", wissenschaftlichem Fehlverhalten oder akademischem Betrug (1). Und die Hochschulen spuren nicht nur — Fachbereiche für Womenstudies und Feministstudies werden in Windeseile zu Genderstudies und/oder sprießenden Menstudies —, sie unterstützen das Mobbing jeder kritischen Stimme. Akademische Freiheit, was war das noch mal?

Desgleichen in den sozialen Netzwerken, wo feministische Aktivistinnen oder öffentliche Personen, die sich kritisch zum Genderismus äußern, an den Pranger gestellt werden. Kollektives Bedrohen jener ist angesagt, die sich kritisch zu artikulieren wagen, Massenproteste, wo immer kritische, feministische Aktivistinnen live auftreten, inklusive.

Eskalation von Anfang an

Die Standardanklage lautet: „Sie streiten meine Existenz ab! Bedrohen meine Existenz.“ Diese bewusst unterstellte Eskalation als Ausgangspunkt rechtfertigt sodann als Gegenbewegung die tatsächliche und handgreifliche Bedrohung von Andersdenkenden, in diesem Fall von Feministinnen. Jagd auf „Fehlaussagen“, Hetze und Bedrohung der Sprechenden ist das Terrain der Genderbewegten. Meinungsfreiheit muss — im Genderismus wie bei Corona und zusammen mit Julian Assange — ausgemerzt werden. Die offizielle Wahrheit ist das jeweilige Narrativ der Drohenden.

Der Feminismus dagegen ist meines Erachtens weder gedreht noch verdreht. Er hat vor allem ein Ziel: die Befreiung der Frauen aus der Dominanz und sexuellen Gewalt der Männer, ein Ziel, das in keiner Weise vom Genderismus geteilt wird. Der Feminismus ist nicht zum Genderismus mutiert, ganz im Gegenteil opponieren Feministinnen von Anfang an gegen den Genderismus. In Großbritannien zum Beispiel ist es dank der Feministinnen gerade noch gelungen, die gesetzliche Einführung einer bloßen Selbst-Deklaration auf dem Amt als gültigen Antrag für einen Geschlechtswechsel zu verhindern.

Verdrehung

Nun, wenn du von einer Verdrehung sprichst, also einem Gewaltakt auf der Ebene des Diskurses, ist das nicht falsch an sich. Doch es ist eben nicht der Feminismus, der sich plötzlich als zum Genderismus mutiert sieht. Es ist vielmehr so: Jemand versucht, Teile des feministischen Projekts beziehungsweise Diskurses und seiner politischen Ausrichtung zu drehen — mittels eines ganz anderen, stetig sich verändernden Diskurses — der den Genderismus als Bewegung formt. Das Problem ist also nicht unser Verständnis des Feminismus, das über verschiedene Bezugnahmen auf Denkende und Schreibende sowie auf unser eigenes Denken und Verstehen und auch eigene Lebenserfahrungen und -beobachtungen entstanden ist, egal ob als Mann oder Frau. Der Punkt ist, dass der Genderismus rein gar nichts mit dem Feminismus zu tun hat.

„Gender“ — die soziale, kulturelle und politische Zuschreibung bestimmter Charakteristiken und Verhaltensvorschriften für je die Männlichkeit und die Weiblichkeit — wird im Genderismus und inklusive im Mainstream — von Medien, Akademikern, Gesundheitsexperten — als gleichbedeutend mit „Geschlecht“ verstanden und verliert damit jeden Sinn.

Nicht diese variablen sozialen Bestimmungen und politischen Bedingungen sollen auf politischem Weg abgeschafft werden, um Männer, Frauen und Kinder von ihrem allfälligen Unbehagen betreffend ihres Geschlechts und dessen Zuschreibungen zu befreien, sondern ihr biologisches Geschlecht soll von Genderkliniken chirurgisch und hormonell behandelt und angeblich „verbessert“ werden.

