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Der schleichende Genozid

Der schleichende Genozid

Durch die Verwendung von Uranmunition im Serbienkrieg beging die NATO ein Menschheitsverbrechen.

Eine Konferenz im Juni 2018 in Niš in Südserbien brachte namhafte Experten aus dem Bereich des Völkerrechts und der Verseuchung durch Uranmunition zusammen. Nun liegt dazu ein Reader in englischer Sprache vor. Die Universität von Niš war der prominente Tagungsort der Konferenz, die sich dem Thema der völkerrechtlichen Verantwortung und zivilen Haftung für Schäden widmete, die Folge der Bombardierung Jugoslawiens mit Munition aus abgereichertem Uran sind.

Der von langer Hand geplante, mit höchster militärischer und geheimdienstlicher Präzision vorbereitete Krieg zur Zerstückelung Jugoslawiens währte von März bis Juni 1999. NATO-Mitgliedsstaaten gaben sich her zum dreckigen, blutigen Einsatz. Serbien wurde von Belgien, Kanada, der Tschechischen Republik, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Island, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Polen, Portugal, Spanien, Türkei, dem Vereinigten Königreich und den USA bombardiert. Der Krieg müsse aus „moralischen“ Gründen geführt werden, so die Lügenversion der unbarmherzigen westlichen Allianz.

Im Frühjahr 1999 sangen in den bombardierten Gebieten keine Vögel mehr und die Blätter fielen braun von den Bäumen. Die Bilder der bald danach an Leukämie erkrankten Kinder sprechen die Sprache des Todes, auch diese Kinder wollten leben, doch im Namen einer pervertierten „Moral“ müssen sie leiden und sterben.

Zielplanung im Namen der Moral?

Der Krieg gegen Jugoslawien ist in seiner Bedeutung bisher zu wenig ausgeleuchtet, obwohl es etliche mutige und kluge Autoren gibt, die zu den Weichenstellungen in den Jahren der Kriegsvorbereitung und ebenso zu den Kriegsmotiven publizierten. Rückblickende und vorausschauende Analysen stellten viele Autoren zur Verfügung, unter anderen Falco Accame, Jörg Becker, Gerhard Beestermöller, Mira Beham, Noam Chomsky, Michel Chossudovsky, Ramsey Clark, Peter Handke, Klaus Hartmann, Ralph Hartmann, Hannes Hofbauer, Diana Johnstone, Matthias Küntzel, Heinz Loquai, Dieter S. Lutz, Maria Mies, Norman Paech, Wolfgang Richter, Erich Schmidt-Eenboom, Cathrin Schütz. Für die Zukunft meint Erich Schmidt-Eenboom, die Perspektive auf einen gesamteuropäischen Friedensraum habe durch den Kosovo-Krieg einen schweren Schaden genommen, und das nicht nur materiell, sondern vor allem im Bewusstsein der Menschen und politischen Eliten in Russland.

Völkerrechtliche Verantwortung – wer trägt sie? Die NATO als internationale Organisation, die Mitgliedstaaten der NATO oder beide zusammen? An wen sind Anträge für Entschädigung zu richten? Wer haftet zivilrechtlich? Die Rückschau auf die Fakten und die Darlegung der zahlreichen Kriegsfolgen gibt auch den Blick auf die Krebsraten frei, deren Steigerung einen erschreckenden Verlauf zeigen.

Der schwere Schaden für die internationale Gemeinschaft, für die Kriegächtung, den Friedenserhalt und die rechtlichen Vereinbarungen unter den Staaten spiegelt sich in den Ausführungen der russischen Vortragenden wider. Die russischen Rechtsprofessoren legten den Konferenzteilnehmern ihre konzentrierten Kenntnisse der völkerrechtlichen Verbrechen der NATO-Allianz ohne Beschönigung vor. Die serbischen Vortragenden standen ihnen in nichts nach. Ein Genuss für die zahlreich Anwesenden!

Die Unterdrückung der Wahrheit – nicht auf Dauer

So erwähnte Marija Zekic, Rechtsanwältin aus Belgrad, die Vertuschungsmanöver, zu denen sich das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, UNEP, auf Veranlassung ihres Exekutivdirektors, Klaus Töpfer, hingab. Bakary Kante aus Senegal, Direktor einer Abteilung der UNEP, hatte in seinem Bericht darauf hingewiesen, dass die kommenden Generationen, die in dem bombardierten Gebiet leben, an Krebserkrankungen und Leukämien leiden und Fehlgeburten und Missbildungen von Neugeborenen zunehmen werden. Die NATO-Bombardierungen geschahen in einer Zeit der Aussaat, deren Ernte absolut lebensnotwendig für die Bevölkerung sei – Getreide, Sonnenblumen, Sojabohnen, Zuckerrüben und Gemüse, so Kante. Dieser Bericht sollte unveröffentlicht bleiben.

Slobodan Petkovic, ehemaliger General der jugoslawischen Armee, in der ABC-Abwehr tätig, wies auf das Handbuch für die KFOR hin: „KFOR, International Brigade, West, Depleted Uranium, Information and Instructions“. Hier werden die Soldaten vor den radioaktiven Gefahren, ausgehend von der Uranmunition gewarnt. „Das Einatmen von nichtlöslichen Partikeln von Uranstaub ist langfristig mit gesundheitlichen Folgen verbunden, inklusive Krebs und Missbildungen bei Neugeborenen.“ Gemäß Petkovic gibt es in Serbien einen offensichtlichen Anstieg an Krankheiten, deren Auftreten in einen Kausalzusammenhang mit den Konsequenzen der Bombardierung gebracht werden kann, insbesondere mit dem Gebrauch von Munition mit abgereichertem Uran.

