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Der Gottesersatz

Der Gottesersatz

Da die materialistische Moderne aus der natürlichen Einheit alles Lebendigen herausgefallen ist, versuchen Machthaber künstliche Gleichförmigkeit zu erzwingen.

Inhalt oder Macht? Das ist sicher die entscheidende Frage, die uns beschäftigt seit dem Paradies und der Lüge der Schlange: „Ihr werdet sein wie Gott.“ Macht ist wie eine Matrix, sie lenkt unsere Vorstellungen und unser Verhalten; als Verführte lassen wir uns dann einweben in menschengemachte Systeme, deren Anforderungen wir verinnerlichen, in denen wir leben und denen wir zu genügen suchen. Hin und wieder dringen Anfragen an uns heran, die das System anzweifeln. Doch oft bleiben wir eine Antwort schuldig und wehren ab, das fällt nicht weiter auf.

Wer meint, zum System zu gehören, und keine Fragen zulassen will, braucht hier nicht weiterzulesen — für ihn ist dieser Text nicht bestimmt.

Macht ist bloß ein leeres Formalprinzip und ohne konkreten Inhalt; sie ist die sinnleere, moderne, weltliche eine Lösung für alle Probleme. Es heißt dann: „Der Mensch macht's!“ Im Deutschen — welch ein Glücksfall! — verrät schon das Wort Macht, dass es von „machen“ kommt. So ist die Menschenzentriertheit von Macht offenbar und damit die Verhaftung in Halbheit, Lüge, Neid, Gier, Gewalt, kurz: Sünde. Hatte einst — welch ein Segen! — der heilige, durch und durch gute Gott allein die Macht, soll, nachdem man Gott abgeschafft hat, der Mensch alle Macht haben, es ist ja auch sonst keiner mehr da.

Gott lehnt seit jeher „die Macht“ ab: Er lässt sich kreuzigen und töten, lässt Seine Schöpfung vergewaltigen, ja, Er lässt zu, dass in dieser Welt Böse die Macht übernehmen — um sie am Ende mit einem einzigen Hauch und Halbvers zu beseitigen (Offenbarung 20,9b) und so zu zeigen, dass alle Macht nichts ist, nichtig und wertlos, weil allein Er sie hat.

Macht kann sich mit allem und jedem verbinden, Inhalt nicht. Macht ist wie Geld: Geld steht auch für alles, es hat in sich keine Bedeutung, man kann es weder essen noch davon leben, nur indirekt — und doch scheint es jeder zu brauchen, dieses „Leben um die Ecke herum“.

Man kann das Leben auch nicht selber machen, und warum es sich vor dem einen auf eine bestimmte Weise entrollt und vor dem anderen ganz anders, weiß man nicht, kaum einmal liegt es überhaupt in der eigenen Hand. Selbstermächtigung erweist sich damit als Illusion im Hinblick auf das „Eigene“, genau wie jede Macht Illusion ist im Hinblick auf das „Andere“, denn für das Leben spielt Macht keine Rolle — man kann niemanden zwingen, einen bestimmten Weg zu gehen oder nicht zu gehen, nicht zwingen zur Annahme eines Geschenks noch zum Verschenken, nicht zum Denken eines Gedankens noch zur Ablehnung desselben, nicht zur Liebe noch zum Leben. Zwingt man ihn aber doch, ob durch Drohung, Lüge oder Manipulation, so tut man dem Menschen Gewalt an.

Macht löst Probleme nicht wirklich, sie beseitigt sie höchstens, vernichtet und schafft damit neue. Da Macht an sich keinen Inhalt hat, kann sie allem dienen, dem Bösen wie dem Guten.

Macht ist in sich abstrakt, deshalb ist sie für das Heil unbrauchbar; für Christen ist ihr Gebrauch sogar höchst gefährlich, wie man immer wieder sehen kann selbst an den besten Christen, wenn sie Macht haben oder sobald ihnen Macht übertragen wurde.

Da diese Welt auf Macht ausgerichtet ist, erlernt man Anpassung und Vorteilsnahme von Kindesbeinen an — nur beherrscht es der eine besser als der andere, und wer nicht mitmacht, ist schnell draußen. Umtriebe der Macht erkennt man meist erst dann, wenn man sich dem System entzieht.