Genderismus stützt sich auf keine Erkenntnisse des Feminismus, er wird nicht einmal kritisiert, sondern einzig Hass auf Frauen und insbesondere Feministinnen als Mantra ausgespuckt.

Auftritt des Anti-Antirassismus

Weil jedoch der Feminismus von „Geschlecht“ und „Gender“ als einer wichtigen Differenzierung spricht, wird offenbar weithin angenommen, dass da noch irgendeine Gemeinsamkeit bestehe. Doch Feminismus, wie gesagt, hat das politische Ziel der Befreiung der Frauen aus der männlichen Dominanz, eine Dominanz, die nicht nur inakzeptabel ist für die Frauen sowie für die politischen Ansprüche auf Freiheit, Gleichberechtigung, Selbstbestimmung, Gewaltfreiheit und Friedfertigkeit als selbstverständliche Voraussetzungen der Demokratie, sondern große Probleme auch für das individuelle Selbstverständnis realer Männer schafft, Männer, die nicht Gewalt und Dominanz zu ihrem höchsten Ziel machen und sich von der Dominanzfraktion, die du einmal sehr gelungen als „Männertum“ bezeichnet hast, fernhalten und sich selber bestimmen möchten.

Genauso hat zum Beispiel der ursprüngliche Antirassismus ein politisches Ziel der Befreiung aller People of Color aus der Unterwerfung durch die Weißen und die Gay Liberation ein Ziel der Befreiung aus der strukturellen, gesellschaftlichen Unterwerfung von Männern und Frauen unter das Diktat der Zwangsheterosexualität, das sie je verfolgen. Und sie alle erleben heute, dass „plötzlich“ neue — oder nicht so neue — Diskurse auf die Bühne der Öffentlichkeit treten, die — wieder — eine Bewegung in die umgekehrte Richtung vollziehen. So findet sich antirassistisches Denken plötzlich in Konfrontationsstellung zu diesen neuen Diskursen, in denen der Antirassismus — also die Kritik am Rassismus — des sogenannten Rassismus gegen die Weißen angeklagt wird oder sonstige Verdrehungen erfährt.

Eine Tätigkeit des Gender-Antirassismus ist es beispielsweise, die Musikgeschichte von Bach, Mozart und Beethoven zu säubern. Dabei ist es nicht nur so, dass dieser Kampf gegen „den weißen alten Mann“ über das Mittel des Säuberns rassistische Muster fortschreibt, es ist vielmehr so, dass die Machtverhältnisse bei diesem Säubern nicht verändert werden, das Kapital — und die Elite, die es besitzt — setzt diesen „Antirassismus“ vielmehr für die Zementierung ihrer Macht und in diesem Sinne für diskriminierende Ziele ein, worunter der Antirassismus als Spielvariante fungiert. Es geht darum, unter dem Narrativ, rassistische Entwicklungen zu korrigieren, kulturelles Bewusstsein und überhaupt jegliche Bezugspunkte zu zerstören, von welchen aus sich Störungen der Kapitalhäufung beziehungsweise des digitalen Faschismus als dessen ideale Vollzugsform ergeben können.

In diesem Sinne zeigt sich der Genderismus parallel als Bewegung gegen die klassischen Befreiungsbewegungen der letzten 70 Jahre: Antirassismus, Feminismus und auch Gay Liberation: Trotz LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender) auf der Flagge des Genderismus beginnen Schwule und Lesben zu bemerken, dass sie aus Sicht des Genderismus zu Menschen gemacht werden, die sich angeblich „im falschen Körper geboren“ finden und darum — frei nach Freud und den alten Sexologen — von „falschen Körpern“ angezogen werden, die via der empfohlenen Transition, dem Geschlechtswechsel, nicht nur glücklicher werden, sondern als Transmänner, respektive Transfrauen ihre Homosexualität unter dem Deckmantel der normativen (Trans-)Heterosexualität ausleben sollen, statt für Rechte für Lesben und Schwule zu kämpfen. Was zu Kampagnen seitens der Lesben führt wie „Get the L out of LGBT or Drop the T“ — „Nehmt das L aus LGBT oder lasst das T weg“ (2).

