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Der suizidale Kontinent

Der suizidale Kontinent

Der US-Ökonom Michael Hudson skizziert im RT-Interview die künftige Weltordnung und macht deutlich, dass dabei vor allem Europa unter die Räder kommt.

Peter Scott: Bei uns ist jetzt Michael Hudson, Wirtschaftswissenschaftler und Autor von „Super Imperialism“ und dem kürzlich erschienen „Destiny of Civilisation“ (deutsch: Schicksal der Zivilisation). Willkommen in der Sendung, Michael.

Michael Hudson: Es ist schön, wieder hier zu sein.

Die Zukunft Europas

Angenommen diese ganzen europäischen Programme wie REPower (1) treten in Kraft — wie wird das Ihrer Meinung nach die Stellung der EU auf der Weltbühne beeinflussen?

Nun, die EU wird wirtschaftlich unter Druck geraten. Sie hat versucht, ein Kraftwerk der Weltwirtschaft zu sein. Doch in den vergangenen Monaten verlor der Euro gegenüber dem US-Dollar stetig an Wert und wird bald den Kurs von einem Dollar pro Euro erreichen. Das liegt daran, dass Europa viel in Devisen für Energie, Lebensmittel, Waffen bezahlen muss. Gemessen an anderen Volkswirtschaften ist die EU im Schrumpfen begriffen.

Was denken Sie, wie wird die EU im Vergleich zu Großmächten wie China dastehen?

Nun, sie ist offensichtlich nicht mehr im Spiel. Anstatt ihre eigenen Interessen in den Vordergrund zu stellen, priorisiert sie in Wirklichkeit die Interessen der USA. Sie agiert eher wie ein US-Satellit, als dass sie versucht, ihr eigenes Schicksal zu meistern. Vor 20 Jahren plante die EU noch, durch Investitionen in Russland und China sowie durch gegenseitigen Handel reich zu werden. Und nun hat sie beschlossen, genau das aufzugeben.

Die USA haben Europa absorbiert. Der Ukrainekrieg ist in erster Linie ein Krieg der USA mit dem Ziel, Europa ganz in ihren Einflussbereich zu ziehen, um es an Transaktionen mit Russland oder China zu hindern. So wird Westeuropa außen vor gelassen, während Russland, China und Eurasien mit dem Rest Asiens mitziehen. Europa wird einfach zurückbleiben. Es verliert seine Exportmärkte, gerät unter wirtschaftlichem Druck und hat — wie Sie gerade erwähnten — das Renteneintrittsalter erhöht, weil es sein Budget für die Aufrüstung des amerikanischen Militärs ausgibt, anstatt, wie seit 1945 üblich, in die Industrie zu investieren.

Sie haben sogar geschrieben, dass Europa aufgehört hat, ein unabhängiger Staat zu sein. Sinngemäß sagten Sie, dass die USA die Handelsbeziehungen der Europäischen Union (EU) mit Russland und China kappen wollten. Wie genau sind Sie zu diesem Schluss gekommen, und glauben Sie, dass dieser amerikanische Plan Erfolg haben wird?

Nun, ich habe einfach die Reden Präsident Joe Biden und seinem Team gelesen. Sie haben gesagt, dass China Amerikas Feind Nummer eins ist. Wenn Sie ein Land zum existenziellen Feind erklären, dann werden Sie den Handel und die gegenseitige Abhängigkeit mit diesem Land nicht fördern. Und die USA bestehen darauf, dass ihre Verbündeten den russischen Export sanktionieren — das heißt boykottieren — und zwar nicht nur den von Öl und landwirtschaftlichen Produkten, sondern auch den von Titan, Helium und all den anderen Exportgütern, die Russland hergestellt hat.

Europa folgt bis heute den Direktiven der USA, jeden Kontakt zu Russland zu vermeiden, und ohne Kontakt mit Russland wird es auch keinen Kontakt mit China geben, weil China erkennt, dass Europa mit ihm genau das Gleiche tun wird wie mit Russland.

Zwei Blöcke

Es ist offensichtlich, dass sich Russland und China aufgrund dieser Situation seit vielen Jahren diplomatisch und wirtschaftlich immer mehr annähern. Wie sehen Sie die Entwicklung einer globalen Machtverschiebung in den nächsten fünf bis zehn Jahren?