Macht ist eng verknüpft mit dem So-geworden-Sein der Person, die sie ausübt; ohne das Werden und das Wesen eines Menschen ist sie nicht zu denken. Das Ich ersetzt, was der Macht an Inhalt mangelt — und das Ich krankt an der Ursünde; als das Unvollkommene, Bedürftige, Hungernde ist es voller Gier nach dem Sichfüllen, der Überdeckung der inneren Leere.

Da die Macht nur jene strahlen lässt, die sich an die von ihr gesetzten Regeln halten, richtet sie sich gegen das Leben.

Sie schaut nicht auf die Person, sondern auf Übereinstimmung mit ideologisch Gewolltem. Die Karrieristen in einem System wissen genau, wie sie sich die Vorteile sichern und die Nachteile umgehen; sie wissen, was sie sagen und wie sie reden sollen, mit wem sie Seilschaften bilden, wen sie meiden und über wessen dumme Witze sie lachen müssen. Aber auch wenn einer in diesen menschlichen Systemen zu einer ungeheuren Machtfülle gelangt, ist er doch meist ein armer Wurm, seiner Freiheit und Würde beraubt, man kann ihn nur bedauern.

Die Moderne neigt dazu, alle Unterschiede — und damit die Probleme — aufzulösen zu abstrakten, leeren Begriffen; an die Stelle der Unterschiede tritt ein Abstraktum, das die Unterschiede nivelliert und über ihnen schwebt. Solch ein Abstraktum ist Macht. In der Gesellschaft ausgeübt, ist sie ein totalitäres Prinzip, dazu grausamer als alles, was es zuvor zwischen Einzelpersonen auf dieser Erde gab, denn sie lässt Unterschiede des Inhalts nicht zu. Die Auseinandersetzung um das Andere wird dann nicht mehr ausgetragen im manchmal kriegerischen Wettstreit, auch nicht demokratisch ausgehandelt, sondern durch die Macht neu gesetzt. Zwang tritt dann an die Stelle der Freiheit — was dem Einheitsprinzip eines solchen Denkens nicht freiwillig gehorcht, wird gezwungen.

Macht lässt überall alle Unterschiede schwinden. Alle sollen nun gleich sein, ohne es aber je zu sein.

Gleiches Nebeneinander jedoch ist tödlich, unkommunikativ und Anlass zu Streit; Gleichberechtigung ist in ihrem Fundament asozial, da sie zum Sozialdarwinismus überleitet.

Die Mächtigen suchen die Einheit der Welt im Formalen, denn dann können sie ungehindert herrschen. Der Mensch ist nun nicht mehr Mensch aufgrund seiner Inhalte, seiner Kultur et cetera, sondern weil die äußere Erscheinung ähnlich ist. So meint man dann, der Afghane wäre wie der Sachse, der Mann wie die Frau oder Landbau in Indien wie Landbau in Finnland. Wie dumm das ist, fällt nicht auf — im Gegenteil: Das ist Strategie.

Wir hören, die EU lasse alle Unterschiede der Kulturen zu — tatsächlich aber findet das Gegenteil statt: überall dieselben Normen, dieselben Produkte, dieselbe Kultur. Ist es nicht im Christentum anders gewesen?

In der Welt haben sich alle Unterschiede verloren, wurden durch die jeweilige Macht weggeregelt. Geblieben ist: „Dasselbe für alle überall“; ein Konkretes wurde zum Allgemeinen — „Heil für Alle“, lautet es verkürzt, „alle kommen in den Himmel“; und wir erinnern uns an „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“.

Innerhalb dieses totalitären Denkens hält sich die Lüge von der Wahrung der Unterschiede dennoch hartnäckig. Warum glaubt man ihr? Wahrscheinlich liegt es daran, dass das Andere und die Unterschiede uns Angst machen; lieber wollen wir uns selbst im anderen bespiegeln. Schon in der Ehe ist das ein Problem. Da ist es doch angenehmer, sich selbst in mehreren und vielen zu spiegeln — so bleibt einem die Auseinandersetzung mit dem anderen erspart. Lieber viele Götter und Ideen als einen und eine, es regiert die Angst. Die selbstvergessene Liebe zu leben als Überwindung der Unterschiede, weil diese in Schöpfer und Schöpfung eingeschrieben sind, diese Gotteswirklichkeit des Christentums wird geleugnet, abgelegt und ist verloren.