Das heißt, die verschiedenen Befreiungsbewegungen sehen sich neuen Bewegungen gegenüber, die erst klein und mit einzelnen Erscheinungen anfangen — oder wieder anfangen. In diesem Rahmen aber beginnen die Aktivisten des Genderismus sogleich jede Selbstbefreiungsbewegung zu zersetzen, um sie letztendlich zu eliminieren. Da sollten wir auch nicht sagen, der Antirassismus hätte sich verdreht: Genderaktivisten, also zur Hauptsache Weiße, verändern ihn und präsentieren die Kritik am Rassismus als einen Rassismus der People of Color gegenüber den Weißen. Das ganze Genderismusprojekt ist im Grunde ein Anschlag auf das kritische Denken schlechthin. Und es „erscheint“ auch nicht einfach, sondern statuiert seine geplante Gegnerschaft klar und deutlich und ist auf den eigenen Sieg aus.

Zudem scheint das Genderismusprojekt eine Mission zu haben, Menschen allen Alters, angefangen bei Kindern, dem gendermedizinisch-industriellen Komplex als Futter zuzuführen, ohne den geringsten Anspruch, gesellschaftliche Bedingungen zu verändern, die das Unbehagen gegenüber der Genderidentität erst bewirken und beeinflussen.

Instrumentalisierung kritischer Bewegungen

Wichtig scheint mir darum, die Akteure und Akteurinnen als Handelnde zu identifizieren und ihr Tun als Tun zu benennen. Und es gehört dazu, darin auch das Ziel der Unterwerfung und Erstickung der kritischen Bewegungen als das Ziel der Autorinnen und Autoren der „neuen“ Gegendiskurse herauszustellen. LGB, beispielsweise, haben eigentlich nichts mit Genderismus zu tun und haben wenig Bedarf für einen Geschlechtswechsel, sie wurden herbeigezogen, wie übrigens auch die Sexarbeiter-Community, um die Genderbewegung zu vergrößern und auch, um Spaltungen unter ihnen zu erwirken. Insgesamt sieht es danach aus, dass die Strategen der Genderbewegung versuchen, letztendlich alles, was irgendwie mit Sex, Geschlecht, Gender, sexueller Orientierung et cetera zu tun hat, in ihren Wirkungskreis aufzunehmen und unter ihre Kontrolle zu bringen, um ihre eigenen Ziele zu bedienen. Das ist ihnen erstaunlicherweise weithin gelungen, was insofern zu unserem Thema gehört, als wir auch auf die Frage antworten wollen: Wie ist das alles so gekommen?

Machtprodukt

Der Genderismus ist insgesamt das Produkt eines Machtkampfes beziehungsweise eines Kampfes der Mächtigen. Die Identifikation mit der bestehenden Macht zeichnet seine Aktivisten und Aktivistinnen aus, mit einer Macht, die nicht nur arrogant sein soll, sondern größer als die Macht der biologischen Realität, mittels derer Genderaktivisten aufgrund ihres Status diktieren können, was wir sagen dürfen und was nicht, welche Wörter wir benutzen dürfen und welche nicht, und was wir zu akzeptieren haben und was nicht — und ebenso, wem wir Anerkennung schulden, eine Anerkennung, die keine Gegenseitigkeit hat. Ein beispielloser, konfuser Sprachzwang, mit dem sie selbst nicht zurande kommen, ein Akzeptanzzwang mit ihnen als alleinigem Referenzpunkt, ein Zwang, den sie verordnen, als wären sie Teil der globalen Regierung oder Minister des Gesundheits- oder Sexualitätswesens.