Der derzeitige Krieg teilt die Welt in zwei Blöcke. Es wird eine Dollarzone mit den USA, Europa und ein paar Satelliten geben. Und eine multipolare Zone mit Russland und China, die im Wesentlichen ihren Vorschlag Afrika, Lateinamerika und einigen asiatischen Ländern für eine andere Art der Organisation der Weltwirtschaft unterbreiten werden. Diese Länder Asiens, Lateinamerikas und des globale Südens werden sehen, dass sie mit Russland und China bessere Geschäfte machen können als mit den USA.

Andererseits könnte man auch argumentieren, dass dieser Krieg die existierende Weltordnung noch gefestigt hat. Die NATO ist sich einiger denn je, Europa ist sich einiger denn je. Finnland und Schweden wollen der NATO beitreten. Wie würden Sie darauf antworten, Michael?

Diese Integration Europas in die Sphäre der USA ist wie eine neue Berliner Mauer. Sie isoliert die USA vom gesamten Rest der Welt. Statt einen Sieg zu erringen, haben sich die USA also selbst isoliert, weil die US-Strategen erkannt haben, dass sie den Wirtschaftskrieg mit China, Russland und der ganzen Gruppe aufstrebender Schwellenländer verlieren werden. Alles, was sie noch versuchen können, ist, Europa als ihre einzige Einnahmequelle zu halten, um aus Europa das herauszuholen, was sie von keinem anderen Land mehr bekommen können.

Abgesehen davon, dass dies ein echter Krieg auf dem Schlachtfeld ist, ist es offenbar auch ein Wirtschaftskrieg. Sie haben damals selbst bemerkt, dass Nord Stream 2, die Gaspipeline von Russland nach Deutschland, eines der ersten Opfer dieser Krise war. Inwieweit erleben wir jetzt einen internationalen Konflikt um Energieressourcen? Offenbar schafft es die EU nicht, auf russische Energie zu verzichten, die USA versuchen, diese Lücke mit Liquid Natural Gas (LNG, verflüssigtes Erdgas) so weit wie möglich zu füllen. Außerdem verkauft Russland jetzt Öl an Indien und China.

Das Wichtige am Verkauf von russischem Öl an Indien ist, dass es in Rubel und nicht mehr in Dollar bezahlt wird. Der ganze Ölhandel ist nun entdollarisiert. Er wird in Rubel, chinesischen Yuan oder anderen Währungen abgewickelt. Doch der Dollar bleibt außen vor. Die ganze Idee von der Dollardiplomatie, des Trittbrettfahrens des Dollars und des Währungsimperialismus ist am Ende. Alle dachten, es würde noch zehn Jahre dauern, bis Russland, China oder ein anderes Land sich davon lösen würden. Doch die USA selbst haben sich von den anderen Ländern gelöst, indem sie sich die Devisenreserven Afghanistans, Venezuelas und jetzt Russlands angeeignet haben.

Niemand wird mehr darauf vertrauen, dass Ölgeschäfte, Handel und Investitionen in Dollar abgewickelt werden, denn die USA können sich einfach das Geld von Ländern konfiszieren, die nicht bereit sind, ihre Handelsüberschüsse amerikanischen Händlern und Investoren zu überlassen. Die Vereinigten Staaten haben sich selbst isoliert. Sie haben sich ins Knie geschossen.

Die Wirkung der Sanktionen

Apropos Währungen: Russland ist gegenwärtig das am stärksten sanktionierte Land der Welt, aber der Rubel hat sich weit über dem Vorkriegsniveau erholt. Inwieweit haben sich Ihrer Meinung nach die Sanktionen des Westens gegen Russland negativ auf die Länder ausgewirkt, die sie verhängt haben?

Für Russland waren sie sicherlich sehr positiv. Die ersten Sanktionen betrafen Agrarprodukte wie litauischen Käse. Jetzt produziert Russland seinen eigenen Käse. Sanktionen gegen ein Land zwingen es dazu, seine eigene Produktion zu verstärken. Präsident Wladimir Putin hat bereits angekündigt, dass er ab jetzt in die Importsubstitution investieren wird. Wenn er von den USA keine Importe mehr bekommt, wird er in Russland neue Fabriken errichten, um selbst zu produzieren. Russland hat keinen Grund, dies nicht zu tun und selbst eine Industriemacht zu werden. Es braucht den Westen nicht. Aber der Westen braucht Russland nach wie vor.