Wo kein Inhalt ist, muss man auch nicht miteinander ringen; und nun garantieren leere Phrasen und „Apersonalität“ sogar den Weltfrieden. Doch was für ein Frieden ist das? Es ist die Lüge unserer Zeit, wenn die Mächtigen beteuern, unter ihrer Herrschaft, unter ihrer Macht blieben alle Unterschiede gewahrt. Die Geschichte hat bisher nur den Beweis des Gegenteils erbracht, selbst bei der besten Absicht, die Einzelne gehabt haben mögen. Gemeint ist ja in Wahrheit immer noch: „Alle sollen so werden, wie ich bin.“ Macht wird nämlich immer ausgeübt von geistig eng begrenzten, beschränkten Individuen, die für ein paar Jahre sich selbst als absolut setzen; sie können auch gar nicht anders, weil sie den Gott über sich abgeschafft haben und ihnen systembedingt jedes Verständnis für andere und jede Demut fehlt. Ihr Selbst ist ihnen Gott, sie sind selber Gurus und Götter.

Leert man alle Inhalte aus und erhebt leere Begriffe zum universell geltenden Prinzip, so sind der Macht keine Grenzen mehr gesetzt, denn der Mächtige muss sich nicht mehr mit echten Personen befassen noch echte Fragen beantworten. Vor diesem Hintergrund wird nun alles zusammengeführt, es wird überall den reinen Formalien unterworfen, die dann das gesamte Leben prägen — und die kulturvernichtend sind.

Weltgesundheitsorganisation (WHO), World Economic Forum (WEF) und Vereinte Nationen (UN) samt einem entleerten Christentum der Ökumene und des „Einen für alle“ formulieren Strategien für alle Menschen, Ideen von der Transformation ihrer Lebenswelt — all das ist faschistoid und folgt einer rein ökonomischen Logik.

Weil Inhalte nicht wichtig sind und alles Personale eingeebnet ist — denn es sind ja alle gleich —, muss man sich nicht mehr mit der Wirklichkeit befassen; dann werden anderslautende Standpunkte rigoros abgewehrt. Begründen kann man es nicht und muss auch nicht. Doch je inhaltsloser unsere Welt geworden ist, umso schmieriger und klebriger die Denunziation. Einen Einwand kann man jetzt getrost abtun mit einem Argument ad personam als Verschwörungsmythos oder den Kritiker mit der Nazi-Keule zum Schweigen bringen.

Dass der Kaiser nackt ist, bemerkt heute nicht einmal mehr das kleine Mädchen, denn von Kindesbeinen an lernen wir zu hantieren mit den Phrasen, die man zur Sicherung des eigenen Fortkommens daherzuplappern hat.

Der inhaltslose, unkonkrete, vom Aristotelismus geprägte Westen ist dem Formalismus verfallen; er vernachlässigt Inhalt, Zusammenhang und Ausrichtung, die eine Sache logisch erst zu einer Sache machen. Die Aufklärung setzt das Vertrauen in die Sinne; sie sagt, was gleich aussehe, das sei auch gleich. Carl Gustav Jung mit seinen Archetypen folgt ebenfalls dem Prinzip „gleiche Erscheinung — gleicher Inhalt“. Kategoriale Feststellungen wie zum Beispiel Homosexualität weisen diesen grundlegenden Denkfehler auf — per Namensgebung werden Zusammenhang und Ziel ausgeklammert.

Die Zuweisung „Das ist Homosexualität“ — oder was auch immer — ist keine glückliche Wahl, sondern eine Auswahl; aufgrund der Vielgestalt des Lebens und der dahinterstehenden noch viel größeren Vielgestalt des Menschen reicht es jedoch nicht aus, sich lediglich mit dem Phänomen zu beschäftigen, denn diese Klassifizierung anhand der Phänomene dringt nicht unter die Oberfläche, sondern kategorisiert nach dem Anschein einer Sache und hilft nicht weiter, denn dazu müsste erkennbar sein, zu welcher Fehleinschätzung der Wirklichkeit Gottes das jeweilige Phänomen führt.