Überwachungstätigkeit als Ideologie

Wenn Genderismus mit Feminismus ideologisch nichts zu tun hat, wie du das aufgezeigt hast, so muss er sich in der Tat ideologisch auch unterscheiden. Was ist in dieser Hinsicht denn seine Basis, so muss man sich fragen, erkenntnistheoretisch, aber auch machtpolitisch gesehen?

Meines Erachtens haben die „Genderstudies“ wenig neue Erkenntnisse hervorgebracht, die eine „Theorie“ begründen oder weiterentwickeln würden. Vielmehr bearbeiten die Studierenden vor allem Judith Butler und besuchen ansonsten die Vorlesungen anderer Professoren und Professorinnen, sozusagen als Sturmtruppen — mein Ausdruck — um dort nichtgenderismuskonforme Aussagen sofort anzuklagen und Radau zu machen. Ebensolche Transtruppen überwachen auch die Twitterströme, Chats und sonstige Social Media sowie kritische Publikationen, um sie per Zensur zu „säubern“ von transkritischen Äußerungen, deren Autorinnen zu brandmarken und generell um zu überwachen und zu intervenieren, bei Konferenzen, Frauenveranstaltungen et cetera.

Die Genderpandemie und die Coronapandemie

Der Genderismus ist also kein verdrehtes Kind des Feminismus, sondern das Kind der Pharma- und „Gesundheits“industrie. Zu erwähnen hierzu ist das Pionierwerk der US-amerikanischen radikalen Feministin und Professorin Janice G. Raymond The Transsexual Empire: The Making of the She-Male, bereits 1979 erschienen und seither vom Genderismus verteufelt (3).
Mit-gezeugt ist das Kind, wie bereits kurz erwähnt, von der Akademikerin Judith Butler, Fachbereich Philosophie, in der Zeit, als „Feminismus“ langsam „Mode“ wurde und weibliche Akademikerinnen begannen, Aspekte feministischen Gedankenguts auf „akademisch“ zu übersetzen, um ihm den politisch-kritischen Sinn auszutreiben und „wissenschaftlichen“ Anstrich zu verleihen.

Butler ist gewissermaßen im akademischen Betrieb insofern fast eine Ausnahme, da sie nebst Theoriebildung auch — oder vielleicht vor allem — einen Aktivismus anstrebte, der ja nun sehr viel mehr Früchte getragen hat als ihre „Philosophie“, und sie großen Wert auf das „Performen“, also auf das Zurschaustellen oder „Präsentieren“ legte. Doch inzwischen hat sie sich meines Wissens aus dem genderistischen Staub gemacht und bearbeitet andere Themen.

Merkwürdigerweise ist das von den Genderaktivisten so verhasste Buch der Professorin Janice G. Raymond aus fast allen US-amerikanischen Bibliotheken verschwunden: via Diebstahl, laut dem Bibliothekspersonal (4). Eine artisanale Version der Bücherverbrennung und auch eine Art Aktivismus.

Treuepaten bei der Entstehung des Genderismus waren und sind weiterhin die Medien und die Werbung der Unterhaltungsmedien, deren regelmäßige Artikel, wie Raymond schon in ihrem Buch, „The Transseuxual Empire“ bemerkt, sozusagen als Crashkurse zur Abdeckung der minimalen edukativen Bedürfnisse zum Thema Transsexualismus gelten könnten (5).

Damit zeichnet sich eine frappante Verwandtheit zwischen der Coronapandemie und der Transsexualismus- und Genderismuspandemie ab, nicht nur bezüglich der jeweiligen Konzeption und Geburt im medizinischen-industriellen Komplex, sondern auch zwischen den gleichermaßen angelegten Modellen des Social Engineering. Mundtot gemacht zu werden durch Propagandafluten, Zensur und Hetze bei kritischer Meinung ist dabei nur ein Element, das wir auch im Coronawiderstand üppig erfahren haben. Ebenfalls verwandt sind die enormen desaströsen Folgen und Schäden für die Betroffenen, die Gesellschaft und die Menschheit schlechthin. In beiden Fällen — Corona und Genderismus — wird die technologische Machbarkeit sowie der Transhumanismus als begehrenswertes Ziel fraglos vorausgesetzt, doch muss zugunsten des medizinisch-industriellen Komplexes eine Krankheit erst erfunden werden.