Sie haben erwähnt, dass Europa versucht, ohne russisches Öl auszukommen und stattdessen LNG aus den USA zu beziehen. Aber es hat noch nicht die Häfen, um dieses Gas zu importieren. Europa wird 5 Milliarden ausgeben müssen, um diese zu bauen. Das wird viele Jahre dauern. Was werden Deutschland und Europa in den nächsten Jahren tun? Lassen sie die Wasserleitungen in ihren Häusern einfrieren? Sodass die Rohre platzen und die Häuser fluten? Werden die Fabriken ihre Produktion einstellen?

Schon jetzt haben deutsche Düngemittelhersteller dichtgemacht, weil sie kein Erdgas bekommen, und es wird noch Jahre dauern, bis sie Gas bekommen könnten. Aber wie wollen die Deutschen ohne Düngemittel ihre landwirtschaftlichen Erträge aufrechterhalten? Nun, das wird nicht gehen. Europa wird also sein Nahrungsmitteldefizit vergrößern. Dadurch wird auch das Energiedefizit zunehmen.

Im Grunde genommen begeht Europa den Amerikanern zuliebe Selbstmord.

Ich weiß nicht, wie lange das politische System Europas mit Führungsgestalten durchhalten kann, die Amerika repräsentieren und nicht ihre eigenen nationalen Interessen vertreten.

Russophobie

Die Inflation und Verbraucherpreise in den USA steigen — und Joe Biden behauptet, dass Russland daran schuld sei. Aber sieht es so aus, als würden die amerikanischen Steuerzahler diese Geschichte glauben?

Die Presse hier ist sehr einseitig. Ich denke, dass viele Menschen die Geschichte glauben, weil Russland hier an der Public-Relations-Front versagt. Tatsache ist zum Beispiel, dass die Ukraine ihr Getreide nicht exportieren kann, weil sie selbst das Schwarze Meer vermint hat (2). Wenn Annäherungsminen die Schiffe im Schwarzen Meer gefährden, dann weigern sich die Versicherungsgesellschaften, die Getreidefrachter zu versichern.

Die Schuld gibt man Russland, aber die Minen hat dort nicht Russland, sondern die Ukraine platziert. Aber der Völkerhass auf alles Russische ist derart überwältigend, dass auch die Amerikaner alles glauben und die Russen für alles verantwortlich machen.

So etwas passierte auch beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Ich lebe in Forest Hills in New York City. Hier mussten die Familien ihre deutschen Namen ändern, um glauben zu machen, sie seien, zum Beispiel Schweden oder etwas anderes. Familien wie die von Donald Trump mussten vorgeben, schwedisch und nicht deutsch zu sein. Dann hatten wir im Zweiten Weltkrieg diese Internierungslager für Japaner (3).

Die amerikanische Gesellschaft ist eine Gesellschaft voller Hass, und das US-Imperium ist in Wirklichkeit ein Imperium des Hasses und der Feindschaft.

Ihre Weltsicht ist „Wir gegen die anderen“, wobei „die anderen“ zurzeit mit Russland besetzt ist.

Diebstahl

Das Konfiszieren russischer Vermögenswerte — Hunderte von Milliarden Dollar — im Westen ist sicherlich ein kontroverser Präzedenzfall. Moskau hat das „Diebstahl“ genannt. Welche Auswirkungen hat diese Situation auf die US-Wirtschaft und auf den Dollar als globale Reservewährung?

Auf die US-Wirtschaft als solche hat das überhaupt keine Auswirkungen. Sollte Russland durch diesen Diebstahl 300 Milliarden verlieren, wäre das ein großer Sieg für Russland. Denn damit hat Amerika offenbart, dass in den USA die Spareinlagen keines Landes sicher sind. Denn für jedes Land, das seinen Handel in US-Dollars abwickelt, und für jedes Land, das in den USA investiert, gilt: Folgt deine Regierung nicht dem Diktat der USA, können wir einfach dein Geld konfiszieren, genau wie wir das Geld Russlands, Afghanistans, Venezuelas konfisziert haben.

Mit ihrer Aktion gegen Russland haben die USA das Vertrauen des Auslands in die US-Wirtschaft und die Sicherheit der US-Regierung zerstört. Während der vergangenen 75 Jahre waren der US-Dollar und US-Staatsanleihen die sicherste Anlageform der Welt. Jetzt gehören sie zu den risikoreichsten. Damit hat sich die amerikanische Wirtschaft von den Volkswirtschaften Asiens, Afrikas und Lateinamerikas abgekoppelt. Die Amerikaner haben sich abgekoppelt und dennoch ist Amerika nicht autark. Für seine Versorgung mit Industriegütern ist es vom Ausland abhängig, besonders von China und den asiatischen Ländern, und bei Helium, Titan, Iridium, Palladium ... all diesen Rohstoffen, an die sie bald nicht mehr herankommen werden, ist es auf Russland angewiesen.

