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Der Polit-Sportverband

Der Polit-Sportverband

FIA steht für „Fédération Internationale de l’Automobile“, dient allerdings dem Narrativ der Herrschenden.

Es war ja klar. So glasklar, dass ich gut und gerne bereit war, ein mittelgroßes Vermögen in einer etwas außergewöhnlichen Sportwette gegen den internationalen Dachverband für Automobil- und Motorsportklubs aufs Spiel zu setzen. Aber ich fand niemanden, der mit mir wetten wollte, dass die FIA meine Presseanfrage mit Fristsetzung unbeantwortet verstreichen lassen, also rigoros ignorieren würde.

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FIA-Banner zum Tod von Clanchefin Elizabeth II., 2022

Nun ist es zwar durchaus unfair, unsportlich und unsozial sowie rassistisch, faschistoid und totalitär oder eben auch bloß ein wenig willkürlich, deutlich unterwürfig und äußerst verlogen, Sportler von nationalen oder internationalen Wettbewerben auszuschließen, nur weil sie ihr Grundrecht der körperlichen Selbstbestimmung wahren und sich nicht zu Corona-Genstoff-Testkaninchen der Pharmamafia machen lassen wollen, also „ungeimpft“ bleiben, schlicht „Russen“ oder sonst irgendwie der falschen Meinung sind.

Allerdings ist das in der Sportwelt, die gefühlt bis vor fast drei Jahren noch Megakampagnen für Fair Play und Regenbogenfahnen der Toleranz in jede Kamera schleuderten, längst neue Polit-Normalität. Und im Fall der FIA hat es mich als ehemaligen Formel-Ford-Fahrer dann doch wieder einmal gejuckt. Nicht im rechten Fuß, aber in den Fingerspitzen. Ganz besonders nachdem mir die unterwürfig-en-vogue Lobhudelei auf einen schwerkriminellen britischen Familienclan auf der Internetseite der FIA in die Augen sprang.

Dazu kamen dann auch noch die Teilnahmebedingungen für die Dakar-Rallye. Oder wie der in Deutschland zensierte Feindsender Russia Today, kurz RT, schreibt, würde die FIA von russischen Fahrern, die beim „Dakar-Winterrennen in Saudi-Arabien“ starten wollen, eine Stellungnahme unterschreiben lassen.

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FIA-Banner pro Ukraine, 2022

„Die FIA-Community zollt Ihrer Majestät, der Queen Elizabeth, Tribut“

Nein! Was denken Sie denn? Natürlich nicht, um sich von der saudischen Kopf-Abschneider-und-Regimekritiker-Zerstückelungs-Diktatur rund um den Faschingsprinzen und Auftragsmörder Mohammed bin Salman sowie den seit Jahren von Saudi-Arabien geführten Krieg gegen die Huthis im Nachbarland Jemen, der zu einer der größten humanitären Katastrophen geführt hat, zu distanzieren. Auch nicht, um für Demokratie und gegen autoritäre Systeme wie den (Golf-)Monarchien Stellung zu beziehen, was beim Sport aber auch gar nichts verloren hätte, sondern, ja sicher doch, um sich von Moskaus Eingriff in den ukrainischen Bürger- und Stellvertreterkrieg zu distanzieren. Anders gesagt, dass „man“ die Operation in der Ukraine, den russischen Präsidenten und die Politik des Landes im Allgemeinen „nicht unterstützt“ (1).

Das teilte der russische „Rallye-Meister Sergei Karjakin“ Journalisten mit. Und, so Karjakin:

„Ich halte es für eine reine Knechtschaft. Es ist politisch motiviert. Man sagt, dass es im Sport keine Politik gibt, aber wir sehen, dass dies wieder einmal eine totale Lüge ist. Ich werde mein Land nicht aufgeben. Ich bin hier aufgewachsen, es hat mich großgezogen und zu dem gemacht, was ich bin.“

Tja, Sergei, willkommen in der Wunder-Sport-Erlebnis-Welt des 21. Jahrhunderts nach westlicher Brot-Spiele-und-Gehorsam-Manier.