Im Fall des Transsexualismus werden psychische Unsicherheiten von Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung, ihrem Erleben und ihrem Werden, ihren Erfahrungen mit anderen Menschen, mit der Sexualität und der Zukunft und bei Jugendlichen insbesondere die der Pubertät inhärenten Veränderungen, Verwirrungen, Experimente, Träume, Hoffnungen, Erkenntnisse, Fragen und Gefühle zu einer Krankheit gemacht — die registrierte „Gender Dysphorie“.

Für Corona stand man nach dem Event 201 bereit mit experimentellen, vorzeitig autorisierten Gentherapien, die endlich angewandt statt verboten werden sollten. Doch fehlte noch die geeignete Krankheit. Das mythische „Killervirus Sars-CoV-2“ — nie gesehen, nie gefunden, nie isoliert, aber computersequenziert und intensiv beworben, bei gleichzeitig nicht vorhandener obligatorischer Aufklärung der Patienten und der Öffentlichkeit insgesamt über Risiken und negative Folgen und Nebenwirkungen — füllte die Lücke umgehend und begann seinen sinistren Lauf durch die Welt, die Zeit und unser Leben.

Irreversible Gesundheitsschäden für die mit den experimentellen, intransparenten, wissenschaftlich nicht umfassend geprüften Therapien Behandelten werden skrupellos toleriert und ignoriert — der Verdacht verhärtet sich: vielleicht gar gewollt und wissentlich angestrebt. Inkohärente Narrative, die mit Gewalt und medialem „Lock-Step“ zum Diktat und mittels fortlaufender Zensur andauernd bereinigt werden, spalten die Gesellschaften und hetzen die „Einen“ und die „Anderen“ aufeinander, im Genderismus wie in Corona und im Krieg.

Giftgas und Betroffenheit

Die Wirklichkeit, die du mit diesem Gender-Sturmtrupp zeichnest, ist die Wirklichkeit des faschistischen Säuberns. So gesehen ist der Genderismus ein Instrument — vielleicht sogar DAS Instrument — um eine der entschiedensten Bestrebungen im 20. Jahrhundert, Machtverhältnisse offen zu legen, den Feminismus eben, zu tilgen. Damit wiederum ist die ganze Wirkung und Funktion der Genderbewegung hinsichtlich eines neuen digitalen Menschen beziehungsweise seiner Überführung in einen transhumanen Apparat vorgezeichnet — die Linien hin zur Eugenik wären genauer noch anzuschauen — und es wäre herausgestellt, dass der Feminismus ein allererstes, bewusst angepeiltes Opfer der Gender-Bewegung sein musste, weil er die feudalkapitalistischen Machtverhältnisse, personell repräsentiert in diesen Tagen durch Figuren wie einen Gates, einen Soros, einen Zuckerberg — „Irre und Mörder“ in Bachmanns Worten — vielleicht am radikalsten infrage stellte.

Das Giftgas des Genderismus mit seiner prinzipiellen Auflösung von realer Macht in medial geschaffene Betroffenheitsidentitäten war, so meine These nun, insofern auch genuin ihm, dem Feminismus, zugedacht, so könnte man vielleicht sagen, und erst unter dieser Voraussetzung versteht man, was mir und wohl auch vielen Leserinnen und Lesern von Rubikon so lange nicht bewusst war: Die von dir geschilderte Militanz, mit der eben nicht nur gegen Coronamaßnahmenkritiker vorgegangen wird, sondern die eben — du sprichst von Sturmtruppen, also einer Antifa — auch feministische Professorinnen mundtot macht.