Amerika hat also im Grunde genommen handelspolitischen und wirtschaftlichen Selbstmord begangen. Zwar hat Russland 300 Milliarden Dollar verloren, aber es kann sich durch Enteignung vieler ausländischer Investitionen auf russischem Boden dafür entschädigen und seine Position als vertrauenswürdige Wirtschaftsmacht hat sich im Vergleich zu den Vereinigten Staaten sehr stark verbessert.

Der multipolare Block

Russland, China und Indien gehören zu den Ländern, die jetzt nach einer neuen, multipolaren Weltordnung verlangen — ohne eine starke Abhängigkeit von den USA und ihren Verbündeten. Halten Sie das für ein realistisches Szenario?

Nun, die Krise wird in diesem Sommer kommen. Jetzt, wo die Öl- und Lebensmittelpreise und die Seefrachtkosten gestiegen sind, werden Lateinamerika, Afrika und weite Teile Asiens enorme Zahlungsbilanzdefizite erleben. Diese Handelsbilanzdefizite bei Öl, Lebensmittel und Schifftransporten werden mit riesigen Auslandsschulden in Dollar bei ausländischen Anleihegläubigern und Banken einhergehen. Das wird zu einem Bruch führen.

Wenn es dazu kommt, können Russland, China und ihre Verbündeten sagen: „Wir können parallele Institutionen in der Welt schaffen. Wir können unseren eigenen Internationalen Währungsfonds gründen, um euch Kredite zu geben. Wir können unsere eigene Weltbank gründen, um echte, positive Entwicklungen zu fördern und nicht von amerikanischen Exporteuren abhängig sein“.

Die US-Politik hat andere Länder in die eurasische Einflusssphäre von China und Russland getrieben, der Iran wird sich anschließend, Indien und Indonesien werden folgen. All diese Länder werden nun etwas haben, das sie vorher nicht hatten: Sie haben ihre eigene kritische Masse. Sie können miteinander Handel treiben und gemeinsam autark sein. Sie brauchen den Dollar nicht mehr.

Das ist der Unterschied zwischen heute und den 1970er-Jahren, als die Länder der Dritten Welt zusammen mit den blockfreien Staaten versuchten, eine neue internationale Wirtschaftsordnung zu schaffen, was ihnen aber nicht gelang.. Sie hatten nicht genügend Spielraum in ihren Volkswirtschaften. Jetzt aber haben sie so viel Spielraum, um auf die USA zu verzichten. Sie werden erleben, dass der Rest der Welt sich aus der Dollarzone zurückzieht und nur Europa als Teil der US-Wirtschaft zurückbleibt — unter großen Einbußen des eigenen Lebensstandards.

Welche Länder profitieren Ihrer Ansicht nach am meisten von den anhaltenden politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen?

Profitieren ist vielleicht zu viel gesagt. Aber ich gehe davon aus, dass Russland und China die großen Gewinner sein werden. Russland ist bereits einer, denn die amerikanischen Sanktionen haben Russland gezwungen, etwas zu tun, was es schon vor einem halben Jahrhundert hätte tun können: seine eigene Konsumgüterindustrie aufzubauen, seinen eigenen industriellen Aufschwung.

Jetzt kann Russland seine eigenen Anlagen, Ausrüstungen und Fabriken bauen und mit eigenen Arbeitskräften alles das herstellen, was es früher von Europa gekauft hat. So ist es nicht mehr auf Europa angewiesen. Europa hat den russischen Markt verloren. Ohne diesen Markt sehe ich nicht, wie Europa wachsen kann, denn die USA wird keine europäischen Waren auf ihren Markt zulassen. Die USA sind protektionistisch. Europa wird in die Enge getrieben und letztlich in die russische und chinesische Sphäre eintauchen, aber es wird Jahre des Leidens brauchen, bis das geschieht.

Der westliche Block

Es wird viel von der westlichen Einheit geredet, aber es ist klar, dass sie einen wirtschaftlichen Preis hat. Wird der Druck so groß, dass sich einige Länder Ungarn und Serbien anschließen und sagen: „Genug ist genug, wir steigen aus“?