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FIA-Banner mit Elizabeth-Huldigung des FIA-Präsidenten Mohammed Ben Sulayem, 2022

Aber was will man von einer Organisation maximaler Doppelmoral schon groß erwarten, die zwar keine Probleme mit dem Massensterben im Jemen unter saudischer Schirmherrschaft hat und um die Ecke durch die Wüste rasen lässt, sich aber Sätze wie diesen auf ihr Internetbanner schmiert:

„Als Reaktion auf die humanitäre und Flüchtlingskrise, die durch die russische Invasion in der Ukraine verursacht wurde, haben sich mehrere FIA-Mitgliedsorganisationen (...) mobilisiert, um das ukrainische Volk in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen.“

Noch im März 2022 konnte man unter „21 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe“ zum Beispiel lesen, dass der Jemen-Krieg sieben Jahre nach dem Ausbruch „bislang fast 400.000 Todesopfer“ forderte und sich „nach Angaben von Hilfsorganisationen mehr als zwei Drittel der Bevölkerung in einer akuten Notlage“ befinden. Zu dumm, dass das vor lauter Ukraine-Beflaggung und Russenhetze keiner mitbekommt. Auch bei der FIA nicht, obwohl das alles schon vor dem ersten Schuss der Russen auf Kiew so war. Oje, Pardon, da war gerade Corona und der Hass auf alles Ungeimpfte in der Sport- und Restwelt très chic! Und der Jemen ist und bleibt einfach am Arsch der Welt (2).

Während die FIA sogar vom fernöstlichen Fuji Speedway in Japan des „Verlustes“ der Raub-Ritter-und-Sklaven-Händler-Erbin, der Monarchistin Elizabeth II., etwa mit britischen 1926-2022-Aufklebern auf den Autos gedenkt, bekommen die Hunderttausenden im Jemen von der FIA was genau gezollt? Nein, keine vergoldeten Reiskörner, Renn-Panzer oder Solidaritäts-Aufkleber. Ich vermute Hohn und Spott durch Ignoranz des Rallye-Zirkus in der Wüste dekadenter Scheich-Despoten. Oder vielleicht wird ja die eine oder andere Salut-Salve in blau-gelber Beflaggung mit einem regenbogenbunten FIA-Logo in den Jemen geschossen, während FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem und seine Organisation dem britischen Herrscherhaus im Windschatten verbal noch schneller von hinten angebiedert kommt.

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FIA-Banner in Gedenken an den Tod der britischen Monarchin Elizabeth II., 2022

Augen zu, Ohren zu und mit Vollgas durch

Bevor ich es und mich vergesse, da war ja was. Nämlich meine Presseanfrage vom 15. September 2022 um 14 Uhr 32 mit wortlos verstrichener Fristsetzung von fünf Tagen in etwa um dieselbe Zeit. Und die ging so:

  1. Der internationale Dachverband für Automobil- und Motorsportklubs, kurz FIA, zollt der kürzlich aus dem Leben getretenen Frau Elizabeth Alexandra Mary, besser bekannt als Elizabeth II., auf der Webseite des Verbandes ihren Tribut. Was hat die Verstorbene für die FIA geleistet oder welche besondere Verbindung besteht zwischen der britischen Monarchie und dem Automobilverband, um der Verstorbenen diese Aufmerksamkeit und Tribut zu zollen?
  2. Wie begründet die FIA ihre zum Ausdruck gebrachte Ehrerbietung und Hochachtung gegenüber der verstorbenen Vertreterin eines mit viel Blut besudelten sowie von Unterdrückung geprägtem und totalitären Herrschaftshauses, und wie versucht die FIA das mit angeblich westlichen Werten in Einklang zu bringen?
  3. Wieso distanziert sich die FIA nicht laut und deutlich vom antidemokratischen Monarchismus, einem System, das nicht nur auf Willkür, sondern auch auf jahrhundertelanger Sklaverei, Raub und Ausbeutung basiert, also eines menschenverachtenden Unrechtssystems, verlangt aber von russischen Rennfahrern, das militärische Eingreifen der Russischen Föderation in den ukrainischen Bürger- und Stellvertreterkrieg schriftlich zu verurteilen, wenn sie denn an der Dakar-Rallye teilnehmen wollen? Oder handelt es sich dabei um eine Falschinformation durch den russischen Quad-Rallye-Fahrer Sergei Karyakin?
  4. Hat die FIA seit ihrem Bestehen ähnliche politische Distanzierungen in schriftlicher Form von Fahrern bei den zahlreichen völkerrechtswidrigen Kriegen der letzten Jahre, etwa im Krieg gegen Serbien, den Irak, Afghanistan, Syrien oder Libyen von Nato-Staaten wie den USA, Frankreich oder Großbritannien und ihrer Verbündeter verlangt und wenn nein, warum nicht und wie begründet die FIA in diesem Fall ihre offensichtliche Doppelmoral?
  5. Plant die FIA nun auch von Fahrern aus Israel, Saudi-Arabien, der Türkei oder anderen kriegsführenden Ländern oder von Motorsportlern aus Staaten, die in Nachbarstaaten einmarschieren, diese bombardieren oder militärisch besetzen, ähnliche Distanzierungen in schriftlicher Form als Startbedingung einzufordern, und wenn nein, warum nicht?
  6. Ist die FIA eine politische Organisation, oder wo genau wird in den Regularien der FIA geklärt, dass ein derartiges politisches Gebaren gegenüber einem Herrscherclan oder einer offenen Parteinahme bei Kriegen und Konflikten zum Aufgabenbereich eines Automobilsportverbandes gehört?
  7. Jeder echte Demokrat und faire Sportler müsste die FIA wegen ihres antidemokratischen, parteiergreifenden und unsportlichen Verhaltens boykottieren, oder plant die FIA, sich von ihrem politischen Aus- und Irrflug zu verabschieden, sich bei den Betroffenen zu entschuldigen sowie personelle Konsequenzen zu ziehen, und wenn nein, warum nicht?

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Flo Osrainik, Internationale Deutsche Formel-Ford-Meisterschaft, 1999

Mein Presseausweis ging dann mit obligatorisch freundlichen Grüßen mit den Fragen direkt an die Presseabteilung der FIA. Gebracht hat es nicht viel, worauf ich doch so gerne mal ein ordentliches Sümmchen gesetzt hätte. Na ja, vielleicht versuche ich mich mit regulären Sportwetten, etwa einem Finale des Fußball-Schmierentheaters unter Leitung des SchiedsrichterInnengespanns Robert Habeck und Annalena Baerbock zwischen einer zusammengerafften katarischen Kicker-Söldner-Truppe und einer geschickt eingefädelten Finalteilnahme Saudi-Arabiens im vorweihnachtlichen Gedenken an die (Herunter-)Gefallenen der WM-Baustellen von Katar vor einer zu jedem Mist klatschenden Horde quer durch sämtliche Wohnzimmer und Fußballfreiluftsaunen.

Mein Gewinn würde dann übrigens restlos an die Hinterbliebenen der Fifa-Sklaven und die hungernden Jemeniten gehen, auch wenn mich das zum ausgewiesenen Rechtsextremen, Russenfreund, Whataboutisten und Querdenker macht. Aber vielleicht habe ich einfach nur noch alle Tassen im Schrank.


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Quellen und Anmerkungen:

(1) https://test.rtde.tech/international/148979-russischer-rennfahrer-fur-dakar-gesperrt/
(2) https://www.domradio.de/artikel/jemen-krieg-fordert-bislang-fast-400000-todesopfer

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