Dr. Slobodan Čikarić, PhD, namhafter Radiologe, Präsident der Serbischen Anti-Krebs-Gesellschaft und Chefredaktor der Zeitschrift „Krebs, Vorbeugung, Entdeckung, Heilung“ analysierte den Stand des Anstiegs maligner Erkrankungen in Serbien. Durch das Monitoring des Fortschreitens maligner Tumore in Zentralserbien in der Periode von 2001 bis 2009 kam er zur folgenden Schlussfolgerung:

„Wir haben 17 bösartige Tumoren identifiziert, deren Auftretensrate größer war als 10 neu registrierte bösartige Tumoren jährlich auf 100.000 Einwohner und wir folgten dem Wachstumstrend beider Raten in der erwähnten Zeitperiode. Im Besonderen haben wir systemische Neoplasmen (Leukämie/Lymphome) identifiziert und haben den Trend des Auftretens und der Sterblichkeitsrate in der Bevölkerung beider Geschlechter und aller Altersgruppen in Zentralserbien beobachtet in der Zeit 2001 bis 2009. Das Wachstum beider Raten unterscheidet sich leicht bei allen 17 Tumoren in der Zeit 2001 bis 2005 (Latenzzeit).“

Čikarić sagt weiter, dass jedes Jahr die Anzahl der Patienten, die an Tumoren litten, im Durchschnitt um 1 Prozent anstieg, die Anzahl der Todesfälle um 1,4 Prozent und im Fall von Leukämie und Neoplasmen um 2,5 Prozent. Aber bereits in den Jahren 2006, 2007, 2008 und 2009 steigerte sich das Vorkommen und die Todesrate bei malignen Tumoren an allen Orten bei beiden Geschlechtern im Vergleich mit der vorherigen 4-Jahres-Periode: die Patientenzahl um 6,6 Prozent und die Todesfälle im Durchschnitt um 7,8 Prozent pro Jahr. Bei den systemischen Neoplasmen (Leukämie und Lymphome) ist der Anstieg noch drastischer und die Anzahl der betroffenen Patienten liegt bei 74 Prozent und die der Toten bei 139 Prozent.

Aus seiner Analyse der Situation im Jahr 2014 schließt Čikarić, dass die Anzahl der neuregistrierten bösartigen Tumore in Serbien 2,8 Mal so hoch ist wie im Rest der Welt. Das nennt er „die serbische Katastrophe“.

Prof. Radomir Kovačević, Vorstand des Instituts für Arbeitsmedizin Dr. Karajović, Belgrad, referierte über die genetischen Veränderungen in der Bevölkerung Südostserbiens als Konsequenz der NATO-Aggression im Jahr 1999. Ratomir Antonović bezeichnete die Bombardierung als verzögerten Genozid des Volkes, das auf dem Territorium Jugoslawiens und in den Nachbarstaaten lebt. Das Jahr 2019 wird ein Jahr der „Epidemie“ für Krebserkrankungen sein. Der Plan der NATO, die Serben als ethnische Gruppe drastisch zu reduzieren, würde sich vollziehen. Antonovic ist an der juristischen Fakultät der Universität Konstantin der Große in Niš mit Fragen des Sicherheitsmanagements betraut.

Nur Gerechtigkeit schafft Frieden

Aus der überwältigenden Fülle der Kriegshandlungen gegen das internationale Völkerrecht, begangen von der NATO, ergibt sich die Frage: Wer haftet für die mannigfaltigen Kriegsschäden, insbesondere für die massiv angestiegenen Zahlen der Krebserkrankungen, und wie kann eine angemessene Entschädigung für die Opfer und ihre Angehörigen erreicht werden?

In einer Art Pilotstudie untersucht der Anwalt Srdjan Aleksić die rechtlichen Möglichkeiten für Kompensationszahlungen. Damit wächst das internationale Bewusstsein über dieses Verbrechen, das niemals durch „moralische“ Erwägungen übertüncht werden kann. Moral ist gekennzeichnet durch die sittliche Haltung, nicht zu schaden und aus dieser humanen Überzeugung heraus zu handeln. Die „Außenpolitik“ der NATO-Allianz richtete sich somit direkt gegen die Friedenslehre der katholischen Kirche, wie sie im Wort der Deutschen Bischofskonferenz „Gerechtigkeit schafft Frieden“ von 1983 festgeschrieben ist. Für den katholischen Theologen Gerhard Beestermöller konnte der deutsche Bundestagsbeschluss vom 16. Oktober 1998 katholische Soldaten in Gewissensnot bringen. Durften sie an einem völkerrechtswidrigen Krieg teilnehmen?

Da in den Planungen der westlichen Kriegsallianz häufiger von „kleinen regionalen Kriegen“ die Rede ist, die man gewärtigen müsse, kann uns der Serbienkrieg als übergroße Warnung dienen. Es war ein lokal begrenzter Krieg, geführt mit einer vernichtenden Wirkung: die „nachhaltig“ angelegte Dezimierung der Bevölkerung. Analysiert man das radioaktiv-toxische Potential der verwendeten Waffen, gefriert einem das Blut in den Adern.

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