Diese gleichsam — zumindest aus einem naiven Verständnis heraus — paradoxe Konstellation, dass Feminismus und Genderismus sich gewissermaßen als Gegensätze herausstellen, zieht sich hin zu weiteren Paradoxien. Eine davon die, dass man bei konsequenter Aufrechterhaltung emanzipativ-feministischer Denkmuster und Wertvorstellungen plötzlich Konservative vielleicht nicht gerade zur Seite hat, sich ihnen aber unversehens doch viel näher sieht als Linken und Grünen, die in den 1970ern und 1980ern zumindest in der Außendarstellung sich als Träger von feministischen Postulaten vorgezeigt haben, nun aber vollends in faschistoiden Strukturen auf- und eingegangen sind.

Zumindest was Konservative betrifft, die Grund- und Individualrechte über Karriere im System stellen, so scheinen die mir nun plötzlich unvergleichlich näher. Und wenn Sahra Wagenknecht ihr Erstaunen darüber zum Ausdruck bringt, dass eine nicht gerade sympathische Figur wie Viktor Orbán die vielleicht letzte unter den EU-Regierungschefs sei, die ein Rest an Vernunft gewahrt habe, so ist das vielleicht eine konkrete Fassung dieser Paradoxie.

Was das Gift betrifft, eine Anmerkung noch: Du sagst, die Gendertruppen träten gegenüber Feministinnen mit der Parole auf, diese würden ihre Existenz abstreiten, konkret: „meine Existenz“. Damit werden dem „Diskurs“ direkt am Anfang die Argumente entzogen und er wird auf die Ebene der persönlichen Betroffenheit verschoben, also dahin, wo heutzutage 95 Prozent der Medien agieren. Die Parole liefert also nicht nur das „moralische Recht“ zur Tilgung, sie IST gewissermaßen auch schon diese Tilgung, ist Giftgas in Worten.

Das wiederum ist in seiner Verdrehung raffiniert: Die (Kapital-)Mächte, welche die Existenz der Menschheit in wohldosierten Schüben auszulöschen trachten, operieren mit Sturmtruppen, die das Land säubern unter Verweis auf die ihnen angeblich abgesprochene oder verweigerte Existenz. Dies bevor irgendein rationaler Diskurs greifen könnte, ja, bevor überhaupt — der Existenzvorwurf schließt den Diskurs auf Sachebene zuverlässig aus — ein Gespräch in Gange kommen kann. Und so rechtfertigt die der Gegenseite stets vorneweg unterstellte Tilgungsabsicht das eigene Tilgen als Reflex — es gilt ja, sich gegen einen Übergriff zu wehren —, und Reflexe sind immer schneller als Gespräche und medial zielsicher zu steuern. Darauf ist Verlass.

Der Raum für Debatten ist damit a priori geschnitten. Ein genuin faschistisches Muster, das sich eindrücklich in den Ukrainedebatten bestätigt, wo zur Hauptsache gebrüllt wird auf der Basis einer angeblich nicht zu ihrem Recht kommenden Existenz, wobei diejenige der Menschen im Donbass und in Odessa konsequent und über jedes Massaker hinweg ignoriert werden. Die durch die Landschaft brausenden Schwarzhemdtruppen Mussolinis fallen mir ein, vielleicht aber mehr noch SS-Verbände.

Aneignung des anderen

Ja, man könnte von TT-Verbänden sprechen, von Transsexualismus-Transgenderismus-Trupps oder -Trolls. Als Individuen und politisch sind die Genderismus-Aktivisten wohl die gefährlicheren als die Transsexualisten, insofern Letztere in erster Linie sich selber schädigen — unbewusst dessen, wie sehr ihr Modell der gewählten „eigenen Existenz“ und dessen mediale Ausschlachtung auch weiteren Menschen und besonders Jugendlichen Schaden zufügt, die an die technologische Machbarkeit dieser „Transumwandlung“ glauben. Erstere aber, die Genderaktivisten eben, politisieren hingegen bewusst nicht für die ganze „Community“, sondern eindeutig für sich selbst und Gleichgesinnte beziehungsweise für eine Transversion, die für sie keinen Schaden bringt, aber umso mehr für die Frauen.