Westliche Einigkeit ist eine Einbahnstraße. Sie besteht darin, dass die USA den anderen Ländern befiehlt: „Tut, was wir euch sagen!“ Wenn andere Länder nicht tun, was Amerika ihnen sagt, werden sie als Feind behandelt. So wie es mit Ungarn geschehen ist. Sie reden davon, wie Ungarn zu bestrafen sei. Die Amerikaner verstehen es nicht, anderen Ländern etwas anzubieten, um sie für sich zu gewinnen.

Alles, was die USA sagen, ist sinngemäß: „Wir können euch bombardieren, wenn ihr nicht tut, was wir sagen. Wir haben nichts Positives zu bieten. Wir haben euch keine Handelsoptionen anzubieten. Wir können euch keine Investitionen anbieten, die nicht euer Einkommen abschöpft. Alles, was wir tun können, ist euch zu bombardieren, euch zu bedrohen, euch zu sanktionieren oder zu versuchen, euch zu schaden.“

Das ist die einzige Art und Weise wie die USA und jetzt auch Europa mit dem Rest der Welt kommuniziert. Die Beziehung ist vergiftet. Es ist eine Methode, die garantiert, dass der Rest der Welt das Weite sucht.

Denken Sie an die Zeit nach diesem Krieg: Wie sehen Ihrer Meinung nach die Beziehung zwischen den USA und Russland oder der EU und Russland aus?

Permanent feindselig für 20 Jahre, bis Europa zusammenbricht und die USA in eine lange Phase der Depression eintreten. Eine Annäherung ist nicht zu erwarten. Es wird keine Einigung geben, weil die Industrie der USA nichts außer Waffen herstellen kann. Das einzige, was die Vereinigten Staaten anderen Ländern anbieten können, sind Bomber und militärische Waffen. Nichts, womit sich der Lebensstandard erhöhen lässt. Die Situation in den USA wird von einer zunehmenden Feindseligkeit gegenüber dem Rest der Welt geprägt sein. Die große Gefahr besteht darin, dass sie eines Tages sagen: „Nun, heute jagen wir die Welt in die Luft.“ Die Leute, die für die US-Politik verantwortlich sind, denken so, seit 20 Jahren so.

Ich habe schon mit diesen Leuten gearbeitet und sie sind wirklich bereit, die Welt in die Luft jagen, wenn sie den Rest der Welt nicht zu ihren Kolonien machen können. Für den Rest der Welt ist das eine reale Gefahr und zwingt ihn, sich aus der US-Einflusssphäre zurückzuziehen.

Ich glaube, es war Henry Kissinger, der sagte:

„Es mag gefährlich sein, Amerikas Feind zu sein, aber Amerikas Freund zu sein, ist tödlich.“

Nun, der Freund Amerikas, der wirklich in Gefahr ist, ist Europa. Den Feinden wird es gut gehen, denn sie sind zumindest miteinander befreundet.


Michael Hudson ist ein amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of Missouri-Kansas City und Forscher am Levy Economics Institute am Bard College, ehemaliger Wall-Street-Analyst, politischer Berater, Kommentator und Journalist.


Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text ist eine Transkription des RT- Interviews „The Ongoing Economic War“ von Peter Scott mit Michael Hudson vom 19. Mai 2022 und erschien bei The Unz Review, mit Link auf das Interview-Video. Die Transkription wurde vom ehrenamtlichen Rubikon-Übersetzungsteam übersetzt und vom ehrenamtlichen Rubikon-Korrektorat lektoriert.

Anmerkungen des Übersetzers:

(1) REPowerEU ist ein Anfang März 2022 vorgelegter Plan, wie Europa deutlich vor 2030 von fossilen Brennstoffen aus Russland, zunächst von Gas, unabhängig werden soll. Ziel ist es, die Nachfrage der EU nach russischem Gas bereits vor Ende des Jahres um zwei Drittel zu verringern. Quelle: https://germany.representation.ec.europa.eu/news/repowereu-eu-kommission-weist-weg-richtung-unabhangigkeit-von-fossiler-energie-aus-2022-03-08_de
(2) Nur einige Häfen, nämlich dort, wo russische Angriffe zu erwarten waren.
(3) Mehr als 100.000 in Kalifornien lebende Japaner, davon 79.000 mit US-Staatsbürgerschaft, wurden von 1942 bis zum Kriegsende in Lagern hinter Stacheldraht interniert. Quelle: Daniel A. Sjursen, A true History of the United States, Seite 406 und folgende.

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