Für den Staat ist die Frage nach der Wahrheit nicht lösbar, weil er die Religion abgeschüttelt hat; folglich kann er heilsentscheidende Fragen auch nicht beantworten und ändert daraufhin die Gesetze, ordnet sie inhaltsleeren Zielen wie Gleichberechtigung, Gesundheitsschutz oder Freiheit unter. Ihm ist das Ziel aus dem Blick geraten, und auch die Führer der westlichen Kirchen und Konfessionen verstehen ihre eigene Botschaft vom Heil Gottes nicht mehr, sondern übernehmen die Regeln der Welt als göttliche und stimmen ihnen zu, da sie selber keine andere Ordnung ihres Geistes mehr anerkennen.

So schließt sich der Kreis der Heillosigkeit der Welt, die keine Lösung mehr findet außer der des Zulassens der Macht ihrer Menschen. Jeder Mensch ist nun dadurch „erlöst“, dass er Macht hat (Empowerment). Das erwiesenermaßen Monströse dieser Einstellung wird geflissentlich übersehen; man erfährt sich selbst nicht als bedürftig, will sich auch nicht dafür halten, sondern sieht sich berufen zum Macher und Gestalter — und darum sind die Früchte der Macht unumgänglich und stets Monströsitäten aller Art.

Wenn dagegen wie im Christentum die Formen mit konkreten Inhalten gefüllt sind, haben es die Mächtigen schwer, denn sie müssen sich an die Inhalte halten und damit die Würde der Person wahren. Daher hat man die Inhalte bekämpft — Erbsünde, Sünde, Dreieinigkeit, Gott, Staat, Recht, Gerechtigkeit, Kultur, Tradition und so weiter — und sie mittels Toleranz aufgelöst in Vieldeutigkeit und Beliebigkeit. Wer dem nicht folgt, wird kaltgestellt, totgeschwiegen, sozial erledigt, aus dem Weg geräumt.

Die Geistesgeschichte können wir also auch begreifen als Kampf der Macht — „Mächte und Gewalten“ — gegen Gott; und nun versteht man auch, warum Gott selbst unbedingt durch Verrat und Verleumdung, Folter, Kreuz und Tod den Weg der Machtlosigkeit gehen musste.

Die Wiederherstellung zum Ebenbild Gottes — der Eingang und Zugang zum Himmelreich — setzt ebenfalls formal etwas voraus: nämlich das ständige Überspringen des Ich mit seinen Leidenschaften, also die ständige Selbsttranszendierung, die in der Beichte gegeben ist oder im Mitleben des Kirchenjahres mit seinen Gebets- und Fastenzeiten und Festen. Das Formale hat hier aber immer seinen Inhalt, hat Person und Ziel: Christsein ist ein konkreter Inhalt. „Christus“, „der dreieinige Gott,“ das sind keine leeren Umschreibungen.

Wenn es um die Inhalte geht, kann man die Unterschiede nicht auslassen; man muss hinschauen, sich damit beschäftigen und sich der Wirklichkeit aussetzen — und nach dem Unterscheiden entscheiden. Dabei ist Gott universal, der Mensch aber nicht. Die Universalität Gottes ist etwas völlig anderes als die Universalität des Menschen und der Menschheit, die ohne Gott zum totalitären Faschismus werden muss.

Hülsen, Formalismus, Phrasen, sinn- und inhaltsleere Strategien sind das Handwerkszeug der Macht; sie füllt sie mit den Inhalten, die ihr selber in die Hände spielen. Diese Macht ist heute global, ungebremst, rücksichtslos und gesichtslos. Begegnen kann man dieser leeren Welt der Macht nur mit einem Sprung in die Inhalte; von ihnen her und auf sie hin muss man sprechen und leben, alles andere ist Unrat der Dämonen. In der Welt dagegen werden die dümmsten und längst überwundenen Einfälle wieder hervorgeholt durch die nachgeborenen neuen Eliten, denen man nicht mehr die bewährten Inhalte beigebracht hat, sondern das Streben nach persönlichen Zielen und nach Macht. Welch ein großartiger Trick!

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