Dies erklärt auch die Ablösung vom Transsexualismus aufseiten der Männer, die sich zur Frau umwandeln wollen, hin zum heute populären Transgenderismus, der auf die körperliche Hightech-Tortur, zu einer Frau umgebaut zu werden, verzichtet und sich das Frausein aneignet mittels einer simplen, eher altmodischen anmutenden Lowtech-Selbst-Deklaration auf dem Amt, „Mann fühle“ sich als solche und sei somit eine, also, aufgrund einer schlichten Lüge.

Dazu ist anzumerken, dass zu Beginn des Genderismus und des chirurgischen Transsexualismus auf zehn männliche Aspiranten eine Aspirantin sich zum Mann machen lassen wollte, während heute das Gegenteil der Fall ist: Junge Mädchen und Frauen sind die große Mehrheit, die sich die chirurgische transsexuelle Umwandlung zum Mann wünschen. Schülerinnen, die sich vielleicht mehr für ihre Freundinnen als für Jungs interessieren, wollen sich schnellstmöglich ihre wachsenden Brüste abschneiden lassen, während Transgendermänner mit intaktem männlichem Körper sich auf dem Amt als Frauen deklarieren, um sich dort die neue „Identität“ abzuholen.

Frauenverachtung und Machbarkeitswahn

Doch das Verhältnis des Transsexualismus und des Transgenderismus zu den Frauen scheint auf derselben glühenden Frauenverachtung zu basieren. Raymond zitierte schon in ihrem ersten Buch Angela Douglas, eine Transfrau männlicher Geburt, der/die sich der chirurgischen und hormonellen Behandlung unterzogen hatte. Douglas prognostizierte, genetische Frauen würden obsolet und die Zukunft gehöre den transsexuellen Frauen. „Das Einzige, was ihr noch habt, ist eure Fähigkeit, Kinder zu gebären, und in einer Welt, die im Jahr 2000 stöhnen wird, um sechs Milliarden zu ernähren, ist das kein Pluspunkt“ (6).

Raymond weist zwar darauf hin, dass diese Sicht von Douglas zuweilen als Satire begriffen worden sei, doch Douglas lehnte diese Interpretation entschieden ab. Nach der Entlassung als FBI-Informantin und von den Folgen der transsexuellen Chirurgie und Therapie zunehmend verstümmelt, kehrte er letztendlich zurück zu seinem Status als Mann und lebte bis zu seinem Tod im Jahr 2007 als Obdachloser. Soviel zum Machbarkeitswahn und zur Paradoxie, sich die „Identität“ eines Hassobjekts aneignen zu wollen.

Teil 2 zeigt rassistisches Denken beim Genderismus zu einer generellen und totalitären antihumanen Ideologie ausgeweitet und rückt Machbarkeitswahn und Eugenik in den Fokus.


Quellen und Anmerkungen:

(1) Janice G. Raymond, Doublethink: A feminist Challenge to Transgenderism, Spinifex Press, Australien, 2021, Seite 6.
(2) Ebenda, Seiten 119 und 120.
(3) Janice G. Raymond, The Transsexual Empire: The Making of the She-Male. Boston:Beacon Press; New York, Teachers Collage Press, 1979/1994. Erstveröffentlichung in Großbritannien: The Women‘s Press Limited, 1980.
(4) Raymond 2021, Seite 188.
(5) Raymond, 1980, Seiten xii-xiv.
(6) Zitiert in Raymond 2021, Seiten 22 und 23.

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