Menü
Unterstützen
Der Papst als Hoffnungsträger

Der Papst als Hoffnungsträger

Gegen den humanistischen Papst regt sich massiver Widerstand — auch in den eigenen Reihen.

Hierfür setzt sich der argentinische Jesuit Jorge Bergoglio seit März 2013 als Papst Franziskus in einzigartiger Weise unermüdlich ein.

Er ist dabei, die Kirche grundlegend zu reformieren, von ihren Feudalstrukturen zu befreien und sie wieder als glaubwürdige Gemeinschaft in der Nachfolge Jesu Christi zu etablieren. Sein Lebensstil ist äußerst einfach und bescheiden, sein tägliches Arbeitspensum gewaltig. In den eigenen Reihen wächst ein massiver Widerstand, gleichwohl wächst in außerkirchlichen Kreisen das Ansehen von Papst Franziskus von Tag zu Tag. Eine der bedeutendsten Persönlichkeiten in dieser krisenhaften Zeit.

Inzwischen hat Papst Franziskus im Vatikan wie kaum einer seiner Vorgänger aufgeräumt. In den eigenen Reihen bahnt sich eine Revolution an.

In seiner Ansprache beim Weihnachtsempfang für die Römische Kurie, am Montag 21. Dezember 2015, sagte Papst Franziskus:

„Die Spiritualität ist das Rückgrat jeglichen Dienstes in der Kirche und im christlichen Leben. Sie ist das, was all unser Wirken nährt, es stützt und es vor der menschlichen Hinfälligkeit und den täglichen Versuchungen schützt. (...) Die Barmherzigkeit (möge) unsere Schritte lenken, unsere Reformen inspirieren und unsere Entscheidungen erleuchten. Möge sie die tragende Säule unseres Wirkens sein. Möge sie uns lehren, wann wir vorangehen und wann wir einen Schritt zurück tun müssen. Möge sie es sein, die uns die Geringfügigkeit unserer Handlungen im großen Heilsplan Gottes und in der Erhabenheit und geheimnisvollen Wirklichkeit seines Werkes verstehen lässt.“

Papst Franziskus strebt keinen neuen theologisch-dogmatischen Glaubenskurs an, sondern er wirkt als vertrauensvolle Orientierungspersönlichkeit für alle Menschen auf der Erde gleichermaßen und unterschiedslos gültig.

Im Jahr 1986 war der damals fast 50-jährige Rektor der Theologischen Hochschule San Miguel, Argentinien, Jesuitenpater Jorge Bergoglio einige Monate in Deutschland, wo er an der Jesuitenhochschule St. Georgen bei Frankfurt Forschungsstudien über Romano Guardini durchführte. Damals bin ich Jorge Bergoglio in St. Georgen zum ersten Mal begegnet und seither sind wir in Verbindung geblieben. Alle Spekulationen über eine angebliche Dissertation entbehren jeder Grundlage.

Sein Pontifikat ist einmalig in der Kirchengeschichte und führt bei den Menschen zu Irritationen, die an überholten Traditionen und Glaubenssystemen festhalten, die ihre Religion für die bessere halten. So hat es zum Beispiel der Oberbayer Kurienkardinal Joseph Ratzinger, von April 2005 bis Februar 2013 Papst Benedikt XVI., in seinem unmenschlichen Papier „Dominus Iesus“ aus dem Jahr 2000 formuliert und damit Andersgläubige auf eine niedere Stufe verwiesen.

Für Papst Franziskus bestehen keinerlei Abstufungen und Unterschiede.

Und das verärgert die im Luxus lebenden Kirchenfürsten, welche die Botschaft Christi weitestgehend missbraucht haben.

Unseriöser und fragwürdiger Journalismus

Der am 11. Februar 1942 in Buenos Aires geborene Investigationsjournalist Horacio Verbitsky ist Kolumnist der Wochenzeitschrift „Pagina/12“.

Von 1973 bis 1977 kämpfte er unter diversen Decknamen wie „Pierro“, „Santillán“, „Alberto“, „Roberto“ unter anderem als Montonero-Guerillero. Zeitweise war er Chef des Geheimdienstes mit dem Sitz in Lima/Peru. Seine Organisation und Teilnahme an Attentaten gegen Militärs hinderte ihn nicht, gleichzeitig publizistische Beiträge für dieselben Militärs zu verfassen. Einer seiner Mitkämpfer, der Guerillero Martin Gras, Deckname „Chacho“, nannte ihn in einer Zuschrift an die Zeitung La Repubblica am 29. August 2005 einen Verräter, „der direkt verantwortlich ist für die Ermordung zahlreicher Guerilleros“.

Dieser dubiose Charakter beschuldigte Papst Franziskus: „Jorge Bergoglio hat während der Diktatur Mitte der 1970er Jahre als Jesuitenoberer seine Mitbrüder bei der Militärjunta angeschwärzt, die er selber in die Elendsviertel schickte, die dann gefangen genommen und erst nach schweren Folterungen freigelassen wurden. Er ist ein großer Schauspieler, der um des dramatischen Effekts willen Bahn und Bus fährt, alte Schuhe und gebrauchte Kleider trägt, aber lediglich ein hemmungsloser Populist ist.“

Diverse Journalisten verbreiten daraufhin diese Gerüchte als Fakten — ein besorgniserregender Zustand. So schrieb die Süddeutsche Zeitung am 14. März 2013 unter anderem:

„Neuer Papst mit umstrittener Rolle während der Diktatur in Argentinien“.

Die taz in Berlin titelte am 15. März 2013:

„Bergoglio spielt ein doppeltes Spiel“.

Der SZ-Journalist Matthias Drobinski schrieb am 18. März 2013:

„Die Wahrheit zu verschweigen ist schlimmer, als mit falschen Urteilen konfrontiert zu werden...“

Papst Franziskus soll auf verschiedenen Gebieten demontiert werden. So kommentierte der Katholik und Co-Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, Professor Dr. jur. Heribert Prantl, in der SZ-Wochenendausgabe vom 9./10. April 2016 das nachsynodale Schreiben von Papst Franziskus „Die Freude an der Liebe“ unter der Überschrift:

„Bitter, unbarmherzig und ohne Liebe“.

Ich sendete daraufhin am 9.April ein Schreiben an Herrn Dr. Prantl:

„Sehr geehrter Herr Professor Prantl,
Ihre Deutung der aktuellen Publikation „Amoris Laetitia“ aus der Feder von Papst Franziskus macht deutlich, dass Sie den Text nicht gelesen haben. Sie manteln sich zum Anwalt der Homosexuellen auf, deren „Ehegemeinschaft“ angeblich sündhaft sei. Das sind allenfalls Worte des deutschen Kurienkardinals Gerhard Ludwig Müller; Papst Franziskus hat diese diskriminierende Gesinnung nicht.
Es ist geradezu unverschämt, Papst Franziskus als „unbarmherzig und ohne Liebe“ zu titulieren.
Papst Franziskus hat mit keinem Wort den Homosexuellen ihre Liebe verweigert. Das ist Ihre willkürliche Auslegung.“

Es gab weitere solcher gefärbten Meldungen bei der Süddeutschen Zeitung, so zum Beispiel zum angeblichen „Rauswurf“ von Kardinal Müller, auf die ich ebenfalls in entsprechenden Schreiben antwortete und um Richtigstellung des verzerrten Bildes bat.

Enden möchte ich jedoch mit meinem Schreiben an Papst Franziskus, in dem ich auf die Gewalt und den Terror in der Welt eingehe, aber auch Hoffnung hege auf eine neue Orientierung und dass jeder Mensch seine innere Heimat findet:

Gewalt und Terror in der Welt

Verehrter, lieber Bruder Franziskus!

Seit dem Jahr 1650 wird in der Fuggerstadt Augsburg das Friedensfest gefeiert – ein offizieller, lokal beschränkter Feiertag, seit über 350 Jahren jeweils am 8. August. Das Fest erinnert an die Leidenszeit der evangelischen Bevölkerung im Dreißigjährigen Krieg, als das katholische Stadtregiment am 8. August 1629 alle evangelischen Kirchen schließen und die Prediger ausweisen ließ. 14 Jahre lang war ein Gottesdienst in Augsburg so nur unter freiem Himmel möglich.

Der Augsburger Religionsfriede vom 25. September 1555 gab den Landesfürsten endgültig das Recht, auf ihrem Gebiet die Konfession zu bestimmen: „Cuius regio, eius religio“ („wessen Gebiet, dessen Religion“).

Der Friede unter den großen Weltreligionen ist heute Ihr großes Herzensanliegen, und dazu haben Sie in den letzten 3 ½ Jahren Ihres Pontifikats Einzigartiges beigetragen.

Von unqualifizierten bzw. unwissenden Journalisten werden Sie in diversen Medien kritisiert, weil Sie auf Ihrem Rückflug vom Weltjugendtag in Krakau sehr klug gesagt haben, den Islam nicht mit Gewalt gleichsetzen zu wollen. Zu Recht haben Sie erwähnt, dass in katholisch-christlichen Kreisen auch Terror und Gewalt zu beklagen sind.

Es ist bedauerlich, dass ein Großteil der Ihnen Zuhörenden offenbar Ihre Botschaft nicht versteht. Sie sind ein Hoffnungsträger für die neue Generation in unserer Welt. Und mit sehr viel Empathie, Barmherzigkeit und Freude führen Sie zahllose Menschen verschiedenster Religionszugehörigkeiten an ihre Wurzeln zurück, wo ursprünglich der Friede im Herzen beheimatet ist.

Sie betreiben keine Neu-Evangelisierung mit einer veränderten Auswahl von Bibelsprüchen, um ein außerirdisches Himmelsparadies zu verkünden, das weder Sie noch jemand anders kennt. Das gilt genauso für Muslime, die sich mit Allah identifizieren und rechtfertigen.

Im Koran, im Alten Testament, in diversen so genannten Heiligen Schriften anderer Kulturen, kann jeder Passagen finden, die zur Gewalt animieren.

Der berühmte muslimische Sufi-Meister Hazrat Inayat Khan (1882 bis 1927) hat der Welt Worte hinterlassen, die tief in das Herz jedes Menschen eindringen:

„Alle Menschen sind Teil eines Bewusstseins; sie haben einen Ursprung und ein Ziel, obwohl der Geist in unterschiedlichen Körpern gefangen ist. In dem Augenblick, wo du mit dir selbst in Verbindung kommst, bist du in Verbindung mit Gott. Wenn irgendwo ein Königreich Gottes gefunden werden kann, dann nur im eigenen Selbst. Das äußere Leben ist nichts als der Schatten der inneren Wirklichkeit“.

Sie versuchen mit bewundernswerter Energie und Geduld, den Menschen im Innersten Halt und Orientierung zu geben, damit die Suche und der Streit an der Peripherie der Weltsensationen ein Ende finden.

„Das Königreich Gottes ist inwendig in Euch!“ (Lukas 17, 21)

„Der Weise sucht, was in ihm ist, der Tor, was außerhalb!“ (Konfuzius)

Die Menschen werden umdenken müssen, um das obige zu begreifen. Auch zahllose Medienvertreter werden von Ihnen zu lernen haben, dass Sie menschliches Unrecht verurteilen, aber es nicht einer religiösen Herkunft zuordnen. Der Mensch der Zukunft benötigt eine verlässliche innere Heimat, wozu eine besondere geistige Führung und Schulung notwendig ist und eine überholte dogmatische Theologie überflüssig wird.

Mit sehr dankbaren Grüßen und herzlichen Wünschen
Ihr Roland Ropers

Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.
Creative Commons Lizenzvertrag

Wenn Sie unsere Arbeit unterstützen möchten, können Sie hier eine Spende abgeben. Da wir gemeinnützig sind, erhalten Sie auch eine Spendenquittung.